Mit Tipps von den Stars

Drum-Tuning-Tipps: Gezielte Verstimmung

Modern Day Babylon

Drum-Tuning im Handumdrehen: Ausgehend von einer guten, gleichmäßigen Stimmung kann man durch „gezielte Verstimmung“ bestimmte Klangvarianten erzielen. Wir zeigen dir wie leicht es geht – Tipps und Tricks von den Drummern der großen Bühne unterstützen dich dabei!

AUS 1 MACH 2

Anzeige

Benötigt man für den einen oder anderen Song beim Gig mal einen satten Balladen-Sound, hat aber im Drumset nur eine und nicht gerade „typische“, geeignete Snaredrum, so kann man sich mit folgendem Drum-Tuning-Trick behelfen: Die Stimmschraube, in deren Bereich eine Dämpfung angebracht ist (Moongel, ObertonKiller), wird stark herunter gestimmt oder sogar ganz entspannt. Durch diese partielle Verstimmung des Schlagfells wird die Snaredrum nun einen satteren Sound mit weniger Oberton erzeugen. Diese Methode wurde u. a. von dem leider 1992 verstorbenen, legendären Drummer Jeff Porcaro live eingesetzt, um mit einer ansonsten sehr hoch gestimmten 14“ x 5“ Ludwig Supraphonic Snaredrum auch Balladen mit satten Sounds spielen zu können. Es funktioniert interessanterweise am besten mit relativ hoch gestimmten Metall-Kessel-Snaredrums.

Snar Drum in der Nahaufnahme

Fette Sounds bei hoher Stimmung – so funktioniert Drum-Tuning

Für einen satteren Ton einer für ein komfortables Rebound-Gefühl relativ hoch gestimmten Snaredrum und eine sensiblere Ansprache des Snareteppichs verwendet der britische Studio- und Live-Drummer Dave Mattacks (Fairport Convention, Paul McCartney, Chris Rea u. a.) folgende Methode: Das Schlagfell wird in seiner Gesamtheit verstimmt. Ausgehend von einer gleichmäßigen Stimmung wird die Stimmschraube in der Position „6 Uhr“ um etwa eine komplette Umdrehung entspannt, die beiden Stimmschrauben links und rechts daneben um jeweils eine halbe Umdrehung. Die Stimmschraube in der Position „12 Uhr“ wird um eine komplette Umdrehung höher gespannt, die Schrauben links und rechts daneben jeweils um eine halbe Umdrehung. Anschließend noch mal fein abstimmen. Funktioniert mit allen Snaredrums, deutlichste Ergebnisse liefern allerdings Snaredrums mit 14“ × 6,5“ Kesseln.

Snareteppich resoniert zu stark

Wenn der Snareteppich zu sensibel auf eine bestimmte Frequenz/ Tonart reagiert und das prinzipiell gute Drum-Tuning etwas aus einem bestimmten Frequenzbereich herausgenommen werden muss, dann hilft ein kontrolliertes Detuning – im Prinzip ähnlich wie bei der oben beschriebenen Methode von Dave Mattacks. Voraussetzung dafür ist erst einmal eine gleichmäßige Stimmung des Instruments und ein sauber ausklingendes Sustain. Die Stimmschraube auf „12 Uhr“ wird jetzt ganz leicht um etwa eine halbe Umdrehung herunter gestimmt, die auf „6 Uhr“ etwa eine halbe Umdrehung hoch gestimmt. Die beiden Stimmschrauben links und rechts der „12 Uhr“-Position werden noch weniger, etwa nur eine Viertel-Umdrehung herunter gestimmt und die beiden Schrauben links und rechts der „6 Uhr“-Position ein ganz klein wenig höher, vielleicht ebenfalls nur eine Viertelumdrehung, mehr nicht. So wird das Schlagfell über eine quer zur Spielerposition verlaufende Achse etwas „gekippt“. Nachfolgend wird zur Eliminierung von Obertönen im Bereich der Stimmschraube auf „12 Uhr“-Position oder links und rechts davon etwas Dämpfung aufgebracht (z. B. 2 × 2 cm Gaffer-Tape-Röllchen mit nach außen gewandter Klebeseite o. Ä.). Dann mit der Snareteppich-Spannung arbeiten, etwas straffer oder etwas lockerer einstellen, doch so, dass ein satter Sound bei Backbeats entsteht und bei leiser Dynamik eine konkrete Ansprache von Ghost-Notes erhalten bleibt. (Bild2)

