Steel Power

Ludwig Supralite Snaredrums im Test

Mit den neuen „Supralite“-Snaredrums bietet Ludwig preisgünstige Snaredrums mit Stahlkessel aus taiwanesischer Fertigung an. Ausgestattet mit Tube-Lugs und einem eigenen Typenschild, das markante Elemente aus dem „Blue/Olive“- wie auch „Keystone“Badge kombiniert, sowie erhältlich in den Größen 14″ x 4″, 14″ x 8″ und 15″ x 5″ zusätz lich zu Standard-Modellen in 14″ x 5,5″ und 14″ x 6,5″ ist das ein wirklich interessantes Programm.

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(Bild: Archiv)

Konstruktion & Verarbeitung

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Mit den hier verwendeten 1 mm starken Stahlkesseln verwendet Ludwig offensichtlich ein Standardmodell, doch scheinen die ausgewählten Kessel interessanterweise durchweg etwas leichter zu sein als vergleichbare Modelle anderer Hersteller. Die Schweißnähte sind allesamt sorgfältig ausgeführt. Die Kessel sind spannungsfrei verschweißt, zumindest verrät uns dies das Resonanzverhalten der gestrippten Kessel, die bei allen Testkandidaten kaum eine Interferenz oder Unsauberkeiten im Sustain beim Anschlagen aufweisen. Interessanterweise ist der schmale umbördelte Rand flacher gestaltet als bei den anderen MetallkesselSnaredrums von Ludwig, so dass sich hier nur ein Winkel von ca. 35 Grad als Innen abschrägung ergibt. Dennoch hat man eine recht spitze Auflagekante hinbekommen, die lediglich in den Snarebeds etwas breiter wird. Diese sind sehr gut platziert und gleichmäßig mit sanftem Verlauf auf den Nutzungsbereich geformt. Die Toleranzen in den Kesseldurchmessern liegen bei einem sehr guten Wert von etwa 0,5 mm.

Alle fünf Testkandidaten überzeugen mit einem schönen „Mirror Chrome“-Finish, so dass bei den Kesseln insgesamt eine gute Verarbeitung vorliegt. Auch die Hardware ist ansprechend, die Tube-Lug-Gewinde sind sauber geschnitten, und auch die Gewinde der Stimmschrauben arbeiten präzise. Die Spannreifen sind ebenfalls sehr ordentlich verarbeitet und bieten den Stimmschraubenköpfen gute Auflagen; dennoch würde ich aus Gründen der Stimmstabilität die vorhandenen Metallunterlegscheiben noch mit Kunststoffscheiben ergänzen. Die Snareteppich-Abhebung weist einen ordentlichen Industriestandard auf, besitzt zudem als Pluspunkt solide Klemmböckchen, die sich mit vernünftig gefertigten Vierkantkopfschrauben arretieren lassen. Die Snareteppiche sind mit Schnur angeschlagen und liegen dank vorhandener Aussparungen in ihren Blechenden plan auf den Resonanzfellen auf.

Sounds

Erwartungsgemäß besitzen die Stahlkessel einen etwas spitzeren und bissigeren Obertoncharakter als Aluminium- oder gar Messing-Kessel, und schon deshalb sind die „Supralite“-Snaredrums eine klanglich interessante Ergänzung zum bisherigen Snaredrum-Programm von Ludwig. Spannender als diese allgemeine Erkenntnis sind allerdings die Sounds der von den Größen her etwas spezielleren Modelle der „Supralite“Linie. Die 15″ x 5″ Snaredrum hat diese eigentümliche Art, einen satten Attack und ein fettes Sustain zu entwickeln, was wirklich nur mit diesem Durchmesser funktioniert.

Trotz der 5″ Tiefe wirkt die Trommel satt und tief, hat aber dennoch diese typische direkte, schnel le Ansprache. Sie reagiert sensibel auf die Snareteppich-Spannung und kann knapp und crisp eingestellt werden, aber eben auch leicht rauschend. Interessanterweise ist dabei die Ansprache noch gut zu kontrollieren. So eingestellt ist sie ein echt fettes Backbeat-Monster – und man hat einfach nicht das Bedürfnis nach Rimshots. All das wäre dann auch richtig super, wenn die werkseitigen Felle nicht sehr fragil wären. Sie lassen sich nur mit Geduld einstimmen und halten leider auch nur bei sehr hohen Stimmungen diese auch einigermaßen konstant. Also einfach runter damit, und schon kann man diesen speziellen Klangcharakter nach Herzenslust formen und genießen.

Da hat es die 14″ x 4″ Supralite schon ein facher mit der werkseitigen Fellkombination und macht in extrem hoher Stimmung natürlich den „Zahnzieher“. Offen gestimmt schneidet der singende Oberton in typischer Manier von Stahlkesseln in den Gehörgang. Das Sustain ist kurz und hell, doch auch der 4″ Kessel klingt nicht flach und hat doch ein bisschen Klangvolumen zu bieten. Wer diesen knackigen Attack und das helle Sustain in etwas zivilerer Stimmung genießen möchte, der muss dann allerdings wieder auf höherwertige Felle ausweichen.

Ein ganz anderes Spektrum bedient natürlich die 8″ tiefe Supralite, sie soll und ist natürlich die mächtige Rock-Snare mit dem größten Volumen. Das muss aber nicht heißen, dass sie unbedingt den tiefsten Klang produzieren muss. Sie funktioniert nämlich auch in einem höheren Tuning sehr gut, ist dann sehr knackig im Attack, besitzt noch immer respektable Ansprache und macht vor allem einen guten Druck aus den Tiefmitten – da möchte man einfach nur reinhalten und den Klassik-Rock abfeiern.

Gegen diese drei Speziallisten wirken dann die konventionellen 14″ x 5,5″ und 14″ x 6,5″ Modelle schon fast etwas langweilig, doch das sind sie beileibe nicht. Auch wenn sie eher bekannte BasicSounds mit etwas bissigerem Attack und hellerem Oberton bieten, präsentieren sie sich insgesamt wie die bekannten Ludwigs doch als variabel einsetzbare Allrounder mit guter Durchsetzungskraft.

Fazit

Mit den neuen „Supralite“-Snaredrums erweitert Ludwig das Snaredrum-Programm um preiswerte Stahlkessel-Modelle. Diese sind solide verarbeitet, und ihre Konstruktion entspricht einem sehr guten Industriestandard. In der Ausstattung auf das Wesentliche fokussiert, darf man zumindest bei den Standard-Modellen in 14″ x 5,5″ und 14″ x 6,5″ von guten Allroundern sprechen, die ihren Job sehr gut machen können. Klanglich spannender, weil individueller sind die drei Modelle in den Größen 14″ x 4″, 14″ x 8″ und 15″ x 5″, die jeweils spezielle Klangwelten zu bieten haben und diese bei einer Ausstattung mit höherwertigen Fellen auch exzellent darbieten. Die sehr günstigen Preise sind bei diesen Instrumenten nicht gleich bedeutend mit durchschnittlicher Klangqualität. „Den“ legendären Ludwig Snaredrum-Sound gibt es dafür zwar nicht, doch haben die Ludwig Supralite Snaredrums einen Klangcharakter, auf den man sich durchaus einlassen kann.

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