Produkt: Sticks Digital 05-06/2019
Sticks Digital 05-06/2019
Interviews: BEN GORDON – Breakdowns & Double-Kicks des Parkway Drivers +++ MIGUEL LAMAS – Acoustic Electronic Jazz Fusion +++ Test: MAPEX BLACK PANTHER Design Lab Versatus Drums
Gregory C. Coleman: 5,2 Sekunden für die Ewigkeit

Modern Beats: Geschichte und Evolution des Amen Break (1)

Drummer Gregory C. Coleman und das legendäre „Amen Break“! Kaum ein Schlagzeuger hat einen größeren Einfluss auf die Entstehung von Jungle und Drum’n’Bass gehabt als dieser. Viele legendäre HipHop-Tracks der 80er-Jahre sind auf dem Fundament seines Schlagzeugspiels entstanden.

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Dennoch starb Gregory C. Coleman im Jahr 2006 völlig verarmt. Einige Weggefährten berichten, dass er in den letzten Jahren seines Lebens obdachlos gewesen sei. In den 60er-Jahren spielte Gregory C. Coleman für etliche Motown-Stars, darunter The Marvelettes. Weiterhin spielte er für Otis Redding und Curtis Mayfield. 1969 nahm er mit der Band The Winstons, die als Begleitband für Curtis Mayfield spielte, den Song „Color Him Father“ auf. Dieser Song wurde, nachdem die Band sich aufgelöst hatte, ein Top-Ten-Hit und brachte sogar einen Grammy ein.
Da man für die Single noch einen Track für die B-Seite brauchte, spielte man damals schnell noch eine Instrumentalnummer ein, die man regelmäßig bei Curtis Mayfields Shows spielte, bevor dieser die Bühne betrat. Dieser Song mit dem Titel „Amen, Brother“ wurde bereits 1963 von Jester Hairston für den Sidney-Poitier-Film „Lilies Of The Field“ geschrieben. In der Mitte der Winstons-Aufnahme von „Amen, Brother“ spielt Coleman einen viertaktigen Solo-Break, der die Popmusik knapp 20 Jahre später revolutionieren sollte. Kein Schlagzeug-Groove wurde in den letzten 25 Jahren öfter gesampelt als diese vier magischen, 5,2 Sekunden andauernden Takte. Selbst James Browns „Funky Drummer“ wurde seltener kopiert.

Mit dieser Workshop-Reihe zum „Amen Break“ zeigt Autor Sven Kacirek wie verschiedene Bands, Produzenten und Schlagzeuger – von NWA, Squarepusher und Shy FX über Jojo Mayer, Jim Black bis hin zu Benny Greb – sich diesen Drum Break von Gregory C. Coleman zu Eigen machten oder inwiefern ihre Art, drum’n’bass Grooves umzusetzen, von diesen vier Takten beeinflusst wurde.

Notation

In Beispiel 1 habe ich den originalen Drum-Break transkribiert. Das enorm treibende Ride-Cymbal sowie das Crash auf der „3und“ des letzten Taktes sind die herausstechenden Merkmale dieses Drum Breaks. Der Siegeszug des „Amen Breaks“ begann 1986 mit dem Erscheinen der DJ-Compilation „Ultimate Breaks and Beats“ des Labelbetreibers Breakbeat Lenny. Breakbeat Lenny beauftragte Louis Flores, das „Amen Break“ in einem deutlich langsameren Tempo zu bearbeiten. Dieser Edit wurde schnell zu einem der beliebtesten Drum-Breaks der damaligen HipHop-Szene.
Einer der bekanntesten HipHop-Tracks, der sich auf die legendären vier Takte von Gregory C. Coleman stützte, ist der 1988 erschienene NWA-Track „Straight Outta Compton“. NWA nutzte lediglich die ersten beiden Takte des viertaktigen Original-Breaks und legte über diesen Groove eine programmierte Sechzehntel-Tambourine-Spur (Beispiel 2). Der Beat kommt bei NWA ohne Variationen und Fills aus.
Ein Jahr später, im Jahr 1989, erschien das „Cactus Album“ des New Yorker HipHop-Duos 3rd Bass. Dieses Album enthält den Track „Wordz Of Wisdom“, der neben Samples der Hits „Dream Weaver“ und „Love Is Alive“ auch das „Amen Break“ verwendet. Auch 3rd Bass benutzen nur die ersten beiden Takte des Original-Breaks. Auch sie legen ein straightes Sechzehntel-Tambourine-Pattern über den Groove. Im Gegensatz zu NWA doppeln sie die bestehende Bassdrum durch eine programmierte in einem leicht angeshuffelten Feel. Dazu kommt eine kurze programmierte Hi-Hat-Öffnung nach der „4“ jedes zweiten Taktes (Beispiel 3).

In den folgenden Jahren nahm die Komplexität der Sampler enorm zu, was dazu führte, dass Musiker wie Squarepusher oder Aphex Twin das originale „Amen Break“ viel stärker verfremdeten und in seine Einzelteile zerlegen konnten. Mittlerweile gibt es Electronica-Produzenten wie Luke Vibert, die komplette Alben ausschließlich mit dem „Amen Break“ produzierten. Bis ins Jahr 2008 gab es sogar einen Internet[1]Radiosender, der sieben Tage die Woche und 24 Stunden am Tag ausschließlich Musik spielte, die diese vier goldenen Takte von Gregory C. Coleman in irgendeiner Form enthielten! Und Nate Harrison veröffentlichte 2004 eine Doku über das „Amen Break“, welche auch auf YouTube zu finden ist.

Und brandaktuell gibt es von AOD „ArtofDrumming“ ein empfehlenswertes Video-Tutorial in der Serie „Recreating Iconic Drum Sounds” zum Drumsound des „Amen Break“:

Mehr zum legendären „Amen Break“ gibt es in den nächsten beiden Workshop-Folgen von „Modern Beats“. //

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