Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
Interviews: BEN GORDON – Breakdowns & Double-Kicks des Parkway Drivers +++ MIGUEL LAMAS – Acoustic Electronic Jazz Fusion +++ Test: MAPEX BLACK PANTHER Design Lab Versatus Drums
CLASSIC DRUMMERS

Papa Jo Jones: Drum Solo

Herzlich Willkommen zum vierten Praxis-Teil zum Schlagzeugspiel des legendären „Papa“ Jo Jones. Dieses Mal habe ich mir Auszüge aus einem Solo von Jo Jones vorgenommen. Dieses Solo ist auf der DVD „Classic Drum Solos And Drum Battles Vol. 2“ (Hudson Music) zu bestaunen. Dort habe ich es zum ersten Mal gesehen und es hat mich damals einfach nur vollends beeindruckt.

Die Musikalität dieses Mannes sucht wirklich seinesgleichen und sticht aus der Masse schlichtweg hervor. Das war auch ein Grund für mich, dieses Solo mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

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* 07. 10. 1911, Chicago, Illinois † 03. 09. 1985, New York, New York (Bild: Timo Ickenroth)

Wir starten nicht zu Beginn des Solos, sondern ungefähr bei Spielzeit 00:53. „Papa“ Jo Jones spielt bei diesem Solo eine Snaredrum, eine Bassdrum, ein Tom, ein Floor-Tom rechts (notiert im zweiten Zwischenraum von unten), eine Floor-Tom links (notiert auf der zweiten Linie von unten), eine Hi-Hat und ein Ride-Cymbal. Der Snareteppich ist entspannt, und alle in diesem Abschnitt notierten Floor-Tom-Noten sind als Rimclicks zu spielen. Dabei spielt die rechte Hand das rechte und die linke Hand das linke Floor-Tom.

Achtet bitte darauf, dass „Papa“ Jo Jones in diesem Solo von angeswingten zu geraden und wieder zu angeswingten 1/16-Noten wechselt. Das leichte Ritardando empfand ich als sehr irritierend. So wie ich es hier dargestellt habe, habe ich die Rhythmik nach zigfachem intensivem Hören empfunden. Für mich klingt es fast so, als ob eine 1/16-Note verschluckt würde, aber dann doch wieder auftaucht. Sollte jemand hierzu einen anderen Vorschlag haben, so bin ich gerne für Anregungen offen.

Weiter geht es bei Spielzeit 01:55. Hier spielt „Papa“ Jo Jones vor allem eine spannende Geschichte zwischen Bassdrum und Hi Hat. Im dritten Takt wird mit der Hand auf der Zählzeit „4und“ über die Snaredrum gewischt. Jo Jones spielt hier aus soundtechnischen Gründen mit dem Snareteppich, den er zunächst entspannt, um ihn nur wenige Beats später wieder anzuspannen – für ihn zählte jedes Detail! Die angegebenen Wirbel sind Presswirbel und von „Papa“ Jo Jones so geschmeidig und kontrolliert gespielt, dass man einfach nur davon schwärmen kann. Im letzten Takt dieses Abschnitts habe ich „short delay“ notiert. Hier macht Jo Jones eine kurze Verzögerung, bevor er mit seinem wunderbaren Pressroll beginnt.

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(Bild: Timo Ickenroth)

Der letzte notierte Auszug startet bei Spielzeit 03:33. Hier kommen wieder beide Floor-Toms zum Einsatz, diesmal aber nicht als Rimclick, sondern „normal“ angeschlagen. „Papa“ Jo Jones spielt hier teilweise überkreuz, was einen schönen visuellen Effekt ergibt, technisch aber gar nicht mal so anspruchsvoll ist, wie es wirkt.

Wenn man sich das ganze Solo anschaut, so kann man eigentlich nur staunen, mit welcher Leichtigkeit, Finesse, ausgereifter Technik, Dynamik und Hingabe Jo Jones hier soliert. Man kann bei ihm nicht der Hauch einer Anstrengung erkennen. Eher im Gegenteil: Sein Lächeln und seine Gestiken vermitteln den Spaß und die Freude, die er während des Spiels zu empfinden scheint. Und „Papa“ Jo Jones war nicht nur ein sagenhafter Drummer und Musiker, sondern auch ein außerordentlicher Entertainer. Zum Schluss bleibt mir nur noch zu hoffen, dass euch dieses Solo genauso verzaubern wird, wie es mich auch heute noch immer in seinen Bann zieht.noten-1noten-2


timo-ickenrothFragen, Anregungen und Kritik bitte per E-Mail an timo.ickenroth@t-online.de oder an redaktion@sticks.de; per Post an die STICKS-Redaktion, z. Hd. Timo Ickenroth, Emil-Hoffmann-Str. 13, D-50996 Köln.

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