Workshop: Album des Monats

Workshop: Phil Collins - Face Value

| Diethard Stein

Im Rahmen der retrospektiven Re-Issue-Reihe „Take A Look At Me Now“ werden seit Ende Januar 2016 nach und nach alle der insgesamt acht Soloalben von Phil Collins in einer erweiterten und remasterten Edition veröffentlicht. Für die zusätzlich zur remastererten Original-CD produzierten CDs der neuen Editionen hat Phil Collins selbst das Song-Material (Demos, alternative und Live-Versionen) ausgewählt und zusammengestellt.

Seine hinter dieser Veröffentlichung stehende Idee ist es, durch die Gegenüberstellung der originalen Studioversionen mit denselben Songs aus frühen Demos und späteren Live-Performances zu untersuchen, wie sich die Songs im Laufe der Jahre weiterentwickelt haben.

Die Kampagne begann im Januar 2016 mit dem 1981er-Debütalbum „Face Value“ sowie dem Album „Both Sides“ von 1993. Im Februar 2016 folgen nun die remasterten und ergänzten Alben „Hello, I Must Be Going“ (1983) und „Dance Into The Light“ von 1996.

Die Veröffentlichung dieser neuen PhilCollins-Editionen haben wir zum Anlass genommen, die bei zwei Titeln des epochalen Original-Albums „Face Value“ gespielten Beats für diesen Workshop zu analysieren. Eine Analyse des legendären „In The Air Tonight“-Drum-Fills aus diesem Album findet ihr in der Workshop-Folge von „Drum Essentials“, ebenfalls in dieser STICKS-Ausgabe.

Behind The Lines

Notenbeispiel 1: In diesem Beispiel sind die ersten vier Takte des Song-Intro notiert. Der Titel wird im Reggae-ähnlichen Feel interpretiert, die notierten Sechzehntel-Noten auf den „e“- und „a“-Zählzeiten werden leicht ternär umgesetzt. Während die auf der geschlossenen Hi-Hat gespielten Sechzehntel auf den Viertelpuls-Zählzeiten akzentuiert werden, sorgen die auf den „4a“-Zählzeiten angeschlagenen Hi-Hat- Öffnungen durch ihre gegen den Puls synkopisch platzierten Akzentuierungen für rhythmische Spannung.

Die rhythmische Basis wird durch die ostinaten Bassdrum-Anschläge auf den Backbeat-Zählzeiten „2“ und „4“ erzeugt. Dieses Pattern verleiht dem Rhythmus durch das Weglassen der sonst üblichen BassdrumAkzente auf den Zählzeiten „1“ und „3“ ein swingendes Feel.

Notenbeispiel 2 zeigt die ersten vier Takte des während der ersten Strophe gespielten Grooves. Die Snaredrum wird nun auf den Backbeat-Zählzeiten „2“ und „4“ akzentuiert, die Bassdrum läuft basismäßig auf allen Viertelpuls-Zählzeiten mit. Die zuweilen zusätzlichen und etwas leiser angeschlagenen Bassdrum-Akzente auf Zählzeiten wie der „3a“ in Takt 1 oder der „1a“ und „2a“ in Takt 2 etc. sorgen für zusätzlichen Drive dieses Beats.

Wie schon beim im Intro gespielten Rhythmus werden auch beim während der Strophe verwendeten Beat alle „4a“-Zählzeitendurch eine kurze Hi-Hat-Öffnung akzentuiert, nun jedoch durch einen zusätzlichen Snaredrum-Akzent stärker hervorgehoben. Die geschlossene Hi-Hat wird meist in Achtelnoten gespielt, die leichten Akzentuierungen auf den diversen „und“-Zählzeiten sorgen für den swingenden Flow dieses Beats.

I Missed Again

Notenbeispiel 3 zeigt die ersten acht Takte des Song-Intro. Nach einem kurzen halbtaktigen Fill-Pattern, bei dem auf der zweiten und dritten Sechzehntel-Noten-Zählzeit auch noch leise Snaredrum-Ghost- Notes mitrascheln, basiert dieser Beat auf den auf der geschlossenen Hi-Hat durchlaufend gespielten Achtelnoten sowie Snaredrum-Backbeats auf den Zählzeiten „2“ und „4“. Dazu spielt die Bassdrum basismäßig auf den Zählzeiten „1“, „3und“ sowie „4und“. Für das swingende Feel des Grooves sorgt das Weglassen eines Bassdrum-Anschlages auf der Zählzeit „3“. Für rhythmische Farbe sorgen die verschiedenen Hi-Hat-Öffnungen.

Markant für diesen Groove ist die Tatsache, dass basismäßig alle zwei Takte ein markantes Fill-Pattern auf den Zählzeiten „4“, „4a“ sowie „4und“ platziert wird, das in der Regel jeweils durch Snaredrum-Ghost- Notes eingeleitet wird. Ausnahme ist der letzte Takt des Intro, hier beginnt die Vorbereitung der eigentlichen Figur schon ab der Zählzeit „3“. Dieses Stilmittel wird auch im weiteren Song-Verlauf bei der nachfolgend gespielten Strophe weitergeführt.

Diethard Stein hat als vielbeschäftigter Musiker mit zahlreichen nationalen und internationalen Top-Musikern gespielt. Er arbeitet als Schlagzeug-Dozent an der Musik & Kunstschule Velbert. Seine Lehrbücher unter dem Titel „Modern Drumming“ sind europaweit als Standardlehrwerke für den Schlagzeugunterricht etabliert. Diethard Stein ist seit der ersten Ausgabe von 1988 STICKS-Autor.

mail@diethard-stein.de

Zur Übersicht

Sticks-Newsletter

Mehr frische Infos und Angebote gibt's im Sticks-Newsletter.

Jetzt registrieren