Problemlösungen: trouble shooting

Dämpfung für Cymbals

cymbal-wall

Was bitte? Cymbals dämpfen? Niemals!“ So oder ähnlich fällt in der Regel die Reaktion fast aller Drummer auf dieses Stichwort aus. Und tatsächlich sorgt dieses Thema für hitzige Diskussionen. Und ganz klar, wer für viel Geld sein Lieblings-Cymbal gekauft hat, wird jeden Ton-Techniker, Produzenten oder Drum-Tech steinigen, wenn der mit so einer Idee ankommt.

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Meist bleibt aber die Frage nach dem „Warum?“ aus, denn die würde ja dann auch mal offenbaren, dass man mit dem falschen Werkzeug zum Job gekommen ist. Ergo sollte man verschiedene Cymbal-Sätze für unterschiedliche Anwendungen besitzen. Das ist leicht gesagt, wenn Geld keine Rolex spielt. Also bleibt für die meisten unter uns dann doch nur eines übrig: zähneknirschend die Cymbals dämpfen.

METHODEN

Im Laufe meines langjährigen Berufslebens als DrumTech habe ich schon so ziemlich jeden „Frevel“ begangen, solange er der Wahrheitsfindung diente.

GAFFER’S TAPE

gaffer-tape

Das beliebte Klebeband habe ich auf Cymbals geklebt, als große Kreuze und auch in Wellenform, Zellstofftücher, Spültücher, zusätzliche Cymbal-Filze und was nicht alles damit fixiert, nur damit z. B. das Crash nicht so lang oder das China nicht so giftig klingt, oder das Ride nicht so nagelt und mit Freude ungemeine Beachtung im Vocal-Mikrofon findet. Alle diese Dinge waren klanglich ein fauler Kompromiss, weil immer gleich alle Klangformanten betroffen waren.

Eigentlich wollte ich ja nur einen gewissen Aspekt verändern, also z. B. mal Obertöne reduzieren, wobei aber die Ansprache und die Sustain-Länge wenig bis gar nicht betroffen sein sollten. Das konnte nur in Ansätzen und durch Zufall mal eher minder gut gelingen. Der größte Nachteil war es aber, den verdammten Kleber wieder vom Cymbal zu entfernen. Je nach Qualität des Gaffer’s Tape entstanden hier hartnäckige Rückstände, die zum Teil auch die Schutzlackschicht bei einigen Cymbals anlösten. In der Folge entstand dann an diesen Stellen Korrosion in Form von Grünspan. Tolle Sache, denn weder den Ton-Kutscher noch einen Produzenten hätte man dafür haftbar machen können.

MOONGEL UND CO.

Die selbsthaftenden Pads (siehe auch Trouble Shooting in STICKS 12:2015) sind durchaus eine akzeptable Alternative. Zumindest schaffen sie es, Cymbalsounds nicht vollständig zu töten, sondern je nach Platzierung und Menge einige klangliche Teilaspekte wie gewünscht zu beeinflussen. So lassen sich auf und knapp unterhalb der Kuppe aufgebracht die Obertöne beschneiden, ohne dass die Ansprache zu stark darunter leidet. Mittig und/oder am Rand des Profils platziert, kann man das Sustain effektiv verkürzen, allerdings hat das dann je nach Menge an Pads auch einen stärkeren Einfluss auf die Obertonpräsenz. Der größte Nachteil der Pads: Sie lassen sich meist nur auf der Spielseite platzieren, da Cymbals in sich nun einmal stark vibrieren und die Pads deshalb von der Unterseite fast immer sofort abfallen. Tunlichst vermeiden sollte man es, die Pads zusätzlich mit Tape zu fixieren.

Die chemischen Reaktionen zwischen Pad und Kleber sind immens und führen zu einem ekelhaften Geschmiere, das nur schwer zu entfernen ist. Das führt zu einem weiteren Punkt: Die Pads hinterlassen nach längerer Verweildauer ebenfalls Ränder auf den Cymbals. Bei lackierten Modellen lässt sich das gut entfernen, da reicht meist schon Wasser mit PH-neutralem und nicht rückfettendem Spülmittel. Auf unlackierten Cymbals wie z. B. Meinl Byzance, Zildjian Armand oder ähnlichen Instrumenten würde ich vom Einsatz der Pads ebenfalls unbedingt absehen, da diese eben schutzlos allen Einflüssen (Schweiß, Blut und Tränen, Bier, Nikotin, Nebelmaschinen etc.) direkt ausgesetzt sind.

CYMPAD

„Wer hat’s erfunden?“ Die Schweizer und in diesem Falle Reto Hirschi. Ihm haben wir die Cympads Moderator – „Cymbal-Filze“ aus einem Zellstoff basierten Schaum – zu verdanken. Und damit die bislang wirklich einzige praktikable Lösung für eine vernünftige Cymbal-Dämpfung! Praktikabel deshalb, weil das Ganze rückstandsfrei funktioniert und mit jedem Cymbal-Typ verwendet werden kann. Und weil sie effektiv eine Lautstärkereduktion bieten, dabei aber die Funktionsweise des Cymbals in Sachen Klangentfaltung, Klangdauer, Ansprache und Spielgefühl gerade mal eben nur so weit beeinflussen, wie es der Lautstärkereduktion entspricht.

Okay, hört sich kompliziert an, ist aber ganz einfach: Mit z. B. einem 90 mm Moderator Cympad unter dem 22″ Ride wird dieses leiser und die Klangdauer etwas geringer, weil die Schwingung etwas schneller zum Erliegen kommt. Das passt gut zusammen, da das, was man nun hört, auch mit dem Spielgefühl prima korrespondiert. Die schnelle Ansprache bleibt und das Ganze fühlt sich an – und klingt auch so – als ob das Cymbal ganz sanft mechanisch gedämpft wird.

cympads

Daran kann man sich schnell gewöhnen, selbst dann, wenn man zwei 100 mm Filze als Top und Bottom und damit die extremste Form der Dämpfung und Lautstärkereduktion wählt. Die Moderator Cympads gibt es in den Durchmessern 50, 60, 70, 80, 90 und 100 mm bei einer Stärke von 15 mm. Eine Alternative dazu sind die Optimizer Cympads, die aus dem gleichen Material gefertigt sind. Auf Grund des geringeren Durchmessers von 40 mm und den Stärken von 8, 12 und 15 mm kann man damit noch subtiler dämpfen. Zusätzlich sind ein spezielles Hi-Hat Pack mit zwei Filzen für die Kupplung und einem größeren für den Auflageteller für das Bottom-Cymbal erhältlich. Eine weitere Spezialität ist das 40 mm und 18 mm starke Optimizer Cympad für das Ride-Cymbal, was hier aber kaum einen größeren Dämpfungseffekt als ein herkömmlicher Filz macht. Dafür hält er das Cymbal präziser in Position. Zu guter Letzt gibt es die Chromatic Cympads, eine bunte Variante der Optimizer in der Größe 40/15mm mit entsprechenden Klangregulierungseigenschaften.

daempfung

Facts!

Hersteller

Cympad

Vertrieb

Musik Wein

Internet

www.cympad.com

Preise (UvP)

Cympad Moderator (2er Pack)

50 mm: ca. € 5,50

60 mm: ca. € 6,50

70 mm: ca. € 7,50

80 mm: ca. € 8,50

90 mm: ca. € 9,50

100 mm (1x): ca. € 6,50

Box Set: ca. € 29,50

Cympad Optimizer

Hi-Hat Clutch & Seat: ca. € 7,–

Ride 40/18mm: ca. € 8,50

Starter Pack (Hi-Hat, Ride, 3x 40/15mm): ca. € 15,90

Cympad Optimizer (40/8 & 40/12 & 40/15mm) 5er Pack: ca. € 9,50

Cympad Chromatics 5er Pack: ca. € 9,50

 

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