Produkt: Sticks 09-10/2019
Sticks 09-10/2019
FREDERIC MICHEL – Modern Pop Drummer +++ YOUTUBE-STARS: Sina Drums; COOP3RDRUMM3R +++ Rockin‘ 1000 +++ Studium an der POPAKADEMIE +++ ZULTAN Heritage Cymbals +++ PEARL Masters Maple/Gum Drums +++ ROGERS Dyna-Sonic Wood Snaredrums
Welcome to Brooklyn!

Gretsch Brooklyn Drums im Test

Neuester Spross aus dem Hause Gretsch sind die in den USA gefertigten Drums der „Brooklyn“-Serie, die mit ihren Kesselkonstruktion aus Ahorn und Pappel eine Hommage an die Gretsch-Ursprünge in Brooklyn, New York darstellen.

Drumset
(Bild: Archiv)

Wie sie klingen und was es an Besonderheiten gibt, erfahrt ihr in unserem Videotest der Gretsch Brooklyn Drums.

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Erhältlich sind die „Brooklyn“-Drums in vier seidenmatt lackierten Farben sowie vier Folien-Finishs. Drei vorkonfigurierte Shell-Sets mit Bassdrum, Tom und Floor-Tom sowie drei weitere Shell-Sets inklusive Snaredrum stehen zur Auswahl und decken populäre Trommelgrößen ab. Zudem gibt es Einzeltrommeln in modernen, verkürzten Größen bei Toms und Floor-Toms, aber auch konventionelle Dimensionen.

Die 20″ x 18″ Bassdrum findet man bei den Einzeltrommeln ebenso wie eine 24″ x 16″ als Variationen zu den 18″, 22″ und 24″ Bassdrums der Shell-Sets. Zudem gibt es drei 14″ Snaredrums mit Holzkessel und drei mit Metallkessel, dabei besitzen das 14″ x 5″ und das 14″ x 6,5″ Modell einen „Chrome over Brass“-Kessel, die zweite 14″ x 6,5″ tiefe Snaredrum hat einen gehämmerten Kessel. Wir konnten sowohl ein ShellSet im Satin-Finish „Tabasco“ als auch eine Snaredrum im „Nitron“-Folien-Finish „Smokey Grey Oyster“ eingehend begutachten.

Konstruktion & Verarbeitung

Interessanterweise entspricht die Konstruktion der „Brooklyn“-Kessel in den technischen Details (Gratung, Lagenzahl und Wandstärken) exakt denen der „USA Custom“-Serie von Gretsch. Was ist also anders? Die Kombination aus Ahorn und Pappel macht hier konstruktiv den Unterschied. Der Aufbau ist von innen gesehen: Ahorn/Pappel/Pappel/ Ahorn/Pappel/Ahorn. Es kommt keinerlei anderes Holz zum Einsatz. Damit sind die „Brooklyn“-Kessel also eine Variante des klassischen sechslagigen „Formula Maple Shell“ von Gretsch (erstmals 1961 im Kata – log erwähnt, aber schon seit Mitte/Ende der 50er-Jahre vom Kessel-Hersteller Jasper geliefert) und dem Material dessen Vorgängers, dem alten dreilagigen Kessel von Jasper, der aus Ahorn/Pappel/Ahorn bestand.

Was die Holzverarbeitung angeht, so muss man in Details eine gewisse amerikanische Fertigungstoleranz bzw. Nonchalance akzeptieren. Die Kessel sind nur wenig unterdimensioniert, weisen allerdings nur geringe Toleranzen im Durchmesser auf, so dass Markenfelle also auch freischwimmend auf der mit flachem Winkel gestalteten Gratung aufliegen. Diese sind sauber geschnitten, und im Falle der Snaredrum wurde sogar die Folien-Lage mit in die Gratung einbezogen. Folglich ist diese bis an den Rand herangezogen und durch den minimalen Gegenschnitt sauber bearbeitet. Der ca. 1,5″ breite Überlappungsbereich der Folie zeigt im Geratungsbereich auch keinerlei Luftspalt – prima gemacht. Innen ziert die Kessel der berühmte „Silver Sealer“- Schutzlack.

Dann muss ich aber doch grinsen, denn alle Schrauben für die Hardware-Befestigung sind so kräftig angezogen, dass sich die Unterlegscheiben leicht verbiegen. Bei allen Drums! Sicher ist sicher, oder wie ist das wohl gemeint?! Okay, schauen wir uns mal die Bohrlöcher an: Diese sind gut ausgeführt, bis auf die der SnareteppichAbhebung. Da war man sich ob des Durchmessers wohl nicht ganz einig. Das ist nicht tragisch, denn die Abhebung sitzt trotzdem gut am Kessel. Ach ja, die nostalgische „Lightning“-Abhebung besitzt natürlich auch immer noch die Schlitzschrauben für die Befestigungsklemme des Snareteppichs, und die sind immer noch mit Vorsicht festzuziehen. Auch sollte man auf der gegenüberliegenden Seite die Justierschraube nicht ganz lösen, denn diese ist nicht durch eine selbstsichernde, sondern lediglich durch eine normale Mutter gekontert.

Löst man die Schraube ganz, fällt die Abhebung ab – und es ist ein schönes Gefummel, das Teil wieder zusammenzubauen. Solche Dinge sind halt typisch Gretsch (oder eben typisch amerikanisch), doch man kann das verschmerzen, wenn der Sound stimmt. Erfreulich ist die Qualität der Verchromung auf allen Oberflächen der Hardware, das versprüht schon fast den Glanz und somit Charme eines Cadillacs. Sowohl die Folie als auch die ausgezeichnet ausgeführten seidenmatt lackierten Oberflächen runden das wertige Bild prima ab. Die neuen „302“-Stahlspannreifen sind ein weiterer wichtiger Unterschied bei den „Brooklyn“-Drums. Mit 3 mm Stärke bringen sie ein ordentliches Gewicht auf die Waage und sind ziemlich verwindungssteif.

Interessanterweise sind sie nur zweifach geflanscht, und insofern steht für Rimshots eine eben nur 3 mm breite Auftreffkante zur Verfügung. Die ist aber sauber rundlich gestaltet, so dass hier keine extreme Stockfräse entstanden ist. Leider hat man die Durchführung am Spannreifen des Resonanzfells der Snaredrum nicht sauber entgratet. Auch die Rückseite der Stimmschraubendurchführung hätte bei einigen Spannreifen geschmeidiger ausfallen können, denn auf der Vorderseite und somit bei allen Auflageflächen für die Stimmschraubenköpfe hat man ordentlich plane Flächen hinbekommen. Da diese Mängel aber nicht im Sichtbereich zu finden sind, gibt es nur einen Abzug in der B-Note. Ansonsten erfreuen wir uns an einem schicken Drumset.

Gretsch Brooklyn Drums_06
(Bild: Archiv)

Sounds

Die Kesselkonstruktion in Kombination mit den Spannreifen machen hier den feinen Unterschied zwischen Gretsch USA Custom und Gretsch Brooklyn Drums aus. Das lässt sich kurz so beschreiben: Der Attack speziell bei Toms und Snaredrum wirkt im direkten Vergleich mit den Drums der „USA Custom“- Serie etwas satter, ist allerdings in den Mitten ebenso offensiv. Das Sustain ist gewohnt voll, doch auch hier werden die tiefen Frequenzen etwas stärker betont. Insgesamt wirken die „Brooklyn“-Drums etwas wuchtiger und verzichten auf einen Teil der Mittentransparenz der „USA Custom“-Drums, sie wirken insgesamt etwas „rockiger“.

Trotz dieser feinen klanglichen Unterschiede ist es Gretsch dennoch gelungen, die typischen Soundmerkmale des „Great Gretsch Sounds“ weit – gehend zu erhalten. Wer also den grundlegenden Charakter von Gretsch Drums liebt und in Richtung eines etwas moderneren, fetteren Pop-/Rock-Sounds tendiert, ist mit den Drums der „Brooklyn“- Serie von Gretsch sehr gut beraten.

Snare und Tom
(Bild: Archiv)

14″ x 5,5″ Snaredrum: prägnanter, eleganter Rimshot mit feinem Obertonspektrum und genügend Druck; warmes, sattes Sustain, etwas komprimiert durch die Folie.

22″ x 18″ Bassdrum: satter Punch im Attack, äußerst sauberes und tiefes Sustain, starke Betonung im Bass und in den Tiefmitten.

12″ x 8″ Tom und 16″ x 14″ FloorTom: prägnanter Attack, etwas luftiger als bei den „USA Custom“-Drums, Sustain betont die tieffrequenten Anteile stärker und wirkt etwas wuchtiger, insgesamt rockiger.

Profil

Fazit

Mit den Drums der „Brooklyn“-Serie hat Gretsch es geschafft, dem markanten Sound der „USA Custom“-Serie einen gleichwertigen Partner an die Seite zu stellen. Eine Ahorn/Pappel-Kesselkonstruktion und kräftige, zweifach geflanschte Stahlspannreifen machen einen gewissen Klangunterschied aus, der sich als etwas fetter und rockiger erweist, aber dennoch die typischen Charakterzüge des „Great Gretsch Sounds“ nicht verleugnet. Eine gute Sache also. Schick sieht das in den USA gefertigte Drumset aus, sofern man nicht hinter den Vorhang blickt. In Details der Verarbeitung kann man sich als steigerungsfähig erweisen, aber was die relevanten technischen Details angeht sowie das Erscheinungsbild der Verchromung und der Lackierung/Folierung, macht Gretsch einen exzellenten Job. Und das Preis-Niveau geht hier schon allein aus klanglichen Gründen vollkommen in Ordnung.

Produkt: Sticks 07-08/2019
Sticks 07-08/2019
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