King Crimson Drummer im Interview

Gavin Harrsion: Meinen Drumsound habe ich über Jahre entwickelt

Als ich Gavin auf der Bühne traf, saß er gerade an seinem wunderschönen Blue Tribal Sonor SQ2 Drumkit und war damit beschäftigt, den Schaft seiner Drumsticks mit einem blauen Wachsbrocken einzureiben.

Gavin, wenn wir schon mal an deinem Drumkit stehen, dann drängt sich die Frage des Schlagzeugsounds auf, der in deinem Fall immer schon sehr klar, ungeheuer präsent und treffsicher war. Ist Sound Ausdruck der eigenen künstlerischen Identität?

Meinen Drumsound habe ich über Jahre entwickelt. Ich bin sehr froh, dass ich seit 20 Jahren mein eigenes Studio habe. So konnte ich gezielt an meinen Drumsound arbeiten. Sound kennzeichnet die eigene Handschrift, und ich denke, dass mein Drumsound von Jahr zu Jahr ein bisschen besser geworden ist. Das liegt aber auch daran, dass meine Erfahrung als Toningenieur immer größer geworden ist. So konnte ich einen für mich idealen Drumsound entwickeln. Und ich spiele das Schlagzeug ausschließlich mit exakt diesem Drumsound, den ich als meinen bezeichne. Ich ändere den Sound auch nicht für unterschiedliche Produktionen. Zudem bin ich nicht der Session-Drummer, der sein Schlagzeug nach den Wünschen eines Producers umstimmt, um einem bestimmten Style gerecht zu werden. Der Sound, den ich habe, das bin ich. Und ich bin der Sound.

Für Recordings baust du dein Set also nicht in irgendwelchen Studios auf, sondern arbeitest in deinem eigenen Studio und somit in einer nach deinem Sound-Verständnis optimalen Umgebung?

Richtig, 99 Prozent aller Sessions produziere ich selber in meinem eigenen Studio

Wie ist es möglich, in der isolierten Studiosituation die Homogenität des Band-Playing zu kreieren?

Mein Ziel war es, eine Illusion zu erzeugen, als hätten wir gemeinsam in einem Raum als Band aufgenommen. Dazu braucht man gutes Audio-Ausgangsmaterial, am besten die komplette Produktion bzw. Vorproduktion mit allen Vocals, Melodielinien, Gitarrensoli usw. Wenn das gegeben ist, kann ich kreativ arbeiten, Ideen entwickeln und musikalisch auf die vorhandenen Tracks reagieren. Wenn Musik Inspirationen freisetzt, dann ist es für mich nicht schwierig, Grooves zu entwickeln, die mit den Arrangements homogen ineinanderfließen. Fast jede Platte heutzutage ist ja nichts anderes als eine Illusion, so wie jeder Film, den du dir anschaust, auch eine Illusion ist. Die Allgemeinheit geht davon aus, dass Bands immer gemeinsam spielen und Songs mit allen Instrumenten und Gitarrensoli in einem Take und ohne Edits entstehen. Letztlich ist es dem Zuhörer egal, wie viel Arbeit hinter einer Aufnahme steckt, wie viele Takes man erarbeitet hat, wie viel editiert wurde, wie das Mixing und Mastering gefahren wurde, Compression, Reverb etc. Mein Anspruch ist es, ein Klangbild zu erschaffen, das ein homogenes Band-Playing suggeriert. Aber in Wahrheit habe ich nahezu alle Alben in den letzten 25 Jahren alleine eingespielt. Die gemeinsame Band im Studio ist nichts anderes als eine romantische Vorstellung.

War das auch bei den Alben von Porcupine Tree so?

Exakt! Wir haben nie zu einem Zeitpunkt im Studio gemeinsam gespielt – mit Ausnahme einiger Tracks für das erste Album „In Absentia“. Während ich spielte, saß die Band im Regieraum. Bei allen Alben danach waren zu keiner Zeit zwei Porcupine-Tree-Musiker zur selben Zeit im Studio. Ich habe die Drums immer alleine aufgenommen, so wie Richard auch die Keyboards, Steven all die Gitarren und Colin die Bässe alleine aufgenommen haben. Das sind die modernen Produktionsweisen. Der Vorteil dabei ist, dass man mit Leuten in Kontakt treten und arbeiten kann, die irgendwo auf der Welt leben. Ein paar E-Mails werden versendet, und schon ist der Job erledigt! Es ist schon eine merkwürdige „Realität“. (lacht) Aber es gibt auch einen Nachteil, denn alleine im Studio zu sitzen ohne unmittelbares Feedback, ohne Engineer, ohne Sänger und ohne Band, das ist ein recht einsames Leben. Aber damit muss man heute zurechtkommen, denn das Business hat diesen Weg eingeschlagen.

Das vollständige Interview findest du hier zum Download!

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Das könnte Dich auch interessieren: