Ausstattung mit Grenzflächen-Bassdrum-Mikrofon

Beyerdynamic Drum Set Pro Mikrofon-Packs im Test

Seit einigen Jahren schon gibt es die Mikrofonzusammenstellungen der TG Drum Sets von Beyerdynamic. Mit vier unterschiedlich bestückten Sets deckt man vom Starter-Kit bis zur professionellen Anwendung alle Einsatzbereiche ab. 2018 hat Beyerdynamic jetzt alle TG Drum Sets mit dem Grenzflächenmikrofon TG D71 für die Abnahme der Bassdrum ausgestattet.

Beyerdynamic
(Bild: Dieter Stork)

Ob nun ein Grenzenflächenmikrofon von seiner aufnahmetechnischen Philosophie her in eine Bassdrum gehört oder nicht, darüber mögen sich puristische Vertreter der meisterlichen Tonkunst weiter die Köpfe heiß reden. In der Praxis haben sich diese Mikrofontypen zumindest im Rock/Pop-Bereich schon seit Jahren etabliert, nicht nur aufgrund der leichten Positionierbarkeit sondern auch, weil sie klanglich mit einem schön druckvollen und klaren Bassdrum-Sound überzeugen können. Vier neue Zusammenstellungen der Beyerdynamic TG Drum Sets sind aktuell erhältlich: PRO S, PRO M, PRO L und PRO XL. Zum Test wurden uns die Versionen PRO M und PRO XL zur Verfügung gestellt.

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Das TG Drum Set Pro M besteht aus dem Grenzflächenmikrofon TG D71 für die Bassdrum, vier TG D35d Mikrofonen für Snaredrum und Toms/Floor-Toms sowie zwei Kleinmembran-Kondensator-Mikrofonen TG I53c für den Einsatz als Overhead-Mikrofone. Als Zubehör gibt es Mikrofonklammern und das Softbag mit Platz für weitere Mikrofone und Zubehör. Bei den Mikrofonen TG D35d kommt die Mikrofonklemme MKV 87 zum Einsatz, mit der sich ein Mikrofon einfach und sicher direkt an einer Trommel befestigen lässt. Das ist platzsparend effektiv und erspart einen Extra-Mikrofonständer.

Das TG Drum Set PRO XL enthält ebenfalls das TG D71 Grenzenflächenmikrofon für die Bassdrum. Dazu kommen zwei Kondensator-Mikrofone TG D57c für Toms, drei Kondensator- Mikrofone TG D58c für Snaredrum oder Toms, zwei Kondensator-Mikrofone MC 930 für Overhead und ein Kondensator-Mikrofon MC 950 für separate Abnahme der Hi-Hat. Das alles ist verpackt in einem robusten Softbag mit schützender Schaumstoffeinlage, das auch noch Platz für weitere Mikrofone und Zubehör bietet. Widmen wir uns nun den technischen Eigenschaften der einzelnen Mikrofon-Typen und dem, was diese für den Einsatz und den Sound bedeuten.

TG D71 Grenzflächenmikrofon

Auffällig sind hier die kompakte Bauweise und das relativ schwere, sehr robust wirkende Gehäuse. Bei anliegender Phantomspeisung zeigt eine rote Status-LED die Betriebsbereitschaft an (also vielleicht besser erst mal klar machen, bevor man es in der Bassdrum platziert, denn dann sieht man die LED meistens nicht mehr). Eine rutschfeste Gummiunterseite sorgt dafür, dass das Mikrofon auch auf glatten Flächen perfekten Halt findet, somit wäre auch ein Einsatz in einer Bassdrum ohne Dämpfung durchaus denkbar (oder in einem Cajon, für dessen Abnahme dieses Mikrofon ebenfalls sehr gut geeignet ist).

Die Nierencharakteristik und der Frequenzgang von 25 – 20.000 Hz sorgen für die typischen präsenten Klangeigenschaften, die charakteristisch für die meisten Mikrofone von Beyerdynamic sind. Interessant beim TG D71 ist beim Einsatz in der Bassdrum vor allem der satte Nahbesprechungseffekt, im Abstand von ca. 5 cm zur Klangquelle kommt es hier zu einer Anhebung bis zu 16 dB bei ca. 50 Hz, während dieser Effekt ab ca. 100 Hz deutlich abnimmt. Das bedeutet, kurzgefasst, satte Bässe, aber kein Rumpeln und Dröhnen. Obenrum gibt es eine Anhebung ab ca. 2 kHz, die bei knapp über 5 KHz ihren Peak von etwa +10 dB hat. Das liefert einen prägnanten, klaren Kick und präsenten Attack-Sound. Besonders Pop-, Rock- und Metal-Drummer werden diesen Sound mögen. Bei einem max. Schalldruckpegel von 148 dB wird es wohl auch beim härtesten Powerdrumming wohl kaum zu Verzerrungen kommen.

