DW Performance Drums im Test

Drum Workshop präsentiert neu die Drums der „Performance“-Serie, die dem Wunsch der europäischen Kunden nach einem erschwinglichen Drum-Workshop-Drumset entgegenkommt. Spezielle neuartige Kessel im Konstruktions-Mix aus den DW-Möglichkeiten, eine straffe Programmpalette mit gezieltem Farbangebot sowie eine kostengünstige Fertigung im DW-Werk in Mexiko machen es möglich, ein echtes DW-Set zu einem vergleichsweise günstigen Preis anzubieten.

Drumkit
(Bild: Archiv)

Wer schon immer mit einem DW-Drumset geliebäugelt hat, sich ein solches aber nicht leisten konnte, der sollte beim Namen “DW Performance Drums” hellhörig werden. Drum Workshop lässt nämlich ab sofort in Mexiko eine erschwingliche Serie fertigen, die auf die Bedürfnisse eines “Working Drummers” zugeschnitten ist und sogar mit einer Neuheit aufwarten kann. Unter dem Stichwort “HVX-Kesselkonstruktion” werden die einzelnen Ahornkessel-Lagen horizontal, vertikal und diagonal gekreuzt verleimt. Dass dies einen neuen Klang der Kessel bewirkt, konnten wir hier im Videotest unter Beweis stellen.

Anzeige

Nicht jeder Schlagzeuger kann sich ein DW Collector’s Drumset leisten, aber die professionellen Features und die gediegene Qualität hätte man ja doch schon gern. Für das relativ hohe Preisniveau der DW Collector’s Drums in Europa gibt es viele verschiedene Gründe, man denke nur an die Frachtkosten, Zollgebühren und Einfuhr-Umsatzsteuer. Doch mit Mastermind John Good hat DW einen cleveren Fachmann an Bord, der hier einfach mal den Gedanken „straffes Angebot“ aufgreift, mit einer neuen HVX-Kesselkonstruktion würzt und so ein attraktives Angebot mit echter DW-Attitüde erschafft.

HVX-Kessel

Acht respektive (bei der Snaredrum) zehn Lagen Ahorn werden für die Kessel der DW Performance Drums verbaut, und dabei werden die Lagen nicht nur einfach mit horizontal und vertikal verlaufender Maserung gekreuzt verleimt: Die innere/n Lage/n besitzen eine diagonal zur Kesselsäule verlaufende Maserung und so entsteht ein zwar durchaus flexibler, aber doch steiferer Kessel als bei herkömmlichen Konstruktionen. Dass dies einen gewissen Einfluss auf den Frequenzgang hat, dürfte klar sein. Der achtlagige Kessel für Toms, Floor-Toms und Bassdrums beginnt – von außen gesehen – mit einem zweiteiligen Furnier mit vertikalem Maserungsverlauf, gefolgt von einer horizontal gemaserten Furnierlage.

Darauf folgen drei Furnierlagen mit horizontaler, vertikaler und wieder horizontaler Maserungsausrichtung und noch einmal drei Furnierlagen mit horizontaler, vertikaler und diagonaler(!) Maserungsausrichtung. Optisch reizvoll ist bei diesen HVX-Kesseln die innere Lage mit diagonalem Maserungsverlauf, welche mit einem wirklich schönem Feinschliff aufwartet. Die Innenseite des Snaredrum-Kessels ist hingegen lackiert, und der Kessel besteht aus einem zweiteiligen Furnier (horizontal/vertikal) und zweimal dreiteiligen Furnier (horizontal/vertikal/horizontal), gefolgt von einem doppeltem Furnier mit diagonaler Maserungsausrichtung für die innere Lage. Die Kessel der DW Performance Drums werden im DW-eigenen Werk in Ensenada/Mexiko gefertigt, und auch hier achtet man auf beste Fertigungsqualität. Alle Kessel unseres Test-Sets besitzen sehr sauber und plan parallel geschnittene Gratungen.

Die Auflagekanten sind sehr spitz ausgeführt und weit außen am Kessel platziert. Die Abschrägung für Toms und Floor-Tom fräst DW im 45-GradWinkel, bei Bassdrum und Snaredrum wird dieser flacher und liegt bei etwa 30 Grad. Zudem ist bei der Bassdrum die Auflagekante etwas verrundet und in etwa auf der dritten Lage (von außen) platziert. Mit insgesamt ca. 15 cm Weite ist das Snarebed relativ schmal gehalten, Anleihen zu einer klassischen Konstruktion zeigen sich durch die Abflachung der Gratung im ca. 2,5 mm tiefen Funktionsbereich, so dass hier ein Fellkontakt auf etwa zwei Drittel der Kesselwandstärke entsteht. Für die Kessel der DW Performance Drums wurde also eine neue Konstruktion mit vielen kleinen wichtigen technischen Details für die einzelnen Instrumente entwickelt.

Snaredrum
(Bild: Archiv)

Die Holzverarbeitung unseres Testsets ist erstklassig, und das spiegelt sich auch bei den Toleranzen der Kesseldurchmesser wider, die hier deutlich unterhalb eines Millimeters liegen: ein guter Wert für Zylinder aus Holz! Bei aller technischer Finesse und der wirklich guten Verarbeitungsqualität sollte man den optischen Effekt aber nicht unterschätzen. Auch wenn man als Fußballfan vielleicht nur eingeschränkt auf Blau steht, so muss man bei diesem leicht glitzernden, metallisch glänzenden Saphirblau den Hut ziehen: Das macht an! Es geht schon etwas in Richtung des berühmten „Shelby Cobra“-Blau, und der archaische Vergleich zwischen einem Rock-Drumset und einer Sportwagen-Legende ist hier wohl durchaus legitim: Das rockt! Das DW Performance Set funkelt schön in der Sonne und der sehr gut aufgetragene Chrom der Hardware komplimentiert das Ganze obendrein.

Die hier etwas kleiner gestalteten Stimmböckchen wirken unaufdringlich und durchaus elegant. Feingewinde-Stimmschrauben, das STM Tom-Halterungssystem, Memory-Klemmen an den Floor- Tom-Beinen und die DW „Made by Remo“ clear/ coated Schlagfelle auf Tom und Floor-Tom sowie die mit einem zusätzlichen Dämpfungsring ausgestattete Variante für das Schlagfell der Bassdrum komplettieren die Ausstattung und unterstreichen den professionellen Auftritt.

Sounds

Was geht denn nun klanglich ab? Bei den Toms fallen der sehr knackige Attack und ein sauber ausklingendes Sustain mit äußerst kontrolliertem, doch druckvollem Bassverhalten auf. Diese Grundcharakteristik ist immer präsent, egal welche Fellkombination, Stimmung oder Dämpfung man wählt. Allerdings fällt der Gesamtklang natürlich tiefer und fetter aus, wenn man z. B. zweilagige Versionen als Schlagfelle wählt und diese zusammen mit dem einlagigen Resonanzfell so tief wie möglich stimmt. Die Präsenz und die ordentliche Projektion des Attacks sind sowohl in der Spielerperspektive als auch für die Mitmusiker stets deutlich wahrnehmbar. Ein Vorteil ist hier der recht straffe Bassbereich der Toms, der auch bei dieser tiefen Stimmung sauber bleibt und sich daher auch bei einer eher einfachen PA-Übertragung beim Clubgig gut durchsetzt.

Die Bassdrum macht ebenfalls einen satten Bass, und der Attack klingt recht warm und rund, wenn man sie alleine spielt. Im Kontext einer (Rock-)Band in einer Club/Kneipen-Situation stellte sich der Attack allerdings als etwas indifferent heraus und die 24″-Buffe machte in Front etwas zu wenig Druck. Dieses seltsame Phänomen ließ sich durch viel Hin- und Her-Stimmen zwischen Schlag- und Frontfell sowie etwas gezielter Dämpfung teilweise in den Griff bekommen, wobei dann auch der Übeltäter gefunden wurde: das werksseitige Schlagfell! Entweder hatten wir ein Montagsmodell erwischt, oder der Felltyp ist für den nötigen Rock-Druck nicht der geeignete. Denn egal ob nun ein Remo Powerstroke 3, Evans EMAD oder Ähnliches montiert wurde: Auf einmal machte die Bassdrum genau das, was man von dieser Kesselkonstruktion erwartet: Durch die weiter in die Kesselmitte gezogene Auflagekante und die 30-Grad-Abschrägung entstand ein sehr satter Punch im Attack und ein griffiger und dabei ungewöhnlich tiefer Bassanteil. Somit kann man die recht offenen, druckvollen „Simon Phillips Sounds“ ebenso leicht imitieren wie auch stärker gedämpfte und auf einen kurzen Schub ausgelegte moderne Pop/Rock-Sounds generieren.

Bassdrum
(Bild: Archiv)

Die Snaredrum setzt sich dank des stärkeren Kessels und der lackierten Innenseite mit einem knackig-harten Attack gut von Bassdrum und Toms ab und produziert dazu aufgrund der Kesseltiefe auch einige schöne Tiefmitten für den satten Ton. Sie wirkt bei einer tieferen (Rock-) Stimmung allerdings nicht ganz so fett wie vergleichbare DW-Snaredrums mit zehnlagigen Ahornkesseln. Insofern hat sie allerdings auch durchaus ihre eigene Note. Prinzipiell geht auch die Ansprache des Snareteppichs in Ordnung, doch eine Detailverbesserung durch einen Fellwechsel und die Aufhängung des Snareteppichs mittels Schnur sind dennoch möglich. Die hier vorzufindende recht starre Aufhängung mit einem Plastikband ist zwar betriebssicher, aber für klangliche Details eher kontraproduktiv, da der Snareteppich bei harten Backbeats ein wenig „abgewürgt“ klingt. Gewebeband oder Schnur als Befestigungsmaterial geben etwas mehr nach und lassen die Snaredrum hier offener und besser ausklingen.

Profil

Fazit

Die DW Performance Drums sind sowohl in klanglicher Hinsicht wie auch bezüglich der Fertigungsqualität echte DW Drums. Die Ahornkessel in einer Kombination aus den horizontal, vertikal und diagonal gekreuzt verleimten Lagen verleihen diesem Set eine durchaus eigene Note im DW-Programm. Der klangliche Fokus liegt hier eindeutig auf einer definierten Projektion und einem straffen Tieftonanteil, so dass das Set sehr präsent klingt. Überzeugend sind auch die professionellen HardwareFeatures, so dass man hier getrost von einem klasse Instrument für den „Working Drummer on the road“ reden darf. Als Basis für die Programmpalette dienen zwei Tom-Packs, die auch eine Snaredrum beinhalten und zum Shell Pack mit einer der drei zur Auswahl stehenden Bassdrums komplettiert werden. Zusätzlich stehen natürlich noch Toms und Floor-Toms zur Verfügung, wobei man sich hier aber auf die beliebtesten Größen beschränkt hat. Die tolle blaue Lackierung macht unser Testset zum echten Hingucker – und all das erhält man zu einem sehr guten Preis. Muss man mal gespielt haben

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren