Unikater Erlen-Kessel in spezieller Konfiguration

ddrum Reflex Uptown Shell-Set im Test


Das ddrum Reflex Uptown Shellset besitzt Kessel aus Erle und bietet einen Mix aus klassischen wie modernen Trommelgrößen bei den Toms und Floor-Toms.

Drumset
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Wie das Shellset in verschiedenen Stimmungen klingt und ein paar interessante Details zeigt euch Alex Vesper in unserem Videotest des ddrum Reflex Uptown Shellsets.

Konstruktion

Zum Test erhielten wir die sechsteilige „Uptown“-Setkonfiguration als Shell-Set (Kesselsatz ohne Hardware) mit Snaredrum, Bassdrum zwei Toms und zwei Floor-Toms im Natural Alder Gloss Finish. Toms/Floor-Toms und Bassdrum/Snaredrum besitzen unterschiedlich starke Kessel und sind nur wenig unterdimensioniert, doch auch dieser Testkandidat überzeugt mit guter Maßhaltigkeit, was die Durchmesser angeht; maximale Toleranzen um ca. 1,5 mm beim 16″ Floor-Tom und der Bassdrum gehen in Ordnung. Markenfelle aufzuziehen, ohne dass sie klemmen, ist also kein Problem, und die werkseitige Fellbestückung mit Evans-Fellen funktioniert hier einwandfrei.

Die Gratungen der ddrum-Kessel sind ordentlich geschnitten, wenn auch an einigen Stellen etwas rau, bedingt durch das eher faserige Erlenholz. Die Form ist leicht verrundet gestaltet, und das bedeutet einen recht satten Kontakt für die Spielfläche. Die Kesselinnenseiten zeigen einen ordentliche Feinschliff, nur an einigen wenigen Stellen gibt es ein paar feine Fasern des Holzes, was hier der horizontal zu Kesselsäule verlaufenden Maserungsrichtung geschuldet ist. Die Nahtstellen sind parallel und gerade zur Kesselsäule angelegt, dabei ergeben sich an den Stoßkanten an wenigen Stellen ganze feine Faserabhebungen, was wiederum durch die feine Struktur und die Maserungsausrichtung des Erlenholzes bedingt ist.

Technisch ist das kein Problem, optisch kann man hier sicherlich durch besseren Feinschliff noch zulegen. Die Außenseiten sind hochglänzend klar lackiert, und bis auf einige wenige Einschlüsse entspricht die Lackierung dem Industriestandard. Das Finish lässt die Mischung aus feinen und starken Holzmaserungsstrukturen gut zur Geltung kommen, doch ich persönlich denke, dass ein seidenmattes Finish dem Erlenholz auch sehr gut stehen würde. Was die Kessel-Hardware angeht, so wird auch hier ein ordentlicher Industriestandard in Sachen Verarbeitung geboten. Die Stimmschrauben laufen gut in den Gewindehülsen und finden sowohl an den Gussklauen der Bassdrum (hier gibt es acht Stimmschrauben pro Fellseite) als auch auf den ca. 2,3 mm starken Spannreifen der Toms/Floor-Toms und der Snaredrum.

Kessel von unten
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Auf der Unterseite der Bassdrum gibt es an vier Böckchen angeschraubte Gummipuffer, die dem Resonanzverhalten auf die Sprünge helfen sollen. Technisch gesehen ist dies ein netter Gimmick, effektiv vermeidet diese Ausstattung direkten Kontakt der Bassdrum und Böckchen zum Boden beim Abstellen mit eingeklappten Beinen. Letztere sind von Gummifuß auf Metalldorn umstellbar. Ebenfalls direkt an die Böckchen geschraubt sind auch die Fixtpitch-Tom-Halterungen. Diese Zweipunktbefestigung ist solide und vermeidet eine zu starke direkte Belastung der Kessel.

Die Floor-Tom-Beine muten mit ihren schlichten Gummi-Füßen doch recht „old school“ an, sie halten die Trommeln allerdings zuverlässig in Position und erfüllen damit ihren Zweck. Die einseitig justierbare Snareteppich-Abhebung ist ebenfalls ein brauchbares Standard-Modell, sie lässt sich praxisgerecht einstellen.

