Komplexe Sounds mit Tiefe und Wärme

Meinl Byzance Monophonic und Polyphonic Ride-Cymbals im Test

Bild: Dieter Stork

Mit dem neuen 21" Polyphonic Ride in der „Byzance Traditional“-Serie und dem Byzance Jazz 22" Monophonic Ride präsentiert Meinl zwei neue Ride-Cymbals, bei denen zunächst schon mal die Bezeichnungen aufhorchen lassen. Selbstverständlich haben beide Modelle auch klanglich etwas Neues zu bieten.

Widmen wir uns zunächst einmal den Begriffen „Polyphonic“ und „Monophonic“, beides Adjektive zu „Polyphonie“ und „Monophonie“. Beide stehen in dem Sinne gegensätzlich zueinander, als dass „Polyphonie“ in der Musik die Mehrstimmigkeit bezeichnet, während „Monophonie“ sowohl die Einstimmigkeit in der Musik als auch die Einkanaltechnik in der Tonübertragung im Gegensatz zur „Stereophonie“ beschreibt. Wie lassen sich diese Begriffe nun aber auf den Klangcharakter dieser Cymbals anwenden? Geht das überhaupt?

21" Byzance Traditional Polyphonic Ride


Im Falle dieses Cymbals lässt sich der Begriff der „Polyphonie“ recht gut durch die unterschiedlichen Spielzonen erklären, die in ihren Übergangsbereichen miteinander reagieren und vielschichtige Sounds zu Gehör bringen. Das Cymbal gehört in etwa zur „Thin“- Kategorie und zeigt ein feines, enges Abdrehmuster (von Meinl als „Narrow Blade“ bezeichnet) sowie eine typisch gestreute Handhämmerung mit relativ kleinen, allerdings teils recht tief gesetzten Einschlägen. Im Randbereich ist das Hämmerungsmuster etwas weniger intensiv, so dass sich hier eine gewisse Flexibilität ergibt. Die Kuppe ist ebenfalls gehämmert, allerdings nicht abgedreht, so wie auch bei einigen anderen Meinl Byzance Cymbals, z. B. der „Extra Dry“-Linie.

Intensive Hämmerung und vollflächiges „Narrow Blade“-Abdrehmuster beim Polyphonic Ride °

Bereits beim ersten Test-Anspielen in gleicher Intensität vom Bereich unterhalb der Kuppe zu Rand hin zeigt sich hier Erstaunliches: Nicht nur ändert sich der Sound von einem kontrollierten, trockenen Attack hin zu einem unter dem Ping liegenden dunklen Rauschen, auch scheint sich die Lautstärke zu erhöhen, was allerdings de facto eine Illusion, hervorgerufen durch das intensive Frequenzgemisch im Randbereich, ist. Interessant auch, dass sich im Bereich ab etwa 5 cm vom Rand zur Kuppe hin diverse Mischungen zwischen Attack- und Sustain-Sounds abrufen lassen, so dass sich hier tatsächlich auch mal eine gewisse „Mehrstimmigkeit“ ergeben kann. Dies trifft auch auf den Bereich direkt unter der Kuppe zu, denn hier addiert sich ein unterschwelliger, durch die Kuppe angeregter Oberton zum trockenen Ping auf dem Profil.

Die nicht abgedrehte, allerdings gehämmerte Kuppe liefert einen mittenstarken, trockenen und leicht kehligen Sound, der sich harmonisch sehr gut in die ungewöhnliche Struktur des gesamten Cymbal- Sounds integriert – ein spezieller Sound mit einem sehr eigenen Klangcharakter.

Dynamisch lassen sich mit diesem Cymbal im unteren bis moderat lauten Bereich sehr interessante Klänge gestalten, die einen vielseitigen Einsatz in diversen Musikstilen erlauben. Die Bezeichnung Ride ist hier übrigens nicht als absolut gegeben zu sehen, denn das „Polyphonic Ride“ vermag auch sehr schöne, dunkle und breite Crash- Akzente im unteren bis mittleren Dynamik-Bereich erzeugen, je nach Anschlagsintensität mit leicht gesteigertem Trash-Faktor.

22" Byzance JAZZ Monophonic Ride


Um es gleich vorweg zu bemerken: Mit dem „Monophonic Ride“ lassen sich auch sehr schö ne Stereo-Aufnahmen machen. Das Cymbal erweist sich als nur wenig schwerer als das „Polyphonic“-Ride der „Byzance Traditional“- Linie, ist mit diesem allerdings nur insofern zu vergleichen, dass es ebenfalls interessante „Jazz“-Sounds zu liefern vermag, und dies ebenfalls mit einer gewissen Komplexität in der Klangcharakteristik.

Das „Narrow Blade“-Abdrehmuster des Monophonic Ride ist sehr flach gehalten, so dass die natürliche Farbe der Cymbal-Bronze stellenweise erhalten bleibt. °

Die Oberfläche dieses Cymbals, das in etwa der „Medium Thin“-Kategorie zuzuordnen ist, zeigt ebenfalls das von Meinl als „Narrow Blade“ bezeichnete Abdrehmuster. Allerdings ist dieses in konzentrischen Kreisen von ca. 4 cm Breite in einem Abstand von jeweils ca. 1 cm deutlich weniger tief gesetzt als in den Zwischenräumen, so dass hier die dunkelbraune natürliche Farbe des Cymbals stellenweise erhalten bleibt. Dies verleiht dem „Monophonic Ride“ auch optisch einen eigenen Charakter. Zwei Hämmerungs-Patterns sind hier zu finden: ein vollflächiges mit mittelstarken kleineren Einschlägen sowie eine großflächig verteilte Überhämmerung mit größeren, teils als Cluster ausgeführten Patterns. Dies führt zu einer gewissen Spannung durch Verdichtung des Materials und somit zu einem recht trockenen, kontrollierten Sound.

Das „Monophonic Ride“ wirkt insgesamt etwas „leiser“ als die Ride- Cymbals der „Byzance Traditional“-, „Dark“- oder „Extra Dry“- Linien, so wie übrigens auch die anderen „22er“ der „Byzance Jazz“-Reihe. Auch die relativ leise, sehr in den Gesamtsound integrierte Kuppe der „Byzance Jazz“-Ride-Cymbals ist hier zu finden. Im Profilbereich zwischen Kuppe und Rand lassen sich bis zu einem mittleren Dynamikbereich je nach Anschlagsintensität (und/oder Gewicht der verwendeten Sticks) komplexe Sounds mit eher trockenem Charakter abrufen; erst bei einer gewissen Anschlagsintensität addiert sich zum hier relativ hellen „Ping“ des Attacks ein dunkles, recht kontrolliertes Rauschen mit kurzem Sustain, wodurch sich das Cymbal sehr kontrolliert spielen lässt. Der Attack weist eine typische erdige Klangfarbe mit leicht „holziger“ Sticksound- Note auf. Der Klangcharakter lässt sich gut mit „Vintage Jazz“ beschreiben. Dass solche Sounds natürlich auch gut in anderen Styles eingesetzt werden können, bei denen es nicht auf allzu hohe Lautstärken ankommt, sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben.

Fazit


Mit diesen beiden Ride-Cymbal-Modellen ergänzt Meinl die „Byzance Traditional“- und „Byzance Jazz“-Serien um zwei Instrumente mit interessanten Klangcharakteren. Beide können ihre klangliche Qualität besonders gut in Musikstilen ausspielen, bei denen komplexe Sounds bei nicht zu großer Lautstärke gefragt sind. Das 22" Monophonic Ride der „Byzance Jazz“-Linie liefert angesagte „Vintage Jazz“-Sounds, die sich auch gut in moderat gespielten anderen Styles einsetzen lassen, während das 21" Polyphonic Ride neuartige Möglichkeiten der Klanggestaltung durch ausgeprägt unterschiedliche Spielzonen mit interessanten Charakteristiken bietet. // [6220]

Preise (UVP)


21" Byzance Traditional Polyphonic Ride: € 469,–

22" Byzance Jazz Monophonic Ride: € 499,–


(Aus STICKS 09/10:2018)

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