Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
Interviews: BEN GORDON – Breakdowns & Double-Kicks des Parkway Drivers +++ MIGUEL LAMAS – Acoustic Electronic Jazz Fusion +++ Test: MAPEX BLACK PANTHER Design Lab Versatus Drums

DW 40th Anniversary Collector’s Drumset

Der amerikanische Hersteller Drum Workshop feiert in diesem Jahr den vierzigsten Geburtstag. Abgesehen von unserer Gratulation an DW können wir hier auch den Test eines der auf 100 Stück limitierten 40th Anniversary Drumsets präsentieren. Das Collector’s Set ziert ein wunderschönes „Tamo Ash“-Außenfurnier, und zudem gibt es wieder einige interessante technische Detaillösungen zu entdecken.

Drumkit
(Bild: Archiv)

Auf nur 100 Stück ist das 40th Anniversary Drumset des amerikanischen Herstellers Drum Workshop limitiert. Wir gratulieren DW zum 40-jährigen Bestehen und schauen uns das Collector’s Set mit “Tamo Ash”-Außenfurnier und einigen interessanten technische Detaillösungen mal genauer an.

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Ganz klar: Bei so einer Jubiläumsausgabe zeigt man, was man kann, und dass die Verarbeitung hier den Exzellent-Status noch übertrifft, das versteht sich wohl von selbst. Bei diesem exorbitanten Preis bin ich auch gerne mal päpstlicher als der Papst – doch rein technisch gibt es an diesem Testkandidaten aber auch mal so gar nix zu meckern. Hier stimmt alles bis ins kleinste Detail, und damit beenden wir den Test … natürlich nicht! Beschäftigen wir uns also mal mit den schönen Dingen des Lebens.

Optik

Jede Trommel unseres Testkandidaten besitzt ein ausgesucht schön strukturiertes „Tamo Ash“- Außen furnier, mit einer derart eleganten Wölkchenstruktur, dass man sich daran kaum satt sehen kann. Ein netter, detailverliebter Zug ist es dann, dieses Furnier auch noch als innere Lage für die Verzierung der Verstärkungsringe zu benutzen. Da hier nicht einmal Lack auf das Holz aufgebracht ist, kann man die tatsächliche Farbe und Struktur noch besser erkennen, und das Ganze macht auch noch einen schicken Kontrast zu den innen zu sehenden gelbgoldenen Ahornfurnieren.

Die wurden ebenfalls genauestens selektiert und zeigen feine, gleichmäßige Maserungsstrukturen, so dass bei Bassdrum und Floor-Toms auch die X-Shell-Technology mit diagonal verlaufender Maserung zur Kesselsäule gut zu erkennen ist sowie bei den Toms und der Snaredrum der vertikale Verlauf der Innenlage (VLT). Die hochglänzende Außenlackierung ist perfekt ausgeführt, und die Beize darunter zeigt einen Verlauf vom transparenten Dunkelbraun zu einem hellen natürlichen Holzfarbton in der Kesselmitte.

Der Gimmick steckt schon wieder im Detail: An den Rändern ist eine feine Silbermetallic-Lackierung eingebracht, die so feine Partikel besitzt, dass das Ganze ein subtilen Schimmer bekommt, der an frischen Morgentau nach dem ersten Frost erinnert. Zu Poetisch? Na gut. Glücklicherweise fehlt der röhrende Hirsch. Die Farbe der Hardware würde man wohl auch als Antik-Messing bezeichnen können, und auch das ist spitzenmäßig umgesetzt. Es passt optisch einfach supergut zu diesem Set.

Technik

Kommen wir gleich zu den Detail-Lösungen: Die Toms und Floor-Toms sind mit den neuen Brass True Hoops ausgestattet. Die Dinger sind ordentlich schwer und ca. 2,3 mm stark. Der obere Flansch ist verrundet nach außen umgezogen, so dass bei Rimshots ein recht satter Sound entsteht. (Und ja, das kann man zur Akzentuierung einer anderen Klangfarbe auch gern mal auf den Toms/Floor-Toms machen!)

Dass Spannreifen den Klang ebenfalls entscheidend mitprägen, dürfte wohl bekannt sein, und bei den Brass True Hoops kann man sich eines satten und in den Obertönen sehr warmen Klangs erfreuen. Zudem entsteht hier ein sehr sauberes und lang schwingendes Sustain. Des Weiteren sind die inneren Auflagen für die Trägerreifen der Felle noch glatter und ebenmäßiger gestaltet, so dass die Stimmfähigkeit noch weiter verbessert wurde. Wie gesagt, es ist zwar nur ein Detail, aber die Summe der Details macht es am Ende dann doch zu einem wichtigen Ganzen.

Die Auflagen an den Brass True Hoops für die Köpfe der Stimmschrauben, die ja wie gewohnt mit Feingewinden ausgestattet sind, sind absolut plan, und in Kombination mit den Kunststoffunterlegscheiben sorgen auch diese Details für Stimmstabilität und Präzision im Tuning. Die STM-Halterung (Suspended Tom Mount) von DW ist eine so genannte „alternative“ Tom-Aufhängung, die jedweden Druck durch Torsionskräfte vom Kessel fernhält. Im Laufe der Zeit wurde diese Aufhängung, die an vier Punkten gummiunterlegt um die Spannböckchen gelegt ist, immer weiter verbessert und ist heute viel verwindungssteifer ausgelegt als in der Ur-Version.

Selbst bei sehr schrägen Montagen der Toms liegt der STM an den Böckchen und nicht mehr an einer Gewindehülse an. Einen weiteren Beitrag zur solideren Fixierung in Position leisten die neuen Rosetten an Tom-Halter und bei den Floor-Tom-Beinen. Diese besitzen eine neu gestaltete Verriegelung: Hier wird über die Flügelschraube ein verrundeter Keil mit Riffelung gezogen, so dass dadurch der L-Arm (1/2″ Durchmesser) gegen das Böckchen gezogen wird und mit dem Keil eine fast eine perfekt formschlüssige Verbindung entsteht. Bei der Snaredrum für dieses Set kommt als Snareteppich-Abhebung der Magnetic Throw Off von DW zum Einsatz.

Das ist hier aber nur die halbe Wahrheit, denn das gegenüberliegende Klemmböckchen (Butt End) mit seinem Dreistufen-Wahlhebel für unterschiedliche Snareteppich-Vorspannungen macht das Ding zu einer super reizvollen Sache. Der An/Abschalthebel des Magnetic Throw Off wird im „Gladstone Style“ gegen den Kessel geklappt, und der Hebel schwenkt hier nicht nur über den Totpunkt heraus, sondern er wird auch noch durch einen Magneten in Position fixiert. Doppelt hält besser! Das Ganze lässt sich sehr sanft bedienen und funktioniert äußerst leise, dafür sorgen auch zwei Gummianschläge.

Die Snareteppich-Spannung wird über eine horizontal angebrachte Schraube feinfühlig justiert. Anschließend lässt sich mit dem Vorwählhebel am Butt End die Spannung in drei klaren Stufen verändern. Der Hebel rastet hier in drei möglichen Positionen am gefedert gelagerten Block des Klemmböckchens ein. Der Hebel lässt sich bei angeschaltetem Snareteppich locker schalten, dabei fühlt man die Rasten deutlich genug.

Ein weiteres Feature ist bei diesem Set das ab Werk eingebaute Bassdrum-Mikrofon, und dabei ist es gar nicht mal das feine Audix D6, was ein prima Bassdrum-Mikrofon ist und sich in diesem Falle in schmucken, polierten Alugehäuse präsentiert, es ist vielmehr die Monorail-Mikrofonhalterung von Randall May, die hier eine prima Lösung ist. Zwei Halter sind mit den Schrauben der Bassdrum-Spannböckchen verschraubt und an deren Ende befinden sich Gummi-Lager für die Aufnahme einer sehr leichten Aluschiene. Auf dieser ist der eigentliche Mikrofonhalter untergebracht, der also in der Längsachse der Bassdrum verschoben werden kann. Mittels einer Flügelschraube wird der dann auf der Schiene sicher fixiert.

Mikrofonsystem
(Bild: Archiv)

Das hält dann auch beim Transport der Bassdrum problemlos. Am Ende dieses Halters befindet sich wieder ein GummiLager, in welches das Mikrofon eingesetzt ist. Eine Schwingungsübertragung durch den Bassdrum-Kessel wird also an zwei Stellen sehr effektiv unterbunden.

Klang

Die Bassdrum ist beim Anbringen der beiden mitgelieferten Dämpfungskissen und in einem tiefen Tuning sehr fett und pumpt im Bassbereich sehr ordentlich ab. Das Sustain ist lang genug, allerdings erhält man dieses Ergebnis nur, wenn man den Schlägel nach dem Anschlag auch direkt wieder vom Fell nimmt. Spielt man ihn in die Bassdrum rein, so wird das Ganze eher kurz und trocken. Das wiederum lässt sich mit einem Filzschlägel (statt Kunststoff) sanfter und runder im Attack gestalten. Für meinen persönlichen Geschmack ist die Ventilierung des Frontfells nicht ausreichend und limitiert die unterschiedlichen Spielweisen.

Mikrofonsystem (Nahaufnahme)
(Bild: Archiv)

Ein etwas größeres Loch im Frontfell tut der generellen Klangentfaltung keinen Abbruch, ermöglicht dann auch eine sehr harte, rockige Spielweise und sorgt dabei für etwas mehr Punch im Attack. Die Toms und Floor-Toms entwickeln mit den werkseitigen Fellen in einem mittleren Tuning einen immensen Punch im Attack und ein sehr sattes wie auch in den Mitten und Bässen äußerst transparentes Sustain. Das Gute an den DW „clear/ coated“ Schlagfellen ist, dass sie gerade den richtigen Anteil an Obertönen wegfiltern, aber immer noch das maximale Sustain zulassen. Eine zusätzliche Dämpfung ist nicht vonnöten. Für die gute Projektion des Attacks zeichnen definitiv auch die Brass True Hoops verantwortlich.

Unser Testset besticht insgesamt durch einen guten Druck in den Tiefmitten und fundamentale Bässe, die man von einer konventionellen Kesselkonstruktion aus Maple so nicht erwartet. Hier zeigt sich der sanfte Boost durch die VLT- respektive VLX-Konstruktionen recht deutlich. Die Snaredrum bildet zu den übrigen Instrumenten trotz der VLT-Konstruktion einen deutlichen Gegensatz. Natürlich verfügt sie auch über ein gewisses Potenzial im Tiefmittenbereich, doch ihre Stärken liegen eher in den knackig-knalligen Sounds mit einem leicht singenden Sustain.

Das liegt sicherlich am stärkeren Kessel, der dann insgesamt steifer ist, sowie an der lackierten Innenseite. Bei Rimshots kommt dann noch der etwas heller klingende True Hoop aus Stahl hinzu. Will man etwas mehr Punch im Attack haben, so schafft man dass mit einem Remo CS Snare Schlagfell oder einem Evans Power Center Reverse Dot sowie etwas Dämpfung. Eigentlich Schade, dass wir hier keinen Brass True Hoop zur Verfügung hatten, das wäre dann sicherlich noch das Tüpfelchen auf dem i für einen fetteren Attack. Nichtsdestotrotz ist diese Snaredrum natürlich auch so, wie sie ist, ein klasse Instrument, allerdings mit einem typisch hellen, singenden Grundklangcharakter.

Brass True Hoop
(Bild: Archiv)

Toms/Floor-Toms: druckvoller Punch, sehr gute Projektion, transparente Mitten und solide Bässe; äußerst langes und sauberes Sustain möglich
Bassdrum: sehr warmer und doch transparenter Bass; langes Sustain, wenn Schlägel direkt vom Fell genommen wird, dann auch weicher Attack; spielt man Schlägel in das Fell, wird der Attack härter und das Sustain kurz-trocken
Snaredrum: deutlicher, knackiger Attack, präsente Mitten und singendes, helles Sustain

Profil

Fazit

Mit diesem limitierten Anniversary Set zum vierzigsten Geburtstag zeigt der amerikanische Hersteller DW mal wieder, was er kann: nämlich exzellente Schlagzeuge bauen. Gut, das weiß man ja mittlerweile, doch mit diesem Set wurde nicht nur bis ins kleinste Detail ein technisch gelungenes Instrument umgesetzt, mit kleinem Trick (s. o.) wurde auch eine Optik mit ausgesucht schönen „Tamo Ash“-Furnieren und der exquisiten Lackierung realisiert. Da passt die Vintage-Pewter-Hardware (oder sollte man doch besser „Antik Messing“ sagen?) perfekt. Ganz klar polarisiert das Ganze und trifft hier vielleicht eher den Geschmack des betuchten Gutsherrn als den des tätowierten Rockers mit eingebautem Coolness-Faktor.

Wie auch immer, dass dieses Set richtig klasse klingt, das dürfte ja wohl auf der Hand liegen. Dass hier die Toms und Floor-Toms zudem noch das gewisse Plus an Punch im Attack besitzen, ist wohl auch den neuen Brass True Hoop geschuldet. Nimmt man all die technischen Details zusammen, dann ist auch der exorbitante Preis für solch ein streng limitiertes Sammler- und Liebhaber-Set noch okay. Bleibt zu hoffen, dass die Besitzer eines dieser wunderschönen Sets damit tolle Musik machen werden und das Ding nicht als Ausstellungsstück in der Vitrine landet. Wir hatten jedenfalls jede Menge Spaß an diesem DW-Set mit seinem tollen Sound.

Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
Interviews: BEN GORDON – Breakdowns & Double-Kicks des Parkway Drivers +++ MIGUEL LAMAS – Acoustic Electronic Jazz Fusion +++ Test: MAPEX BLACK PANTHER Design Lab Versatus Drums

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