Test aus dem STICKS-Archiv

Test: ACD Unlimited Darwin Bassdrum-Pedale

Wie eine Machbarkeitsstudie, gefertigt mit höchster Präzision, muten die ACD Darwin Bassdrum-Pedale an. Es ist allerdings auch kein Wunder, dass etwas technisch Einzigartiges dabei herauskommt, wenn ein passionierter Schlagzeuger sowie Maschinenbautechniker und angelernter Tischler sein weitgefächertes Wissen sinnvoll einsetzt.

Bild: Dieter Stork

Wie eine Machbarkeitsstudie, gefertigt mit höchster Präzision, muten die ACD Darwin Bassdrum-Pedale an. Es ist allerdings auch kein Wunder, dass etwas technisch Einzigartiges dabei herauskommt, wenn ein passionierter Schlagzeuger sowie Maschinenbautechniker und angelernter Tischler sein weitgefächertes Wissen sinnvoll einsetzt.

Die Rede ist hier von Dennis Namesnik aus Österreich. Dieser steckt hinter ACD Unlimited und fertigt nicht nur die Darwin Bassdrum-Pedale, sondern auch exzellente Drums mit eigenen Hardware-Konzepten. Was bei ihm als Einzelanfertigungen auf Bestellung in seiner Manufaktur entsteht, basiert auf seinem Credo, eigene Wege zu gehen, neue Konzepte zu entwickeln und bis ins letzte Detail optimierte Produkte zu entwickeln und zu fertigen.

Es hat ein paar Jahre gedauert, das Darwin Bassdrum- Pedal zu entwickeln – gut Ding will Weile haben –, und tatsächlich arbeitet Dennis Nemsnik ständig weiter an allen Details seiner Pedale, die dann als Updates zur Verfügung stehen. Mittlerweile steht neben Einzel- und Doppel- Bassdrum-Pedalen auch ein Middle-Pedal zur Verfügung. Aus einem Doppel-Bassdrum-Pedal – das ist natürlich für Rechts- wie Links-Füßler erhältlich – lassen sich mit wenigen Handgriffen Einzelpedale generieren. Selbstverständlich kann man ein Einzelpedal auch auf ein Doppel-Bassdrum- Pedal erweitern.


Technisches & Praktisches


Darwin ist eigentlich ein passender Name, und auch wenn Darwins Theorien sicherlich noch komplexer sind, so stecken in einem Darwin Bassdrum-Pedal jede Menge guter Gedanken. Einige Komponenten wirken vertraut, denn auch die großen renommierten Hersteller haben schließlich in den letzten Jahren tolle Konzepte und Ideen für Bassdrum-Pedale entwickelt, so dass diese an Präzision und Gleichlauf immens gewonnen haben. Andere Komponenten hingegen sind verblüffende Eigenentwicklungen.

Die ungewöhnliche Federposition sorgt dafür, dass das Pedal „am Fuß klebt“. °

Und genau deshalb starte ich hier mal mit der Federaufhängung: Hier fasziniert die Position der Feder- Aufhängung, die ist nämlich nicht wie üblich außen an der Antriebsachse angeschlagen, sondern über eine schmale Scheibe in unmittelbarer Nähe zum Schlägel und damit fast auf der Mitte der Achse positioniert. Diese ungewöhnliche Geometrie sorgt tatsächlich wie versprochen für ein äußerst direktes Spielgefühl über den gesamten Schlägel Hin- und Rückweg auch bei geringer Federspannung. Berücksichtigt wurde bei dieser Konstruktion natürlich auch, dass die Feder vor ungewolltem Fußkontakt (z. B. beim Sliden in das Pedal) geschützt angeordnet ist. Selbstverständlich ist die Feder an beiden Enden kugelgelagert angeschlagen. Der unteren Lagerpunkt ist mit einem Block verbunden, der präzise über zwei Führungsstangen im Singlepost der Maschine geführt wird.

Über eine zentrale Rändelmutter kann die Federspannung fein eingestellt werden. Gekontert wird über eine weitere Rändelmutter. Bleiben wir beim Antrieb: Der lässt sich natürlich von zentrisch auf Exzenter stufenlos einstellen, und somit kann das individuelle Ablaufgefühl nach Belieben angepasst werden. Aber egal welche grundsätzliche Art man nun bevorzugt, es gibt einen weiteren Parameter, der sich hier nutzen lässt: Das Antriebsrad besitzt eine definierte Abrisskante, die dafür sorgt, dass im allerletzten Moment der Schlägel etwas beschleunigt wird. Das klingt ein wenig nach den Eigenschaften des Exzenters, fühlt sich aber nicht wirklich so an.

Man kann durch Drehen des Antriebsrades den Effekt verstärken oder auch komplett eliminieren. Die Kombination beider Parameter bietet mannigfaltige Möglichkeiten, die sicherlich für das Highspeed-Bassdrum-Spiel ein Segen sein dürften. Die Verbindung zwischen Antrieb und Trittplatte erfolgt standardmäßig über einen speziellen Riemen aus Nylon/Kevlar. Die Auflageseite ist mit einer Neoprenschicht bezogen, und im Test überzeugte mich diese Konstruktion durch ein ultradirektes Ansprechverhalten, was ich von bisherigen Riemenkonstruktionen nicht kannte. Zum Vergleich hatte ich auch den optional erhältlichen DirectDrive zur Verfügung, und abgesehen von der etwas anderen Geometrie, die ein anderes Spielgefühl vorgibt, konnte ich in Sachen Ansprechverhalten keinen Unterschied zwischen beiden Systemen feststellen.

