Warum Phil Collins laut über ein Comeback nachdenkt

Phil Collins im Interview

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Seit vier Jahren ist Phil Collins nun hauptberuflicher Rentner und Familienvater. Was ihm alles andere als leicht fällt, und weshalb der einstige Workaholic laut über ein Comeback nachdenkt. Das Problem: eine komplizierte Nervenkrankheit, die ihn nur unter starken Schmerzen spielen lässt. Doch gegen die, so verrät er im STICKS-Interview, kämpft er genau so entschlossen an wie gegen seine ewigen Kritiker.

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Womit wir beim offiziellen Anlass dieses Treffens wären: nämlich die Neuauflage seines Backkatalogs mit acht Solo-Alben, die nun in remasterter Form sowie mit je einer BonusDisc voller Demos und Live-Tracks erscheinen. Den Auftakt machen „Face Value“ (1981) und „Both Sides“ (1993), gefolgt von „Hello, I Must Be Going“ (1983) und „Dance Into The Light“ von 1996. Meilensteine eines Mannes, der zwar imposante 250 Millionen Tonträger verkauft hat, doch geradezu erschreckend normal wirkt.

Phil, die Stones, Queen und Led Zeppelin haben ihren Katalog bereits zig Mal neu aufgelegt. Warum hat das bei dir so lange gedauert?

Phil Collins: Dieses Remastering-Ding ist oft nichts anderes als Geschäftemacherei, mit der ich nichts zu tun haben möchte. Es sei denn, da ist zumindest ein wenig Kunst involviert. Deshalb habe ich mich dem bisher verweigert. Was mich zum Umdenken bewegt hat, ist eine Entwicklung, die gerade vonstatten geht: Meine Sachen werden von vielen jungen Leuten neu entdeckt. Was damit zusammenhängt, dass es in den letzten Jahren viele Prominente gab, die mich als einen ihrer Haupteinflüsse gelistet haben. Also von Adele über Pharrell bis zu Beyoncé – sie alle haben in Interviews erklärt, wie wichtig ich für ihren Sound bin. Was unglaublich ist – ein wunderbares Kompliment! Es ist eine angenehme Überraschung, dass ich scheinbar kein rotes Tuch mehr bin, sondern vielleicht sogar ein kleines bisschen cool. (lacht)

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Also die Wiederveröffentlichungen als Reaktion auf einen neuerlichen Popularitätsschub?

Genau. Und ursprünglich wollte das Label einfach die üblichen BSeiten und Demos als Bonusmaterial benutzen. Nur ist es bei mir halt so, dass die meisten meiner Demos ja schon als B-Seiten von Singles erschienen und somit auch im Internet vertreten sind. Weshalb ich auf die begleitenden CDs, die den Original-Alben bei der Neuauflage beiliegen, lieber ein paar richtig gute Live-Mitschnitte packen wollte. Also nicht nur Material von irgendwelchen DVDs, sondern unveröffentlichte Aufnahmen, die zeigen, was für eine tolle Band ich hatte. Da gibt es wirklich großartige Sachen. Und einige klingen ganz anders als auf den Alben, wo ich ja viel alleine gemacht habe.

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Es ist schon etwas anderes, wenn so ein Song, den ich ursprünglich in meinem Heimstudio aufgenommen habe, plötzlich von zwölf Typen inklusive einer Bläsersektion interpretiert wird – gerade bei „Both Sides“, das komplett im Alleingang entstanden ist. Der Unterschied bei den Live-Versionen zeigt dann, wie sich die Songs durch die Band weiterentwickelt haben. Außerdem haben wir alle Plattencover neu aufgenommen – in derselben Farbe, in demselben Setting und mit demselben Motiv wie damals, aber mit meinem aktuellen Gesicht. Sprich: Es sind exakt dieselben Cover, aber mit dem jetzigen „Ich“. Was zeigt, dass ich mir durchaus Gedanken über dieses Projekt gemacht habe – und dass ich darin persönlich involviert bin.

Die Beatles-Remasters, die als Non plus Ultra der Branche gelten, waren allein deshalb so erfolgreich, weil sie Momente offenbarten, die vorher gar nicht zu hören waren – wie Ringos Schlagzeugspiel, das oft weit in den Hintergrund gemischt war. Hast du einen ähnlichen Ansatz verfolgt? Hast du ebenfalls die Original-Masterbänder hervorgeholt und da Dinge im Klangbild verändert?

Nein, sie wurden nur remastert, nicht remixt. Ich habe das Nick Davis und Miles Showell von Abbey Road überlassen. Unter den Stücken ist zum Beispiel ein Demo, das Eric Clapton und ich für „Face Value“ aufgenommen haben. Ich habe es auf einer alten Kassette gefunden. Und es ist die ursprüngliche Version des Songs – so, wie ich ihn zuerst gehört habe. Damals wollte ich Eric unbedingt dabeihaben, wir haben es zusammen aufgenommen, und dann hat sich der Idiot in mir durchgesetzt. Der, der unbedingt alles perfekt haben will. Also habe ich einen anderen Gitarristen, Joe Partridge, gebeten, den Part neu aufzunehmen, und habe mich da in etwas verrannt, das völliger Quatsch war. Ich hätte es so belassen sollen, wie es mit Eric war. Zum Glück hatte ich noch eine Kassette davon – eine alte Analog-Kassette, die jetzt neu bearbeitet wurde.

Das komplette Interview findest du in der aktuellen STICKS 02/16 hier zum Download!

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