Alles an Bord!

Alesis DM7X E-Drum-Set im Test

Im Frühjahr stellte Alesis das E-Drum-Set DM7X vor, das vom Preis her eindeutig auf die Einsteigerklasse abzielt. Dabei ist das Set mit vier Toms und drei Cymbals üppiger ausgestattet als in diesem Segment üblich. Ob und wo dabei gespart wurde, versuchen wir, im Test zu klären.

E-Drumkit
(Bild: Archiv)

Ob die Sounds vom DM7X Set durchaus brauchbar sind, zeigt dir unser Videotest des Alesis DM7X E-Drum-Sets.

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Das Kit wird komplett in einem nicht zu riesigen Karton geliefert, wobei sogar das Rack schon zum großen Teil vormontiert ist. Nach dem Auspacken desselben muss man es lediglich aufklappen und eine separat beiliegende Flügelschraube anbringen, die den Karton fürs Rack (der im Hauptkarton liegt) 2 bis 3 cm dicker gemacht hätte – hier verzichten wir dann gerne zugunsten der Umwelt auf den Kom – fort, und die Schraube ist schnell montiert. Ebenfalls Handarbeit ist beim restlichen Aufbau gefragt. So müssen spezielle Cymbal-Aufhängungen auf die Cymbal-Arme gesteckt und mit separat gelieferten Schrauben inkl. Unterlegscheiben fixiert werden – ziemliches Gefriemel, und hinzu kommt, dass die Schrauben ein wenig zu kurz und nicht besonders hart sind.

So hatte ich die ersten Windungen der ersten Schraube gleich doll gedreht, und sie packte nicht mehr richtig; wenn man allerdings die beiden Unterlegscheiben weglässt, klappt’s trotzdem. Nicht minder unanstrengend ist das Fixieren der Klemmen, die das Rack zusammenhalten, denn sie sind nicht mit Flügelschrauben versehen, sondern mit pro Schelle mit je zwei Vierkantschrauben, die sich mit dem mitgelieferten oder jedem handelsüblichen Stimmschlüssel bedienen lassen. Der Nachteil ist, dass man nun für jeden Auf- und Abbau den Stimmschlüssel parat haben und immer an zwei Vierkant- statt an einer Flügelschraube drehen muss; der Vorteil ist jedoch, dass die Schellen aufgrund der je zwei Schrauben nun derartig fest zupacken, dass sich da auch mit höchster mir zur Verfügung stehender Kraftaufwendung gar nichts mehr bewegen ließ. Besseres kann einem für einen stabilen Aufbau also gar nicht passieren. Nur für die Soundmodul-Halterung gibt es am Rack zwei Flügelschrauben.

Rack & Pedale

Das Rack ist eine Vier-Bein-Konstruktion mit einer Front-Querstange, zwei Seiten-Querstangen und einem Ausleger für das Snare-Pad. Die vorderen Beine sind ca. 77 cm lang, die beiden hinteren ca. 71 cm, was einen relativ hohen Tom-Aufbau möglich macht. Sehr gut! Die Front-Querstange misst ca. 88 cm und verschafft dem Set einen stattlichen Look. Die beiden Seiten-Querstangen sind mit ca. 43 cm hingegen sehr kurz, was vor allem den Aufbau der beiden Floor-Tom-Pads etwas eng gestaltet – mit ein bisschen Geschick lässt sich aber auch hier ein komfortables Setup finden. Das Hi-Hat-Kontrollpedal ist ein einfaches Modell mit nicht verstellbarer Federspannung. Es wird durch eine Kombination von Klettband und zwei herausschraubbaren Dornen effektiv am Verrutschen gehindert.

Das Bassdrum-Pedal ist da wesentlich komfortabler ausgestattet: Es besitzt viele Verstellmöglichkeiten für den Schlägelwinkel, die Federspannung sowie die Kettenlänge, und seine ausführliche Extra-Anleitung beschreibt detailliert, wie man das alles macht und sogar, dass man den Fußstopper am Pedal abmontieren kann, wenn man mehr Pedallänge braucht. Auch hier verhindert eine Kombi aus Klettband und Dornen, dass das Pedal ins Rutschen kommt. Die Cymbal-Halter sind von der eher kurzen Sorte, bieten aber immerhin einen Galgen, der dann allerdings auch gleichzeitig für die Schrägstellung zuständig ist. Ihre Rohre sind nicht verchromt, sondern schwarz lackiert, was ihrer Funktionalität aber keinen Abbruch tut und dem Kit eine eigene optische Note verleiht.

