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Test: Ludwig Heirloom 110th Anniversary Snaredrum

Der 110. Geburtstag wird von Ludwig u. a. mit diversen Ltd. Edition Drumsets und Snaredrums gefeiert, darunter eine exklusive Heirloom Snaredrum. Diese gibt es in zwei Größen in einer schmucken „Black Brass“-Optik.

| Ralf Mikolajczak

Bild: Dieter Stork

Der 110. Geburtstag wurde von Ludwig u. a. mit diversen Ltd. Edition Drumsets und Snaredrums gefeiert, darunter eine exklusive Heirloom Snaredrum. Diese gibt es in zwei Größen in einer schmucken „Black Brass“-Optik.

Diese Limited Edition Instrumente wurden nur im Produktionsjahr 2019 gefertigt. Zum Test erhielten wir vom Vertrieb Fentex Percussion das Modell in der Größe 14" x 7". Das muss kesseln, oder?! Das schicke Teil wird in einer eigens für die Anniversary Snaredrums entworfenen Tasche geliefert. Und selbstverständlich darf auch das „Certificate of Authenticity“ nicht fehlen. Das passt gut in einen Schmuckrahmen.

Den „Black Brass“-Kessel ziert das spezielle „110th Anniversary“-Typenschild.

Technisches


Der Kessel der Heirloom Snaredrum ist aus Messing gefertigt, allerdings ist er nicht nahtlos gezogen. Auch auf die für Ludwig Metall-Snaredrums so typische Sicke in der Mitte wurde hier verzichtet. Der Kessel präsentiert sich mit einer sauber verlöteten Nahtstelle, die nur auf der Innenseite erkennbar ist. In den Gratungsbereichen wurde sehr sauber gearbeitet: Hier lassen sich keinerlei Unebenheiten auf der Schlag- wie Resonanzfellseite erkennen. Die Toleranz im Durchmesser liegt unter 0,5 mm, und bei der Wandstärke konnten wir einen konstant guten Wert von ca. 1 mm ermitteln.

Sehr sorgfältig wurde das Messingblech im flachen Winkel von ca. 30 Grad umgebogen und eine recht spitze, schmale Auflagekante auf der Schlagfellseite realisiert. Auf der Resonanzfellseite fällt die Auflagekante einen Hauch rundlicher aus und sinkt sanft auf das ca. 2,7 mm tiefe Snarebed ab. Das ist ca. 17 cm weit gestaltet und die Auflagekante wird marginal breiter.

Die moderne P88 Abhebung schaltet leise und zuverlässig und lässt sich feinfühlig einstellen.

Die Kesselinnenseite ist in schmuckem Schwarz gehalten. Die Außenseite präsentiert sich in einem dunklen, seidenmatten Glanz mit einem ca. 7 cm breiten Bereich in der Mitte, der etwas heller ausfällt. Zusätzlich gibt es dort drei geprägte Streifen: Die beiden äußeren sind ca. 3 mm, der mittlere 5 mm schmal. Die klassische Sicke wird so auf interessante Weise angedeutet. In jedem Feld zwischen zwei Spannböckchen ist zudem ein stilisiertes Krönchen-Logo in diesem Bereich eingeprägt. Ausnahme sind das Feld mit dem besonderen „110th Anniversary“-Typenschild inklusive Luftausgleichsloch und dem diesen gegenüber liegendem Feld, das den klassischen Ludwig-Schriftzug als Prägung trägt. Die schöne und technisch sehr gut umgesetzte Arbeit wird von zehn „Imperial“-Stimmböckchen in Hochglanz polierter Messing-Optik komplementiert. Abgerundet wird das sehr elegante Bild von den ebenfalls auf Hochglanz polierten Messing-Guss-Spannreifen und der P88 Abhebung.

Farbkontrast und Prägungen in der Kesselmitte als moderne Adaption der typischen Ludwig-Sicke.

Klangliches


Aus reinem Spaß habe ich mal gegen den Kessel bei abmontierten Fellen und Snareteppich geklopft, und da entfuhr mir doch ein „Wow“. Selbst mit montierter Hardware war die Ansprache super schnell und direkt und dabei entstand ein sehr satter, äußerst resonanter und sauber ausklingender Ton. Das spricht schon mal für einen spannungsfrei verlöteten und damit wirklich gut gearbeiteten Kessel.

Mit der Remo Ambassador Fellkombination lässt sich die Trommel schnell und präzise einstimmen. Die Obertöne im Attack sind hell, crisp und nicht zu spitz, zudem singen sie sehr schön kontrolliert. Für genügend Crack sorgen dann die Guss-Spannreifen, vor allem bei Rimshots und Rimclick-Sounds. Das Sustain ist sehr druckvoll und warm klingend in den unteren Mitten und im Bassbereich. Das entspricht durchaus dem Charakter einer Snaredrum mit Messingkessel, hat aber nicht so viel mit den typischen „Black Beauty“-Sounds zu tun.

Der Kessel ist innen wie außen sauber verarbeitet.

Diese soll sie auch gar nicht bieten, denn diese Heirloom Snaredrum hat ihren eigenen Charakter. Sie ist noch etwas tighter und knackiger im Attack, und der Druck aus dem Keller spielt sich in einem tieferen Frequenzband ab. Zudem wirkt sie nicht so weich und breit wie ich das von so vielen „Black Beautys“ her kenne. Die Heirloom Snaredrum hat ja schließlich auch eine ganz andere Kesselkonstruktion, dazu mit etwas mehr Hubraum, und in Kombination mit den Guss-Spannreifen gibt sie natürlich gern den wuchtig, satten Rocker. Gerade die offenen, hohen Sounds brauchen nur wenig bis fast gar keine externe Dämpfung, denn die Obertöne wirken selbst bei Rimshots noch sehr gefällig. Die Snareteppich-Ansprache ist richtig gut, und das kann man eventuell auch noch durch einen anderen, mit Schnur aufgehängten Snareteppich noch mal etwas pimpen – zumindest für den persönlichen Geschmack.

Das Snarebed bietet einen sehr sanften Verlauf zum Nutzbereich.

Überzeugend ist auch die Dynamik: Leise gespielt entsteht eine saubere Artikulation und eine gute Kombination aus crispem Attack und gefällig-warmem Sustain. Mit gesteigerter Spielintensität entwickeln sich Punch und Crack im Attack, Klangfülle und Power bekommt man durch den Druck aus den Tiefmitten und dem Bass-Bereich. Das funktioniert für alles was Rock oder Hardrock angeht super klasse. Dieser „Stadion-Snaredrum-Sound“ überzeugt auch bei etwas moderaterem Spiel, sodass man sie auch im kleinen Club problemlos spielen kann ohne klangtechnisch zu übertreiben.

Es lohnt sich auch mal ein graduelles Herunterstimmen. Dabei kann man dann (durchaus mit etwas mehr Dämpfung oder gar extremer Überdämpfung) noch einige andere spannende Sounds entdecken, welche das weite Feld der modernen Popmusik bis hin zu FX- und Electro-Sounds oder Urban Styles abdecken. Allerdings darf man hier nicht den weichen pumpenden Bass erwarten, denn die Heirloom Snaredrum ist zwar druckvoll, aber eben auch etwas aufgeräumter und straff im Sustain. Wem der Attack dann noch etwas zu knackig ist, sollte auf stärker vorgedämpfte oder gar doppellagige Felle zurückgreifen. Auch damit funktioniert sie in Sachen Ansprache in einer recht weiten Tuning-Range sehr gut.

Die Auflagekante der Schlagfellseite ist etwas spitzer gestaltet.

Fazit


Die Ludwig Heirloom 110 Anniversary Snaredrum hinterlässt einen sehr guten Eindruck, sowohl optisch wie akustisch. In beiden Fällen unterstreicht sie ihren eigenen Charakter, und dank der guten Verarbeitung zeigt sie auch, dass gute Sounds nicht nur aus nahtlos gezogenen Messing-Kesseln entstehen können. Der 7" Hubraum und die Guss-Spannreifen prädestinieren sie für überzeugende Rock- und Hardrock-Sounds, wenngleich sie auch mit Tuning- und Dämpfungstricks sowie geschickter Fellauswahl auch andere überzeugende Klangfacetten bieten kann. Die Dynamik und Ansprache lässt hier einiges zu. Als schmuckes Sammlerstück für die Vitrine wäre mir die Heirloom Snaredrum zu schade: Dieses Trömmelchen gehört auf die Bühne!

Facts


Hersteller

Ludwig

Herkunftsland

USA

Serie/Modell

Heirloom Black Brass 110th Anniversary Snaredrum

Kessel

Messing, verlötet, ca. 1 mm stark, Snarebed ca. 17 cm weit und ca. 2,7 mm tief, Gratung ca. 30 Grad, Auflagekante auf Resonanzfellseite leicht rundlich, auf Schlagfellseite spitz

Oberfläche

Black Brass

Hardware

Imperial Lugs, Guss-Spannreifen, P88 Abhebung

Zubehör

Anniversary Snaredrum Bag, Certificate of Authenticity, Stimmschlüssel

Vertrieb

Fentex Percussion

Internet

ludwig-drums.com

www.fentex-percussion.com

Preis (UvP)

Ludwig Heirloom Snaredrum 14" x 7" ca. € 879,-


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