Gut zu erkennen: die Abrisskante, verschoben von 3-Uhr- auf 2-Uhr-Position

Die Lager der Hauptachse sind ein Hybrid aus Stahl und Keramik und präzise auf der Achse und im Rahmen eingepasst. Ein ultra-schneller Gleichlauf ist hier das Ergebnis. Im Übrigen zeigen alle Bestandteile des Test-Pedals diese extrem hohe Fertigungspräzision. Hut ab für die konsequente Umsetzung des eigenen Anspruchs in die Realität!

Die verschiedenen Boards finden ihre möglichen Positionen auf der Grundplatte.

Bei den Trittplatten hat man die Wahl zwischen einem Low-Board, dem Short-Board mit Fersenteil oder einem Longboard (Testversion). Das Design kommt sicherlich bekannt vor, die Konstruktion ist dabei glatte Spieloberfläche erlaubt sehr flottes Silden ebenso wie einen grundsoliden Grip. Die Kugellagerung der Trittplatte ist absolut spielfrei. Bei nicht am Antrieb angeschlagenem Board zeigt sich ein ultra-leichter und gleichmäßiger Lauf in diesem so wichtigen Scharnier. An der Trittplatten-Spitze wird der Block des jeweiligen Antriebsstrangs (Band oder DirectDrive) angeschlagen, hier gibt es natürlich variable Positionen, so dass man weitere Parameter für die individuelle Gestaltung des Ablaufs und damit des Spielgefühls zur Verfügung hat.

Die außergewöhnlich konstruierten Gelenke der Welle

Bemerkenswert ist auch die Konstruktion der Antriebswelle zwischen Slave- und Main-Pedal: Statt der üblichen Kreuzgelenke finden wir hier eine größere Konstruktion, die in allen Punkten kugelgelagert ist und auch extreme Winkel im Aufbau zulässt, ohne dass man etwas von der Direktheit oder dem Gleichlauf einbüßt! Dennis Namesnik erklärt dazu ein nettes technisches Detail: Die meisten Wellen sind für eine Drehung in eine bestimmte Richtung statt für den permanenten Wechsel dieser ausgelegt. Muss die Welle permanent die Drehrichtung wechseln, so stellt das andere Anforderungen an die Konstruktion, was er bei seinen Doppel-Pedalen berücksichtigt hat. Das Ergebnis spricht dabei ganz klar für sich.

Der filigran anmutende „DynamicBeater“ mit justierbarem Kopf und Zusatzgewicht

Der DynamicBeater mutet filigran an, hält aber auch die kernigste Spielweise aus. Spielflächen mit unterschiedlichen Gewichten – wahlweise als Holz oder Filzspielfläche – stehen zur Verfügung. Für noch mehr Power gibt es das 9 Gramm schwere Zusatzgewicht, wer leichter und flotter unterwegs ist, demontiert dieses einfach. Damit die runde Schlägelfläche vollständig auf dem Fell ankommt, lässt sich der Winkel auf dem Schaft entsprechend justieren.

Die Spannreifen-Klemme lässt sich auf der Bodenplatte in Längs- wie Querrichtung für eine optimale Position des Pedals zur Bassdrum verschieben.

Auch für die Spannreifen-Klemme hat sich Dennis Namesnik etwas Schickes einfallen lassen: Sie lässt sich in Längs und Querachse auf der Bodenplatte verschieben, so dass man das Pedal in korrekter Distanz zum Fell justieren kann und der/die Schlägel passend im Center auftreffen.

Die Alternative zum Band-Antrieb: ein DirectDrive

Fazit


Das ACD Darwin Bassdrum-Pedal besticht durch ein Höchstmaß an Fertigungspräzision und konsequent umgesetzten, ausgezeichneten Detaillösungen. Was dabei herauskommt, ist ein Hightech-Pedal mit mannigfaltigen Setup-Möglichkeiten. Dieses können Highspeed-Drummer ebenso nutzen wie auch jeder, der gern mal verschiedene Setups und Antriebsabläufe ausprobieren will und sicher sein möchte, dabei keine Kompromisse eingehen zu müssen. Das Ganze hat natürlich seinen Preis, aber wer Ferrari fahren will, kann das nicht für den Preis eines VW Golf tun. Und gemessen am Gebotenen empfinde ich die Preise für diese Pedal-Einzelanfertigungen als fair und angemessen.

Facts


Hersteller


ACD Unlimited

Herkunftsland


Österreich

Serie


Darwin Bassdrum-Pedale

Vertrieb


eigener Online-Shop

Internet


acd-unlimited.at

Preise (UvP)


ACD Darwin Single Bassdrum- Pedal (inkl. Tasche*): ca. € 520,– ACD Darwin Doppel-Bassdrum- Pedal (inkl. Tasche*): ca. € 1.150,–

* Statt der Thomann-Tasche, in der unser Test-Pedal geliefert wurde, liefert Dennis Namesnik mittlerweile die ACD Unlimited Darwin Pedale in eigenen, noch stabileren und aufwendiger gepolsterten Taschen aus.


(aus STICKS 11-12/2018)

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