Interview

Tommy Lee: „Wir sollten aufhören, solange es noch Spaß macht und cool ist.“

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Thomas Lee Bass alias Tommy Lee, ein 1,89 Meter langer, dürrer, ganzkörpertätowierter Schlacks mit bleichem Teint, verwaschener Jeans, T-Shirt und Baseballkappe, der die Massen in regelrechte Ekstase versetzt. Wenige Stunden vor dem Auftritt bittet er in seinen monströsen Tourbus, der Backstage parkt, um ganz entspannt über Vergangenheit und Zukunft zu plaudern.

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Tommy, stell dir vor, wir haben den 1. Januar 2016 und Mötley Crüe haben ihr letztes Konzert im Staples Center in Los Angeles gespielt – bist du dann arbeitslos oder gar Rock-Rentner?

Tommy Lee: R-E-N-T-N-E-R? Dieses Wort kenne ich überhaupt nicht! (lacht) Das existiert in meinem Wortschatz nicht.

Warum zieht ihr überhaupt einen Schlussstrich unter die Band – nach 34 Jahren?

Tommy Lee: Ganz einfach: Wenn man das so lange gemacht hat wie wir, kommt man automatisch an einen Punkt, an dem man alles erreicht hat, was man sich vorgenommen hat – an dem man das Gefühl hat, sich nur noch zu wiederholen und wo einem das, was man da tut, fast ein bisschen überflüssig erscheint. Es ist, als ob man in einer Tretmühle steckt und sich fragt: „Was soll jetzt noch kommen?“ Was dann gleich zum nächsten Gedanken führt.

Nämlich: „Wir sollten aufhören, solange es noch Spaß macht und cool ist.“ Denn seien wir ehrlich: Es gibt nichts Schlimmeres als jemanden dabei zu beobachten, wie er langsam schlechter wird. Und das ist definitiv nicht unser Stil, also das wäre bei Mötley undenkbar. Deshalb ist das auch nichts, worüber wir erst kurz vor dieser letzten Tour geredet hätten, sondern mindestens schon seit sechs oder sieben Jahren. Nach dem Motto: „Wie sollen wir das handhaben, wenn die meisten Bands das komplett verbocken?“

Es gibt aber auch Gegenbeispiele wie die Stones, The Who oder Aerosmith, die immer weitermachen – und offensichtlich Spaß daran haben.

Tommy Lee: Klar, wir hätten auch weitermachen können, als ob nichts wäre. Und es gibt viele Leute – von unseren Managern bis zu den Tourveranstaltern –, die denken, wir wären komplett verrückt: „Seid ihr Typen irre – ihr könntet das mindestens noch zehn Jahre machen und richtig Kohle verdienen.“ Und darauf wir: „Kann schon sein, aber das wollen wir gar nicht.“ Eben weil das nicht unser Stil ist, Mann.

Als Drummer sollte es allein rein physisch schwer sein, das, was du aktuell machst, auch mit 60 oder 70 hinzukriegen, oder?

Tommy Lee: Oh mein Gott – das könnte ich mir nicht mal im Traum vorstellen! Absolut unmöglich! Und deshalb ist jetzt auch die perfekte Zeit, um aufzuhören und sich anderen Dingen im Leben zuzuwenden, die bisher zu kurz gekommen sind. Denn Mötley Crüe war immer extrem anstrengend, vereinnahmend und zeitintensiv. Deshalb nenne ich die Band auch „das Mutterschiff“. Jedes Mal, wenn eine meiner eigenen Sachen Fahrt aufgenommen hat, meldete sich das Mutterschiff, und es hieß, alles stehen und liegen lassen, um sich zurück an Bord zu melden. (lacht) Was halt bedeutet, dass alles andere erst einmal auf Eis liegt. Was nicht lustig ist, wenn du ein Jahr deines Lebens investiert hast, um etwas Aufregendes an den Start zu bringen.

Wenn du die Wahl hättest: Mit wem würdest du in Zukunft gerne arbeiten?

Tommy Lee: Da gibt es tatsächlich eine Handvoll Leute – also Kollaborationen, von denen ich schon seit Jahren träume. Ich würde z. B. wahnsinnig gerne etwas mit Prince machen, und das schon seit den 80ern. Genau wie mit Trent Reznor von Nine Inch Nails, mit Lenny Kravitz, der ebenfalls zu meinen absoluten Favoriten zählt, und noch ein paar anderen. Ich habe eine lange Liste – und die wird immer länger. (lacht)

Das vollständige Interview kannst du in der STICKS 11/15 hier nachlesen!

 

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