Istanbul Agop Jazz Edition Cymbals im Test

Istanbul Agop präsentiert neu eine Jazz Edition Cymbal-Serie mit drei Hi-Hat-Modellen, zwei Crash-Cymbals und sechs verschiedenen Ride-Cymbals, darunter sogar ein 26″(!) Modell – allesamt Leichtgewichte für die speziellen dunklen Sounds der klassischen Jazz-Ära.

Cymbals
(Bild: Archiv)

Klassische Jazz-Becken, leicht und mit einem besonderen dunklen Klang – eine solche Serie hat Istanbul Agop jetzt mit den Special Edition Jazz Cymbals im Programm. Dabei kann der Kunde zwischen drei Hi-Hats, zwei Crashes und sechs Ride-Becken wählen, die alle aus B20 Bronze in traditioneller türkischer Handarbeit gefertigt sind. Wir hatten die Istanbul Agop Jazz Edition Cymbals im Test.

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Gefertigt werden die Jazz Edition Cymbals aus B20-Bronze und in klassischer türkischer Handwerkskunst, was bekanntlich jedes Cymbal auf eine gewisse Art und Weise zum Unikat macht. Natürlich geht es auch darum, die jeweils bestimmten Klangparameter zu erreichen, doch eine gewisse Toleranz ist immer gegeben. Schon allein deshalb, weil von ein und demselben Modell keine vier Stück das exakt gleiche Gewicht haben oder in exakt der gleichen Art bearbeitet wurden. Genau das macht es aber auch aus. Prinzipiell wurden für alle Cymbals allerdings die gleichen Bearbeitungsschritte ausgeführt.

Das Erste, was bei allen Jazz Edition Cymbals auffällt, sind die breiten Tonal Grooves, die sich von der eher rauen Oberfläche glänzend Zabheben und bis über die Kuppe hin ausgeführt sind. Ausnahmen bilden die Top-Cymbals der Hi-Hats, die beidseitig mit einem eher feinen Abdrehmuster versehen sind und dementsprechend im „Traditional“-Finish glänzen. Die Hämmerung ist bei allen Modellen sehr individuell, und so finden sich neben dichten kleinen Hammereinschlägen auch größere, tiefer gesetzte. Grundsätzlich zeigen alle Cymbals ein sehr flaches Profil und auch sehr flach gestaltete Kuppen. In Kombination mit dem geringen Gewicht ist hier also ein sehr dunkler, erdiger Klang zu erwarten – und genau das ist hier auch beabsichtigt.

 

I.) Jazz Hi-Hats

So erweist sich die 15″ Hi-Hat als extrem dunkel und trocken im Sustain. Der Attack ist gedeckt und stellt den Stick-Sound hölzern in den Vordergrund. Das hat eine gewisse Definition bei moderatem Spiel, ist aber stark in den Gesamtklang integriert. Erstaunlicherweise kann man auf dieser Hi-Hat auch sehr kräftig spielen, sie wird allerdings ab einer gewissen Dynamikstufe einfach nicht mehr lauter. Man kann diese Hi-Hat also auch mit kräftig knackigem Bigband-Style bearbeiten, ohne sie zu überfordern. Ob sich der derart dunkle Sound dabei durchsetzen kann, muss man im individuellen Fall entscheiden.

Die 14″ Hi-Hat hat da schon eine etwas stärker betonte Artikulation, bleibt aber auch hier eher dezent im Attack. Nutzt man Sticks mit einer feinen Spitze, so hebt sich dieser Attack noch etwas schicker vom tiefen, trockenen Grundklang ab. Erstaunlich spritzig kommen Anschläge mit dem Stockschaft, wobei allerdings relativ leichte Sticks eingesetzt werden sollten, denn diese Hi-Hats sind für leises bis moderates Spiel prädestiniert.

Die 13″ Hi-Hat liefert hier im Trio natürlich den präsentesten Klang, was aber immer noch sehr dunkel und erdig im Vergleich zu vielen anderen „Jazz“-Cymbals ist. Aufgrund des leicht zischenden, mittigen Charakters des Anschlags ist es zudem durchaus denkbar, diese Hi-Hat auch in einem nicht zu lauten Kontext z. B. in oldschool R&B, Soul oder Blues oder akustischem PopKontext zu einzusetzen.

Sound

Attack: eher trocken-holziger Stick-Sound
Sustain: sehr kurz, dunkel und erdig
13″: vergleichsweise crisp im Attack
15″: mit stärker integriertem Attack

 

II.) Jazz Crash

Dazu passt dann das extrem stark gehämmerte 16″ Crash sehr gut, das hier einen leicht kehligen, erdigen Attack bietet, gefolgt von einem kurzen Aufrauschen im Sustain. Dies verklingt recht schnell und kontrolliert. Das 18″ Crash ist deutlich dunkler und etwas träger im Anstieg. Insgesamt ist wirkt es durch ein breiteres Frequenzspektrum auch etwas kräftiger.

