Mentales Training für Drummer

Schlagzeug spielen vor Publikum: Optimale Auftrittsvorbereitung


Nachdem ich Anfang des Jahres die Auftritte einige der weltbesten Drummer im Rahmen des „Ultimate Drummer´s Weekend“ in Australien verfolgen konnte, wurde mir klar, welch großen Anteil eine gute Vorbereitung an ihren Erfolgen hat.

Anzeige

Drummer wie Dennis Chambers, Dom Famularo und Jojo Mayer planen voraus, bereiten sich körperlich und mental auf ihre Shows vor. Es zählt nicht nur der Tag der Performance für sie. Für sie gilt die Maxime: „Wenn du dich richtig vorbereitest, dann spielst du auch einen guten Auftritt!“

Wenn wir im Publikum sitzen, sehen wir das natürlich alles nicht, wir kriegen nicht mit, wie sie sich auf die Gigs vorbereiten, um letzten Endes dann den großen Erfolg zu haben. Eben dieses gute Vorbereitung ist aber auch für Dich wichtig — wie für jeden Drummer, der mal ein richtig guter, professioneller Musiker werden will. Du kannst nicht einfach am Tag der Show dort erscheinen und hoffen, es wird schon alles gut gehen. Wenn du dich richtig auf den Tag vorbereitest, wirkt sich das erstens positiv auf dein Spiel aus und zweitens hast du auch viel mehr Spaß dabei. Ich möchte an einem Beispiel erklären, wie ich das meine. Kürzlich traf ich einen Freund wieder, den ich länger nicht gesehen hatte. Er hatte in der Vergangenheit schon mit wirklich guten Bands gespielt. Mittlerweile aber hatte er nur noch den großen Frust, er hatte einen richtigen Zorn auf das Music Business und war kurz davor, seine Trommeln zu verkaufen und alles hinzuschmeißen!

Ich fragte ihn daraufhin, wie er sich denn eigentlich auf einen tollen Gig vorbereiten würde. Er schaute mich ratlos an und sagte: „Vorbereiten — was meinst du denn damit?“ Also setzten wir uns hin, und schauten uns seine Situation mal genauer an. Er spielte drei bis vier Auftritte pro Woche und gab außerdem noch tagsüber Schlagzeugunterricht. Weil er auch informiert sein wollte, was in der Szene so abging, ging er auch noch einmal die Woche zu irgendwelchen Konzerten von anderen Bands. Dadurch konnte er zwar dann wenigstens auch mal seine Freunde treffen, aber das hieß natürlich auch, dass seine ohnehin schon hektische Woche noch stressiger wurde.Was dann noch zu allem Übel dazukam, war, dass er jede Nacht auf der Heimfahrt sich noch irgendwo irgendwelchen Junk Food reinzog und mit einem vollgestopften Magen ins Bett ging.

Wie ihr euch sicher denken könnt, kam er morgens dann kaum aus den Federn. Er hatte weder die Energie noch den Enthusiasmus, um seinen Schlagzeugschülern zu zeigen, was einen wirklich guten Drummer ausmacht. Er wurde tatsächlich eigentlich keinen Morgen mehr so richtig wach und lebendig. Er hasste es, überhaupt aufstehen zu müssen, und der Wecker klingelte endlos lange bis er endlich die Kurve kriegte. Dann war gerade noch Zeit, in die Klamotten zu springen, und schon stand der erste Schlagzeugschüler vor der Tür! Von einem gesunden Frühstück konnte natürlich auch keine Rede mehr sein. Geschweige denn, dass er für den Tag irgendwie vorausgeplant hatte. Jede seiner Unterrichsstunden fing er unpünktlich an, entschuldigte sich dafür ständig bei seinen Schülern, und zum Schluss hörte er früher auf, weil er so seinen Zeitplan wieder in die Reihe kriegen wollte. Seinen Schülern versprach er jedes Mal, nächste Stunde die Zeit nachzuholen, die er ihnen noch schuldete …

Wenn unser Freund so jede seiner Wochen anfing, hieß das, dass er spätestens am Dienstag oder Mittwoch ein völliges Wrack war, körperlich und mental! Und er fragte sich doch tatsächlich, warum sein Schlagzeugspiel wohl nicht mehr so gut war und warum er seinen Schülern nichts mehr so richtig vermitteln konnte! Wir haben dann zusammen einen Plan für ihn ausgearbeitet. Hier sind ein paar der einfachen aber effektiven Tips, die ich ihm gegeben habe, von denen aber auch ihr sicher profitieren könnt. Mein Freund jedenfalls hatte auf einmal wieder Spaß am Schlagzeug spielen und er lieferte bessere Auftritte ab! Vermeidet zu viel Alkohol und esst spätabends nichts mehr oder nur ganz wenig. Schlaft genügend (zwischen 6 und 8 Stunden sollten es schon sein), vor allem am Tag vor einem großen Gig oder einer Audition.

Nehmt euch die Zeit, vor einem Auftritt eine gesunde, ausgewogene Mahlzeit zu euch zu nehmen — das gibt euch die Energie, die ihr braucht, um auf eurem Top-Level zu spielen. Nehmt euch auch genug Zeit, um vorher alles zu planen — schaut auf die Straßenkarte, um rauszufinden, wo ihr hin müsst und wie ihr da am besten hinkommt, wenn ihr irgendwo einen Auftritt habt. Dazu gehört auch, seinen Kram rechtzeitig vorher zusammengepackt zu haben, um nicht in letzter Minute hektisch die Autoschlüssel oder die Brieftasche suchen zu müssen! Macht euch eine Checkliste für eure Sachen, die ihr zum Auftritt mitnehmen müsst. Dazu gehören z.B. die Drumsticks, die Noten, Stimmschlüssel und Werkzeug, ein Handtuch — und was auch immer sonst noch für euch dazugehört.

Es kann auch nichts schaden, ein paar Müsliriegel oder ähnliches einzustecken für die Pausen zwischen den Sets, damit ihr nicht mittendrin schlappmacht. Ganz wichtig: Nehmt ein paar Flaschen Wasser mit! Wenn ihr schwitzt und den Flüssigkeitsverlust nicht durch Trinken ausgleicht, verliert ihr an Power. Kalkuliert genügend Zeit ein, um 1. am Ort des Geschehens rechtzeitig anzukommen und 2. auch noch in Ruhe aufbauen zu können. Ein paar Dehnübungen vor dem Gig haben auch noch keinem Drummer geschadet, ein guter Warm-Up ohne Hektik ist schon die halbe Miete!

Ihr solltet nur in einer Band spielen, die Musik macht, die ihr auch leiden könnt — wenn ihr zu irgendwelchen Sachen spielt, die euch eigentlich eher Schauer den Rücken runter laufen lassen, wirkt sich das sicher nicht gut auf eure Performance aus! Und Spaß werdet ihr dann wohl auch kaum haben … Ihr solltet schon im voraus wissen, was ihr spielt und welches die richtigen Tempi sind. Ihr solltet euch ein Notizbuch zulegen, in dem ihr festhaltet, was ihr wann geübt habt. Und nicht zuletzt: Denkt immer daran, dass Übung den Meister macht. Auch die besten der besten Drummer wissen, dass man sein Spiel immer noch verbessern kann.

Ich bin mir sicher, euch werden noch andere Sachen einfallen, die ihr dieser Liste anfügen könnt. Was meines Erachtens auch noch sehr wichtig ist: Sich immer professionell vorzubereiten heißt auch, dass man immer auf dem Laufenden ist, schlagzeugtechnisch und spielerisch gesehen. Versucht, so viel wie möglich darüber zu lernen, wie man Auftritte spielt. Wann immer sich die Gelegenheit dazu bietet, solltet ihr euch die Top-Drummer live anschauen, um euch da was abzugucken. Außerdem kann man auch eine Menge aus Schlagzeug-Videos und -Büchern lernen, man kann sich Infos aus dem Internet ziehen, an Drum-Workshops teilnehmen, Musikmessen besuchen usw.

Noch was, worüber ihr nachdenken solltet: Wenn ihr in eurem eingefahrenen Trott immer so weitermacht, wird sich nie die Gelegenheit für eine positive Veränderung ergeben. Wenn ihr euch nicht richtig vorbereitet auf einen Gig, wird auch der Gig nichts. Wenn ihr euch nicht körperlich und mental aufs Trommeln vorbereitet, klingt dann garantiert auch alles ziemlich besch…eiden — aber es gibt ja noch Hoffnung! Wenn ihr ein paar Dinge ändert, was euer Musikmachen betrifft, werden sich die Erfolge schon einstellen! Mit der richtigen Vorbereitung wird es auch eine tolle Performance!


Glen Pattisons Buch The Unbeatable Advantage sowie das Buch How to Fast-Track Your Drumming Career (Co-Autor: David Jones) könnt ihr von Glen direkt beziehen, und zwar unter www.glenpattison.com


 

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Das könnte Dich auch interessieren: