Produkt: Sticks 07-08/2019
Sticks 07-08/2019
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Ami-Schlitten

Gretsch Renown 57 Drumset im Test

Der Charme der Fünfzigerjahre: Gretsch hat sich für diese Sonderedition des Renown 57 Drumsets einen 57er Chevy Bel Air aus Detroiter Fertigung zum Vorbild genommen. Das fünfteilige Set ist in charmantem Himmelblau (Motor City Blue) lackiert und mit Chromleisten und weiß lackierten, V-förmigen Platten verziert. Dazu gehört auch noch ein farblich passender Drummer-Sitz von Gibraltar. Nehmen Sie Platz im Driver’s Seat!

Drumkit
(Bild: Archiv)

Fifties-Revival bei Gretsch! Dem neuen Gretsch Renown 57 Drumset stand ein 57er Chevy Bel Air aus Detroiter Fertigung Pate. Gefertigt in Taiwan aus North American Rock Maple ist dieser fünfteilige himmelblaue Blickfang von Jazz über Soul bis hin zu Blues und Pop super einsetzbar – und bietet sogar einen farblich passenden Gibraltar-Drummer-Sitz inklusive. Ein weicher Attack sowie Gretsch-typisch warmer Ton im Sustain schmeicheln im Übrigen. Wir haben das stylische Schlagzeug getestet.

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Konstruktion

Gefertigt werden die Gretsch Renown Drumsets in Taiwan, und für die Kesselherstellung wird North American Rock Maple verwendet, ein qualitativ hochwertiges Ahorn, das sich besser verarbeiten lässt und andere Klangeigenschaften hat als preiswertere Varianten. Zudem weist es meist schönere Maserungsstrukturen auf, was bei diesem Set aufgrund der deckenden Lackierung und des legendären, innen aufgetragenen „Silver Sealer“ (siehe Zettelkasten) nun nicht zur Geltung kommt. Dass man in Taiwan ordentliche Instrumente baut, dürfte bekannt sein, und bereits im Test in STICKS 04:2002 konnten wir uns von der guten Qualität der Gretsch Renown Drums überzeugen.

So freut es uns einmal mehr, dass auch das Renown 57 Drumset mit perfekt geschnittenen Gratungen und konstanten Kesseldurchmessern bei einer maximalen Toleranz von knapp einem Millimeter aufwartet. Interessant an der Konstruktion sind die verrundeten Auflagekanten mit einer 30-Grad-Innenabschrägung, die ja den High End USA Custom Drums von Gretsch entsprechen. Diese Gratung wurde auch für die aus zehn Lagen Maple gefertigte Snaredrum verwendet, was in der Renown-Serie nicht üblich ist, hier wird normalerweise eine 45-Grad-Abschrägung eingesetzt.

Das Snarebed unseres Testmodells ist ca. 22 cm weit gefasst und bietet einen recht sanften Verlauf auf die maximale Tiefe. Leider ist diese auf der einen Seite ca. 2,4 mm und auf der anderen ca. 2,7 mm tief gesetzt. Das ist nicht ideal, aber mit etwas Gefühl ließ sich das Resonanzfell so stimmen, dass der Höhenunterschied ohne nennenswerte Klangeinbußen ausgeglichen werden konnte.

Optik

Das ansonsten top verarbeitete Instrument überzeugt mit einer wirklich schön glänzenden Lackierung in Himmelbau mit leichter Tendenz ins Mint. Okay, live habe ich zwar keinen 57 Chevrolet Bel Air in dieser Farbe auftreiben können, aber dank des Studiums hochwertiger Bildbände eines Freundes und bekennenden Fans amerikanischer Spritfresser (Lebensmotto: Hubraum ist durch nichts zu ersetzen, außer durch noch mehr Hubraum!) bleibt zu sagen, dass die Farbe prima getroffen wurde. Stilsicher wurde dann auch das „V“ mit geprägter Chromkante und Gretsch Logo im Design der Chevy-Heckflosse nachempfunden.

Und so verziert jede Trommel eine weiß- lackierte Metallplatte mit Chromkante. Da der Chrom der Guss-Spannreifen, der GTS Tom-Halter und der Stimmböckchen das Ganze noch prima ergänzt und auch der massive – doch gar nicht so schwere – Doppel-Tom-Halter der Bassdrum das Gesamtbild zum üppigen Straßenkreuzer vervollständigen, kann man Gretsch nur zu diesem Kunstwerk gratulieren. Verarbeitung und Optik stimmen – und wie klingt das Ganze nun?

Sound

Klasse, um es vorwegzunehmen, aber eben auch im Detail anders, als man es von den Gretsch USA Custom Sets oder gar den Vintage Gretsch Sets her kennt. Und das ist gut so (siehe Zettelkasten)! Ausgestattet mit dem Evans EMAD als Schlagfell und etwas Dämpfung produziert die Bassdrum einen satten Punch mit relativ weichem Attack und ein kurzes sehr tiefes Sustain. In der Spielerposition lässt sich zunächst ein definierter Attack auch beim Spiel mit Filzschlägel im Bassdrum-Pedal wahrnehmen, allerdings auch etwas weniger Bass, als er vor der Bassdrum in Richtung Publikum stattfindet. Somit hat man eine recht gute Ortung in der Spielerposition, und in der Front entsteht ein satter Schub, wobei der Attack griffig und punchy ist. Bis zu einer moderaten Lautstärke lässt sich die Bassdrum rein akustisch immer gut in das musikalische Geschehen integrieren, dabei bleibt sie auf eine unaufdringliche Art präsent.

Tom und Sitz
(Bild: Archiv)

Das geht bei jeweils angepasster Stimmung von Jazz über Soul, Blues und Pop problemlos. Doch wenn es eben etwas lauter wird, erweist sich die Bassdrum als relativ leise. Man kann dem Ganzen mittels EQ-Patch und Verwendung eines Kunststoffschlägels zumindest bezüglich des Attacks und somit der Ortung der gespielten Noten etwas auf die Sprünge helfen. Besser ist es aber, diesen wunderschön satten Klang einfach per Mikrofon zu verstärken. Die Toms produzieren mit den No-Name-Resonanzfellen einen leicht metallischen Oberton, dieser entschwindet sofort nach einer Ausstattung mit höherwertigen Resonanzfellen. Mit den klassischen Kombinationen Evans G1 coated/ clear oder Remo Ambassdor coated/clear lässt sich ein schöner offen klingender Sound mit gutem Präsenzanteil erstellen. Beeindruckend ist besonders beim Floor-Tom das sehr lange und sauber schwingende Sustain.

Dank der Guss-Spannreifen ist zudem ein Einstimmen der Toms mit jeweils nur fünf Stimmschrauben pro Fellseite auch kein wirkliches Problem. Zudem zeigen der GTS Tom-Halter und die speziellen Gummifüße der FloorTom-Beine mit ihren Luftkammern ihre Wirkung. Wer mehr Druck im Sustain und einen satteren Punch im Attack mag, der ist gut beraten, auf doppellagige und vielleicht ebenfalls auch beschichtete Schlagfelle zu setzen. Das wird dann schön rockig mit volltönenden Attacks, und auch bei höherer Lautstärke besitzen die Toms eine sehr ordentliche Projektion. Die Snaredrum hat mit der Werksausstattung das gleiche Problem wie die Toms: Ein besseres Resonanzfell ist hier Pflicht! Dann kann sie je nach Stimmung die ultrafette Balladen-Snaredrum sein oder aber auch sehr trocken und knackig über die Rampe kommen.

Tom -Detailansicht
(Bild: Archiv)

Was ihren Charakter ausmacht, so ist da immer der recht satte Attack-Sound, sofern man sie im Center spielt, das ist hier wohl der besonderen Gratungsform geschuldet. Die Ansprache des Snareteppichs geht in Ordnung, jedoch lässt sich diese mit einer Aufhängung mittels Schnur oder Gewebeband im Detail noch optimieren. So klingt die Snaredrum auch bei härteren Snareteppich-Spannungen nicht „abgewürgt“ und lässt sich in Bezug auf die Ansprache einfach schöner spielen.

Fazit

Das Gretsch Renown 57 Drumset ist ein echter Hingucker, der mit einer sehr guten Verarbeitung aufwarten kann. Klanglich überzeugt es durch einen eher weichen Attack-Sound sowie Gretschtypisch warmen Ton im Sustain. Aufgrund des Attack-Verhaltens ist hier ein doch etwas anderer Charakter als bei der Top-Serie USA Custom zu erkennen. Gerade dieser Charakter sorgt für einen sehr angenehmen, wenn auch rein akustisch etwas leisen Bassdrum-Klang, der sich prima von Jazz über Soul bis Blues und Pop einsetzen lässt. Toms, Floor-Tom und Snaredrum besitzen eine etwas deutlichere Projektion und haben ein gutes Potenzial, was sich durch eine Ausstattung mit höherwertigen Resonanzfellen sofort abrufen lässt. Das Gretsch Renown 57 ist ein sehr fein klingendes Drumset mit einem besonderen optischen Flair, das zu einem fairen Preis erhältlich ist. Das sollte man einfach mal gehört (und gesehen!) haben.

Produkt: Sticks 09-10/2019
Sticks 09-10/2019
FREDERIC MICHEL – Modern Pop Drummer +++ YOUTUBE-STARS: Sina Drums; COOP3RDRUMM3R +++ Rockin‘ 1000 +++ Studium an der POPAKADEMIE +++ ZULTAN Heritage Cymbals +++ PEARL Masters Maple/Gum Drums +++ ROGERS Dyna-Sonic Wood Snaredrums

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