Goldenes Schwergewicht

Gretsch Bell Brass Snaredrum im Test

Die „Bell Brass“-Snaredrum aus der „Full Range“-Serie von Gretsch bietet sicherlich Heavy Metal, doch interessanterweise nicht nur Heavy-Sounds.

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Wie die aufwendig gefertigte Snare aus Taiwan klingt, erfährst du in unserem Videotest der Gretsch Bell Brass Snaredrum.

Konstruktion & Verarbeitung

Einen Kessel aus Glockenbronze zu fertigen ist nicht nur aufwendig, auch das eingesetzte Material steigert den Preis automatisch. Gretsch lässt den Kessel mit 3 mm Wandstärke in Taiwan herstellen. Eine Schutzlackierung versiegelt die Innen- wie Außenseite und erhält so den schönen Glanz des goldfarbenen Gusskessels. Dieser weist eine wie fein gebürstet wirkende Oberfläche auf. Unser Testmodell bringt allein vom Kessel her (ohne Hardware und Felle) schon ca. 4,5 kg auf die Waage und präsentiert sich mit einer grundsoliden Verarbeitung. Der Kessel hat kaum eine Toleranz im Durchmesser aufzuweisen.

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Die Gratungen sind leicht verrundet, doch relativ schmal und präzise ausgeführt, was für einen guten Fellkontakt sorgt und somit leichtes Tuning ermöglicht. Das Snarebed ist recht weit gestaltet, der Verlauf auf den Nutzbereich allerdings recht steil ausgeführt. Dennoch hat man hier einen Übergang ohne extrem harte Kante hinbekommen. Bemerkenswert ist, dass sich die Auflagekante im Nutzbereich auch auf die gesamte Kesselwandstärke verbreitert. Prinzipiell kann man bei diesem Snarebed also auch gut breitere Snareteppiche einsetzen. Die Hardware-Bestandteile wurden ausgezeichnet verchromt und sind präzise verarbeitet. Die Gewinde in den Böckchen und an den Stimmschrauben sind prima geschnitten uns lassen somit ein exaktes Einstimmen zu. Für entsprechende Verstimmsicherheit sorgen zusätzliche Kunststoff-Unterlegscheiben an den Stimmschrauben. Die einseitig justierbare Snareteppich-Abhebung entspricht einem sehr guten, soliden Industriestandard, sie schaltet exakt und lässt sich gut justieren.

Optisch wird sie durch Gretsch-Logos auf den Klemmblöcken aufgewertet. Die Klemmen werden mittels Vierkantkopfschraube arretiert. Lobenswert ist die Ausstattung des Snareteppichs mit einem Gewebeband, das reißfest und doch flexibel ist, so dass das Resonanzfell in der Bewegung deutlich weniger behindert wird, als dies bei der Verwendung von Kunststoffband der Fall ist.

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Sounds

Ganz klassisch liefert der GlockenbronzeKessel bei tiefen bis mittleren Stimmungen ein dunkel, gongiges Sustain, das relativ lang ausklingt. Das liegt nicht nur an der Charakteristik des Materials, sondern auch an der Wandstärke, die für die Konstruktion der Gretsch Bell Brass Snaredrum recht dünn gewählt wurde. Doch ebenso bildet der Kessel einige sehr prägnante Obertöne aus. Bei einem mittel-hohen Tuning klingt sie eher knackig und kompakt, sie kommt auch ohne Rimshot mit ordentlicher Projektion über die Rampe. Und sie fühlt sich in etwas höheren Stimmungen einfach besser an. Das liegt zum Teil auch an den werkseitig aufgezogenen Evans-Fellen, die immer ein wenig knackiger und mittenbetonter klingen als das Pendant von z. B. Remo, doch auch mit einer solchen Ausstattung („Ambassador cotaed“) bleibt es hier bei dem knackigen, Attack-betonten Klang der Gretsch Bell Brass Snaredrum.

Aus den Tiefmitten heraus entwickelt sie zum kernigen Attack auch ordentlichen Druck, so dass sie durchaus mit einem kräftigen Klangcharakter aufwartet, das Sustain ist allerdings stets recht kompakt. Prägnanz ist ihr zweiter Vorname, und wer einen äußerst präsenten und zugleich kontrollierten Klangcharakter bevorzugt, der ist hier an der richtigen Adresse. Der Backbeat geht auch bei laut gespielter Musik durch wie ein heißes Messer durch die Butter. Und dabei ist das Ding auch schön sensibel und direkt in der Ansprache, Ghost-Notes funktionieren hier mit blitzsauberer Artikulation. Die dynamische Bandbreite fängt hier zwar nicht unbedingt ganz unten an, aber nach oben hin ist auch einer kräftigen Bearbeitung mit schweren Sticks kaum eine Grenze gesetzt.

Kurz: knackiger, prägnanter Attack mit immenser Projektion, Sustain wuchtig, aber kompakt mit sehr sauberem, kurzem Ausklang; je nach Stimmung ideal für markante Heavy/Rock/Funk-Backbeats, dabei ausreichend sensibel für artikulierte Ghost-Notes.

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Fazit

Die Gretsch Bell Brass Snaredrum aus der „Full Range“-Serie ist ein Schwergewicht und bietet auch ein solches Klangerlebnis. Kräftig wie der Schwinger eines Schwergewichtsboxers kommt der Backbeat über die Rampe. Auch wenn der Attack dominiert und die Snaredrum einen soliden Druck aufbaut, so ist sie in der Ansprache auch noch sensibel genug. Das wird sowohl die harten Rocker aller Couleur, aber auch Funk- und PoprockSchlagzeuger fürstlich bedienen. Fürstlich ... das ist allerdings auch der Preis, der aber für einen Gussbronze-Kessel dieser Machart und qualitativ hochwertigen Verarbeitung durchaus angemessen ist.

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