Wuchtig, tief und satt

Bassdrum stimmen: Darauf musst du achten!

Bass Drum auf weißem Hintergrund

Du willst deine Bassdrum stimmen? Die meisterwarteten Klangeigenschaften sind wuchtig, tief und satt. Aber auch hier gibt es für jeden Musikstil die passende Ausführung. Wir zeigen dir, worauf du achten musst!

Bassdrum stimmen – auf den richtigen Sound kommt es an

Von einem „guten“ Bassdrum-Sound kann dann die Rede sein, wenn dieser zum musikalischen Kontext passt und das nötige Fundament für den Bassbereich liefert. Daher wird wohl kaum jemand auf den Gedanken kommen, in einer Heavy-Metal-Band eine offen gestimmte 18“ x 14“ Bassdrum einzusetzen oder in einem Bebop- Jazz-Trio eine 26“ x 18“ Bassdrum zu spielen.

In der Regel verwendet man für Bassdrums sehr tiefe Stimmungen (= geringe Fellspannungen). Einen resonanten Klang erzielt man dabei durch die Verwendung eines geschlossenen Resonanzfells sowie durch den gezielten Einsatz von möglichst wenig Dämpfung oder den völligen Verzicht auf diese.

Einen satteren und kürzeren Klang erzielt man durch ein „Ventilieren“ des Resonanzfells – dazu wird in das Resonanzfell ein 6“ bis 10“ durchmessendes Loch eingeschnitten – und eine etwas stärkere Dämpfung der Bassdrum. Durch Variieren der Dämpfungsmenge kann der Klang weiter verkürzt werden; gleichzeitig werden die Obertöne verringert, wodurch sich ein satterer Klang ergibt.

Bassdrum-tuning
Ventilieren des Resonanzfells

Bassdrum stimmen – verschiedene Klänge erzeugen

Den trockensten und kürzesten Klang erzielt man, indem ganz auf das Resonanzfell verzichtet wird, oder indem man dieses soweit ausschneidet, dass nur ein ca. 2,5 cm breiter Rand stehen bleibt. Durch das Variieren der Dämpfungsmenge wird hierbei hauptsächlich der Obertoncharakter des Schlagfellsounds bestimmt.

Ausgehend von diesen drei grundsätzlich verschiedenen Klängen, bietet ein „ventiliertes“ Frontfell sowie eine entsprechende Variation der Menge und Beschaffenheit des Dämpfungsmaterials ein Maximum an Klangvielfalt. Weiterhin entscheidend für den Bassdrum-Sound sind natürlich auch die jeweils verwendeten Schlägel des Bassdrum-Pedals. Hierzu bieten viele Hersteller Schlägel mit unterschiedlichsten Oberflächenmaterialien an, wie z. B. weicher und harter Filz, Gummi, Kunststoff, Hartplastik und Holz. Von einigen Herstellern gibt es außerdem Schlägel mit zwei oder vier unterschiedlichen Oberflächen, die durch einfaches Umdrehen variiert werden können:

Der Attack-Sound lässt sich zudem durch das Aufbringen so genannter „Patches“ (z. B. Remo Falam Slam, Evans EQ Patch, Danmar Kickpad) im Schlägelanschlagsbereich verstärken und variieren. Je nach Material und Stärke dieses Patches kann der Anschlagsklang mitten- oder höhenbetonter werden. Manche Patches bestehen lediglich aus einer stärkeren Kunststoff-Folie (z. B. aus Kevlar), in anderen Patches sind Metallscheiben eingearbeitet, die einen sehr prägnanten hohen „Kick“-Sound liefern und sich besonders bei Metal- bzw. Highspeed-Drummern großer Beliebtheit erfreuen.

Bassdrum stimmen – Sound-Beispiele

  1. moderner Pop-/Rock-Sound

Dieser zeichnet sich im Wesentlichen durch einen satten Attack und ein tiefes, kurzes Sustain aus. Als Resonanzfell wird ein einlagiges Fell verwendet, als Schlagfell kann entweder ein Fell gleichen Typs oder auch ein so genanntes „vorgedämpftes“ Fell (z. B. mit eingearbeitetem Dämpfungsring, wie Remo Powerstroke 3, Evans EMAD-Felle, Aquarian Super Kick) verwendet werden.
Ein vorgedämpftes Fell wird einen etwas satteren Attack und tieferen Grundsound produzieren, die Bassdrum benötigt daher weniger weitere Dämpfung als bei konventionellen Fellen.

Das Resonanzfell (mit oder ohne Dämpfungsring) sollte ein 4“ bis ca. 8“ Zoll durchmessendes Luftausgleichsloch besitzen. Solche Felle sind von verschiedenen Herstellern vorgefertigt erhältlich. Ein nicht mit Luftausgleichsloch versehenes Bassdrum-Resonanz-fell kann mithilfe eines 8“ Splash-Cymbals oder eines Tellers und eines scharfen Teppichmessers entsprechend bearbeitet
werden. Das Loch sollte ca. 2,5 cm vom Rand entfernt eingeschnitten und entweder links oder rechts im unteren Drittel der Bassdrum positioniert werden. Damit es schick aussieht, gibt es von der amerikanischen Firma Holz in diese Luftausgleichslöcher einsetzbare Ringe in Schwarz, Chrom- oder Gold-Optik.

Wer den Bassanteil fokussieren und deutlicher machen möchte, kann in das Resonanzloch auch einen so genannte Kickport einsetzen – eine kleine Röhre, die nach dem Prinzip ähnlich einer Resonanzröhre bei einem Lautsprecher funktioniert und Bass-frequenzen verstärken soll.

Die Stimmung dieser Fellkombination ist zunächst so tief wie möglich anzulegen –und es wird am besten mit der Stimmung des Resonanzfells begonnen. Anschließend wird das Schlagfell möglichst in die gleiche Stimmung gebracht. Danach wird das Resonanzfell dann etwas höher gestimmt. Dadurch erzielt man ein schnelles Überblenden vom Attack-Sound in die Sustain-Phase, der Attack wirkt präsent und der Sound insgesamt voluminös.

Zuletzt wird die Dämpfung angebracht. Sie sollte beide Felle bedämpfen und möglichst nicht mehr als ca. ein Fünftel der Fellfläche abdecken, eher weniger. Verwendet werden kann dazu ein passendes Kissen mit Daunen-oder Zellstoff-Füllung, eine gefaltete, leichte Decke oder die entsprechende Menge Molton-Stoff sowie auch je zwei gestackte Evans „EQ-Pads“ oder Dämpfungskissen von DW. Für einen noch stärkeren Attack kann ein Patch auf das Schlagfell aufgeklebt werden.

Für diese Soundvariante, die sich in der Praxis als sehr gute Basisstimmung sowohl live als auch bei Recordings für eine Vielzahl musikalischer Styles in Pop und Rock erwiesen hat, sind als Bassdrum-Beater Modelle mit Kunststoff-Kopf oder hartem Filzkopf zu empfehlen.

Bestens geeignet für diesen Sound sind 22“ durchmessende Bassdrums in den Tiefen 14“, 16“ oder 18“ sowie auch 20“ x 16“ Bass-drums, die bei einer Mikrofonierung erstaunlich satte Bassanteile und einen sehr konkreten Punch liefern.

  1. klassischer Hardrock-Sound

Darunter ist ein resonanter Sound mit deutlichem, „knackigem“ Attack sowie tiefem und im Vergleich zu Sound-Variante 1 etwas längerem Sustain mit nicht allzu hellen Ober-tönen zu verstehen.

Als Frontfell wird ein einlagiges, mit eingearbeitetem Dämpfungsring und Luftausgleichsloch ausgestattetes Fell eingesetzt. Als Schlagfell wird ein durchsichtiges, doppellagiges Fell verwendet. Im Bereich des Schlägelanschlagspunktes kann ein zusätzliches Patch aufgeklebt werden; dies erhöht die Haltbarkeit des Fells und fördert den Obertoncharakter des Anschlagssounds. Ausschließlich das Schlagfell wird zusätzlich im unteren Bereich des Fells gedämpft. Die Dämpfung sollte maximal eine Fellfläche von ca. 7 cm Breite und ca. 45 cm Länge abdecken. Verwendet werden kann z. B. ein zusammengerolltes Handtuch, das mit Gewebeklebeband (Gaffer-Tape) oder mit selbstklebendem Klettband an Fell und Kessel fixiert wird, oder z. B. zwei gestackte „EQ-Pads“ der Firma Evans, welche ebenfalls mit Klettband im Kessel fixiert werden, oder ein „Muff’l“ der Firma Remo .

