Istanbul Mehmet

Carmine Appice Realistic Rock Cymbals im Test

„Realistic Rock“ heißt die legendäre Schlagzeugschule von Drummer-Legende Carmine Appice für die markanten Grooves und Fills des Classic-Rock. Das ist auch eine wirklich passende Bezeichnung für seine neuen Signature-Cymbals.

Cymbals
(Bild: Archiv)

Die Istanbul Mehmet Carmine Appice Realistic Rock Cymbals sind die neuen Signature-Becken von Drummer-Legende Carmine Appice dessen legendäre Schlagzeugschule für die markanten Grooves und Fills des Classic-Rock ebenfalls “Realistic Rock” heißt. Was sie können und wie sie klingen, erfahrt ihr in unserem Videotest der Istanbul Mehmet Carmine Appice Realistic Rock Cymbals.

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Mit einer 14″ Hi-Hat, 22″ Ride, zwei großen Crash-Cymbals sowie zwei China-Cymbals und einem Splash als Effekt-Cymbals hat man sich für diese Linie (zunächst) auf die wesentlichen Modelle beschränkt. Klasssiche B20-Bronze ist die Basis, aus der in Handarbeit diese Instrumente geschmiedet und bearbeitet werden. Und in türkischer Tradition entsteht so aus je einem individuellen Gussrohling jeweils ein Instrument. Alle Testkandidaten machen einen sorgsam verarbeiteten Eindruck und sind von ausgezeichneter Qualität. Details offenbaren sich auf den zweiten Blick.

So besitzen die China-Cymbals unterschiedlich gestaltete Krempen und sehr kleine Kuppen, das Splash ist extrem dünn. Doch der Reihe nach: Mit Ausnahme des 19″ China-Cymbals besitzen alle Cymbals vollflächig abgedrehte Oberflächen auf der Spiel- und Rückseite. Bis über die Kuppe erstrecken sich Hämmerungsmuster, und was wie eine Optik im Traditional Finish anmutet, ist doch leicht schimmernd, glänzend ausgeführt.

14″ Hi-Hat
Ein extrem schweres Bottom-Cymbal, dessen Profil sehr flach ausfällt, kennzeichnet diese Hi-Hat. Die Kuppe bietet einen recht kleinen Durchmesser, ist aber sehr hoch ausgeführt. Das dichte Hämmerungsmuster zeigt kleine Einschläge, diese haben aber eine deutliche Setztiefe. Das Abdrehmuster ist ein Mix aus sehr feinen Tonal-Grooves, die wiederum mit breiteren und tiefer gesetzten Tonal-Grooves in ca. 5-mm-Abständen durchbrochen sind. Das Ganze führt zu einem hellen, glockigen Attack und einem gongigen und transparentem Sustain.

Prinzipiell ist das Top-Cymbal ähnlich aufgebaut, jedoch ist es im Vergleich wesentlich leichter. Dennoch ist das am Rand ca. 1,2 mm starke Cymbal kein Leichtgewicht. Der wesentliche Unterschied besteht in der Art der Hämmerung, die äußerst dezent ausgeführt wurde. So klingt dieses Cymbal etwas dunkler, ist aber ebenso transparent in Attack und Sustain, besitzt vielleicht einen leichten Schimmer in den Obertönen, der es bei genauem Hinhören etwas schmutziger klingen lässt.

22″ Ride
Das ist schon ein echtes Monster und hat eine sehr hohe Kuppe. Nach heutigen Maßstäben von „Mega Bell“-Cymbals ist sie zwar eher klein, doch betrachtet man mal die typischen Cymbals der Classic-Rock-Drummer der 70er-Jahre, so fallen Ride-Cymbals mit ihren hohen Kuppen auf. Und genauso sieht dieses Cymbal aus. Ähnlich wie beim Bottom-Cymbal der Hi-Hat ist die Hämmerung des Ride deutlich zu erkennen, und die relativ kleinen, markanten Einschläge sind durchaus tief gesetzt. Auch das Abdrehmuster fällt kräftig aus, allerdings sind die breiteren Tonal-Grooves, die das Muster durchbrechen, hier nicht in relativ konstanten Distanzen aufgebracht, sondern willkürlich verteilt. Das Profil ist relativ hoch und zeigt einen sanften Bogen.

18″ & 20″ Crash
Hier wurde in Sachen Oberflächenbearbeitung fast identisch wie beim Ride verfahren. Natürlich sind beide Cymbals deutlich dünner gehalten, und beiden Modellen wurden unterschiedliche Profile verpasst. Das 20″ Crash besitzt ein etwas stärker gebogenes Profil.

18″ & 19″ China
Das 18″ China verfügt über eine sehr kräftige, ca. 5,5 cm breite Krempe. Doch nicht nur das ist das Ungewöhnliche an der Anatomie des Cymbals: Die Gesamtgeometrie ist eigentlich eher flach gehalten, dennoch hat man im Verhältnis zum Profil einen recht steil stehenden breiten Rand hinbekommen. Wie das? Im letzten Drittel des Profils ist dieser Bereich noch mal sehr stark abgeknickt. Somit steht die Krempe eben nicht extrem nach oben, und bei gerade aufgehängtem Cymbal ist der Spielwinkel recht flach und bietet einen prima Spielkomfort – guter Trick.

Und der findet auch für das 19″ China Anwendung. Nur ist hier die Krempe mit ca. 10 cm extrem breit gestaltet. Zudem ist die Rückseite nur auf der Krempe feinstens abgedreht, Profil und Kuppe zeigen das „rostbraune“ Finish der Bronzelegierung. Das Profil ist stark gehämmert, die Kuppe unbehandelt. Faszinierenderweise ist die Krempe auch stärker abgedreht, so dass sie dünner ausfällt und mechanisch durchaus etwas Flexibilität aufweist.

8″ Splash
Da wundert man sich, dass es in diesem Set ein so dünnes Cymbal gibt. Es sieht mit der ausgeprägten und hohen Kuppe schon recht mächtig aus, auch die Oberflächenbearbeitung mit den feinen und zusätzlichen, breit gestalteten Tonal Grooves verleiht dem Cymbal ein kräftiges Aus – sehen. Es ist aber mechanisch sehr flexibel, was natürlich eine schnelle Ansprache und einen dunklen Grund-Sound vermuten lässt.

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(Bild: Archiv)

Sounds

14″ Hi-Hat
Ein satter, dunkler Grundklang ergibt sich bei geschlossen angespielter Hi-Hat. Der Attack ist nicht aufdringlich, doch recht fett mit einem gewissen Zischen nach dem ersten Anschlag. Das Sustain ist selbst zugetreten angespielt recht rauschig, aber kurz genug, um damit kontrolliert spielen zu können. Die Ansprache ist auch mit wenig Kraftaufwand recht flott, man kann aber auch richtig reinhalten. Bei einer kräftigen Spielweise ist der Attack etwas präsenter und weniger stark in den GrundSound integriert.

22″ Ride
Auf dem Profil angespielt bietet das Ride Klangmöglichkeiten zwischen einem satten Attack mit leichtem Schimmer in den Obertönen und einer gewissen Modulation und leichtem Rauschen im Sustain, bis hin zu einem transparenteren Sustain und etwas markanter in den Mitten klingendem Anschlag – alles in Abhängigkeit von der gewählten Spielzone. Dynamisch gespielt verändert sich der Klangcharakter trotz Lautstärkezuwachs nicht extrem, das dunkle und doch transparente Sustain gewinnt bei forcierter Spielweise einen gewissen „Schmutz“, somit wirkt dieses Ride-Cymbal nicht so steril. Die Kuppe ist extrem laut und hat sehr scharfe, glasklare Obertöne, die sich über dem glockig-dunklen Grund-Sound des lang stehenden Sustains fortsetzen.

18″ & 20″ Crash
Mächtig laut und mit sehr aggressiven Obertönen kommen diese beiden Cymbals über die Rampe. Trotz des eher dunklen Grund-Sounds sind sie äußerst präsent. Dabei muss man sie nicht einmal prügeln, sie sprechen schon bei einem lockeren Anschlag (mit z. B. einem 5B-Stick, denn etwas Masse braucht es halt schon) sehr direkt an und sind für Pfannen dieser Dimension schon nahezu spritzig. Zudem zeigen sie eine tonal sehr deutliche Abstufung zueinander. Werden sie in harter Gangart angespielt, wird der Attack breiter, und es kommen zusätzliche scharfe Obertöne hinzu, zudem entwickeln sich auch einige Mitten, die den Attack mächtig und druckvoll machen. Interessanterweise bleibt das Sustain bis zum Ende weiterhin dunkel und transparent.

18″ & 19″ China
Wie auch bei den Crash-Cymbals stehen hier zwei verschiedene Sounds zur Verfü- gung. Das 18″ China ist deutlich dunkler, hat einen gewissen, leicht rauschenden Noise-Anteil im Gesamtklang. Leicht angespielt wirkt es sogar eher sanft, was sich aber bei rockiger Spielweise schnell erledigt, denn dann erschallt ein eher satter, mächtiger Klang. Auf dem Rand angespielt kann man hier also für satte Akzente sorgen, im Übergang angespielt wird es mittiger, und der Charakter geht eher in Richtung tief klingend. Mit diesen zwei Klangoptionen kann man gut Akzente setzen oder satte, kurz rauschende Ride-Patterns spielen.

Das 19″ China wirkt auf dem Rand angespielt trashiger und vor allem heller und aggressiver im Attack. Bei leichter Spielweise sind auch hier rauschende Ride-Patterns kein Problem, und in diese lassen sich prima Akzente setzen, da mit akzentuiertem Anschlag auch sofort ein giftiger, spritziger Attack folgt. Der Vorteil des dünnen Randes? Sicherlich, aber das ermöglicht gleichzeitig auch das dunkle Sustain und diese gute Dynamik. Im Übergang ist der Sound gar nicht mal so drastisch unterschiedlich, der aggressive Teil des Attack tritt hier vielleicht etwas stärker in den Vordergrund, und das Sustain ist etwas dezenter, was die Tiefmitten angeht.

8″ Splash
Spitz, hell und erstaunlich wenig aggressiv präsentiert sich das Splash. Das Sustain ist fein und eher hintergründig. „Der ganze Klang passt nun so gar nicht zu Rock“, denkt man, wenn man das Cymbal alleine hört. Aber es zeigt sich im Zusammenspiel mit der Hi-Hat und den Crash-Cymbals dann doch, dass dieser Sound auch durchsetzungsstark genug ist.

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(Bild: Archiv)

Soundeigenschaften auf einen Blick:

14″ Hi-Hat: satter, fetter Klang mit leichtem, gut kontrollierbarem Rauschen; Attack ist stark in Grund-Sound integriert

22″ Ride: auf dem Profil gute Optionen von leichtem Schimmer im Attack und sanftem kurzen Rauschen in Sustain bis hin zum transparenten Sustain und markant mittigem Attack; glasklare, sehr laute, durchdringende Kuppe

18″ & 20″ Crash: zwei unterschiedliche und gut zusammen passende Sounds; beide Cymbals lassen sich trotz hoher Grundlautstärke sehr dynamisch spielen 18″: etwas heller und schärfer im Attack 20″: breiterer und mächtigerer Klang
18″ & 19″ China: sehr plakativ unterschiedliche Sounds 18″: dunkel und satt in Attack und Sustain 19″: trashiger und etwas aggressiver im Attack, ebenfalls tiefes und sattes Sustain

8″ Splash: sehr feiner und heller Attack, sanftes und extrem kurzes Sustain

 

Fazit

„Realistic Rock“ ist ein wahrlich passendes Motto für diese sehr gut verarbeiteten Cymbals von Istanbul Mehmet. Carmine Appice ist eine Ikone des Classic-Rock und seine Signature Cymbals verweisen allein schon mit ihren Dimensionen auf eben genau diese Musikrichtung. Nix für Softies oder Metaller, eher was für Macho-Rockstars. Auch konstruktionstechnisch bedient man den Classic-Rock-Sound z. B. durch die hohen, ausgeprägten Kuppen, die den Crash-Cymbals zur Präsenz im Attack verhelfen und im Falle des Ride-Cymbals den musikalisch durchsetzungsfähigen, aber nicht penetrant nervenden Glockenklang erzeugen.

Dass man hier durchaus auch eine dynamische Spielweise pflegen kann, ist ein wirklich schöner Effekt. Das Ganze erhält man zu durchaus realistischen Preisen, und als Rock-Drummer sollte man die Carmine Appice Realistic Rock Signature Cymbals unbedingt mal gehört und gespielt haben.

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