Phil Collins Drum Workshop

Genesis: When in Rome Drum Charts

| Diethard Stein & Tom Schäfer

Wenn man es nach 15 Jahren noch mal krachen lässt um den Mythos Genesis wieder aufleben zu lassen und Geld bei den millionenschweren Herren wohl keine Rolle spielt, dann nutzt man auch die Chance, alle Register musikalischen Könnens und technischen Know-hows zu ziehen.

Über zwei Stunden Genesis hautnah – das Konzert vor 500.000 Fans in Rom plus jede Menge Hintergrundmaterial liegt als Erinnerungsstück und Dokumentation in Form eines Dreier-DVD-Sets vor. Nach gut einem Jahr Vorbereitungszeit gingen die Lichter einer gigantischen Liveshow am 11. 06. 2007 im Olympiastadion in Helsinki an. Hamburg, Prag, Paris, Amsterdam, London, Lyon und viele andere Metropolen folgten, bevor am 14. 07. 2007 die als „Selection of Shows“ betitelte Tour mit einem gigantischen Showdown vor 500.000 Fans im Circus Maximus in Rom gipfelte.

Bei dieser spekatulären Reunion fanden sich Genesis zum altbewährten Line-up mit Drummer Chester Thompson sowie Gitarrist/Bassist Daryl Stuermer zurück. Diese Band auf DVD zu erleben ist ein hautnahes Ereignis voller Superbilder und genesis-gigantischem Sound. Perfekt inszeniert auf einer 60 Meter breiten und 30 Meter hohen Hightech-Bühne, deren aufwändige Videoprogrammierung in flirrenden Bildern das Auge regelrecht explodieren lässt.

Musikalisch setzt die Band auf Highlights wie „No Son Of Mine“, „Land Of Confusion“, „Home By The Sea“, „Mama“, „Invisible Touch“ u. a., doch auch historisches Material wurde aufgegriffen. Und so können Fans noch mal zu den Klassikern „Cinema Show“, „In The Cage“, „Afterglow“, „I Know What I Like“, „Ripples“ oder „Carpet Crawlers“ in Emotionen taumeln. Aber natürlich nimmt auch das berühmte Drum-Duett Collins/Thompson einen exponierten Platz in der Show ein.

Die „Conversation With 2 Stools“ zeigt sehr deutlich, wie kreatv die beiden Drummer zueinander finden. Und überhaupt wird bereits zu Beginn der DVD sehr klar, dass Phil Collins nichts von seinem unnachahmlichen Charisma eines Power-Drummers verloren hat. Wenn der Mann trommelt, dann geht’s einfach nur unter die Haut! Das gesamte Rom-Konzert ist auf zwei DVDs gepackt, und interessanterweise kann man bei fast allen Titeln ein Untermenü anwählen.

Hier sind dann kleine Stories, Statements und Hintergrundinformationen zum jeweiligen Song eingeklinkt. Doch ein Extra-Knaller ist die DVD Disc III „Come Rain Or Shine“. Hier wird die Geschichte dieser Genesis-Reunion in Filmform dokumentiert. Die Chronologie ist wie ein Countdown bis zur ersten Show, und in vielen Sequenzen darf man nun „backstage“ miterleben, wie das alles war und was passierte.

Das Ganze ist hochinteressant, informativ, spannend und gleichsam mit viel Collins-Humor gespickt. Die Dokumentation bietet viele Momente der Entwicklung der „Turn It On Again“- Tour, von der gemeinsamen Bühnengestaltung, Lichtdesign, Band-Proben in der Schweiz, Proben in Brüssel sowie jede Menge Stories und Statements, die den unfassbaren Aufwand dieser Megaproduktion transportieren.

Zu sehen ist auch die Entwicklung des Drum-Duetts, das im Hotelzimmer seinen Ursprung fand, bis hin zu Drumtech Brad Marshs verzweifeltem Versuch, mit einem funktionsuntüchtigen Navi in Brüssel einen Möbelladen aufzufinden, um jene Barhocker zu erwerben, die für das Intro des Duetts verwendet wurden. Mit „When In Rome 2007“ kann man dies nun alles miterleben – ein Jahr intensive Vorbereitungsphasen und schließlich das abschließende Konzertereignis in Rom. Insgesamt 4 Stunden maximaler Hochgenuss!

DUKES INTRO

Notenbeispiel 1: Dieses zweitaktige Fill-in wird von Phil Collins und Chester Thompson synchron gespielt. Es ist nicht wirklich auszumachen, wer dabei genau welche Aufteilung spielt. Es handelt sich um Hand/Fuß-Kombinationen, die in 4er- und 6er-Gruppen von 1/16-Noten interpretiert werden. Die 4er-Gruppen bestehen dabei aus zwei von beiden Händen abwechselnd gespielten Single Strokes sowie einem mit Bassdrum interpretiertem Double Stroke, an dessen Stelle natürlich auch zwei mit Double-Bassdrum gespielte Single Strokes treten können.

Die 6er-Gruppen bestehen dagegen aus vier mit den Händen gespielten Single Strokes sowie einem Bassdrum Double Stroke. Die in 1/16-Noten anfangs dreimal hintereinander gespielten 4erGruppen betonen den Viertelnoten-Puls des Grooves, durch die anschließend gespielte 6er-Gruppe ab der Zählzeit „4“, die darauf folgende 4er-Gruppe ab der Zählzeit „1und“ in Takt 2 sowie die daran anschließende 6er-Gruppe ab der Zählzeit „2und“ entsteht in Relation zum Viertelnotenpuls eine Spannung aufbauende rhythmische Überlagerung.

TURN IT ON AGAIN

Notenbeispiel 2: Grundlage des Songs ist ein relativ einfacher Basis-Groove wie in Takt 1 des Notenbeispiels notiert. Die Spannung entsteht durch den Einsatz der den Basis-4/4-Takt überlagernden 3/4-Takte, deren rhythmische Schwerpunkte durch das Setzen eines vorgezogenen Bassdrum/Crash-Cymbal-Akzents sowie des nachfolgenden Snaredrum-Backbeats bestimmt werden. Die erste Überlagerung findet in den Takten 3 und 4 des Notenbeispiels statt und wird durch zwei 3/4 sowie eine 2/4 Untergliederungen bestimmt.

Die zweite Überlagerung erfolgt ab Takt 7 mit einer Untergliederung von drei 3/4-Takten sowie einem 4/4-Takt (bzw. zwei 2/4-Takten). Dadurch entsteht in Takt neun des Beispiels ein 5/4-Takt. Notenbeispiel 3: Hier entsteht durch das Herausheben der halben Noten auf den Zählzeiten „1“ und „3“ ein Halftime-Feeling. Für unerwartete Spannung sorgt das Setzen eines Bassdrum/Crash-CymbalAkzents auf der Zählzeit „2“ in Takt drei sowie der anschließende 5/4-Takt vor dem Wiedereinsetzen des Basis-Grooves.

LAND OF CONFUSION

Notenbeispiel 4: Chester Thompson spielt zu Beginn ein für Phil Collins typisches, synkopisch in 3er-Gruppen interpretiertes 1/16-Fill-in. Es besteht basismäßig aus jeweils zwei 1/16-Akzenten, die im Abstand von drei 1/16 wiederholt werden. Ließe man das Ganze durchlaufen, so würde sich dieses Pattern nach einem 3/4-Takt wiederholen, der erste der beiden Akzente liegt hierbei auf den Zählzeiten „1“, „1a“, „2und“ sowie „3e“.

Es entsteht so eine polyrhythmische Überlagerung zum Basispuls von „4 gegen 3“, die für viel Spannung sorgt. In diesem Fill-in beginnt das Pattern allerdings versetzt auf der Zählzeit „1und“ und wird nicht komplett durchgespielt. Die bei dem nachfolgenden Groove auf den „und“-Zählzeiten mit dem linken Fuß gespielte Hi-Hat sorgt für viel Vorwärtsbewegung. Notenbeispiel 5 zeigt ein weiteres typisches, ebenfalls in 1/16-Noten synkopisch gespieltes Fillin. Der Drive entsteht durch die Anschläge auf den 1/16-Zählzeiten „1a“, „2e“ sowie „2a“, die Auflösung erfolgt auf der Zählzeit „3“.

FIRTH OF FIFTH

Notenbeispiel 6 zeigt das von Phil Collins getrommelte Song-Intro. Der Groove mit einem konventionellen Snaredrum-Backbeat auf den Zählzeiten „2“ und „4“ lebt von seinen diversen, zum Teil als ganz kurze Buzz-Rolls interpretierten Ghost Notes. Für Spannung und Drive sorgen zudem die zum Teil durchlaufend mit der Bassdrum gespielten 1/16- Noten.

Das anschließend in Takt 4 gespielte Fill-in besteht aus als Hand/Fuß-Kombination durchlaufend gespielte 1/32-Noten, die basismäßig als Double Stroke zwischen rechter Hand und rechtem Fuß aufgeteilt sind, wobei die rechte Hand die Toms melodisch abspielt. Die linke Hand hingegen setzt dazu auf allen 1/8-Noten-Zählzeiten die Crash-Cymbal-Akzente.

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