TG D35d

Das TG D35d ist durch seine Supernierencharakteristik speziell für die Abnahme von Toms und Snaredrums vorgesehen, da hier seitlich hinten einfallender Schall sehr gut unterdrückt wird. Somit ist das Mikrofon besonders für Close-Miking von Schlaginstrumenten geeignet, was sich nicht nur in der serienmäßigen Ausstattung mit einer Klemme (MKV 87) für die Direktmontage an den Drums, sondern auch im Frequenzbild widerspiegelt. Im Nahbereich von ca. 2 cm gibt es bei einem Frequenzgang von 50 bis 14.000 Hz eine deutliche Anhebung bei ca. 120 Hz sowie eine leichte Anhebung im Bereich um ca. 5 kHz und bei ca. 10 kHz. So fängt dieses Mikrofon sehr gut die Tom- Resonanzfrequenz ein, ebenso die Attacks von Toms und Snaredrum, und bei Letzterer kommt ein crisper Snareteppich-Sound hinzu. Der Obertonbereich mag ein wenig hell wirken, und eventuell kann es untenrum mal ein bisschen zu resonant werden, doch mit ein wenig EQ lässt sich alles leicht in den Griff bekommen, schließlich ist es leichter, Frequenzen weg zu regeln als hinzu zu „erfinden“. Mit einem Gewicht von nur 95 Gramm (ohne Klammer) werden die Resonanzeigenschaften der Drums wohl kaum beeinträchtigt; zumindest im Live-Betrieb fällt dieser Faktor nicht ins Gewicht.

TG D57c und TG D58c

Beide Mikrofone sind als so genannte Clipon- Versionen ausgeführt, wobei der Speisewandler für diese Kondensator-Mikrofone praktischerweise in die Halterung integriert ist. Dank des Schwanenhalses können vielseitige Positionierungsmöglichkeiten und eine optimale Ausrichtung auf die Klangquelle leicht ausgeführt werden. Beide Mikrofone sind von ihren technischen Daten her fast identisch. Der nahezu lineare Frequenzgang von 20 bis 20.000 Hz mit einer leichten Absenkung ab ca. 100 Hz und einer leichten Präsenzanhebung ab ca. 4 kHz liefert ein klangneutrales Abbild des tatsächlichen Trommelklangs im Nahbereich.

Beyerdynamic empfiehlt das TG D57c für den Einsatz an Snaredrum und Toms, das TG D58c für Snaredrum und Floor-Toms, was auch unser Höreindruck bestätigt: Bei linearer Einstellung kommen die Tiefmitten und Bässe der Floor-Toms mit dem TD 58c etwas satter. Der Grenzschalldruckpegel von immerhin 140 dB lässt einen Einsatz beider Mikrofone auch in sehr lauter Musik locker zu.

TG I53c

Das preiswerte Kleinkondensator-Mikrofon ist klanglich durchaus ernst zu nehmen! Beim Einsatz als Overhead liefert es einen klaren und präsenten Sound, der sowohl die typischen Präsenzen von Cymbals aufnimmt als auch die Attacks von Snaredrum und Toms ordentlich abbildet. Ein Frequenzgang von 20 bis 20.000 Hz im Nahfeld mit einer leichten Absenkung ab ca. 160 Hz und einer etwas stärkeren Anhebung von bis zu 6 dB bei etwa 10 kHz liefert einen guten Basissound, der sichmit etwas EQ-Einsatz wunschgemäß optimieren lässt.

MC 930 und MC 950

Im professionellen TG Drum Set PRO XL finden wir natürlich auch hochwertige Kondensator- Mikrofone für die Anwendung als Overhead (MC 930) bzw. für eine separate Abnahme der Hi-Hat (MC 950). Bis auf die unterschiedliche Richtcharakteristik sind die Mikrofone technisch identisch. Die Supernierencharakteristik des MC 950 prädestiniert dieses Mikrofon für den Einsatz an der Hi- Hat, da sowohl von hinten als auch seitlich einfallender Schall sehr gut ausgeblendet und so eine sehr gute Separation der Hi-Hat möglich wird. Hi-Hat und Cymbals kommen glasklar präsent und mit dem ihnen jeweils eigenen Charakter rüber. Die mit fast linearem Frequenzgang und nur leichte Präsenzanhebung ausgestatteten Mikrofone liefern einen außerordentlich natürlichen und delikaten Sound. Auch härteren Impulsen wissen sie ohne Verzerrungen gut zu widerstehen, dank einer möglichen Vordämpfung um immerhin –15 dB.

Fazit

Mit dem Update auf das nun in allen TG Drum Sets integrierte Grenzflächenmikrofon TG D71 reagiert Beyerdynamic auf den schon seit Längerem anhaltenden Trend zu einer Bassdrum-Abnahme mit diesem Mikrofontyp. Alle vier TG Drum Sets sind auf sehr gut auf unterschiedliche Budgets zugeschnitten und bieten jeweils eine qualitativ sehr gute und im wahren Wortsinne preiswerte Mikrofonausstattung, mit der alle klanglichen Ansprüche vom Starter bis zum professionellen Anwender erfüllt werden. Im Live-Einsatz schlagen sich alle Mikrofon-Typen ausgezeichnet und liefern einen natürlichen Basisklang, der sich leicht auf den persönlich favorisierten Wunschsound hin modifizieren lässt. Hinzu kommt eine hohe Fertigungsqualität, die eine lange Lebensdauer erwarten lässt. Wer auf der Suche nach einer Mikrofon- Komplettlösung ist, sollte den neuen TG Drum Sets PRO von Beyerdynamic seine Aufmerksamkeit schenken.

Preise (UVP)

TG Drum set PRO M: ca. € 499,–

TG Drum Set PRO XL: ca. € 1.999,–

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