Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
Interviews: BEN GORDON – Breakdowns & Double-Kicks des Parkway Drivers +++ MIGUEL LAMAS – Acoustic Electronic Jazz Fusion +++ Test: MAPEX BLACK PANTHER Design Lab Versatus Drums
Ende einer Ära

Legendärer Jazz-Drummer Jon Christensen gestorben

 

(Bild: Roberto Masotti)

Der norwegische Drummer Jon Christensen, der vor allem durch seine Aufnahmen für das renommierte Jazz-Label ECM die europäische Jazzszene immens beeinflusste, ist am Dienstag, 18. 02. 2020 in Oslo gestorben. Seine Ehefrau, die Schauspielerin und ehemalige norwegische Kulturministerin Ellen Horn, gab bekannt, dass Jon friedlich eingeschlafen sei.

Anzeige

Jon Ivar Christensen wurde am 20. März 1943 in Oslo, Norwegen geboren. Bereits mit 15 Jahren spielte er Schlagzeug in norwegischen Big Bands, und in den frühen Sechziger Jahren spielte er Auftritte in den Jazz Clubs von Oslo, u. a. als Mitglied der Haus-Band im legendären „Metropol Jazz Club“ in Oslo. Als junger Autodidakt verfeinerte Jon Christensen dort sein Schlagzeugspiel bei Sessions mit einer langen Liste amerikanischer Gaststars wie u. a. Stan Getz, Don Ellis, Bud Powell, Ben Webster und Dexter Gordon. Letzterer riet Jon Christensen, an seine eigene Kreativität zu glauben: „Du kommst nicht aus Harlem, und du bist erst 20 Jahre alt – also spiel, was du fühlst!“

Mitte der 1960er-Jahre spielte Jon Christensen regelmäßig mit dem Komponisten und Pianisten George Russell zusammen und leistete so wichtige Beiträge zu einer neuen Jazz-Szene, die in Norwegen durch Bands mit Künstlern wie dem Saxofonisten Jan Garbarek, Gitarrist Terje Rypdal und Bassist Arild Andersen für Aufsehen sorgte. Mit diesen nahm Jon Christensen unter der Leitung von Jan Garbarek 1970 mit „Afric Pepperbird“ eins der frühesten Alben für das junge ECM Label auf.

Jon Christensens kreativer Stil, mit akzentuiertem Cymbal-Spiel sowie fließend rollenden Drum-Sounds, einem freien Konzept der Time und unterschwellig dabei stets definierten Grooves, ließ sich sehr gut den unterschiedlichsten musikalischen Strömungen des Jazz anpassen. Jon Christensen beschrieb seinen Stil und sein rhythmisches Konzept gern als eine „rollende Welle“ – im Gegensatz zum meist üblichen linearen Drumming –, als eine Art von Ebbe und Flut, mit der er die Musik dynamisch zu gestalten wusste.

1975 wurde Jon Christensen von der European Jazz Federation zum „Drummer of the Year“ gewählt. In diesem Jahr folgten Aufnahmen mit dem deutschen Bassisten Eberhard Weber und dem italienischen Trompeter Enrico Rava. Seine legendären Aufnahmen mit Musikern wie den Pianisten Bobo Stenson und Keith Jarrett, Gitarrist Ralph Towner, Bassist Palle Danielsson, Trompeter Enrico Rava, Bassist Eberhard Weber und der legendären Masqualero-Gruppe mit Bassist Arild Andersen, zu der auch der junge norwegische Trompeter Nils-Petter Molvaer gehörte, sowie den aktuellen Aufnahmen mit alten Weggefährten wie Bobo Stenson und jungen Talenten wie dem Gitarristen Jacob Young zeigen als immense Discografie von Jon Christenen dessen stets kreatives Schlagzeugspiel und ein tiefgreifendes musikalisches Verständnis.

Bemerkenswert sind auch seine letzten Aufnahmen für ECM für das Album „Returnings“ mit Jakob Bro, Palle Mikkelborg und Thomas Morgan, das 2018 veröffentlicht wurde sowie die Zusammenarbeit mit den elektronischen Musiker Bugge Wesseltoft und Prins Thomas.

In einem Interview mit dem „Modern Drummer“ Magazin 2005 gibt es ein wundervolles Statement von Jon Christensen, dass die Grenzen der allgemeinen Sichtweise von Tempo und Timekeeping sprengt: „Geh an einem Dienstagabend um 8 Uhr in einen Jazz Club und spiele nur einen einzigen Schlag auf einem Cymbal, komm dann nach exakt einer Woche zurück in den selben Club und spiele einen weiteren Schlag auf dem gleichen Cymbal. Viele Leute werden der Ansicht sein, dass diese beiden Ereignisse nichts miteinander zu tun haben. Aber das ist ein Beat!“

Jon Christian wird schmerzlich vermisst werden. Was uns bleibt ist seine großartige Musik. R.I.P Jon.

[12077]

Produkt: Sticks 11-12/2019
Sticks 11-12/2019
MARK SCHULMAN – Stadion-Rock mit Pink! +++ Nicholas Collins +++ Richie Gajate-Garcia +++ REPORT: Dresdner Drum & Bass Festival 2019 +++ LUDWIG Heirloom Anniversary Snaredrum +++ UFIP Experience Balst Cymbals +++ MAPEX Design Lab Cherry Bomb Drums 2470

Kommentare zu diesem Artikel

  1. The windup mit Jarret, Garbarek, Danielsson, unerreicht wie er sich mit Palle zusammen in den groove reinschleicht bei den Soli von Jan und Keith, es bleibt immer in so einer Art Nebel und doch groovt es wie verrückt. Miss you Jon

    Auf diesen Kommentar antworten
  2. Die erste Jazzplatte, die ich in meinem Leben besaß, war “Photo With Blue Sky…” der Jan Garbarek Group. Herrlich!
    R.I.P. Jon!

    Auf diesen Kommentar antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dich auch interessieren