Die moderne Klangwelt des Vinnie Colaiuta

Paiste Formula 602 Modern Essentials Cymbals im Test


Die Sounds der Formula 602 Cymbals haben es dem neuen PaisteTop-Endorser Vinnie Colaiuta angetan. Nach seinen Favoriten in den Größen 15″ Medium Hi-Hat, 22″ Thin Crash und 24″ Medium Ride gibt es nun die „Formula 602 Modern Essentials“-Linie, ein umfassender Cymbal-Satz, der die Klangpotenziale der Paiste Formula 602 und der Paiste Traditionals zu einer neuen Klangwelt fusioniert.

Cymbals
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Paiste Formula 602 und Paiste Traditionals fusionieren zu einer neuen Klangwelt. Wie die Becken klingen, erfahrt ihr in unserem Videotest der Paiste Formula 602 Modern Essentials Cymbals.

Konzept

Vinnie und das Paiste Entwicklungsteam waren sich sicher, dass die spezielle B20-Bronze der „Formula 602“-Serie die richtige Basis für die neuen Cymbals ist. Aber es sollte ein zeitgemäßer Klang entstehen, der eine ergänzende Klangfarbe innerhalb „Formula 602“-Serie bereitstellt. So sollen die Elemente der Paiste Traditionals mit ihrem reichen, dunklen Ton mit dem transparenten, schimmernden Stockanschlag der „Formula 602“- Cymbals kombiniert werden.

Diese Modelle und deren Sounds sollen eine große Bandbreite an musikalischen Feldern abdecken können und durch die Spielweise effektiv kontrolliert werden. Und bei allem war es nicht die Absicht, lediglich „spezielle Vinnie Colaiuta Cymbals“ zu entwickeln, sondern Klangoptionen für jedermann zu schaffen. Eine lobenswerte Sache.

Konstruktion

Gefertigt werden auch die „Modern Essentials“ manuell in der Schweiz. Dezenter als auf diesen Cymbals kann ein Abdrehmuster wohl kaum ausfallen: Feine Linien der Tonal-Grooves zieren die Spiel- und Rückseiten von der Kuppe bis hin zum Rand. Eine Ausnahme bilden die Rückseiten der Kuppen der Hi-Hat-Cymbals mit feiner, matt gestrahlter Oberfläche. Das Hämmerungsmuster ist sehr individuell gestaltet und betrifft nur die Profile der Cymbals. Die Durchmesser der Einschläge sind eher klein, die Dichte variiert und ist bei den Hi-Hats und Ride-Cymbals stärker.

22" China
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Die Profile sind individuell für jeden Typ gestaltet, so sind sie bei den Ride-Cymbals hoch und zeigen einen deutlichen Bogen, die der Crash-Cymbals sind eher flach und besitzen einen dezenten Bogen. Die Hi-Hat-Cymbals sind ebenfalls mit unterschiedlichen Profilen für Top- und Bottom-Cymbal ausgestattet. Das Top-Cymbal ist flacher gehalten und auch deutlich leichter als das Bottom-Cymbal mit seinem höheren und stärker gebogenen Profil. Die Kuppen der Ride-, Crash-, Splash- und Hi-Hat-Cymbals besitzen eine ausgeprägte Halbkugelform. Höhe und Durchmesser ergeben bei jedem dieser Cymbals ein Bild mit harmonischen Proportionen. Die China-Cymbals präsentieren sich hingegen mit sehr kleinen, eher flach gehalten Kuppen.

Dafür ist das Profil sehr hoch, und dort ist das Hämmerungsmuster dezent und mit feinen, länglichen Einschlägen in radial verlaufendem Muster aufgebracht. Mit ca. 2,5″ für das 22″ China und ca. 2″ für das 18″ China fallen die Krempen recht breit aus. Sie ragen ziemlich steil nach oben, und diese Bereiche sind wieder mit sehr individuellen vereinzelten Hammereinschlägen bearbeitet. Die Oberflächen sind mit einer feinen, dezenten Lackschicht geschützt, und die gesamte Verarbeitung kann man einfach nur als top bezeichnen.

Paiste Formula 602 Modern Essentials Cymbals_03
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Klangverhalten

Alle Aspekte und Details aus dem ErlebnisPraxistest der „Formula 602 Modern Essentials“ zu beschreiben ist wirklich eine Aufgabe. Merkt man meine Begeisterung? Ich fürchte, ja. Also, tief durchatmen und den objektiven Journalisten aktivieren. Zunächst einmal ist die dynamische Bandbreite der Cymbals sehr hoch, sie sprechen direkt auf den leichtesten Anschlag an und bleiben ihren Klängen treu, auch wenn man mit z. B. einem 5B-Stick recht knackig zu Werke geht. Somit kann man eine leichte, luftig Spielweise an den Tag legen, aber auch schon gut losrocken.

Der nächste klangliche Aspekt ist dann die Lautstärke? Nein, eigentlich nicht, denn charakteristisch für die „Modern Essentials“ sind eher die Transparenz und Artikulation, die ihnen eine subtile Durchsetzungskraft verleiht, ohne dabei extrem laut zu sein. Zudem ist es die gut gelungene Balance von Attack zu Sustain innerhalb eines Cymbals, die positiv überrascht. Aber auch der gesamte Satz klingt prima ausbalanciert und auf – einander abgestimmt. Es gibt hier keine harschen Mitten oder extrem penetrante Obertöne, das gesamte Frequenzspektrum wirkt immer sehr aufgeräumt und elegant.

