Cherry vs. Mahogany

DW Jazz Drums im Test

Zwei neue Klangvarianten präsentiert DW in der „Jazz“-Serie: Die Hybridkessel mit starkem Gumwood-Kern werden entweder von Cherry oder Mahogany umschlossen. Hat das tatsächlich merkliche Auswirkungen auf den Klangcharakter? Dieser Test gibt Aufschluss.

Mahagony Dum Set
(Bild: Archiv)

Bislang markierte die Hybrid-Kesselkonstruktion aus Gumwood-Kern mit inneren und äußeren Lagen aus Maple den Klangcharakter der DW Jazz Drums. In Kombination mit einer eher rundlich gestalteten Gratung führte dies zu einer dunkleren Klangfärbung im Vergleich zu den DW Collector’s Drums mit reinen Maple-Kesseln. DW-Mastermind John Good versucht nun, diesen speziellen Charakter der Jazz Drums noch weiter zu variieren. Durch den Einsatz von Cherry (Kirschbaumholz) für die inneren und äußeren Lagen soll das Ganze etwas prägnanter in den Mitten werden. Maho gany (Mahagoni) soll im Vergleich dazu den Tiefmitten-Bereich und das BassFundament etwas mehr betonen.

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Konstruktion

Über die Verarbeitungsqualität der High-End-Drums von DW muss man eigentlich kein Wort mehr verlieren, außer vielleicht: exzellent! Denn auch diese Testkandidaten sind in allen relevanten technischen Details, seien es Kesseldurchmesser, Nahtstellen, Gratungen oder Oberflächen, einfach perfekt verarbeitet. Die Auswahl der Hölzer ist geschmackvoll, und es wird erste Qualität verwendet, wie es die Furniere der Außen- und Innenseiten nachweislich zeigen. Jeweils zwei Lagen Cherry oder Mahogany auf der Außen- und Innenseite umschließen bei Toms, Floor-Toms und Bassdrums den dreiteiligen Kern aus Gumwood (Eukalyptusholz).

Diese drei Lagen des Kerns sind mit 1/20″ Furnierstärke deutlich dicker ausgeführt als die 1/36″ Furniere aus Cherry oder Mahogany. Der Gumwood-Kern besteht aus zwei äußeren Lagen mit vertikalem Maserungsverlauf, die eine Lage mit horizontalem Maserungsverlauf umschließen. Die beiden äußeren Lagen des Kessels sind so angeordnet, dass die Lage mit horizontalem Maserungsverlauf die Außenseite bildet. Hingegen ist die Doppellage Cherry respektive Mahogany auf der Innenseite des Kessels genau andersherum angeordnet, so dass die Lage mit vertikalem Maserungsverlauf sichtbar ist. Bei beiden Snaredrums ist Innen eine zusätzliche, dritte Lage verbaut, so dass der Kessel also etwas stärker ausfällt. Zudem ist hier die Innenseite klar lackiert.

Die Gratung ist bei den allen DW Jazz Drums (Maple, Cherry oder Mahogany) auf der zweiten und dritten Lage platziert, und die Auflagekante ist hier leicht rundlich gestaltet. Dennoch ist sie recht schmal und nicht mit den „fully rounded“ Gratungen diverser amerikanischer Vintage-Drums vergleichbar. DW-typisch sind die Kessel der Toms und Floor-Toms mit einer Innenabschrägung im Winkel von 45 Grad gestaltet, bei Snaredrums und Bassdrums finden sich flacher gestaltete Abschrägungen im Winkel von 30 Grad nach innen. Die Snarebeds sind bei beiden Testkandidaten schmal und recht tief gestaltet, zudem verbreitert sich die Auflagekante in diesem Bereich ein wenig, so dass an dieser Stelle schon deutlich mit Vintage-Konstruktionen geliebäugelt wird. In Sachen Hardware hat man alle Optionen, die das Haus DW zu bieten hat.

Sei es die Farbe der Hardware (z. B. Chrome oder Nickel), ein Vintage-Style Rail Consolette Tom Mount oder auch modernere Errungenschaften, wie verrundet geflanschte „True Hoops“-Spannreifen, Feingewinde-Stimmschrauben, die „STM“Tom-Halterung und die „Magnetic Throw Off“ Snareteppich-Abhebung mit drei vorwählbaren Spannungen. Natürlich ist auch alles von optimaler Qualität und Funktionalität.

Neuer Tom-/Snare-Stand

Netterweise hat uns der deutsche DW-Vertrieb Gewa bei der Ausstattung des Cherry Jazz Kit auch den nagelneuen Tom-/SnareStänder 9399 zum Test zur Verfügung gestellt, der speziell hinsichtlich der Montage von Toms gestaltet wurde. Für noch bessere Standsicherheit sorgt hier eine große Basis, so dass auch z. B. 14″ Toms zuverlässig montiert werden können. Eine geschickte Lösung bietet der Korb mit speziell gewinkelten Auslegern, so dass bei Toms nicht deren Flanken geklemmt werden, sondern die (im Falle der True Hoops verrundeten) Kanten der Spannreifen auf einem Gummi-Ende aufstehen. Als Besonderheit besitzt dieser Snaredrum-Ständer dazu auch noch an den Gummi-Enden zusätzliche Auflagen aus Neoprene, so dass hier das Tom sicher fixiert, aber auch nicht verspannt wird. Das hilft dem Sustain und Resonanzverhalten enorm auf die Sprünge. Der 9399 Ständer ist einer der ganz wenigen, die bei dieser Art der traditionellen Montage eines Toms dessen Klangverhalten definitiv nicht hörbar negativ beeinflussen. Mein Kompliment an DW für dieses Stativ!

Sounds

Schaut man sich die unterschiedlichen Größen unserer beiden Testkandidaten an, könnte man ja meinen, dass wir hier keine objektiven Klangaussagen treffen können. Doch dem ist nicht so, denn vorab konnte ich anhand zweier identischer Kessel einen Klangvergleich durchführen, und tatsächlich gibt es hier einen (wenn auch nicht extrem großen) Klangunterschied zwischen beiden Konstruktionen, der die eingangs getroffenen Aussagen von DW bestätigt.

Das Cherry Jazz Set kann je nach Stimmung eindeutig „männlicher“ klingen. Der Attack ist griffig und hat einen guten Punch, das tiefe Sustain ist straffer in den TiefmittenFrequenzen. Bei diesem Kit sollte man sich also nicht vom Begriff „Jazz“ irreführen lassen: Dieses Set kann auch mächtig rocken! Besonders dann natürlich, wenn man die werkseitige Fellkombination gegen klassisches Rock-Material, wie z. B. Remo Powerstroke 3 auf der Bassdrum sowie doppellagige Felle für Toms und Floor-Toms tauscht. Klassische Jazzrock- und Fusion-Sounds der 70er-Jahre sind da ebenfalls nicht weit weg, und alles klingt etwas wuchtiger, als es das mit einem Collector’s oder Jazz Maple Kit tun würde.

Das Mahogany Jazz Set ist da wieder ein ganz anderer Kandidat. Diese Drums lassen sich klanglich sanft und warm klingend gestalten, was den dunklen Grundklang charakter der DW Jazz Drums noch etwas intimer und sensibler werden lässt. Das ist

natürlich eine ideale Wahl für das Acoustic Jazz Trio, aber auch bei eher moderater, akustischer Singer/Songwriter-Musik in Bars, Cafes und kleinen Clubs macht dieser Klangcharakter bestimmt einen ausgezeichneten Eindruck. Die Instrumente des Mahogany Jazz Sets klingen äußerst homogen. Bevorzugt man eine tiefe Stimmung, so bleibt alles unaufdringlich präsent, mit angenehmen Attacksounds und voll klingend im Sustain.

Wenn man um die feinen Klangunterschiede der Kesselkonstruktionen der DW Jazz Drums weiß und durch geschickte Stimmung sowie Fellauswahl diese unterschiedlichen Klangcharaktere bestmöglich unterstützt, so hat man mit den neuen Editionen Cherry und Mahogany zwei sehr feine Instrumente am Start, die eben nicht nur Jazz-Sounds können, nur weil diese Serie nun mal eben diesen Namen trägt.

Fazit

Für diesen Vergleichstest erhielten wir zwei exzellent verarbeitete Drumsets der DW Jazz Series. Und tatsächlich besteht ein feiner, doch deutlicher Unterschied im Klangcharakter zwischen den beiden unterschiedlichen Kesselkonstruktionen. Die Cherry/GumwoodKessel klingen etwas offensiver und wuchtiger, die Mahogany/ Gumwood-Kessel hingegen etwas sanfter und in den tiefen Frequenzen betonter. Arbeitet man diese feinen Unterschiede durch die Wahl der Trommelgrößen, die Art der Fell-Kombination(en) und die eingesetzte Stimmung geschickt heraus, so macht das Ganze wirklich Sinn. Die DW Jazz Series Drums sind tatsächlich „ein ganz anderer Schnack“ als die Drums der DW Collector’s Series. Nutzt man dann noch die Macht des Stimmschlüssels, so lässt mit der Cherry-Version der DW Jazz Drums auch prima klassisch rocken, und mit der Mahagoni-Variante der DW Jazz Drums lassen sich sensible Pop-Styles ebenso gut bedienen. Es lohnt sich absolut, einmal „die dunkle Seite“ des DW Klangspektrums zu erforschen! Gemessen an den Top-Verarbeitungsqualitäten und Klangoptionen ist der Preis durchaus gerechtfertigt.

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