Produkt: Sticks 11-12/2019
Sticks 11-12/2019
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Spanische Klasse

J. Leiva Percussion Medina Cajons im Test

Diese Cajons kommen direkt aus dem Herzen des Flamenco! J. Leiva ist eine Manufaktur in Córdoba, die sich seit Jahren mit den Geheimnissen des Cajon-Baus befasst. Eine Vielzahl von Modellen und Baureihen sattelt inzwischen auf den Erfahrungen, die nötig sind, um klangvolle und hochwertige Groove-Kisten herzustellen.

Cajon
(Bild: Archiv)

Wie die Mittelklasse-Modelle der Media-Reihe klingen und was sie an Besonderheiten drauf haben, erfährst du in unserem Videotest der J. Leiva Percussion Medina Cajons.

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Jetzt sind die J. Leiva Cajons auch in Deutschland auf dem Markt. Anlass genug, um mal die Sounds zu schmecken und dem Bauprinzip der spanischen Modelle aus der „Medina“- Baureihe einen Detailblick zu gewähren. Die Überraschung ist wirklich groß, denn der erste Eindruck vermittelt delikat konzipierte Cajons mit intelligentem String-Tuning-Feature und netten Designs.

Die Sounds

Lebendig und wahrlich präsent springen die Sounds sofort ins Ohr. Ein aufgeräumtes Klangbild mit klaren Attacks vermittelt sogleich, dass sich hier eine wunderbare Cajon präsentiert, die zum Spielen geradezu einlädt. Verblüffend ist die extrem gute Trennung zwischen Bass- und Snare-Sounds. Da rasselt nichts nach, und man hat sofort das Gefühl, dass die Medinas mit Leichtigkeit alle Spielvarianten 1:1 und mühelos in wohlklingenden Sound umsetzen. Die Bässe kommen kompakt, druckvoll und konkret. Slaps, Tips und Open Beats entfalten ein ausgeprägt detailliertes Klangspektrum. Das Ganze basiert auf einer fein arbeitenden Schlagfläche, die sich dezente Präsenzen von den rückseitig anliegenden und vertikal verspannten Gitarrensaiten holt.

In der Kommunikation zwischen Frontplatte und Strings stecken vielfach die Tricks und Geheimnisse des Flamenco-Cajon-Sounds. Hier hat man den Eindruck, dass diese Prinzipien mit Know-how aufeinander abgestimmt sind. Im Übrigen verfügen die Medinas über eine sagenhafte Dynamik – sprich: Softes Spiel entfaltet feine und zurückhaltende Sounds, ohne dass die Klangspektren der verschiedenen Schläge an Deutlichkeit verlieren. Und jagt man mit diesen Kisten so richtig Powermäßig los, dann scheinen die Medinas regelrecht Feuer zu fangen. Das Schöne daran ist auch, dass die Kisten nicht übersteuern und alle Klangfacetten transparent und wuchtig in pure Energie umsetzen. Auch vom Spielgefühl her finden diese Modelle Gefallen, denn die Verarbeitung ist wirklich gut, und die Hände fühlen eine gewisse Geschmeidigkeit dank fein geschliffener Kanten und einer mild-griffigen Klarlack-Oberfläche.

Leichte Bodies & Schlagflächen aus Birke

Werfen wir mal einen Blick auf die Konstruktion der Medina-Bodies, die auf die Namen „Vintage“, „Black“ und „White“ getauft sind. Der Unterschied der drei Spanier liegt ausschließlich in den Farbgebungen. Beim Vintage-Modell ist es der braune Body, bei Medina Black und Medina White differieren die Farbtöne der Frontseiten bzw. Spiel- und Schlagflächen. Diese hölzernen Membrane bestehen aus 3 mm Birke und sind ringsum auf den Cajon-Body aufgeschraubt. Kleiner kosmetischer Kritikpunkt: Die Schraubenlöcher hätte man sorgfältiger vorbohren können, um ein Ausfressen der Holzfasern in der unmittelbaren Schraubenumgebung zu verhindern.

Dennoch kann insgesamt eine hochwertige Verarbeitung bescheinigt werden, und auch in Sachen Design zeigen die Modelle dekoratives Artwork, das im Siebdruckverfahren aufgetragen wurde. Die Bodies aller Modelle werden aus 10 mm Birken-Sperrholzplatten gebaut, wobei die rückseitige Resonanzöffnung verstärkt ist und man dadurch den optischen Eindruck eines Verstärkungsrings gewinnt. Hier ist also sattelfestes Material am Start, und trotz der kräftigen Baukomponenten darf man diese Cajons eher als angenehme Leicht – gewichte einstufen.

STD – Ein intelligentes Tuning System

Ein interessantes konstruktives Feature findet sich im sogenannten „S.T.D.“ – dem „Sistema de Tension Directa“. Dabei handelt es sich um eine Spannmechanik der „Snares“ (hier: Gitarrensaiten), die von außen mittels zweier Flügelschrauben regulierbar ist. Diese Flügelschrauben sind mit Gewindestangen verbunden, die über Gewindehülsen je einen Holzriegel bewegen. Durch kleine Öffnungen in den Riegelhölzern werden die Gitarrensaiten geführt und auf Spannung gehalten. Dreht man nun die Flügelschrauben, so werden die Riegelhölzer wie ein Gaspedal nach vorne gedrückt bzw. zurückgezogen.

Gleichzeitig verändert sich die Spannung der Strings, ohne dass diese ihre vertikal verlaufende Position verlieren. Das System lässt sich bequem über die Schrauben auf der Cajon-Rückseite betätigen – kein Schlüssel oder sonstiges Werkzeug ist nötig. Daher die Bezeichnung „Sistema de Tension Directa“. Das alles funktioniert einwandfrei und ist eine prima Idee, die intelligent umgesetzt wurde. Die Präsenz des Snare-Effekts lässt sich mit dem STD-System detailliert regulieren, um feine Klangabstufungen des Sounds nach persönlichen Vorlieben vorzunehmen.

Das „STD“ Direct Tuning System
(Bild: Archiv)

Medina Eco Cajon

Eine Variation in der Cajon-Body-Konstruktion zeigt das Medina Eco-Modell. Hier besteht das Chassis aus 12 mm stabverleimtem Pinienholz. Deutlich gerundete Ecken und Kanten vermitteln einen soften Fingertouch dieses mit Ölen und Harzen behandelten ÖkoModells. Auch die 3-mm-Birkenholz-Schlagfläche wurde mit natürlichen Ölen behandelt. Insgesamt präsentiert sich ein sehr kräftig konstruierter Korpus, der entgegen seiner fast wuchtig anmutenden Erscheinung allerdings ebenfalls als erstaunliches Leichtgewicht durchgeht.

Das STD Direct Tension System ist hier ebenfalls integriert. Der Klang des Medina ECO Cajons bietet sehr weiche, warme und deutlich präsente Bass-Anteile. Der Sound kommt kraftvoll und wuchtig daher. Gleichsam klingen Akzent-Beats, Tips und Slaps gut definiert und klar, ohne das insgesat milde Klangbild zu überreizen. Somit ist das Medina Eco Cajon vom Klangbild her deutlich tief angelegt, was dem Gesamtcharakter ein gewisses Maß an Zurückhaltung schenkt. Doch wer es drauf anlegt, kann selbstverständlich auch mit dieser Kiste abfahren und dem Attribut der „Power Cajon“ mal auf den Grund gehen.

Fazit

J. Leiva Percussion, der renommierte spanische Cajon-Hersteller, rückt in den deutschen Markt, und die Überraschung ist groß. Bemerkenswert ist das Know-how eines schlichten Baukonzepts mit exakter Zielsetzung. Und da steht an erster Stelle der Sound. Die leichte Ansprache, ein aufgeräumtes Klangbild, Transparenz, Druck und eine vortreffliche Trennung zwischen Bass und Open Beats machen die Medina-Cajons zu einer delikaten Klasse, die Charakter und Eigenständigkeit zeigt. Daher kann man auf jeglichen Schnickschnack verzichten und das Wesen eines ausgereift klingenden Flamenco-Cajons in den Mittelpunkt rücken.

Ein feines technisches Feature hat man sich allerdings gegönnt: das STD Direct Tuning System. Hier kann man, ohne ein Werkzeug bemühen zu müssen, ganz bequem von außen die Spannung der „Snares“ (Gitarrensaiten) kontrollieren und damit den Snare-Sound-Effekt nach eigenen Vorlieben bestimmen. Alles in allem sind die J. Leiva Medina Cajons ausgezeichnete Instrumente – durchdacht konstruiert, fein gebaut und mit gefährlich guten Sounds ausgestattet.

 

Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
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