Mentales Training für Drummer

Wie kann ich als Schlagzeuger Erfolg haben?

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Im Hinblick darauf, wie gut man am Schlagzeug wird und welchen Erfolg man damit haben kann, ist es wichtig, sein Ziel einzugrenzen. Zunächst einmal ist es wirklich wichtig zu wissen, was man eigentlich will.

Seine Ziele zu erkennen, zu benennen und dann daran zuarbeiten. Alles, woran man wirklich ernsthaft glaubt, lässt sich auch realisieren, wenn man genau auf sein Ziel hin arbeitet. Aus meiner Arbeit mit Sportlern des Australischen Olympiateams und anderen Hochleistungssportlern weiß ich, dass ihr Erfolg zum großen Teil davon abhängt, wie sie ihre Ziele anvisieren. Wie geht man also an eine Sache heran, wie kommt man zu einem guten Schlagzeugspiel?

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Eine wichtige Frage: Worauf achte ich in einer bestimmten Situation, was nehme ich wahr? Es ist die Geschichte mit dem Glas, das entweder halbvoll oder halbleer ist: Die Antwort hängt immer davon ab, ob man auf das Positive einer Situation fixiert ist oder auf das Negative. Dies möchte ich am Beispiel einer Begebenheit verdeutlichen, die ich kürzlich in einem Supermarkt beobachten konnte: Eine Frau stand an einer Kasse an, und es waren noch fünf Kunden vor ihr, die alle ihren Einkaufswagen bis oben hin voll hatten. Die Frau wurde während sie in der Schlange warten musste, von Minute zu Minute hektischer, schaute pausenlos auf die Uhr und überlegte, ob es an einer der anderen Kassen vielleicht nicht doch etwas schneller voranging. Und mit einigen unfreundlichen Bemerkungen drängte sie dann auch noch die Kassiererin, sich doch etwas mehr zu beeilen. Schließlich war die Frau so genervt, dass sie einfach ihren Einkaufswagen stehen ließ und wutentbrannt davon stürmte.

In der Schlange an der Kasse daneben stand eine andere Frau, die ebenfalls länger warten musste, aber aus dieser Situation kein Problem für sich machte. Sie nahm sich eine Zeitschrift aus dem Display an der Kasse und fing an, darin zu blättern. So ergriff sie die Gelegenheit, ihre Wartezeit mit dem kostenlosen Lesen einer Zeitschrift zu überbrücken. Was sagt uns diese Begebenheit nun für uns als Schlagzeuger, für unseren Erfolg als Schlagzeuger? Ganz einfach: Es ist nicht die Situation an sich, von der es abhängt, was daraus wird, sondern wie wir damit umgehen! Deine eigene Betrachtungsweise der Dinge ist wichtig, denn davon hängt ab, wie du die Welt siehst, wie du mit Problemen umgehst, wie du fühlst und wie du dich verhältst. Das sollte man sich immer wieder ins Gedächtnis rufen. Oft sehen wir an allem erst mal nur das Negative, während man tatsächlich eine Vielzahl von Sichtweisen haben könnte.

Also denkt daran: Wenn ihr euch das nächste mal über einen schlecht gelaufenen Gig aufregt, oder über jemanden aus der Band, der euch tierisch nervt, oder über das blöde endlose Üben, dann solltet ihr mal darüber nachdenken, ob die Situation denn wirklich so unerträglich ist, oder ob ihr einfach nur deshalb herummosert, weil es so am bequemsten ist. Folgende Übung soll euch dabei helfen zu erkennen, wie einfach es ist, seine Sicht der Dinge zu ändern. Versucht euch an etwas zu erinnern, das euch tierischen Spaß gemacht hat, an etwas, wo ihr euch einfach toll gefühlt habt und eine Menge Selbstvertrauen hattet. Das kann z. B. ein toller Auftritt gewesen sein, den du gespielt hast. Wenn du nun daran zurückdenkst, indem du richtig fühlst, siehst und hörst, wie das war, dann wirst du dich schnell wieder in dieser tollen Situation von damals wieder finden.

Diese Technik kann man anwenden, wenn man merkt, dass man seine Betrachtungsweise ändern sollte. Aber ein Wort als Warnung: Negative Einstellungen kann man sich genauso leicht antrainieren! Wenn du dich nur auf die negativen Aspekte einer Situation konzentrierst, dann wirst du in immer mehr negative Situationen hineingeraten. Natürlich ist es nicht gerade leicht, an jeder Situation erst einmal die positiven Aspekte zu sehen, aber es lohnt sich, es zu versuchen! Allerdings muss man auch daran arbeiten, die Dinge positiv zu betrachten, um daraus Kraft schöpfen zu können. Am leichtesten geht das, indem man anfängt, andere Fragen zu stellen — sich selbst und auch den anderen.

Könnte es sein, dass wirklich erfolgreiche Drummer, sich ganz einfach andere Fragen stellen, als die meisten von uns? Wichtige, intelligente Fragen, die einen dazu zwingen, zu eben solchen Antworten zu kommen — nämlich zu produktiven Antworten. Meistens stellen wir uns dich wirklich lausige Fragen, erwarten aber, dass uns großartige Antworten darauf einfallen. Damit kommt man wirklich nicht weiter, weil wirklich gute Antworten nur auf gut formulierte Fragen kommen. Was sind das denn für Fragen, die du dir selbst mehr oder weniger regelmäßig stellst? Sind es positive Fragen, solche die dich anspornen, oder sind es negative, solche die dich letzten Endes nur runterziehen?

Vielleicht wirst du feststellen, dass viele deiner Fragen dir eher zu einem negativen Gefühl verhelfen, vielleicht weil du es als Kind schon so gelernt hast. Beispiele: „Warum kann ich eigentlich nicht so Schlagzeug spielen wie Dave Weckl?“ — „Warum kann ich es mir nicht leisten, dieses tolle Drumset zu kaufen?“ — „Warum kriege ich nie die tollen Gigs, die andere bekommen?“ — ich könnte noch ewig so fortfahren, aber ihr wißt, was gemeint ist, oder? Solche Fragen werden immer negative Antworten nach sich ziehen, euch also immer runterziehen — und so kommt ihr nie an euer Ziel! Also Schluss mit solchen unsinnigen und falschen Fragestellungen. Fangt damit an, euch solche Fragen zu stellen, die positive und konstruktive Antworten nach sich ziehen.

Deine Fragen sollen dir helfen, weiterzukommen. Versuche, die Lösung des Problems zu finden und beharre nicht auf dem Problem an sich. Wenn man die oben angeführten Fragen einfach mal inhaltlich rumdreht, dann kommt nämlich was ganz anderes dabei heraus. Du könntest dich z.B. fragen: „Was muss ich tun, um so Schlagzeug spielen zu können wie Dave Weckl?“ — „Wie schaffe ich es, genügend Geld zu sparen, damit ich mir dieses tolle Drumset kaufen kann?“ — „Wie kriege ich es hin, dass man nächstes Mal mich für diesen Top-Gig haben will?“

Du kannst nicht erwarten, ein großartiger Drummer zu werden (oder auf irgendeinem anderen Gebiet wirklich gut zu werden — dies gilt selbstverständlich für alles im Leben!), wenn die Fragen, die du dir selbst stellst, einfach keine positiven Antworten zulassen! Jede einzelne Frage, die du dir stellst, spielt eine Rolle für deine Grundeinstellung — und davon hängen nun einmal auch die Resultate ab. Also solltest du dieses positive Fragestellen einfach trainieren bis es zur Gewohnheit geworden ist, immer und immer wider. Dadurch wirst du letztendlich mehr im Leben erreichen und zudem auch selbst bestimmen, in welche Richtung es geht. Am besten ist es, genau zu wissen, was man denn eigentlich will, denn dann kann man es auch erreichen, wenn man nur eine positive Grundeinstellung hat. Es ist nie die Situation an sich, die einem das Leben schwer macht!


Der Australier Glen Pattison ist Autor des Buches „The Unbeatable Advantage“. Er coacht unter anderem Hochleistungssportler, denen er zeigt, mit welchen mentalen Techniken sie ihre sportlichen Leistungen verbessern können. Informationen über Glens Seminare könnt ihr bekommen, indem ihr ihm unter ppi@one.net.au eine e-mail sendet.


 

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