Das Resonanzfell wird im Verhältnis zum so tief wie möglich zu stimmenden Schlagfell (der Rand wirft gerade keine Falten mehr!) um mindestens das Intervall einer Terz höher gestimmt. Wenn das Schlagfell korrekt eingestimmt ist, wird die Bassdrum mit dem Pedal angespielt, die Stimmung wird noch einmal überprüft und eventuell auftretende Dissonanzen sollten beseitigt werden, dann erst wird die Dämpfung angebracht. Für gutes Durchsetzungsvermögen des Anschlags empfiehlt es sich, als Schlägel ein Modell mit Holzkopf oder hartem Kunststoff-Kopf zu verwenden.

Diese Fellkombination und Stimmung kann natürlich bei Bassdrums jeder Größe angewendet werden, jedoch unterstützen z. B. besonders die mächtigen 24“ x 16“ bzw. 24“ x 18“ Bassdrums einen solchen Klang mit entschieden mehr Bassanteil und Lautstärke aufgrund ihrer größeren Dimensionen und damit größerer Membranfläche.

  1. moderner Metal-Kick-Sound

Dieser kann sowohl aus dem Pop/Rock-Sound als auch aus dem klassischen Hardrock-Sound abgeleitet werden. Fellkombination und Dämpfung sind Geschmackssache, ob eine etwas höhere oder tiefere Stimmung ebenfalls (wobei man, je schneller es wird, eher die höhere Stimmung favorisieren sollte). Was aber unbestritten wichtig ist, ist der Kicksound. Gerade beim Highspeed-Drumming in Regionen ab etwa 180 bpm/Viertel muss dieser unbedingt glasklar und konkret mit guter Präsenz rüberkommen – sonst nutzt die ganz Überei schneller Double-Bassdrum-Tempi nun mal gar nichts, und es endet im Soundmatsch. Also, wie bereits erwähnt, beide Felle auf eine solches Tuning hoch bringen, dass sie sich noch gut und ohne zu starken Rückprall oder gar einNachflattern der Beater spielen lassen.

Um den Attack wirklich prägnant zu machen, kann man ein spezielles Patch mit Metalleinlage im Schlägelanschlagsbereich auf das Schlagfell kleben. Diese gibt es auch in Versionen und passender Größe für ein Double-Bassdrum-Pedal, wenn man nur mit einer Kick spielen möchte. Empfehlenswert sind außerdem Beater aus Hartplastik oder Holz, bitte aufgrund der zu erzielenden Geschwindigkeiten darauf achten, dass diese nicht zu schwer sind. Es gibt im Zubehörbereich mittlerweile eine sehr gute Auswahl an Patches und Beatern, die speziell für diesen Zweck sehr gut geeignet sind.

Aus Gründen der Optik sind im Metal natürlich eher große Bassdrums angesagt.
Ein Tipp: Versucht das Ganze mal mit einer 20“ Bassdrum. Diese lassen sich mit jeder Fellkombination auf sehr kompakte und erstaunlich bassige Sounds stimmen, die zudem einen knackigen und gerade auch bei hohen Geschwindigkeiten noch sehr konkreten Attack liefern. Alle in diesen Beispielsounds angegebenen Dämpfungsmethoden haben übrigens eines gemeinsam: Alle Dämpfungsmaterialien geben der Fellbewegung etwas nach. Dämpfungsmethoden, bei denen das Material zu stark zwischen die Felle geklemmt wird und damit eine gleichmäßige mechanische Auslenkung der Felle verhindert, sind besser vermieden werden und sind höchstens für Klangexperimente geeignet.

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3 Kommentare zu “Bassdrum stimmen: Darauf musst du achten!”
  1. Ein 10″ Loch im Resonanzfell, ernsthaft??
    Da könnt ihr euch das Resonanzfell gleich komplett sparen!
    Empfehle dringendst die “Drum Tuning Bible” zu lesen (Deutsche Übersetzung als PDF ist gratis!).
    Wenn schon Informationen für Anfänger/Fortgeschrittene, dann doch zumindest richtige!

    Antworten
  2. Thomas Grusemann

    Ein (6″-)10″ Loch verwundert mich auch, zumal dann unter Bsp. 1. von 4″-8″ die Rede ist und danach keine Lochgrößenangaben mehr erfolgen – nicht gerade schlüssig diese Angaben!!

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  3. Michael Seidel

    Ich kenne eigentlich kaum einen Drummer, dessen Loch größer als 6″ ist. Wird ja eigentlich nur für eine vernünftige Mikrofonierung benötigt……

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