Workout für Schlagzeuger

Fit For Drums: Merkmale einer guten Bewegungsqualität

Nachdem wir uns in den vorhergehenden Workshop-Folgen mit diversen Themen rund um das Aufwärmen beschäftigt haben, werden wir uns in den kommenden Folgen mit den Bereichen der Haltung sowie der Spiel- und Bewegungsanalyse auseinandersetzen. Zum Einstieg möchte ich von einem persönlichen Erlebnis berichten.

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So bitte nicht: falsche Sitzposition und Körperhaltung

Vor einiger Zeit war ich bei einem befreundeten Toningenieur zu Besuch. Wir saßen gemeinsam in seinem Studio und schauten uns diverse Aufnahmen seiner Musikproduktionen an, darunter eine Live-DVD einer Band. Dabei war festzustellen, dass der Sound des Schlagzeugers nicht wirklich überzeugen konnte. Die Toms klangen sehr dumpf, und das Anschlagen wirkte sehr starr und gepresst. Außerdem waren viele Schläge auf den Rand rauszuhören. Auch die Snaredrum klang ähnlich dumpf und steif gespielt. Nach diesen Erkenntnissen schauten wir uns die Rohaufnahmen der Kameras an, die den Drummer aufzeichneten. Bereits nach wenigen Minuten des Schauens waren die Ursachen der geschilderten Phänomene offensichtlich. Der eigentliche Sound des Sets war sehr gut, vom Tuning her war das Schlagzeug ordentlich gestimmt. Die Sitzposition, die Körperhaltung und die Bewegungsabläufe des Schlagzeugers waren dagegen alles andere als optimal!

Im Foto seht ihr exemplarisch einen Drummer mit einer falschen Sitzposition sowie einer falschen Körperhaltung.

Diese Fehler haben massive Auswirkungen auf das Schlagzeugspiel zur Folge:

Treffpunkt

Bei einer falschen Sitzposition (z. B. zu tief oder zu hoch) können Bewegungen nicht natürlich und locker ablaufen. Die Erreichbarkeit der Trommeln und Becken ist eingeschränkt, wodurch diese unsauber getroffen werden. Dies hat massive negative Auswirkungen auf den Sound und auf das Timing.

Bewegungsabläufe

In dieser Haltung befinden sich die Gelenke in einer unnatürlichen Position, was sich folglich in Fehlhaltungen der Arme und Hände sowie der Beine und Füße äußert. Viele Bewegungen können somit nicht locker und sauber ablaufen. Gerade beim Spielen in höherem Tempo laufen die Bewegungen immer krampfhafter ab.

Verspannungen

In diesen unnatürlichen Positionen und Haltungen entstehen Anspannungen in der Muskulatur sowie den Sehnen und Bändern. Dadurch werden Bewegungsabläufe weiter eingeschränkt, so dass diese krampfhaft und steif ablaufen.

Belastungen

Durch solche unnatürlichen Haltungen und Positionen sowie den entstehenden Anspannungen steigen die Belastungen auf den Körper. Das Risiko für Schmerzen, Probleme oder gar größere Schädigungen am Körper steigt.

Sound

Unnatürliche, krampfhafte und angespannte Bewegungsabläufe spiegeln sich im Klang bzw. Sound wider. Merkmale aus den Bewegungen übertragen sich automatisch auf den Sound, welcher dann ebenfalls gepresst, angespannt oder dumpf ist.

Timing

Unsaubere Bewegungsabläufe sorgen für ein ungenaues Timing. Eine krampfhafte, angespannte Bewegung hat zur Folge, dass Ungenauigkeiten in eurem Spiel entstehen. Notenwerte werden ungenau gespielt, die Phrasierung passt nicht, und es kommt zu Temposchwankungen. Das gesamte Spiel groovt nicht.

Ihr sitzt auf der Bühne und fragt euch, warum der Funke nicht von der Bühne auf das Publikum überspringt, obwohl sich die Band mächtig ins Zeug legt. Das letzte Quäntchen, was vielen Bands fehlt, ist der absolut geile Groove des Schlagzeugs. Häufig sind es nur sehr kleine Fehler im Hinblick auf die Haltung oder die Bewegungsabläufe, die jedoch das musikalische Ergebnis massiv beeinflussen. Ihr müsst also versuchen, eine optimale Bewegungsqualität zu erreichen.

Woran erkennt ihr denn nun eine gute Bewegungsqualität?

Wichtig ist, dass ihr eure körperlichen Voraussetzungen beachtet und zunächst euren Set-Aufbau sowie die Sitzeinstellungen daran anlehnt. Jetzt erreicht ihr einen ergonomischen, natürlichen Bewegungsfluss. Zum einen schafft ihr es, die Spieltechnik sauber umzusetzen, zum anderen könnt ihr locker und mit einem geringen Kraft- und Energieaufwand spielen. Die Bewegungen laufen dabei gleichmäßig und fließend ab. Gleichzeitig könnt ihr eine hohe Bewegungsdynamik erreichen. Sowohl leises, fein dosiertes als auch kraftvolles Spielen ist problemlos möglich. Unsaubere Techniken und Bewegungen benötigen unnötig viel Energie und rufen zudem hohe Belastungen hervor.

Weiterhin ist eine gute Bewegung vom Bewegungsrhythmus gekennzeichnet. Das bedeutet, dass die zeitliche Ordnung bzw. die gesamte Bewegung gleichmäßig und kontinuierlich abläuft. Viele Wiederholungen wie z. B. bei einem Groove gehen dabei flüssig ineinander über. Weiterhin sind Teilbewegungen von Armen und Beinen optimal gekoppelt bzw. koordiniert. Das zeitliche, räumliche und dynamische Zusammenspiel ist dann von einer hohen Präzision gekennzeichnet.

Aufgrund der Dauer vieler Bewegungsabläufe beim Schlagzeugspielen ist Konstanz ein entscheidendes Kriterium für eine gute Bewegung. Diese muss über längere Zeiträume gleichmäßig ablaufen. Des Weiteren zeigt der Bewegungsumfang der einzelnen Teilbewegungen, wie dynamisch, intensiv oder genau eine Bewegung verläuft.

Die körperlichen Voraussetzungen tragen entscheidend dazu bei, dass ihr eine hohe Bewegungsqualität erreicht, die sich in der musikalischen Qualität und im körperlichen Wohlbefinden äußert.

In den nächsten Folgen werden wir verschiedene Aspekte zur Körperhaltung, Beweglichkeit und zu entspannten, lockeren Bewegungsabläufen behandeln, so dass ihr eure Bewegungsqualität und damit euer Schlagzeugspiel verbessern werdet. Ich freue mich über Feedback und Fragen!


 

086003Florian Fochs ist Drummer und diplomierter Sportlehrer. Er entwickelte das Fitnessprogramm für Schlagzeuger „Fit for Drums“ (Buch erhältlich im STICKS-Shop), mit dem er Drummer im Hinblick auf die Bedeutung der körperlichen Voraussetzungen beim Schlagzeugspielen schult und ihnen Tipps und Tricks gibt, wie man Beschwerden und Probleme reduzieren und diesen vorbeugen sowie die spielerischen Fähigkeiten verbessern kann.

info@florianfochs.de

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