Der Drum-Style von Ian Paice (2)

Ian Paice: Stil-Analyse (2)

| Robert Hurasky

Die 1974 erschienene Produktion „Burn“ enthielt zwar keinen erfolgreichen Hit á la „Smoke On The Water“ und ist auch bei Fans der Band nicht im oberen Bereich der Rangfolge ihrer liebsten Deep Purple- Alben angesiedelt. Der Titeltrack der CD „Burn“ (EMI CDP 7926112) enthält aber wirklich phänomenales Drumming, welches auch heute, fast dreißig Jahre später, jeden interessierten Drummer mit Begeisterung erfüllt.

„Burn“ ist ein schneller Heavy-Rock-Song – aber wirklich schnell! Das Song-Tempo liegt bei Viertel = 200 b.p.m. (gelegentlich spielt die Band minimal langsamer im Bereich um 194 b.p.m.)! Das Notenbeispiel 1 zeigt den Einstieg der Drums nach dem Intro.

Ian Paice spielt als Fill-in zunächst rollende Sechzehntel auf der Snare Drum und dem Tom 1. Diese spielt er Hand zu Hand, also mit Single Strokes, und zwar aus einer lockeren und leichten Bewegung der Hände und Handgelenke. In jeder achttaktigen Strophe des Songs verlässt Ian den Basic Beat und brennt stattdessen ein wahres Feuerwerk an rasanten, abwechselnd R/L gespielten Sechzehntel-Noten über sein Drumset verteilt ab.

Im Notenbeispiel 2 seht ihr die erste Passage: Im dritten, fünften, und siebten Takt müssen die Drums das Gitarren-Riff auf der „1“ und der „2und“ mitbetonen (mit Bass Drum und Crash-Cymbal), ansonsten hat der Drummer hier „freie Hand“ (= Hände). Schon im ersten Takt arbeitet Ian mit akzentuierten 1/16-Noten, und einmal mehr sind es genau diese Akzente, die das „Salz in der Suppe“ sind. Spielt den ersten Takt einmal ohne die Akzente, und ergänzt diese beim wiederholten Spielen. Der Unterschied ist immens, aus einer schlichten (wenn auch schnellen) rhythmischen Figur wird so ein musikalisches Statement. Dies gilt auch für alle anderen Takte, die alle durchlaufende Sechzehntel – hier und da durch eine Achtelnote aufgelockert - enthalten.

Auch die zweite Strophe (Notenbeispiel 3) bietet viele interessante Takte, die verschiedene Sechzehntel-Patterns mit unterschiedlichsten Akzentschemata enthalten. Kein Takt wird wiederholt, stattdessen werden die Toms mehr und mehr mit einbezogen. Ich empfehle euch hier jeden Takt einzeln zu üben, zunächst ohne Akzente. Auch die Verteilung auf unterschiedliche Trommeln solltet ihr erst sicher beherrschen, bevor ihr dann die Akzente ergänzt.

Dies alles sollte im langsamen Tempo geschehen, so etwa im Tempo Viertel = 80 b.p.m., je nach euren Spielfähigkeiten. Eine Temposteigerung erreicht ihr, indem ihr die beherrschten Takte stetig wiederholt, und zwar mit leichtem Vorwärtsdrang im Tempo, ähnlich einem beschleunigenden Fahrzeug.

Auf Metronomangaben bezogen heißt das: Steigert das Tempo um max. 5 – 10 Beats, und behaltet dieses neue Tempo dann einige Wiederholungen bei, bevor ihr noch schneller werdet. Die letzten zwei Beispiele zeigen den weiteren Einsatz von wirklich „runden“ Sechzehntel-Noten in diesem Song: Das Notenbeispiel 4 zeigt den Einstieg der Drums nach dem wiederholten Intro vor dem Gitarren-Solo. Hier ist es die Gleichmäßigkeit der einzelnen Noten, die diesen Takt so gut klingen lässt.

Das Notenbeispiel 5 zeigt abschließend den zweitaktigen Abschluss des Orgel-Solos.

Viel Spaß!

Hier geht es zum 1. Teil der Stilanalyse!

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