20" Crash
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Ein gutes Beispiel sind dafür die Ride-Cymbals, die hier komplexe Klangwelten je nach Spielzone anbieten. So lassen sich z. B. beim 22″-Modell die dunkelsten Sounds natürlich am Rand erzielen und die hellsten unterhalb der Kuppe, doch entscheidend sind hier zwei Dinge: 1.) ist die Stockdefinition immer gegeben, und 2.) wird das Cymbal am Rand angespielt eben nicht zu rauschig. Bei einem Ride-Pattern kann man es allerdings auch mit der Stockschulter ancrashen, ohne dabei die Kontrolle zu verlieren, und dennoch einen recht breiten und mächtigen Crash-Sound erzielen. Auch die Crash-Cymbals demonstrieren eindeutig das Konzept eines gut ausbalancierten und bis in die Nuancen gut aufeinander abgestimmten Cymbals eines Sets.

Das 16″ Crash wirkt für seine Größe einerseits spritzig, anderseits bietet es ein ordentliches Klangvolumen. Druckvoll und doch elegant kommt das 18″ Crash über die Rampe, und das noch druckvollere 20″ Crash setzt die feine Klangqualität konsequent fort. Auch wenn man mit diesen Crash-Cymbals kräftiger zu Werke geht, übersteuern sie kaum oder bilden extreme Obertöne aus – und sie überlagern nicht die Drums. Faszinierend an den Splash-Cymbals ist, dass sie spritzige, helle und fein zisselnde Sounds produzieren und ihnen das allgemein übliche kehlige Element in den Mitten fast völlig fehlt.

Das 10″ Splash lässt das im Sustain leicht und sehr kurz anklingen, doch das ist wirklich sehr dezent. Dass die beiden China-Cymbals grundsätzlich eher dunkle Sounds anbieten, liegt in der Natur der Sache, dass dabei aber das 18″-Modell – das natürlich im Vergleich zum 22″-Cymbal heller klingt – aber so satt rüber – kommt, ist schon erstaunlich. Man kann mit beiden China-Cymbals auch fette Akzente setzen, sie sind auch durchaus explosiv, doch ihre primären Stärken liegen bei locker auf dem Rand oder im Übergang gespielten Ride-Patterns. Dann liefern sie seidige Sticksounds und mit der Stockschulter getroffen auch den gewissen explosiven Attack. Und auch dabei sind sie nicht zu aggressiv oder gar extrem kehlig. Sie verleugnen die orientalische Note nicht, sind aber weich im Attack und mit einem durchaus transparenten Sustain ausgestattet.

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14″ und 15″ Hi-Hat: sanfter, warmer Attack mit präziser Artikulation und elegantem Obertonanteil; sattes, doch kompaktes Sustain; geöffnet angespielt feines, sanftes Rauschen, doch definierter Stock – anschlag; die 14″ Hi-Hat ist heller, etwas spritziger, das 15″ Modell etwas wärmer, druckvoller.

16″, 18″ & 20″ Crash: sehr gelungene Abstimmung im Satz!
16″: sehr schnelle Ansprache, erstaunlich spritziger Crash-Akzent; kontrolliert ausklingendes, sattes Sustain.
20″: dunkler, mächtiger Crash-Akzent, transparentes, dunkles Sustain, kontrollierte Ausklingzeit
18″: passt exakt zwischen diese beiden Cymbals; dunkler, voluminöser Gesamt-Sound, dabei fein schimmernder Attack und sattes Sustain.

20″ und 22″ Ride: Das 22″ ist etwas dunkler und raumgreifender, das 20″ ist feiner in Stockanschlag und Sustain; ernorme Klangnuancen (je nach Spielzone) auf dem Profil, dabei immer definierter StickSound; transparente, glockige und durchsetzungsstarke, aber nicht aufdringliche Kuppen; zudem gute Qualität als Crash-Akzent.

18″ und 22″ China: sanfter Attack bei lockerer Spielweise; mit der Stockschulter angespielt explosiver Attack; gut geeignet auch für locker gespielte Ride-Patterns.

8″und 10″ Splash: sehr helle, sanfte Obertöne, zisselnd spritzige Sounds mit kurzem Grundton, deutlich in den Mitten reduziert und wenig kehlig.

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Fazit

So, so, die Paiste „Formula 602 Modern Essentials“ sollen also „keine speziellen Vinnie Colaiuta Cymbals“ sein?! Sehr schön unprätentiös dargestellt und deshalb lobens – wert, da wir jetzt an seinen Klangvorstellungen teilhaben können. Die „Formula 602 Modern Essentials“ bieten für Musiker mit klanglichem Anspruch Sounds mit vielen Zwischentönen. Die „Infusion“ eines Anteils an dunklen, warmen Klangfarben der „Traditionals“ in den klaren und kühlen Grundklangcharakter der „Formula 602“- Cymbals ist rundum gelungen. Eine gute Abstimmung und ausbalancierte Sounds mit einer sehr weiten dynamischen Bandbreite sind essentielle Klangeigenschaften, die eine effektive Kontrolle des Spielers über die Sounds bieten.

Vielseitig? Ja sicher! Und gern auch laut genug und dabei nicht überbordend dominant oder gar aggressiv. Man kann mit den „Modern Essentials“ in entsprechender Set-Zusammenstellung von leiser, gefühlvoller Begleitung im akustischen Kontext über Jazz und Fusion bis hin zu modernem Pop und Rock eine ganze Menge an Musik bedienen. Diese exzellent verarbeiteten Cymbals haben zwar einen stolzen Preis, ihre speziellen Sounds sollte man aber zumindest einmal erlebt haben.

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