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Istanbul Agop Cymbals im Test

Die wohl umfangreichste Cymbal-Serie von Istanbul Agop ist die „Traditional“-Linie. Viele Crash-, Ride- und Hi-Hat-Modelle in unterschiedlichen Gewichtungen sowie eine immense Zahl an Effect-Cymbals findet man hier. Dieser Test dreht sich allerdings um die Traditional Medium Cymbals, also das „Brot und Butter Geschäft“ mit feinen Allround-Sounds.

Cymblas
(Bild: Archiv)

 

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Hier geht es um von Hand gemachte Instrumente aus klassischer B20-Bronze und traditioneller türkischer Handwerkskunst. Betrachtet man das Erscheinungsbild und die Gewichtungen, Modelle und Bezeichnungen in der Istanbul Agop Traditional Serie genauer, dann ist eine gewisse Nähe zu A-Zildjian-Cymbals und besonders einigen der älteren Modelle aus dem Programm des amerikanischen Herstellers vorhanden. Einige Bearbeitungsarten legen wiederum die Nähe zu alten K-Zildjian-Cymbals türkischer Fertigung nahe. Die Medium Cymbals der „Traditional“-Serie sind die Allrounder und können für verschiedene Stile verwendet werden.

Sie verfügen über eine gute dynamische Bandbreite: Hier kann man mit leichten Sticks spielen und sich am feinen Schimmer im Attack und den leichten Schwebungen im dunklen Sustain erfreuen, ebenso kann man auch sehr knackig zu Werke gehen und von Pop und Funk bis zu klassischem Hardrock oder Punk authentische Sounds anbieten. Schließlich gibt es auch 15″ Hi-Hats, ein 24″ Ride sowie 20″ und 22″ Crash-Cymbals, die für letztgenannte Musikstile auch das passende Volumen mitbringen dürften. Klanglich ist allerdings immer eine eher dunkle Grundfärbung und eine gewisse Wärme im Attack vorhanden, weit entfernt also von der hohen Transparenz (oder Penetranz?) der heutigen, digital produzierten Sounds.

Herstellung/Verarbeitung

Das Hämmerungsmuster ist intensiv, aber dezent ausgeführt, was die Größe und die Setztiefe der Einschläge angeht. Das Abdrehmuster ist über die gesamte Fläche auf Spiel- wie Rückseite aufgebracht. Dabei folgt man hier keinem statischen Muster, sondern pflegt die Individualität aus verschieden tiefen und breiten Tonal-Grooves. Das alles ist sehr sauber gearbeitet, und scharfe Kanten oder Grate in den Kuppenlöchern sucht man vergeblich. In der Gestaltung der Medium Cymbals setzt Istanbul Agop auf Profile mit sanftem Bogen und eher flachen Kuppen. In Kombination mit der B20-Bronze bedeutet das eine eher dunkle Klangfärbung, doch die einzelnen Bearbeitungsschritte sorgen dann wieder für eine gewisse Präsenz in Attack und Sustain. Schauen wir uns das Ganze im Detail an.

Sounds

13″, 14″ & 15″ Medium Hi-Hat: Kurz und kompakt wirkt der Klang der 13″ Medium Hi-Hat, der Attack ist definiert und betont die Mitten sehr schön. Das Sustain ist eher kurz, fast schon trocken. Sie ist also eher für ein leises Spiel prädestiniert.

Da darf es bei der 14″ Medium Hi-Hat schon kräftiger zur Sache gehen, sie ist im Attack spritziger und liefert bei einem eher knackigen Anspiel auch eine gewisse Schärfe. Geschlossen gespielt folgt direkt nach dem Attack ein kurzes und sattes Sustain mit Klangtiefe, so dass diese Hi-Hat durchaus als druckvoll bezeichnet werden darf. Bei leicht geöffnetem Spiel bildet sich ein kräftiges Rauschen aus, das sehr satte Mitten produziert, aber auch die gewisse Schärfe aus den Obertönen des Attack im Sustain widerspiegelt. Recht satt und kompakt ist der Chick-Sound beim Zutreten, und die Aufzieher sind präsent, begleitet von einem hellen Zischen.

Die 15″ Medium Hi-Hat ist dagegen deutlich satter und wärmer im Attack. Nicht, dass es da etwa an Präsenz fehlen würde, doch der Attack ist im direkten Vergleich nicht so scharf wie beim 14″ Modell. Wäre ich eher in Richtung Punk oder New Wave unterwegs, so wäre das 14″- Modell meine Wahl, für Rock, Blues und Ähnliches würde ich schon allein aufgrund des breiteren Frequenzgangs und des generell etwas fetteren Klangs die 15″ Hi-Hat vorziehen.

20″, 22″ & 24″ Medium Ride: Was hier auffällt, ist ein deutlicher Klangunterschied zwischen dem 20″ und 22″ Modell und dem mächtigen 24″ Medium Ride. Die beiden ersteren präsentieren sich mit einer hohen Transparenz in Attack und Sustain, während das 24″ da schon ein gehörige Portion „Schmutz“ abliefert. Fangen wir also mit dem „Dreckspatz“ an, denn diese „Pfanne“ hat es in sich!

Spielt man das 24″ Medium Ride auf dem Profil an, so ist da zunächst ein heller, in den Mitten betonter Anschlagsound, der einen dezenten Schimmer in den Obertönen bietet. Das dunkle Sustain, leicht kehlig bis grollend, bietet in der Ausklingzeit eine sehr schnelle Modulation. All diese einzelnen Klangfaktoren lassen sich durch Anschlagstärke und die Wahl der Waffe – sprich welcher Stick (mit rundem Kopf, pfeil- oder fassförmiger Spitze, 5A oder 2B Modell usw.) – entsprechend in den Vordergrund stellen.

Und dann wünsche ich noch viel Spaß bei der Suche nach den verschiedenen Sounds auf der gesamten Spielfläche des Profils. Hiervon hat man viel zur Verfügung, entsprechend reich ist die Ausbeute an Sound-Variationen. Die Kuppe ist glockig und dabei im Attack eher dunkel, im Sustain etabliert sich hingegen ein hellerer Ton mit sehr schneller Modulation. Das 24″ Medium Ride besitzt einen sehr facettenreichen Klang, der stark von der Spielweise geprägt wird.

20″ und 22″ Medium Ride haben ein nahezu identisches Klangverhalten, sie unterscheiden sich lediglich in der generellen Tonhöhe voneinander. Hier gefällt die Klarheit und Transparenz in Attack und Sustain. Speziell der sehr saubere und klare Anschlag ist auf der gesamten Spielfläche des Profils verfügbar. Die Kuppen sind glasklar, und der sehr helle, glockige Klang im Attack blendet in das etwas dunkler angelegte Sustain. Das alles passt sehr harmonisch zusammen und macht gerade das Wechselspiel zwischen Profil und Kuppe sehr reizvoll. Für treibende Rock-Grooves sehe ich das 22″ Medium Ride im Vorteil, da es doch noch etwas mehr Druck aufbauen kann. Dafür kann das 20″ Medium bei einer kräftigen Spielweise auch eine gewisse Aggressivität an den Tag legen und ist daher für moderne Pop-Styles eine gute Wahl.

14″ bis 22″ Medium Crash: Das umfangreiche Angebot an verschiedenen Größen der Medium Crash Cymbals macht hier wirklich Sinn, denn mit den drei Hi-Hats und drei Ride Cymbals hat man schon einige sehr gute Klangoptionen in verschiedenen Dynamikstufen, und warum sollte da nicht der passende Akzentklang vorhanden sein? Ein 22″ Crash passt natürlich prima zum 24″ Ride, aber was ist, wenn man diese leise im kleinen Club spielt? Dann dürfte ein 22″ Crash für den Crash-Akzent wohl etwas übertrieben sein. Hier halte ich die 15″ und 16″ Medium Crash Cymbals für die richtige Wahl. Der Attack ist erwartungsgemäß spritzig und schnell, die gesamte Klangdauer relativ kurz. Doch dazwischen entwickeln die Dinger einen soliden Druck, und der Attack ist auch tatsächlich breit genug. Dynamisch geht das Ganze auch in Ordnung, auch wenn eine eher dezente Vorgehensweise ihre Vorbestimmung ist.

Was war denn noch mit dem 14″ Medium Crash? Das klingt eigentlich eher nach einem kräftigen Splash, also im Attack leicht trashig und spitz, dafür extrem kehlig im Sustain. Sicherlich ein reizvolles Instrument, aber von Klangverhalten eben weniger ein Crash als das 15″ und 16″. Konsequent bauen die übrigen Medium Crash Cymbals dynamisch und tonal aufeinander auf; wer es also etwas kräftiger und vor allem ein längeres Sustain mit mehr Klangfülle benötigt, ist mit den Modellen 17″, 18″ und 19″ Medium Crash sehr gut bedient.

20″ und 22″ Medium Crash sind größenbedingt im unteren Dynamikbereich natürlich etwas träger, aber wer einen mächtigen Akzent setzen will, ist mit diesen beiden Dingen auch sehr gut bedient. Zudem besitzen beide Cymbals auch recht gute Ride-Eigenschaften bei einer sehr leichten Spielweise. Sie bilden in Attack und Sustain einen feinen Schimmer an Obertönen und leichtes Rauschen aus.

13″, 14″ und 15″ Medium Hi-Hat

13″: kurz, kompakt; sehr gut für leises Spiel
14″: spritziger Attack, bei kräftigem Anspiel schärfere Obertöne; recht sattes Sustain, entwickelt guten Druck
15″: satter, wärmer, etwas holziger im Attack ungewöhnlich dezenter Chick-Sound, aber präsente Aufzieher machbar

20″, 22″und 24″ Medium Ride

20″ und 22″: hohe Transparenz in Attack und Sustain, 20″ etwas prägnanter, sehr glockig, klare Kuppen
24″: etwas dreckiger in den Obertönen mit interessanten Schwebungen im Sustain; viele Spielzonen mit verschiedenen Sounds, die durch Spielweise und Stick-Auswahl betont werden können.

14″ bis 22″ Medium Crash

14″: eher Splash Charakter mit kehligem Sustain
15″ und 16″: spritziger Attack und kurzes, sattes Sustain; kurzer, aber druckvoller Crash, gut für leiseren Kontext
17″ und 18″: ebenfalls spritzig und crisp im Attack, breiter im Frequenzgang und daher mächtiger, druckvoller
19″ bis 22″: hier wird der Attack träger in der Anstiegszeit, liefert allerdings recht präsente Höhen. Rauschendes und dunkles Sustain mit ziemlich langer Klangdauer.

Fazit

Die Istanbul Agop Medium Cymbals der „Traditional“-Serie kombinieren einen durchaus spritzigen, crispen Attack mit den typisch dunklen Grundsounds der B20-Bronze. Die diversen Bearbeitungsarten kitzeln zudem so einiges an eigenständigem Charakter heraus. Auch wenn die „Traditional“-Serie noch mehr an Modellen zu bieten hat, so sind doch die Medium Cymbals genau das Richtige für Musiker, die einerseits gute Allrounder einsetzen möchten, andererseits aber auch die dynamisch passenden Instrumente für den kleinen Club oder die große Bühne haben wollen.

Mit drei Hi-Hats und Ride-Cymbals zur Auswahl ist man schon mal prima bedient. Und man muss sicherlich nicht alle acht Crash-Cymbals kaufen, doch ein Pärchen in kleinen Größen und eins mit zwei richtigen Pfannen könnte schon drin sein. Denn die Preise sind bei der gebotenen Verarbeitungs- und Klangqualität durchaus zivil.

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