Pads

Das DM7X wird mit fünf Trommel- und vier Cymbal-Pads geliefert, die jeweils die gleiche Funktionalität haben. Die Trommel-Pads messen ca. 8″ im Durchmesser und bietet allesamt Dual-Trigger, also separate Sounds für „Fell“ und „Spannreifen“. Diese beiden Komponenten sind aus dem gleichen Stück Gummi gefertigt; drückt man mit Hand aufs „Fell“, gibt es relativ gut nach, was auf eine Art schwingende Aufhängung schließen lässt. Dabei ist das Gummi wohl nicht allzu stark und liegt auf einem weichen Untergrund unbekannter Machart auf, was den Rebound wahrscheinlich natürlicher machen soll.

Dieser ist für Einzel- wie Doppel schläge auch gut geeignet, lässt man den Stick jedoch öfter abprallen, versackt er nach einigen schönen Prallern doch recht abrupt – das können Pads mit Gewebe – fellen oder Silicon-Spielfläche (wie bei den „TCS“-Pads von Yamaha) natürlich besser, aber die kosten auch halt eben auch (viel) mehr. Die ca. 10″ großen Cymbal-Pads sind schlichte Single-Trigger-Pads, besitzen aber eine Choke-Funktion, mit der sich der Sound durch Ergreifen des Pad-Rands abstoppen lässt. Das funktioniert beim DT7X nur in Verbindung mit den CrashTrigger-Eingängen, nicht bei Hi-Hat und Ride.

Beim Ride-Cymbal-Pad wird das Manko der fehlenden Spielzone für einen Kuppen-Sound vom Soundmodul oft durch das Überblenden auf Kuppe bei härteren Anschlägen kompensiert. Die Pads werden exzentrisch aufgehangen, was bei kleinerer Größe mehr Spielfläche bedeutet. Leider schwingen sie dadurch nicht sehr natürlich; hier lässt sich allerdings mit lockerem Anziehen der großen Befestigungsmuttern ein einigermaßen schickes Spielgefühl realisieren. Das Kick-Pad ist ein Boden-Modell mit kleiner Pad-Spielfläche aus nicht zu hartem Gummi.

Für das Pad wird ein gebogener Schlägel benötigt , damit das Pedal nach unten ausschlägt. Der liegt natürlich im Karton. An der Unterseite sind ebenfalls zwei herausschraubbare Dornen vorhanden, damit auch wirklich nichts rutscht. Außer dem Trigger-Ausgang gibt es hier zusätzlich einen nicht dokumentierten „Link“- Eingang, der wohl dazu dient, hier ein weiteres Kick-Pad anzuschließen, um mit zwei Pads den Bassdrum-Kanal anzusteuern.

Soundmodul

Herzstück des Sets ist das Soundmodul. Die Bedienoberfläche ist sehr praxisgerecht gestaltet, denn die wichtigen Taster sind groß, ebenso das Display. Rechts und links vom oben sitzenden Display gibt es Elemente, die man seltener braucht, wie z. B. die Anwahl-Taster für die Modi „Song“, „Kit“ und „Voice“; welcher Modus aktiv ist, wird dann im Display angezeigt. Zudem gibt es hier den Volume-Regler sowie den Speicher- (Save) und den Start/ Stop-Taster. Im heller abgesetzten unteren Bedienteil fallen zunächst die einzelnen Taster zum manuellen Triggern der Instrumente ins Auge. Sie sind wie ein Drum-Set von oben gesehen ausgelegt, und es gibt sogar einen Taster fürs Hi-Hat-Pedal! Drückt man nach einem Taster für ein Trommel-Pad anschließend den „Rim“- Taster, ist dessen Rim-Sound zu hören. Insgesamt sehr praktisch.

Direkt unter dem Display befindet sich ein großer Wipp-Taster, der die Cursor-Bewegungen rechts/links repräsentiert. Mit ihm wählt man die Songs, Kits oder Sounds aus oder verstellt Werte. Im oberen Teil des hellen Bedienfeldes befinden sich rechts und links noch je drei Taster für weitere Funktionen wie Click, Record oder Utility, Letzteres für globale Einstellungen. Durch die Menüs scrollt man sozusagen im Kreis durch wiederholtes Drücken eines Tasters. Möchte man also beispielsweise etwas am Kit verstellen, drückt man zunächst „Kit“ und kommt dann durch weiteres Drücken zu den Seiten für den Equalizer oder Hall. Vermisst habe ich hier einen „Exit“- oder „Home“-Taster, mit dem man wieder zur Startseite kommt.

Hat man den Hall verstellt, muss man danach mehrere Male erneut „Kit“ drücken, damit man ein anderes Drum-Kit anwählen kann. Eine Abkürzung wäre, zunächst etwa in den Voice-Modus zu wechseln und danach wieder in den Kit-Modus, dann erscheint hier wieder die Startseite – das ginge auf der Bühne zumindest am schnellsten. Die Effekte sind sehr übersichtlich, denn es gibt lediglich einen Hall und einen 3- Band-Equalizer, die stets auf das gesamte Kit wirken. Das ist vor allem beim Equalizer schade, denn mit ihm lässt sich wirklich prima arbeiten, um beispielsweise eine Snare aufzuhellen, aber dann werden die Cymbals halt eben auch heller … was man nicht immer möchte. Der Hall hingegen ist immer das gleiche Programm, das lediglich zu- oder abgeschaltet und nicht in der Intensität beeinflusst werden kann. Zu hören ist eine Art mittellanger Plattenhall, der sich aber immer gut macht.

Der Ein-/Ausschalttaster liegt übrigens gut verborgen an der Seite und ist sehr klein. Und das ist auch gut so, denn er schaltet das DM7X nach kurzem Druck nicht nur ein, sondern bei ebenso kurzem Druck auch wieder aus. Die Anschlüsse sind im Profil unten auf – gelistet. Hier gibt es die üblichen Verdächtigen – inklusive USB, um einfach und schnell mit einem Rechner zu kommunizieren. Eine kleine Besonderheit sind die Trigger-Eingänge: Im Prinzip werden alle Pads über einen Multi-Pin-Stecker mit dem Soundmodul verbunden. Dessen Belegung reicht aber nur für eine Standardausstattung mit drei Toms und zwei Cymbals aus, daher werden Crash 2 und Tom 4 über Extra-Kabel mit dem DM7X verbunden.

Der Kabelstrang ist von den Längen der Einzelkabel her vorkonfektioniert und kann mit sechs mitgelieferten Klett-Kabelbindern am Rack fixiert werden. Es gibt 24 Preset- und 16 User-Kits, letztere wiederholen die ersten 16 Presets, können aber überschrieben werden. Die maximale Anzahl der Stimmen, die gleichzeitig erklingen können, beträgt 64 – das sollte reichen. Die Anzahl der Sounds liegt bei 385, also weit mehr, als die User-Presets aufnehmen können. Vorhanden ist eine gute Auswahl: viele Trommeln und Cymbals, etliche Percussion und auch einige Sound-Effekte. Alles Sounds klingen gut und lassen sich wunderbare zu Kits kombinieren, die viele Stilrichtungen abdecken können.

Ein Manko sind fehlende Rimshot-Sounds, die auch zu den „Fell“-Sounds passen, ein weiteres die nicht vorhandene Möglichkeit, die Sounds zu stimmen, um noch mehr Varianten herauszuholen. Dafür wird man aber zumindest bei den meisten Tom-Sets mit einer Auswahl aus sechs verschieden großen Toms entschädigt, die jeweils gut zueinander abgestimmt sind.

Und mehr…

Das DM7X besitzt einen einfachen Sequenzer, mit dem man das Gespielte aufnehmen kann. In Verbindung mit den außerdem vorhandenen Übungen kann man sich nach dem Üben sogar anhören, wie (gut) man gespielt hat. Die Übungen gibt’s in drei Varianten: einmal nur für die Snare, dann verschiedene Rhythmen fürs ganze Kit und schließlich ganze Songs mit Begleitinstrumenten – wobei „Songs“ ein wenig hochgegriffen ist, denn eigentlich sind es eher mehrtaktige Patterns.

Fazit

Es ist schon unglaublich, was Alesis alles hier in einem Kit zu einem relativ günstigen Preis untergebracht hat. Okay, an einigen, wenigen Stellen bemerkt man die Einsparungen, dennoch lässt sich alles gut spielen, und die Sounds sind durchaus brauchbar. Zudem ist das Paket komplett, sogar Sticks werden mitgeliefert – also nur noch einen Sitz schnappen und loslegen.

 

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