Premier Genista Maple Drums im Test

Die neu aufgelegte Premier Genista Drum-Serie stellt den Mittelklassebereich des aktuellen Premier-Programms dar. Hier hat man die Wahl zwischen Ahorn und Birke als Kesselmaterial sowie lackierten und folierten Oberflächen. Vorkonfigurierte Sets und ergänzend erhältliche Einzeltrommeln ermöglichen Individualität bei der Set-Gestaltung.

Drum Kit
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Der britische Hersteller Premier hat seine Genista-Serie aus dem Mittelklassebereich aufgefrischt. Jetzt kann man sich quasi sein persönliches Schlagzeug-Set zusammenstellen, mit entweder Ahorn oder Birke als Kesselmaterial, lackierten oder folierten Oberflächen sowie vorkonfigurierten Bestandteilen plus Einzeltrommeln. Wir hatten das „Modern Rock 22“-Set mit Maple-Kesseln in „Black Sparkle/Red Sparkle Stripe“-Lackierung im Test.

Das „Modern Rock 22“-Set mit Maple-Kesseln in Black Sparkle mit Red-Sparkle-Rallyestreifen-Lackierung ist unser Testobjekt der Begierde. „Sparkle“-Oberflächen waren stets Domäne der Folien-Finishes, und eine lackierte Version in diesem Preisbereich ist wirklich ungewöhnlich. Die Lackierung ist sehr sauber ausgeführt, und sehr große, spiegelnde Flakes machen hier einen schicken Effekt aus. Übergänge zwischen dem schwarzen, je nach Lichteinfall etwas in ein extremes Dunkelgrün changierenden Farbton und dem Red-Sparkle-Stripe gibt es nicht.

Das ist einfach toll gemacht, auch wenn die Lackierung mit satter Stärke ganz ordentlich aufträgt. Die klassischen roten P-Logos passen prima dazu, und da die Verchromung der KesselHardware auch einem guten Industriestandard mit solidem Glanz entspricht, stimmt das optische Gesamtbild. Die Ei-förmigen Böckchen der „Genista“-Serie sind mit GummiUnterlegscheiben mit dem Kessel verschraubt und prägen das markante Erscheinungsbild.

Hardware

Die Gewinde der Hülsen und Böckchen laufen sauber ineinander. Leider sind die Auflageflächen für die nur mit Metall-Unterlegscheiben ausgestatteten Stimmschrauben an den Spannreifen nicht ganz so optimal ausgeführt, so dass es bei sehr tiefen Stimmungen zu Verstimmungen kommen kann. Das lässt sich leicht durch zusätzliche Kunststoff-Unterlegscheiben eliminieren. Die Klauen der Bassdrum sind recht zierlich, aber aus solidem Guss und bieten den Stimmschraubenköpfen plane Auflageflächen. Sie sind auf der Unterseite nicht mit Filz oder Gummi ausgestattet, so dass hier Metall in direktem Kontakt zu den lackierten Spannreifen steht.

Der ISO Tom-Mount ist recht leicht, das schwerste Teil daran ist die Tom-Halte-Rosette, die den 7/16″ L-Arm formschlüssig klemmt. Am L-Arm findet sich die integrierte Memory-Lock, schiebt man das Tom auf den Halte-Arm, bilden Rosette und Memory-Lock eine ovale Einheit. Der Doppel-Tom-Halter auf der Bassdrum ist recht massiv und daher grundsolide, doch ist er einfach zu weit in der Mitte der Bassdrum platziert, so dass flachere Tom-Aufbauten sinnvoll kaum machbar sind. Die Toms ragen immer über den Spannreifen des Bassdrum-Schlagfells heraus oder stehen sehr steil zum Spieler. Wer nicht gegen die Eiger-Nordwand spielen mag, hat hier ein Problem. Lösen lässt sich das mit Multiklemmen und Einzelhaltern aus dem Premier-Programm, oder man steckt den Doppel-Tom-Halter in ein Cymbal-Stativ. Premier ist jedenfalls gut beraten, diesen anachronistischen Tom-Halter alsbald gegen ein zeitgemäßes Modell zu ersetzen.

Die Floor-Tom-Beine und die von Gummi- auf Metalldorn umstellbaren Spitzen der Bassdrum entsprechen einem soliden Industriestandard und machen ihren Job. Die schlichte Snareteppich-Abhebung funktioniert prima und lässt sich auch feinfühlig genug justieren. Insgesamt hat man bei der Kessel-Hardware viel Wert auf schlichte Funktionalität gelegt, und das Ergebnis ist – mit kleinen Abstrichen – durchaus überzeugend.

Maple Kessel

In Taiwan werden die Kessel aus amerikanischem Ahorn hergestellt. Die Kessel unseres Testsets überzeugen mit einer guten Verarbeitungsqualität: Die parallel zur Kesselsäule verlaufenden Nähte sind sauber formschlüssig aneinander gesetzt, die Gratungen sind plan, die Wandstärken erfreulich konstant, und auch die Toleranz der – typisch für Premier – im Durchmesser stark unterdimensionierten Kessel liegt bei etwa 1 mm. Eine 45-GradInnenabschrägung und ein steiler Gegenschnitt sorgen für eine recht spitze Gratung im Bereich der dritten Lage von außen. Dies und der minimal dünnere Kessel stellen die Unterschiede zwischen den Genista Ahorn-Kesseln und denen der Premier Classic Maple Drums dar.

Sounds

Das Premier Genista Maple Kit stellte uns mit seiner werkseitigen Fellbestückung vor unerwartete Aufgaben, denn diese Felle reagieren sehr sensibel auf jede kleine Spannungsänderung. Gerade bei den Toms ist sorgfältiges Platzieren der Felle auf dem Kessel und mehrmaliges Vordehnen durch Hochstimmen ein Muss. Vorsicht ist bei den dünnen Resonanzfellen geboten, damit man die Dinger beim Dehnen nicht verbeult. Erledigt man diese Aufgabe sorgsam, dann lässt sich auch ein respektabler RockSound mit sattem Punch und gut beherrschbarem Sustain erzielen. Wäre da nicht der Tom-Halter, denn der nimmt deutlichen Einfluss auf das Resonanzverhalten.

Für fette, satte Rocksounds ist dies nicht weiter tragisch, bei offenen Stimmungen wird dies allerdings deutlich. Dass viel Klangpotenzial in den Toms steckt, zeigt sich bei einer Montage auf einem separaten Stativ. So lässt sich mit verschiedenen Fellkombinationen ein gutes Arsenal an charakterstarken Toms-Sounds generieren. Meine persönlichen Favoriten sind dabei einlagige, weiße Felle auf beiden Seiten, und das in hohem, offenem Tuning – Moony lässt grüßen! Oder das Gegenteil: Mit transparenten, doppellagigen Schlagfellen und eher dünnen Resonanzfellen bekommt man einen fetten Punch im Attack und ein kurz singendes Sustain. Bei der Bassdrum kann man mit höherwertigen Fellen ebenfalls ein viel satteres, tieferes Sustain erzielen, und der Punch wird vordergründiger.

Die Snaredrum kann ihr volles Potenzial auch erst mit höherwertigen Fellen und einem besseren Snareteppich entfalten. Für eine möglichst varia – ble Klanggestaltung empfiehlt sich hier allerdings, die Standard-Ausstattung mit z. B. Remo „Ambassador coated“- Schlagfell, etwas Dämpfung und dann entsprechend der Musik das Tuning zu variieren. Der helle Holzkesselton ist eher sanft als aggressiv, bietet dennoch eine gute Projektion mit deutlichem Attack in den meisten Lebenslagen der Rock- und Pop-Musik.

Mit werkseitiger Fellbestückung in Medium-Tuning:

Toms/Floor-Tom: prägnanter, satter Attack; recht langes Sustain mit starken Tiefmitten
Snaredrum: gut in hohem Tuning, heller singender Klang mit guter Projektion und sehr sauberem Sustain, Ansprache des Snareteppichs etwas träge
Bassdrum: knackiger, präsenter Attack, kurzes Sustain, guter Tiefmittenanteil

Fazit

Das Premier Genista Modern Rock 22 Shell-Set überzeugt mit gut verarbeiteten Ahorn-Kesseln und einer soliden Hardware-Bestückung in ebenfalls guter Verarbeitungsqualität. Die Qualität und optische Wirkung der Lackierung ist in dieser Preislage außergewöhnlich gut, und die werkseitige Fellbestückung geht als Basisausstattung in Ordnung. Dringend verbesserungswürdig ist aber der Doppel-Tom-Halter, der nicht allzu viele Tom-Positionen erlaubt und auch Einfluss auf den Klang nimmt. Dennoch lohnt sich ein persönlicher Check dieses Genista Maple Kits, das in klanglicher Hinsicht mit dem typischen Charakter eines dünnen Ahorn-Kessels aufwarten kann.

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