Erle als Klangholz

Erle (Alder) findet im Gitarrenbau (u. a. Fender Telecaster) häufiger Verwendung, und man sagt dem Holz einen „luftig singenden Vintage-Ton“ nach. Doch dieser Laubbaum hat verschiedene Unterarten, und daher sind solche Allgemeinplätze kritisch zu betrachten. Tatsächlich kann man unserem Testkandidaten eine gewisse Transparenz in Attack und Sustain bescheinigen – belassen wir es dabei. Technisch hat das Holz jedenfalls gute Bearbeitungseigenschaften; trotz der eher groben Fasern ist es ziemlich biegsam, elastisch und doch fest. Furniere lassen sich sehr gut herzustellen (beide Verfahren: Messern und Schälen). Die Erle-Vorkommen erstrecken sich von Europa bis nach Asien und Nordwest-Afrika. Die Verfügbarkeit ist also recht hoch, bei einem derzeit günstigen Preis.

Sounds

Was ist klanglich anders am lackierten Reflex Uptown als z. B. beim folierten Reflex Chrome (Test in STICKS 07:2010)? Nicht so viel: Snaredrum und Bassdrum-Kessel liefern auch hier einen knackig mittigen Attack mit straffem Tiefmitten-Bereich. Die lackierten Tom- und Floor-Tom-Kessel sind etwas tiefer im Grundton und vielleicht eine Mikrosekunde länger im Sustain, scheinen ohne die Folie etwas schneller zu reagieren und ein wenig voller zu klingen. Das ist allerdings nur ein marginaler Unterschied, und da machen verschiedene Fellkombination größere und eher zu hörende Unterschiede aus.

Es bleibt also dabei: Das ddrum Reflex bietet einen soliden, wuchtigen Rock-Sound mit gesunder Härte im Attack. Tendenziell geht das ein wenig in Richtung Eichenkessel – zumindest was dessen Transparenz und Projektion angeht – ist aber etwas gefälliger in den Tiefmitten und Bässen, wobei da der Klang eher an Bubinga-Kessel erinnert. Etwas gewöhnungsbedürftig sind bei diesem Shell-Set die Floor-Toms. Das 14″ x 14″ Floor-Tom ist bei einer Stimmung, die stärker an den Charakter von einer Tom-Reihe (z. B. mit verkürzten Floor-Toms oder angehängten Toms) angelehnt ist, immer ein wenig zu boomy und zu voluminös wirkend, liefert also kein wirklich ausgewogenen Verhältnis von Attack zu Sustain.

Nimmt man den typischen Klang konventioneller Floor-Toms hingegen als Grundlage, dann fehlt dem 16″ x 14″ das finale Quäntchen Wuchtigkeit und Grollen. Auch das sind allerdings Dinge, die man mit geschickter Dämpfung und Stimmung nahezu egalisieren kann, so dass es wohl den meisten Zuhörern und Mitmusikanten kaum auffallen wird.

Logo
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Bassdrum: transparenter Attack mit guter Projektion; straffer, satter Tiefmitten- und Bass-Bereich; ein solider Rock-Sound.

Snaredrum: knackig im Attack, ebenfalls gute Projektion, transparentes Sustain, druckvoll in den Mitten; perfekt in höherer Stimmung; Ansprache okay, aber mit höherwertigen Fellen/Snareteppich lässt sich mehr herausholen.

Toms: präsenter Attack und guter Druck aus den Mitten im Sustain.

14″ Floor-Tom: klassischer Floor-Tom-Charakter mit punchy Attack und sattem Bass im Sustain.

16″ Floor-Tom: vordergründiger Attack, schnell in der Ansprache, kontrolliertes Sustain betont etwas stärker einen Tom-Charakter.

 

Fazit

Das ddrum Reflex Uptown erweist sich als solide verarbeitetes Shellset mit eigenem Klangcharakter aufgrund des verwendeten Erlenholzes. Dieser entspricht einem knackigen, transparenten Rock-Sound mit straffem und solidem Bass. Im Attack sind zudem Anleihen an den Klangcharakter von Eiche vorhanden, im Sustain finden sich eher an Bubinga erinnernde Bässe und Tiefmitten. Ungewöhnlich ist hier der Mix an klassischen wie modernen Trommelgrößen, der bei effizienter Ausnutzung aller daraus resultierenden klanglichen Stärken auch mal zu anderen Aufbauten als einem klassischen sechsteiligen Set inspiriert (z. B. 16 x 14 Floor-Tom als Effekt-Sound links neben der Hi-Hat).

Auch in dieser Hinsicht kann ein persönlicher Test interessant sein. Das Finish ist sicherlich Geschmacksache, doch es gibt ja auch noch andere im ddrum-Programm. Was die Verarbeitung und Ausstattung angeht, wird hier jedenfalls ein solider Industriestandard geboten.

 

 

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