Drum-Tech-Statements zum Drum-Tuning

Jan Dehling (Grönemeyer)

Mit dem modernen Material und dem Wissen um das klangliche Verhalten von Fellen und Trommeln ist es möglich, mit ein und demselben Drumset einen Jazz-Trommler mit hoch gestimmten, offen klingenden Toms und ungedämpfter Bassdrum mit einlagigen, beschichteten Fellen ebenso zu bedienen wie einen Rock-Trommler mit doppellagigen Fellen und tief gestimmten Toms sowie einer fetten, punchigen Kick mit z. B. „Powerstroke 3“-Fellen. Das funktioniert tatsächlich ganz einfach abhängig von Fellwahl und Drum-Tuning.

Sicherlich spielt Stimmstabilität eine große Rolle. Was hilft es, wenn ein Set vor der Show gut gestimmt ist und super klingt, es aber nach vier Songs von 20 komplett die Stimmung verliert und alles klingt wie Kraut und Rüben? Glücklicherweise sind die Sets heute zum Teil auch schon im günstigen Preissegment so hochwertig, dass es sich durch die korrekte Stimmung und Dämpfung sowie Wahl des passenden Zubehörs entscheidet, wie gut ein Set klingt, nicht zu vergessen natürlich vor allem durch den Musiker, der es spielt.


Jens Happel (PUR)

Mein Drum-Tuning-Tipp? Kurz und knapp: Ein kleines feines Buch! Nur 23 Seiten: „Drum Tuning – A Comprehensive Guide To Tuning Drums“ von Larry Nolly. Ansonsten: Die Schrauben drehen und hören, hören, hören, was passiert!

Thomas Tiesler (Santana, Saxon)

Wenn es mal nicht „rund“ klingt, dann liegt es oft am Bottom Head! Die werden nämlich gerne vernachlässigt. Also mal die Mühe machen und die Trommel umdrehen und auch die Resonanzfelle sorgfältig stimmen. Wichtig ist auch, dass alle Felle ordentlich sitzen und gut gedehnt sind, dann klappt das meist auch mit dem Drum-Tuning.

Jürgen Düsterloh (Westernhagen)

Es braucht geschulte Ohren und eine klare Vorstellung davon, was ein sauber abgestimmt klingendes

Set von Bassdrum/Snaredrum/Toms für die jeweilige musikalische Situation ist. Da hilft nur: Immer wieder üben, immer wieder ausprobieren und viel Erfahrung sammeln. Und: „Geht nicht“ gibt’s nicht! Die Resonanzfelle nicht vergessen! Dieses Thema wird doch meist sträflich vernachlässigt. Und kriegt man keinen befriedigenden Ton hin, nicht weiter rumwurschteln, sondern grundsätzlich von vorne anfangen: Schlagfell runter und zuerst das Resonanz-Fell neu stimmen. Dann klappt es danach meistens auch wieder mit dem Schlagfell!
In Memoriam Jürgen Düsterloh 1960 – 2014

Jörg Schmitt (Die Ärzte, Silbermond)

Grundsätzlich: Ohren benutzen! Wenn man die üblichen Dinge beachtet – Felle ordentlich aufziehen, sorgfältig über Kreuz stimmen, Felle vor dem Stimmen ausdehnen und setzen lassen –, dann ist schon mal eine gute Grundlage gelegt. Den Resonanzfellen wird oftmals zu wenig Bedeutung beigemessen – das kann ein fataler Fehler sein!

Tommy Noack (Saga, Spock’s Beard)

Erst mal altes Fell runter, dann Kesselgratung und Spannreifen mit einem Tuch säubern. Das neue Fell richtig schön „anbrummen“, also richtig schön spannen, so dass es sich setzt. Dann wieder das Fell entspannen. Mit dem tiefsten Tom anfangen und nach oben gehen. Ich mag es tief und „pfundig“. Die Schrauben sollten gerade so anziehen. Aber das ist von Drummer zu Drummer verschieden, und wir sind ja schließlich flexibel.

Ein Kommentar zu “Drum-Tuning-Tipps: Gezielte Verstimmung”
  1. Julian Habich

    Wie würde man denn diese Stimmtechniken auf eine Snare mit nur 8 Stimmschrauben pro Seite übertragen? Gruß, Jules

    Antworten
Hinterlassen Sie einen Kommentar

Das könnte Dich auch interessieren: