Produkt: Sticks 07-08/2019
Sticks 07-08/2019
STEWART COPELAND - Orchester-Rausch! +++ LUIS RIBEIRO (The World of Hans Zimmer) +++ YAMAHA Live Custom Hybrid Oak Drums +++ LP PRO Tambourines +++ K ZILDJIAN Cluster Crash Cymbals
Spiegelnde Klassiker

Gretsch Brooklyn Chrome Over Brass Snaredrums im Test

Mit dem Fokus auf das Wesentliche gestaltet Gretsch das Snaredrum-Programm der „Brooklyn“-Serie. Hier präsentiert man vier Snaredrums mit Messingkesseln. Zunächst haben wir die beiden „Chrome over Brass“ Snare drum-Klassiker in 14″ x 5″ und 14″ x 6,5″ einem Praxistest unterzogen.

Snaredrums
(Bild: Archiv)

Wie sich die verchromten Glanzstücke aus dem hause Gretsch anhören, erfahrt ihr in unserem Videotest.

Anzeige

Konstruktion & Verarbeitung

Gretsch verwendet für die „Brooklyn“- Snaredrums die gleichen Kessel wie bei den Metall-Snaredrums der „G4000“- Linie, lediglich die Ausstattung variiert hier ein wenig. Die Verarbeitung ist allerdings wie gewohnt erstklassig. Die Toleranz in den Kesseldurchmessern liegt bei weniger als einem Millimeter, und eine perfekte, parallel zur Kesselsäule verlaufende, schmale Naht findet sich bei den Kesseln beider Testkandidaten. An den kritischen Stellen im Bereich der Gratungen wurde ebenfalls perfekte Arbeit geleistet, man kann die Nahtstelle weder erkennen noch erfühlen. Die sauber gearbeiteten Gratungen sind plan und parallel zueinander gesetzt.

Die Gratungsform wurde nicht zu spitz gewählt, hier sorgt eine leichte äußere Verrundung für einen guten Fellkontakt. Die Snarebeds haben recht sanfte Ver läufe auf den Nutzungsbereich hin, die Auflagekante der Gratung wird in diesem Bereich etwas breiter. Die feine Mittenriffelung soll ja den Kessel zusätzlich versteifen, was in der Sache vielleicht etwas überbewertet ist. Der 1,1 mm starke Kessel ist auch so verwindungssteif genug, um die Form zu halten. Die Kessel sind in allen technisch relevanten Dingen also wirklich klasse verarbeitet.

Das ChromFinish spiegelt sehr schön; was das Finish angeht wird, hier jedenfalls ein grundsolider Industriestandard geboten. Die Stimmschrauben laufen prima in den Gewindehülsen und finden auch auf den hier verwendeten „302“-Spannreifen gute Oberflächen als Auflage; somit geht die Stimmstabilität auch bei der hier gegebenen Ausstattung lediglich mit Metall-Unterlegscheiben absolut in Ordnung.

Sounds

Die Gretsch Brooklyn „Chrome over Brass“- Snaredrums sprechen schnell und sehr direkt an. Der Attack bietet die für Messingkessel typischen, angenehme Obertöne, wenn er auch eine Spur knackiger scheint als der einer „G4000“-Snaredrum. Beide Snaredrums überzeugen mit einem blitzsauber, fein und warm klingenden Sustain, dessen Ton nicht zu lang steht und sehr sauber ausblendet. Den Druck generieren sie aus dem unteren Bereich der Mitten, und sie sind in diesem Frequenzbereich etwas straffer und transparenter als nicht verchromte Messingkessel. Das sind insgesamt die Nuancen, die den Klang der Gretsch Brooklyn „Chrome over Brass“-Snaredrums formen und den feinen Unterschied zum nicht verchromten Kessel ähnlicher Konstruktion ausmachen.

Beide Trommeln lassen sich recht leicht einstimmen, und dabei muss man nicht einmal viele Bewegungen mit dem Stimmschlüssel vollführen, um die Grundstimmung zu variieren. Durch die „302“-Stahlspannreifen ist der Attack bei Rimshots prägnant und nicht zu spitz, er dominiert den Klang nicht so stark wie ein Guss-Spannreifen, hat aber durchaus ähnlich gute Projektionseigenschaften. Bei Rimclicks ist der Klang kurz, präzise und zudem etwas feiner in den Obertönen als es bei Guss-Spannreifen der Fall ist.

Die Ansprache der Snaretppiche ist (ebenfalls bei beiden Modellen) schon mit der werksseitigen Ausstattung prima. Okay, da lässt sich durch eine Befestigung mit Gewebeband oder Schnur noch etwas mehr herausholen, da diese Art der Befestigung des Snareteppichs halt etwas flexibler ist und beim Backbeat deshalb das Resonanzfell in der Bewegung weniger eingeschränkt wird. Die „Lightning“-Snareteppich-Abhebung funktioniert einwandfrei, nur den Snareteppich korrekt zu justieren, rüttelt etwas am Nervenkostüm. Schlitzschrauben machen es hier nicht gerade einfach. Besonders auf der Seite des An-/Abschalthebels, der im entspannten Zustand auch noch sehr flexibel aufgehängt ist, fällt es nicht wirklich leicht, das Befestigungsmaterial souverän schon beim ersten Mal festzuklemmen.

Geduld ist eben eine Tugend – und hier angesagt. Beide Snaredrums besitzen eine recht weite Bandbreite an möglichen Sounds. So kann das 5″-Modell durchaus auch sehr satt und fett eingestellt werden, doch auch in hoher und offener Stimmung kann sie mit einem knallig-hellen Sound überzeugen. Wer mehr Bauch und Volumen benötigt, wird da sicher auf das 6,5″-Modell setzen, das auch bei einer höheren, Rock-mäßigen Stimmung ordentlich Druck macht und einen prägnanten Attack abliefert.

Auf einen Blick:

14″ x 5″ Snaredrum:  angenehme helle Obertöne im Attack, blitzsauberes Sustain, kompakt und doch satt; prägnanter, eleganter Rimshot mit feinem Obertonspektrum; weite Tuning-Range

14″ x 6,5″ Snaredrum: grundsätzlich identischer Klangcharakter, jedoch etwas druckvoller und voluminöser; variantenreiches Tuning realisierbar

Fazit

Liest man die konstruktiven Eckdaten über die Kessel der Gretsch Brooklyn „Chorme over Brass“ Snaredrums, so kommt man nicht umhin festzustellen, dass diese identisch mit den Snaredrums der Gretsch „G- 4000“-Serie sind. Was ist also anders an den Brooklyn Snaredrums? Es sind die „302“- Spannreifen, ein schmalerer Snareteppich, die Fellausstattung und das „Brooklyn Round Badge“, die den offensichtlichen Unterschied ausmachen und für einen etwas günstigeren Preis sorgen. Klanglich Unterschiede werden durch das Attack-Verhalten der „302“-Spannreifen geprägt, deren Obertöne klasse zu den klanglich variabel einsetzbaren MessingKesseln passen. Natürlich können diese Snaredrums auch in der „Retro“-Abteilung sowohl optisch wie klanglich überzeugen, doch auch angesagt moderne Sounds lassen sich mit ihnen problemlos realisieren. Ein persönlicher Test dieser prima verarbeiteten und zeitlos schicken Instrumente sei allen Drummern ans Herz gelegt.

Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
Interviews: BEN GORDON – Breakdowns & Double-Kicks des Parkway Drivers +++ MIGUEL LAMAS – Acoustic Electronic Jazz Fusion +++ Test: MAPEX BLACK PANTHER Design Lab Versatus Drums

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren