Tom Tuning

Toms stimmen: So geht Tuning richtig

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Du willst deine Toms stimmen? Oft wird angenommen, dass ein Tom mit tiefem Kessel auch ein längeres Sustain produziert. Im Direktvergleich, bei gleicher Fellausstattung und möglichst gleicher Stimmung, produziert allerdings eher ein Tom mit Standard-Maßen ein längeres Sustain. Wir zeigen dir wie einfach es geht.

Dies erklärt sich durch die schnellere Interaktion der beiden Felle; die angeregte Luftsäule im Kessel muss eine kürzere Distanz zurücklegen, um beide Felle wechselseitig zur Schwingung anzuregen. Toms mit Standard-Maßen verfügen also über einen resonanteren Klang, tiefere Toms hingegen produzieren einen etwas trockeneren, „Attack“-betonteren Sound.

Sehr extreme Sounds können Floor-Toms produzieren. Man kann ihnen Sounds ent locken, deren Resonanzfrequenzen sogar tiefer als diejenige von Bassdrums sein können. Mit Floor-Toms lassen sich auch gut Kesselpauken-ähnliche, wuchtige und resonante Klänge erzielen. Leider tritt oft ein unerwünschter Nebeneffekt auf, der an den Klang eines Basketballs erinnert, der auf den Turnhallenboden auftickt. Dieser lässt sich dadurch vermeiden, dass man Floor-Toms nicht zu hoch stimmt, vor allem nicht das Resonanzfell.

Den perkussivsten Sound liefern Concert-Toms, die jeweils nur mit einem Schlagfell ausgestattet sind. Sie bieten ein Maximum an Attack-Sound sowie einen deutlich ausgeprägten Ton mit klar definierter Resonanzfrequenz (einige Firmen bezeichneten sie auch als „Melodic-Toms“). Concert-Toms bieten allerdings aufgrund des fehlenden Resonanzfells weniger Sustain. Sie eignen sich dadurch bestens für schnell gespielte, melodisch ausgeprägte Tom-Fills, bieten –ebenfalls bedingt durch das fehlende Resonanzfell – allerdings auch weniger Rebound (= Rückprall der Sticks) und somit ein etwas gewöhnungsbedürftigen Spielgefühl.

Tom stimmen leichtgemacht

Generell sollte man bei der Stimmung von Toms und Floor-Toms mit dem Resonanzfell beginnen und größten Wert auf eine äußerst exakte Stimmung legen. Das Resonanzfell wird indirekt (= nicht durch den Schlag, sondern durch die Bewegung der Luftsäule im Kessel) zur Schwingung angeregt, und da es nur in den seltensten Fällen weder gedämpft wird, noch ihm zusätzliche Geräuschformanten hinzu addiert werden (wie durch den Snareteppich bei der Snaredrum), wird sich jede noch so leichte Verstimmung als eine Tonhöhenverschiebung nach oben oder unten sowie durch unerwünschte Resonanzfrequenzen bemerkbar machen.

 

  1. offener, lang ausklingender Sound mit sattem Attack

Hierzu verwendet man vorzugsweise ein – lagige, klare Felle wie z. B. Remo „Ambas sador“, Evans „Genera G1“ oder Ähnliche. Resonanz- und Schlagfell werden zunächst auf die gleiche Spannung gebracht. Für einen schnellen Übergang von der Attack- in die Sustain-Phase und einen guten Rebound sollte anschließend das Resonanzfell minimal höher gestimmt werden.

Verwendet man statt der durchsichtigen Schlagfelle beschichtete (= coated) Versionen, so lässt sich damit ein etwas satter klingender Anschlagssound erzielen. Sollte der Sound zu obertonreich sein, kann man mittels eines gerollten Gaffer-Tape-Streifens das Schlagfell im Bereich unterhalb einer Stimmschraube entsprechend dämpfen. Für Toms mit kleinerem Durchmesser (bis zu 13“) ist es empfehlenswert, den Gaffer-Tape-Streifen in der Breite zu halbieren, um die Trommel nicht zu überdämpfen. Es können natürlich auch die selbsthaften-den Moongel-Pads zur Dämpfung eingesetzt werden. Diese sind allerdings schwerer und verfügen so über einen stärkeren
Dämpfungseffekt. Sie lassen sich aber leicht auf das entsprechend nötige Maß bzw. die gewünschte Dämpfungsstärke zurechtschneiden.

  1. Attack-betonter Sound mit tiefem und kontrolliert ausklingendem Sustain
    Hierzu eignet sich eine Fellkombination aus doppellagigem Schlagfell und einem mittel-starken Resonanzfell (z. B. Remo „Ambassador“ oder Evans „Genera G1“ o. Ä.). Auch hier sollte man für einen Attack-Sound mit dunklerer Klangfärbung ein beschichtetes (= coated) Schlagfell nehmen.

Das Resonanzfell wird so gespannt, dass es sich im Center mit leichtem Daumendruck noch ein bis zwei Millimeter eindrücken lässt (das ist schon relativ hoch). Damit wird eine schnellere Reaktion der Felle zueinander erreicht und ein guter Rebound erzielt.

Das Schlagfell wird jetzt im Verhältnis zum Resonanzfell etwas tiefer gestimmt. Durch das leicht tiefer gestimmte Schlagfell erhält man einen etwas satteren Attack als bei gleich hoch gestimmten Schlag- und Resonanzfellen. Zum Eliminieren eventuell noch vorhandener, störender Obertöne kann man die in Sound-Beispiel 1 angeführten Dämpfungsmethoden einsetzen. Dies ist ein Universalsound für viele musikalische Styles, und er ist bei vielen Toningenieuren wegen der unkomplizierten Mikrofonierung besonders live sehr beliebt.

  1. satter Sound mit prägnantem Attack und kurzem Sustain
    Hier eignet sich die Fellkombination aus doppellagigem, vorgedämpften Schlagfell und einlagigem, ebenfalls vorgedämpften Resonanzfell. Eine „klassische“ Fellkombination dieser Art besteht aus einem Remo „Pinstripe“-Schlagfell und einem Remo „CS Black Dot (clear)“-Resonanzfell. Moderne Varainten eines solchen Sounds lassen sich mit Fellen wie Remo „Emperor“-Schlagfellen und einlagigen, klaren Resonanzfellen erzielen. Auch einlagige moderne Schlagfell-Typen wie Remo „Ambasador X“ oder Evans „Heavyweight“ ermöglichen in Verbindung mit diesen Resonanzfellen solche Sounds. In beiden Fällen können sowohl Schlag- als auch Resonanzfell durchaus schon
    mittelhoch gestimmt werden. Sie produzieren dann immer noch einen satten, allerdings jetzt sehr Attack-betonten Sound mit relativ kurzem Sustain. Je tiefer das verwendete Tom ist, desto weniger Sustain wird man bekommen. Für mehr Sustain sollte man das Resonanzfell etwas höher stimmen, bis zu dem Punkt, an dem mehr Resonanz entsteht.

In der Regel ist für diesen Tom-Sound eine zusätzlich, externe Dämpfung eigentlich nicht mehr nötig. Dieser Klang erfreut sich nicht nur bei Poprockern und Fusionisten, sondern auch bei Hardrock- und Metal-Drummern großer Beliebtheit, da auch bei schnellen Tom-Fills jeder Akzent deutlich hörbar bleibt.

  1. typischer Concert-Tom-Sound

Eine Sonderstellung in puncto Sound nehmen die Concert-Toms ein. Verwendet man auf den Größen bis etwa 14“ z. B. Remo „CS Black Dot (clear)“ oder Ludwig „Silver Dot“-Felle und stimmt diese recht hoch, erhält man einen hellen, Attackbetonten Sound, der schon fast an den Klang von Timbales heranreicht. So lässt sich – bei dann etwas tiefer gestimmten großen Concert-Toms (ab etwa 14“) – schon eine gute Illusion des „klassischen Phil-Collins-Sound“ realisieren (hier fehlen dann lediglich diverse Effektgeräte wie Noise Gates und Gated Reverb). Ein etwas satterer Sound bei weiterhin gut ausgeprägtem Grundton lässt sich durch eine insgesamt etwas tiefere Stimmung und ein wenig Dämpfung mittels Gaffer-Tape oder Moongel-Pad erzielen. Falls der Attack-Sound zu hell oder ausgeprägt sein sollte, empfiehlt sich alternativ der Einsatz von klaren doppellagigen Fellen wie z. B. Remo „Pinstripe“ (patschiger Attack) oder „Emperor“ (crisper Attack). Stimmt man jetzt eine Stimmschraube gezielt herunter und klebt das Fell an dieser Stelle am Rand mit einem Moongel-Pad oder einem Gaffer-Tape-Streifen ab, erhält man nach dem Attack einen von der Tonhöhe her wunderschön abfallenden Nachklang („Doouunnn“-Sound).

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