Schweizer Meisterwerke

Paiste Twenty Masters Collection Cymbals im Test

Erfahrungen aus jahrzehntelanger Herstellung exquisiter Cymbals und enge Zusammenarbeitet mit Musikern und Endorsern mündeten darin, für die Twenty Masters Collection Ride-Cymbals mit speziellem Klangcharakter zu entwerfen.

Cymbals
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Die Cymbals der Paiste Twenty Masters Collection sind echte Meisterstücke. Nach den Artist Inspiration Cymbals testen wir nun die die Masters Collection Cymbals aus der Serie. Auf der Namm Show 2011 wurden die Cymbals erstmals ausgestellt.

Bereits vor zwei Jahren hatte Paiste die Cymbals der Twenty Masters Collection zur amerikanischen Musikmesse NAMM-Show vorgestellt, 2012 kam zum gleichen Anlass das 22″ Crisp Ride mit dem Namen „Rosie“ dazu, das zusammen mit Drummer Ndugu Chancler entwickelt wurde. Dieses Cymbal gehört zu den so genannten „Artist Inspiration Cymbals“, einer Untergruppe der „Masters Collection“ in denen ganz spezielle Sounds entsprechend exakter Vorstellungen realisiert wurden. Dazu gehören außerdem das 24″ Deep Ride „Signature Groove“ von John JR Robinson sowie das 20″ Sweet Ride „Blue Bird“ des französischen Jazz-Drummers André Ceccarelli.

An der Entwicklung aller weiteren Cymbals der „Masters Collection“ waren diverse weitere Endorser beteiligt. Dabei ging es darum, etwas allgemeinere Klangvorstellungen für bestimmte musikalische Stile umzusetzen. Fünf Modelle tragen die Bezeichnung „Dark“ mit in ihrem Namen, was vermuten lässt, dass diese eher für traditionelle, jazzige Musik geeignet sein. Doch sollte man sich davon nicht beirren lassen, denn im Praxistest erwiesen sich die meisten Cymbals der „Masters Collection“ als musikalisch sehr variabel einsetzbar.

Masters Collection

Die beiden Dark Ride Cymbals sind (wie auch das Dark Crash/Ride) auf dem Profil extrem stark und mit verschiedenen starken und dimensionierten Einschlägen gehämmert. Auf den zusätzlichen Bogen im Randbereich des Profils wurde aber verzichtet. Dies wurde nur mit einem sanften Bogen versehen. Die Rückseiten zeigen ein makelloses glänzendes Finish, hingegen sieht man durch die starke Hämmerung von der Vorderseite wieder einige durchbrochene Stellen.

Besonders für Jazz-Styles interessante Sounds bieten die 20″ und 22″ Dark Ride Cymbals. Schon allein der luftige Sound beim Spiel auf dem Profil mit seiner Mixtur aus crispem, kurzem Schimmer und trockenem Decay hat seinen gewissen Reiz. Das ist vielleicht am besten mit „modern vintage“ zu beschreiben, denn diese beiden Cymbals sind alles andere als altmodisch obertonarm. Prädestiniert sind sie für eine eher leichte Spielweise, wobei das 22″ Cymbal noch etwas dunkler und raumgreifender klingt als das 20er-Modell.

Das 20″ Dark Crash Ride Cymbal präsentiert sich mit einer „verbeulten“ Optik, denn extremer kann eine Hämmerung wohl kaum ausfallen. Neben kleinen Einschlägen finden sich hier auch sehr groß dimensionierte, die eine ebenmäßige Struktur der Profiloberfläche effektiv verhindern. Zudem ist das Muster im Randbereich noch stärker verdichtet, so dass das eh schon stark gebogene Profil noch mal einen deutlichen, stärkeren Bogen nach unten beschreibt. Einige kleine Einschläge lassen durch das glänzende Finish auch wieder die natürliche Farbe der Bronze hindurchscheinen. Das Abdrehmuster erstreckt sich auf beiden Seiten bis über die Kuppen hin, und es variieren die Breite und Tiefer der Tonal-Grooves wieder recht willkürlich.

Die Kuppe ist eher flach gehalten. Das 20″ Dark Crash/Ride ist eigentlich die passende Ergänzung zu den Dark Ride Cymbals. Es ist leichter und betont daher durch einen dunklen Attack und sattes Grundrauschen eher den Crash- als den Ride-Charakter. Auf dem Profil als Ride leicht angespielt ist der Anschlag etwas indirekt, doch bei flächigen, etwas kräftigeren Crash/Ride-Patterns konkret genug, um sich über dem satten dunklen Klangteppich des Rauschens abzusetzen.

Deutlich anders bearbeitet wurden die 20″ und 21″ Dark Dry Ride Cymbals. Die Rückseiten zeigen eine matte, gestrahlte Oberfläche, auf der zudem nur noch in Ansätzen die Form eines Abdrehmusters zu erkennen ist. Die Spielseite mit der naturbraunen Oberfläche zeigt ein dichtes Hämmerungsmuster mit kleinen Einschlägen auf dem Profil und glänzende, in einem Abstand von ca. 1 cm gesetzte und ca. 3 mm breite Tonal-Grooves, die sich bis über die Kuppe erstrecken. Das Profil ist auch hier nicht sehr hoch gestaltet und verläuft von der Kuppe zum Rand in einem sanften Bogen. Die Kuppen sind stärker ausgeprägt und betonen die Kugelform etwas deutlicher als bei den anderen Ride Cymbals der „Masters Collection“.

Die Dark Dry Ride Cymbals sind im Attack und Sustain erstaunlich transparent, überhaupt nicht rauschig und liefern einen definierten Ton. Natürlich ist der Attack in den Obertönen etwas beschnitten – logisch bei diesen Bearbeitungsarten –, und insofern ist das schon ein trockener, kompakter Klang, gut definiert und mit ordentlicher Projektion. Das Sustain ist zwar relativ lang, verzichtet aber auf ausgeprägte Obertöne und obere Mitten und wirkt dezent und leise. Gut gelungen sind die tonalen Unterschiede zwischen beiden Modellen, und mit ihrem Klangcharakter lassen sie sich sicher vielfältig einsetzen von Jazzrock, Prog-Rock, über Fusion über Funk bis Pop.

Die 20″ und 22″ Dark Crisp Ride Cymbals unterscheiden sich auf den ersten Blick nicht so sehr von den Dark-Ride-Versionen, doch ist hier die Zusatzhämmerung mit den groß dimensionierten Einschlägen nicht ganz so extrem ausgefallen. Weitere Unterschiede sind das etwas höhe – re Gewicht und vor allem das höhere und stärker gebogene Profil.

Wer einen Klang sucht, der einen brillanteren Attack bietet, sich mehr öffnet, und im Sustain zunächst nur leichtes Rauschen liefert, der ist mit den Dark Crisp Ride Cymbals auf der sicheren Seite. Die Cymbals sind etwas schwerer als die anderen „Masters Collection“-Modelle und besitzen daher auch eine höhere Grundlautstärke. Sie bieten ein bisschen was aus den beiden Klangwelten „Dark Dry Ride“ und „Dark Ride“, allerdings nicht ganz so trocken. Hier finden wir gute Definition der Dark Dry Ride Cymbals sowie auch ein bisschen Schimmer und Rauschen der „Dark Ride“- Modelle, in den Obertönen komprimierter.

Die beiden 20″ und 21″ Medium Ride Cymbals präsentieren sich relativ konventionell: Ein feines, leichtes Abdrehmuster mit nur leicht variierend gestalteten Tonal-Grooves und ein dichtes Hämmerungsmuster mit kleinen Einschlägen auf dem Profil kennzeichnen die glänzenden Vorder- und Rückseiten. Das Profil beschreibt einen sehr sanften Bogen, die Kuppen besitzen normale Proportionen zu den Gesamtdurchmessern.

Beide Cymbals zeichnen sich durch einen feinen Attack mit leichtem Schimmer aus, der sich sauber über dem warmen, dunklen Grundton absetzt. Und das macht er auch, wenn man etwas kräftiger zur Sache geht: Die Anschlagsdefinition ist immer gegeben. Dynamisch haben beide Medium Ride Cymbals schon ein gutes Potenzial, man kann sehr sanft und elegant spielen, aber auch forcierter zu Werke gehen, ohne die Cymbals zu überfordern. Die Kuppen klingen sehr klar und kräftig, sind dabei aber nicht aufdringlich in den Obertönen. Ein insgesamt warmer und definierter Klang, der sich prima von Jazz und Fusion bis Funk, Soul, R&B und Pop einsetzen lässt.

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Artist Inspiration Cymbals

 22″ Crisp Ride „Rosie“
Dieses Cymbal ist der neueste Spross in der Kollektion und wurde zusammen mit Drummer Ndugu Chancler entwickelt, der den legendären Beat von Michael Jacksons „Billie Jean“ gespielt und u. a. mit Künstlern und Bands wie Weather Report, Santana, George Duke, Lalo Schifrin Frank Sinatra gearbeitet hat. Die Spielseite seines Signature-Ride-Cymbals, das übrigens nach seiner Mutter „Rosie“ getauft wurde und mit einem dezenten Rosen-Logo verziert ist, besitzt ein glänzendes Finish mit einem feinen Abdrehmuster bis über die Kuppe, und zudem ist das Profil mit einem leichten, dichten Hämmerungsmuster überzogen.

Die Rückseite steht hier mit einer gestrahlten, matten Optik im krassen Gegensatz dazu. Bemerkenswert sind aber auch die in unregelmäßigen und in recht weiten Abständen gesetzten, tiefen Tonal-Grooves, die als einzige Oberflächenbehandlung erkennbar sind. Das Profil des Cymbals zeigt eine deutlichen Bogen, und die im Durchmesser eher klein gehaltene Kuppe ist dafür recht hoch ausgeführt. Das 22″ Crisp Ride „Rosie“ bietet einen eleganten, feinen Charakter mit guter Projektion.

Das Ganze wirkt transparent und doch kompakt, so dass dieses Cymbal für Groove-orientierte Musik wie R&B, Funk, Soul bis Pop sowie auch FusionStyles bestens geeignet ist. Denn hiermit lassen sich aufgrund des vollen Tons sowohl Patterns mit weiten Viertelnoten ebenso gut spielen wie auch geschäftige SechzehntelPatterns transparent mit klarer Projektion und guter Klangfülle umsetzen.

24″ Deep Ride „Signature Groove“
Inspiriert vom legendären Studio-Drummer John JR Robinson ist dieses mächtige, allein schon durch Größe und Gewicht beeindruckende Cymbal. Satte 4,3 kg sind schon eine Ansage. Die Spielseite erstrahlt in glänzendem Finish, und John Douglas hat noch ein schickes Logo für den Hit-Maker JR Robinson als individuelle Note spendiert. Das Logo zeigt übrigens die Noten des Intro-Fills eines weiteren Hits von Michael Jackson. Welcher? Na, dann ratet mal schön. Das Finish ist an einigen Stellen des dichten Hämmerungsmusters mit kleinen Einschlägen durchbrochen und lässt die braune Färbung der Bronze hindurchscheinen.

Zudem wurde ein feines Abdrehmuster bis über die Kuppe aufgebracht, das aber in Setztiefe und Breite der Tonal-Grooves immer wieder variiert. Die Rückseite ist naturbelassen, und ausschließlich das Profil zeigt hier ein dichtes Hämmerungsmuster. Ein stark gebogenes und hohes Profil kennzeichnet die Anatomie des Cymbals. Die Kuppe ist hoch und halbkugelförmig gestaltet. Das 24″ Deep Ride „Signature Groove“ setzt dynamisch etwas anders an als das Cymbal von Ndugu Chancler. Jedwede Form von amerikanischer Mainstream-Musik erfordert ab einer mittleren Lautstärke einen besonderen Druck und Drive. Genau das ist der Startpunkt für John Robinsons Ride-Cymbal. Der eher dunkle Klangcharakter im Sustain ermöglicht gute Flächen, der definierte Attack erlaubt alle Spielarten von soft bis hard, von langsamen druckvollen Viertel-Grooves bis zu treibenden Sechzehntel-Patterns.

Und das, obwohl das lange Sustain stark moduliert, was aber eben auch für die gewisse Klangfülle sorgt. Die Kuppe lässt sich schön akzentuiert im Wechsel mit dem Spiel auf dem Profil bedienen und kann ebenso gut auch für treibende Beats genutzt werden. Nach oben hin ist dynamisch fast keine Grenze gesetzt, und auch im unteren Dynamikbereich überzeugt dieses Cymbal mit einer guten Definition des Attacks. Wie es sich gehört, lässt sich dieses Cymbal in jedweder Form von Pop und Rock, R&B und Funk, Bigband Jazz oder Fusion durch flexible Spielweise sehr gut einsetzen.

20″ Sweet Ride „Blue Bird“
Frankreichs André Ceccarelli war maßgeblich an der Entwicklung dieses Cymbals beteiligt. Was die Oberflächenbearbeitung der Spielseite angeht, so sind Parallelen zu der des 24″ Deep Ride von JR Robinson kaum zu verleugnen. Dafür ist die Rückseite hier aber ebenfalls im glänzenden Finish gehalten und zeigt ein feines Abdrehmuster. Ein flaches, nur leicht gebogenes Profil und eine abgeflachte Kuppe bestimmen die Anatomie. Die Logos sind hier in einem satten Blau gehalten. Auch wenn es oberflächlich wie das mächtige Deep Ride wirkt, so zeigt das 20″ Sweet Ride „Blue Bird“ eine ganz andere musikalische Richtung auf.

Hier geht es eher um sehr leises Spiel in einem akustischen, intimen Kontext. Überzeugend ist die sehr schnelle, direkte Ansprache schon bei leisem Anschlag. Ein dunkler, sanfter Grundton sowie ein crisper, doch nicht zu heller, leichter und doch konkreter „Paper Thin“- Charakter im Attack sind das Markenzeichen dieses Cymbals, das somit natürlich den Einsatz in Jazz-Styles nahelegt, doch tatsächlich noch vielfältiger eingesetzt werden kann, denn auch bei gemäßigt lauter Popmusik – z. B. im Singer/Song – writer-Bereich – macht es sicherlich eine sehr gute Figur.

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Hier noch einmal alle Sounds auf einen Blick

20″ und 22″: Dark Ride leichter, luftiger Attack mit ungewöhnlichem Mix aus crispem Schimmer und trockenem Decay; dunkles, sonores Sustain.

20″ Dark Crash/Ride: erdiger Attack mit starkem Grundrauschen im Sustain, eher Crash als Ride, gute Ergänzung zu den Dark Ride Cymbals.

20″ und 21″: Dark Dry Ride Erstaunlich hohe Transparenz in Attack und Sustain, dennoch dunkel im Grundton und definiert im Attack.

20″ und 22″ Dark Crisp Ride: definierter obertonreicher Attack, ähnlich sattes warm klingendes Grundrauschen im Sustain wie bei den Dark Ride Cymbals, allerdings höhere Grundlautstärke.

20″ und 21″ Medium Ride: warmer, dunkler, transparenter und definierter Klang; Attack setzt sich deutlich über einem feinen, eleganten Obertonschimmer des Sustains ab.

Artist Inspiration Cymbals

 22″ Crisp Ride „Rosie“: eleganter, feiner Anschlag, deutliche Projektion auf Profil; Sustain sehr klar, mittig bis tief, mit dezenter Modulation; Kuppe hell und glockig mit sanften Obertönen.

24″ Deep Ride „Signature Groove“: dunkler, mittiger bis tiefer Attack-Sound, extrem schnelle Modulation im Sustain, langer, stehender Ton; Kuppe glasklar und hell, sehr langer Ausklang; Cymbal spricht trotz Größe schnell an, recht hohe Grundlautstärke.

20″ Sweet Ride „Blue Bird“: sehr schnelle direkte Ansprache, eleganter crisper Attack, sanftes Rauschen im Sustain; helle Kuppe mit feinem Attack.

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Fazit

Die Cymbals der Paiste Twenty Masters Collection sind echte Meisterstücke, das zeigt schon allein die sehr gute Verarbeitung. Durch gezielt eingesetzte unterschiedliche Arten der Bearbeitungstechniken und der Formgebung wurden sehr spezielle Sounds entworfen. Charaktervoll allemal, aber auch sehr eigenständig, was das Verständnis in der Namensgebung angeht. Wer von einem Dark Dry Ride einen eher gedeckteren Sound erwartet, dürfte bei diesen Cymbals überrascht sein, dass „dunkel“ und „trocken“ auch mit guter Definition und hoher Transparenz funktioniert. Und das ist nur ein Beispiel der überzeugenden Individualität. Man sollte diese exquisiten Ride-Cymbals der Paiste „Masters Collection“ also unbedingt mal gehört haben, wenn man Sounds abseits des Konventionellen sucht.

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