Sound

16″: kehlig-erdiger Attack; dunkles, kurzes Sustain mit leichtem Aufrauschen
18″: breiter, dunkler Attack; Sustain noch dunkler, mit leicht trägem Anstieg

 

III.) Jazz Ride

Gut, dass man nicht immer nur das mit einem Cymbal veranstalten muss, was drauf steht, denn das 19″ Ride kann auch als sehr kräftiges, dunkles Crash durchgehen. Allerdings hat es doch mehr Ride-Charakter und definiert für ein Cymbal mit diesem Durchmesser den Begriff „trockener Attack“ einfach neu. Wer hier mit sehr feinen Sticks spielt, wird auch über die hohe Transparenz dieses sehr eigenen Klangs erfreut sein, denn es rauscht im Sustain kaum auf. Die Kuppe fördert ein paar Mitten zu Tage, bleibt aber dabei auch sehr dunkel und erdig.

Das 20″ Ride ist im Attack vergleichsweise spritzig und bildet ein kurzes Zisseln aus. Spaß machen hier angecrashte Akzente z. B. innerhalb eines Swing-Patterns, da sie eine feine Präsenz durch kurz aufblitzende Obertöne liefern, wobei das Ganze gut kontrollierbar bleibt. Das 21″ Ride integriert den Stick-Sound wiederum etwas stärker in den dunklen Grundklang und bietet bei etwas kräftigerem Anschlag ein solides Grundrauschen. Schnelle Figuren sollte man daher eher bei moderater Dynamik spielen.

Das 22″ Ride hingegen bleibt wieder so erstaunlich definiert wie das 19″ Ride, klingt allerdings viel tiefer im Grundton und noch dunkler in den trockenen Obertönen. Auch trifft man wieder auf das sehr klare und extrem erdige Sustain, gepaart mit dem eher „holzigen“ Stick-Attack. Das 24″ Ride bietet wiederum mehr ObertonSchimmer im Attack und leicht rauschenden Sustain, so dass man es hier wieder mit einem ganz andern Charakter zu tun hat.

Zu guter letzt die Mega-Pfanne: das 26″ Ride! Das Ding besitzt den wohl dunkelsten Attack mit einem kurzen Mini-Schimmer von Obertönen, den ich je gehört habe. Bei leichter Spielweise prägt ein tief grollendes und schnell modulierendes Sustain den Klang. Langt man aber nur etwas kräftiger hin – und die Grenze wird klanglich deutlich aufgezeigt –, so ent wickelt sich ein extrem crashiger bis leicht gongiger Sound mit orientalischer Klangnote. Den Kuppenklang kann man nur als sehr gedeckt und knochentrocken beschrieben. Für einen prägnanten Drive ist hier zwar nichts zu holen, doch hat solch ein Cymbal durchaus seinen eigenen, wenn auch speziellen klanglichen Charme.

Sound

sehr individuelle, generell dunkle Klangcharaktere:

 19″: trocken-holziger Attack, Sustain sehr dunkel, hohe Transparenz
20″: Attack nach oben hin etwas geöffnet, mit feinem Zisseln, leicht rauschendes Sustain, zudem auch gute Crash-Eigenschaften
21″: Attack stärker integriert; leichtes Rauschen im sehr dunklen Sustain
22″: ähnlich definiert im Attack und transparent im Sustain wie 19″ Ride, vom Grundton allerdings tiefer und dunkler angelegt
24″: hölzerner Stick-Attack mit leichtem Oberton-Schimmer, der sich im dunkel gefärbten, leicht rauschenden Sustain fortsetzt
26″: extrem trockener Attack-Sound mit minimalem Obertonschimmer im Hintergrund; tief grollendes bis gongig rauschendes Sustain mit orientalischer Note

 

Fazit

Mit den Cymbals der Jazz Edition bietet Istanbul Agop wahrlich dunkle Sounds der Extraklasse an. Dabei sind die Klangcharaktere ebenso individuell wie die Bearbeitungsweisen dieser mittels traditioneller türkischer Cymbal-Schmiedekunst gefertigten Instrumente. Besonders spannend sind die vielen verschiedenen Charaktere der Ride-Cymbals, denn bei ihnen wird nicht nur ein Grundklang in Nuancen durch unterschiedliche Größen variiert, sondern hier gibt es ganz verschieden Klangideen zu entdecken. Den wohl ungewöhnlichsten Sound bietet das 26″ Ride, das sich bei leichter Spielweise mit trockenhölzernem Attack über einem extrem dunklen, grollenden Sustain präsentiert – das hat was!

Preislich geht das Ganze durchaus in Ordnung, denn neben der individuellen Fertigung dieser delikaten Instrumente sollte man auch einmal beachten, dass Istanbul Agop über sehr gute Vertriebsstrukturen verfügt, die im Falle von Wiederbeschaffung, Neuanschaffung oder sogar Kulanz und Garantie sauber funktionieren. Nicht nur Jazzer, sondern generell alle experimentierfreudigen Musiker sollten sich diese klanglich reizvollen Instrumente unbedingt mal anhören. Vielleicht kommt ja mal was anderes als „Mainstream“ dabei heraus, wenn man sich von solchen Instrumenten inspirieren lässt

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