Cajon-Manufaktur in Andalusien

Firmen-Report: Zu Besuch bei J.Leiva Percussion

Wie eine weißgetönte Insel schwimmt die kleine Stadt Montilla inmitten einer Hügellandschaft. Soweit das Auge reicht blickt man über ein sonnenverwöhntes Panorama unter dem tiefblauen Himmel Andalusiens. Diese Region ist bekannt für gute Weine und gehaltvolles Olivenöl. Aber mehr noch: Andalusien ist die Heimat des Flamenco. Und Montilla liegt mittendrin. Eine Stadt, die von mittelständischen Betrieben und Handwerk geprägt ist. Darüber hinaus hat Montilla eine ganz besondere Spezialität zu bieten: Unweit des alten Stadtzentrums befindet sich die Keimzelle, in der die J.Leiva Cajons das Licht der Welt erblicken.

| Tom Schäfer

Bild: Tom Schäfer

Wie eine weißgetönte Insel schwimmt die kleine Stadt Montilla inmitten einer Hügellandschaft. Soweit das Auge reicht blickt man über ein sonnenverwöhntes Panorama unter dem tiefblauen Himmel Andalusiens. Diese Region ist bekannt für gute Weine und gehaltvolles Olivenöl. Aber mehr noch: Andalusien ist die Heimat des Flamenco. Und Montilla liegt mittendrin. Eine Stadt, die von mittelständischen Betrieben und Handwerk geprägt ist. Darüber hinaus hat Montilla eine ganz besondere Spezialität zu bieten: Unweit des alten Stadtzentrums befindet sich die Keimzelle, in der die J.Leiva Cajons das Licht der Welt erblicken.

Sehr gerne sind wir der Einladung von Firmeninhaber José Leiva Pino und seinem Vertriebspartner Hannes Sönmez (Sonic Percussion) gefolgt, die Fertigungsstätte zu besichtigen und damit die Philosophie der J.Leiva Cajon-Herstellung persönlich kennenzulernen. Der Gedanke an eine cleane Hightech-Fabrikation mit computergesteuerten Fertigungsprozessen ist angesichts des weltweit florienden Cajon-Booms naheliegend. Doch J.Leiva hat sich bewusst nicht auf diese anonyme Strategie eingelassen. Hier spucken keine Fließbänder Cajon-Produkte aus. In Montilla werden Cajons einzeln und mittels reiner Handarbeit gefertigt. J.Leiva Percussion ist ein familiär anmutender Betrieb mit einem überraschend kleinen Team an Mitarbeitern.

Wie alles begann


Firmengründer und Mastermind José „Pepe“ Leiva hat klassisches Schlagwerk studiert. In Montilla ist er aufgewachsen und hier hat er vor langen Jahren an seiner ersten Cajon geschraubt. Dabei kommt die „Schrauberaffinität“ nicht von ungefähr. Schon damals restaurierte er mit ausgeprägtem Tüftlersinn alte Moto Guzzis. Diese Leidenschaft, aber auch die Affinität eines erfinderischen Geistes, trägt der Vintage-Motorrad-Sammler bis heute in sich.

Bild: Tom Schäfer

Pepe Leiva: „Neben klassischem Schlagwerk wollte ich immer gerne auch richtiges Schlagzeug spielen. So kam ich über Umwege zur Cajon. Nur war der Markt in Spanien noch vor fünfzehn Jahren recht schwach bestückt mit qualitativ guten Cajones. Und die wenigen, die es gab, entsprachen nicht meiner Klangvorstellung. Also baute ich mir einfach eine Cajon selber. Mein Urmodell fiel sehr rudimentär aus, aber der Sound ging schon in eine gute Richtung. Plötzlich wollten Freunde auch so eine Kiste haben, und letztlich baute ich mehr als zwanzig Modelle, die ich alle verschenkte. Das Ganze entwickelte sich zu einem Dominoeffekt, als plötzlich Anfragen aus dem Umland kamen und man mir tatsächlich Geld bezahlen wollte. Ich hatte ja nur simple Werkzeuge zur Hand, und meine Cajones waren nicht gerade hübsch, aber klanglich wurden sie immer besser. Etwas später veranstaltete ich meine ersten Cajon-Bau-Camps. Der Erfolg war so groß, dass weitere Camps folgten. So fasste ich 2009 den Entschluss, meine eigene Cajon-Fertigung offiziell unter Leiva Percussion zu starten.“

Tradition & Innovation: Alma, Zeta, Medina und Medina Eco in einem andalusischen Weinkeller.

Einem gesunden Menschenverstand folgend, hat er aber nicht auf das „Von Null auf Hundert“-Prinzip gesetzt und eine Fabrik aus dem Boden gestampft. Vielmehr orientierte er sich am Umfeld Montillas und kooperierte mit ortsansässigen Handwerksbetrieben. So kam er in Kontakt mit einer Möbelschreinerei, die eine maschinelle Infrastruktur zur Verfügung stellen konnte. Und auch eine Lackiererei war in der Nähe.

Von Beginn an hatte Pepe Leiva ein klares Konzept vor Augen: Kompromisslos hochwertige Musikinstrumente und keine auf Stückzahlen getrimmte Massenfertigung. Mit Bedacht entstanden im Jahr 2009 die ersten Cajon-Serien, die ausschließlich für den spanischen Markt gedacht waren.

Handmade in Andalusien


Im Wesentlichen hat Pepe Leiva ein dezentrales Fertigungskonzept etabliert. Die Produktion findet also nicht an einem Ort unter einem Dach statt. Vielmehr wird das Potenzial ortsansässiger Handwerksbetriebe genutzt. So können Kapazitäten abgeglichen werden. Drei Produktions-Zentralen werden für die Herstellung aller Cajon-Serien von J.Leiva eingesetzt. Hierbei übernimmt der Schreinereibetrieb in Montilla die Fertigung der Cajonbodys. Lackierungen und Oberflächen- Bearbeitungen werden in einem Fachbetrieb im 5 km entfernten Aguilar de la Frontera gemacht. Die Endmontage der Cajons sowie Design-Finishes erfolgen in einer Fertigungshalle unweit der Schreinerei. Hier befindet sich auch die Lagerhalle für Roh-Cajons sowie das Lager der fertig produzierten Modelle.

Rohkessel verschiedener Serien

Ein kleines Team von nur 17 Mitarbeitern ist im kompletten Herstellungsprozess involviert. Jeder ein Fachmann auf seinem Gebiet und mit Herzblut dabei. Dieses familiäre Flair ist auch Pepe Leiva zu verdanken, der sich stets mit Interesse seinen Mitarbeitern zuwendet. Hier laufen die Dinge Hand in Hand, während Pepe Strategien vorantreibt, aber auch immer Teil des handwerklichen Geschehens ist.

Herstellung: Woodwork


Der Duft des Holzes steigt einem in die Nase beim Betreten der Woodwork-Zentrale. Je nach Modell und Ausstattung wird Birke, Eiche und Walnuss, aber auch „exotisches“ Koto, chilenische Pinie und Sapele verbaut, wobei Design-Aspekte sowie Fragen des Klangs den gezielten Einsatz eines bestimmten Holzes definieren. In der Schreinerei arbeiten zwölf Holzwerker, um die unterschiedlichsten Bauteile für Cajones zu fertigen.

Von einfachen Schleifapparaten bis hin zu modernen Fräsen bietet die Werkstatthalle eine komplette Infrastruktur. So werden zum Beispiel die Walnussrahmen der Omeya Evo II Frontplatten von einer hochpräzisen CNC-Fräse geschnitten. Jede Modellreihe der J.Leiva Cajons hat bestimmte Alleinstellungsmerkmale, die sowohl konstruktiv als auch im Sound erkennbar sind. So gibt es die technisch eher einfacheren Chassis mit MDF-Bodys in den Einsteigerkategorien Viva und Zoco, aber genauso auch aufwändig gemachte Cajon-Bodys der Omeya Master Modelle mit Eichen-Massivholz-Korpus.

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Pepe Leiva: „Man kann die besten Hölzer der Welt verwenden, aber ohne Kenntnisse im Cajon-Bau bekommst du am Ende keinen guten Sound. Gut klingende Cajones lassen sich mit Nobelhölzern genauso herstellen wie mit MDF-Platten. Wichtig ist das Konzept einer cleveren Bauweise.“

Bei Leiva ruht man sich nicht auf einem festgelegten Standard aus. Stets werden Cajones in technischen Details weiterentwickelt, um den Sound-Gehalt immer wieder zu optimieren. Ein Wesensmerkmal bei der Chassis-Konstruktion sind die durchgehenden Leisten, die hinter der Schlagfläche sitzen. Der Detailblick zeigt, dass die Horizontalleisten gegenüber den Vertikalleisten leicht versetzt sind. Dadurch kann mit der Verschraubung der Schlagfläche eine leicht konkave Nach-Innenwölbung erzielt werden, was der Wood-Membran zu mehr Spannkraft verhilft.

Die Verleimung der Cajon-Kessel erfolgt in einer Leimpresse, die mehrere Chassis gleichzeitig aufnehmen kann. Verantwortlich für Arbeiten in der Holzwerkstatt sind vor allem die beiden Master-Woodworker Rafael Casas Rey und Matias Casas Rey, die Pepe Leiva gerne auch als seine beiden rechten Hände bezeichnet. Der finale Schritt der Rohkesselfertigung heißt schleifen, schleifen, schleifen. Das zwölfköpfige Holz-Team sorgt teils mit Maschinen und teils auch per Hand und Schleifbogen dafür, dass die Cajones ihre geschmeidige Form mit geglätteten Kanten und anschmiegsamen Oberflächen erhalten.

Und am Ende eines Arbeitstages heißt es erneut: Teamwork! Man schlüpft aus den Staubklamotten raus- und rein ins Sport-Trikot. Jetzt wird in den Sonnenuntergang gejoggt!

Herstellung: Finishes


Auch die Lackierstation im Nachbarort Aguilar de la Frontera ist keineswegs klinischer Hightech. Jede Cajon wird hier einzeln und von Hand mit Sprühpistolen grundiert, oberflächenversiegelt und farblich gestaltet. Manuel Fernandez Jimenez und Rafael Rios Marmol sind wahre Master-Painter, wenn sie ihre Sprühpistolen über die Cajones tanzen lassen und die Farbdichte regelrecht aus dem Handgelenk auftragen. Mitunter ist viel Schleifarbeit angesagt, da mehrfach aufgetragene Grundierungen zwischendurch immer wieder mit Handschleifmaschinen bearbeitet werden.

Es ist positiv hervorzuheben, dass nicht irgendwelche Lacke verwendet werden, sondern auf umweltverträgliche Inhaltsstoffe großer Wert gelegt wird. Auch geölte und gewachste Finishes in der „Greenline“ von J.Leiva folgen dem nachhaltigen Gedanken. Zudem werden alle Rückstände aus dem Lackierbetrieb recycelt.

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Herstellung: Endfertigung


Zurück in Montilla betreten wir zwei Hallen und gelangen in die „heilige“ Sektion der Endfertigung. Hier dürfen sogar etliche Motorräder aus Pepe Leivas Sammlung hinter Cajon-Paletten parken, aber in erster Linie strecken sich jede Menge Cajon-Türme der Decke entgegen, während auf Paletten sortierte Baureihen auf ihre finale Fertigung warten. Und diese heißt: Bassports einsetzen, Füße montieren, Löcher bohren für die Saiten- und D.T.S.-Tuning-System-Montage, Schlagflächen aufziehen sowie der finale Siebdruck für die Cajon-Designs.

Die Montage von Saiten und Schlagflächen ist das Herzstück der J.Leiva-Fertigung. Know-how und Fingerspitzengefühl sind unabdingbar. Daher ist dieser Produktionsabschnitt einzig und alleine den Geschicken zweier Cajon-Experten vorbehalten. Das sind „Master Luthier“ Joaquin Ortiz Mendez, der die komplexe Montage in Eigenregie übernimmt und Pepe Leiva selbst, der grundsätzlich den Siebdruck macht und für das Tunen der Cajones zuständig ist.

Die Montage der Sound-Komponenten unterliegt sehr persönlichen Fertigkeiten und niemand besser hat die filigranen Handwerksschritte besser drauf als Joaquin. Die Endfertigung ist seine Welt und seine eigene Face-To-Face-Begegnung, wenn er jede einzelne Cajon mit Zauberhand zum Leben erweckt.

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Pepe Leiva: „Joaquin ist nicht nur ein äußerst wertvoller Mitarbeiter, sondern auch ein Freund, den ich aus der gemeinsamen Sandkastenzeit kenne. Was die Philosophie und Klangästhetik einer Cajon angeht, sprechen wir beide dieselbe Sprache.“

Joaquin arbeitet meistens ganz alleine an seinem Montagetisch, voll konzentriert – aber auch gerne mal mit kompetenter Rockmusik-Beschallung. Bei den Schlagflächen setzt Leiva hauptsächlich auf 3ply-Birkenhölzer.

Pepe Leiva: „Der größte Feind des Klangs ist der Kleber! Schlagflächen mit einem 3ply-Aufbau haben relativ wenig Klebstoffanteile. Ich arbeite lieber mit dem Klang des Holzes als mit dem Klang eines Klebers.“

Finaler Arbeitsschritt ist die Montage der Schlagflächen. Die Frontplatten ordnet Joaquin nach ihrer Nummernsortierung den Cajonbodys zu. Joaquin befestigt die Schlagfläche gewollt mit leichter „Überspannung“ auf dem Body. So muss sich die Birkenholzplatte der Formgebung fügen und ruht mehrere Tage in der Überspannphase. Das Auftragen der verschiedenen Schlagflächen-Designs mit floralen und maurisch inspirierten Motiven erfolgt im Siebdruck. Diesen Arbeitsschritt lässt sich Pepe Leiva nicht nehmen.

Die Seele


Bevor die Cajons verpackt werden und in den Versand gehen, erfolgt ein letzter Akt: das Stimmen aller Modelle einzeln und von Meisterhand. Dies ist ausschließlich dem Entwickler und Designer Pepe Leiva vorbehalten. Hatte Joaquin die Frontplatten bei der Montage recht stark angeschraubt, so werden selektierte Schraubpunkte nun leicht gelöst, um der Spielfläche mehr an federnder Eigenschaft und damit mehr Schwingungspotenzial zuzuführen. Bei diesem sensiblen Vorgang tritt Pepe Leiva in persönlichen Kontakt mit der Cajon – er lauscht, tastet, tippt und weiß binnen Sekunden, welche Schraube in welchem Maß zu stellen ist. Ähnliches vollzieht sich bei der Einstellung der Saiten. Nur wenige Handgriffe braucht er, um Ansprache und Effekt in ein optimales Verhältnis zu setzen – und plötzlich klingt die Cajon, sie slapt, pulsiert, so als hätte man ihr gerade eben die Seele eingehaucht. Pepe Leivas Augen glänzen und ein Lächeln umspielt sein Gesicht.

Mit seiner kreativen Ader hat Pepe Leiva manch clevere Cajon-Konzepte hervorgebracht, die teils im Teamplay mit Aurora Sanchez Herrador (Manager Director und Designer) entwickelt wurden. Einige Ideen wie das B.Box Cajon-Pedal, das Bass-Studio-System oder das D.T.S. führten nicht nur zu Patentanmeldungen, sondern bieten J.Leiva Cajons auch signifikante Alleinstellungsmerkmale. Gerade das D.T.S. „Direkt Tune System“ hat sich als J.Leiva-Klassiker etabliert. Mit diesem System kann man die Saiten bequem über die hinteren Stellschrauben von Hand justieren.

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10 Jahre Innovation & Tradition


Als Pepe vor zehn Jahren J.Leiva Percussion gründete, konnte er nicht ahnen, dass sich seine Vision so weit in die Welt tragen würde. Leidenschaft war immer schon die Antriebsfeder, mit der Entwicklungen innovativer Ideen vorangetrieben wurden. Die Wertschöpfung für ein klangvolles und gut gemachtes Musikinstrument hat ihn zeit seines Lebens begleitet.

Ursprünglich waren seine Flamenco-Modelle für den spanischen Markt gedacht. Durch die Vernetzung mit Vertrieben erreichen J.Leiva Cajons heute Länder wie Deutschland, BeNeLux, Frankreich, England, Österreich, die Türkei, Japan und Korea. Eine große Leistung für eine Manufaktur, die ihre Handmade-Authentizität angesichts der großen Nachfrage nie „verkauft“ hat. Auch am Standort Montilla hat man festgehalten und damit an einem Team von Mitarbeitern, die an der Entstehung der Cajons maßgeblich beteiligt sind.

Heute hat J.Leiva mit den Serien Viva, Zoco, Alma, Medina und Omeya Modellreihen mit klanglich unterschiedlicher Akzentsetzung etabliert, die sowohl den Anfänger, den Hobbymusiker als auch den Profi ansprechen. Ebenso gibt es Special-Interest Modelle wie die Omeya Master, Crystal oder Bass Studio.

Auch mit der Entwicklung von wegbereitenden Patenten und einer florierenden Manufaktur im Zenit des weltweiten Cajon-Booms, hetzt Pepe Leiva nicht der Zeit und auch keinen Trends hinterher. So ist eines gewiss: J.Leiva Cajons werden immer aus dem Herzen Andalusiens kommen.

Pepe Leiva: „Geschwindigkeit verträgt sich nicht mit guter Handarbeit! Eine Cajon braucht ihre Zeit, um gebaut zu werden. Sie selber gibt das Tempo vor. Alles andere gilt in meinen Augen nicht. Sonst verändert man ihre Seele“.

Ein herzliches Dankeschön geht an Jose Pepe Leiva und sein Team sowie an Hannes Sönmez (Sonic Percussion) für die Einladung nach Montilla.

Websites


leivapercussion.com

sonicpercussion.eu


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