Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
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Clip on Rockin´

Korg Wavedrum Mini im Test

In STICKS 02:2010 und 03:2011 haben wir euch bereits die beiden großen Wavedrum-Modelle vorgestellt: die Wavedrum WD-X und die um einige Sounds erweiterte Wavedrum Oriental. Seit Kurzem gibt es von Korg nun auch ein kleines Geschwisterchen: die Wavedrum Mini.

Korg Wavedrum Mini: Clip im Einsatz
(Bild: Archiv)

Ist die Korg Wavedrum Mini nun ein Spielzeug oder ein ernstzunehmendes Musikinstrument? Diese Frage stellte sich unser Tester und fand eine eindeutige Antwort. Die Sound-Auswahl sowie die Abstimmung der internen Effekte sind sehr gelungen, doch wie ist das Spielgefühl? Hört und seht selbst in unserem Test der Korg Wavedrum Mini!

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Da stellt sich doch gleich die Frage, ob sie alles kann, was die Großen auch können, oder ob es sogar etwas gibt, das diese nicht haben. Bevor wir dieses Rätsel lösen, werfen wir erst einmal einen Blick auf das Erscheinungsbild.

Äusseres

„Mini“ sind hier zunächst einmal die Ausmaße: Die Wavedrum Mini ist deutlich kleiner als die großen Geschwister und misst im Durchmesser knapp 22 cm, was ungefähr den Endmaßen einer 8″ großen Trommel entspricht. Geschrumpft ist damit natürlich auch die Schlagfläche, aber das nicht nur im Durchmesser, sondern sie wurde auch noch halbiert, so dass sie nur noch aus einem Halbkreis besteht. Die Schlagfläche ist vor allem für das Spielen mit den Händen und Fingern ausgelegt; das Spielen mit Sticks geht zwar, man kann der Wavedrum Mini dann aber nicht mehr all die Feinheiten entlocken (auch wenn man die Empfindlichkeit entsprechend heruntersetzt), die sie zu bieten in der Lage ist.

Bedienfeld
(Bild: Archiv)

Die obere Hälfte des Bedienteils wird von zwei Dingen eingenommen: den in einer Reihe nebeneinander angeordneten Bedienelementen in der Mitte und dem eingebauten Lautsprecher darüber. Letzteres ist neu; man kann die „Mini“ (wie wir sie im Folgenden nennen werden) also auch ohne zusätzlichen Verstärker und Monitor spielen, was sicherlich ein Vorteil ist. Allerdings sollte man vom Lautsprecher keine klanglichen Wunder erwarten, denn er ist wirklich nicht sehr groß und kann aufgrund der physikalischen Gegebenheiten denn auch weder Mörder-Bässe rüberbringen noch von der Gesamtlautstärke her mit einer Band mithalten.

Dennoch klingt er für seine Größe recht ausgewogen und lässt erahnen, was sich klanglich offenbaren wird, wenn man die Mini an eine „ordentliche“ Anlage anschließt. Zum Mitspielen in einer kleinen Unplugged-Combo, für Solo-Darbietungen im kleinen Kreis und vor allem zum Üben reicht er aber durchaus aus. Auch für eine spontane Darbietung in der Öffentlichkeit könnte er hilfreich sein, denn die Mini kann außer mit dem mitgelieferten Netzteil alternativ auch mit sechs AA-Batterien betrieben werden. Der Saft reicht dann je nach Batterietyp und Lautstärke für bis zu 4 Stunden.

Batteriefach
(Bild: Archiv)

Einen besseren Eindruck vom Klang bekommt man dann, wenn man an die Mini einen Kopfhörer anschließt – der interne Lautsprecher wird dann abgeschaltet, sodass auch dem Spielen des Nachts und zu Hause nichts entgegensteht. Der Lautsprecher wird auch dann abgeschaltet, wenn man ein Klinkenkabel in die 6,3-mm-LineOut-Buchse steckt. Dabei wird übrigens auch klar: Die Mini ist nicht stereofon ausgelegt – auch im Kopfhörer bleibt das Signal mono. Die Zahl der Bedienelemente ist gegenüber den großen Geschwistern ebenfalls kleiner, und das ist nicht unbedingt ein Nachteil, denn so lässt sich die Mini auch einfacher als diese bedienen. Das liegt allerdings auch daran, dass es bei der Mini erst gar nicht so viel zu bedienen gibt, denn die insgesamt 100 internen Sounds lassen sich nur bezüglich weniger Parameter ändern.

Die Bedienelemente von links nach rechts sind: zweistelliges Display (je sieben Segmente), vier Taster für Edit, Page-up, Page-down und FX, gefolgt von vier Tastern für den internen Sequenzer/PatternPlayer (Start/Stop, Record, + und Shift) sowie ganz rechts das Volume-Poti, welches gleichzeitig für die Lautstärke-Einstellungen von Lautsprecher, Kopfhörer- und Line-Ausgang zuständig ist. Auf der rechten Seite der Mini befinden sich Anschlüsse für Line-Kabel, Kopfhörer und das mitgelieferte Netzteil inkl. Ein/Aus-Taster.

Anschlüsse und Seitenansicht
(Bild: Archiv)

Startklar ist die Mini zwar wesentlich schneller als ihre Geschwister, trotzdem dauert es ca. 15 Sekunden, bis man ihr den ersten Ton entlocken kann. Wie bei den großen Wavedrums findet man auch hier keine MIDI- oder USB-Buchse, mit denen man Daten zu anderen Geräten schicken oder von ihnen empfangen könnte – die Mini ist also ebenfalls komplett auf sich allein gestellt. Als Zubehör wird noch ein Gurt mitgeliefert, den man durch zwei Schlitze an der Mini schieben kann und mit dessen Hilfe sie sich beispielsweise prima an einem Bein festschnallen lässt. Wer sich die Mini also ans Bein binden möchte … 😉

Wer die Mini lieber auf einem Stativ befestigen würde, sollte auf den von Korg empfohlenen Practice-Pad-Ständer HS30TP von Tama ausweichen, der eigentlich für Übungs-Pads gedacht ist, auf den allerdings auch wunderbar solch kleine Trommeln passen. Schön wäre gewesen, wenn man vielleicht noch ein Gewinde in die Unterseite eingelassen hätte, mit dessen Hilfe sich die Mini auf ein Mikrofon- oder Cymbal-Stativ montieren ließe.

Clip

Auf der linken Seite befindet sich eine Miniklinkenbuchse, die die anderen Wavedrums nicht besitzen. Sie ist mit „Clip“ bezeichnet, und hier kann der mitgelieferte Sensor-Clip angeschlossen werden. Dieser besteht aus einer Klammer inkl. Anschlusskabel, die an einen beliebigen Gegenstand geklemmt werden kann, der sodann als Trigger funktioniert. Der Clip triggert dann einen zweiten Sound in der Mini an und kompensiert so das Fehlen des Rim-Triggers, den die beiden großen Wavedrums besitzen.

Clip
(Bild: Archiv)

Je nach Beschaffenheit des Gegenstandes werden dann andere Sound-Nuancen erzeugt, denn der Clip ist nicht nur ein einfacher Trigger-Pickup, sondern funktioniert so ähnlich wie der Pickup einer Gitarre: Klemmt man ihn also beispielsweise an eine Cowbell an, bekommt der Sound eine metallische Komponente; an einen weicheren Gegenstand geklemmt ändert sich der Sound entsprechend. Den Clip kann man buchstäblich an alles klemmen, was sich nicht wehren kann: an einen Schuh, ein Glas, die Tischplatte, eine Trommel, ein Cymbal, einen Stuhl, die Nase usw. Natürlich kann an sich den Clip auch einfach an einen Finger klemmen und damit auf ein Körperteil oder gar auf die Mini selber tippen – der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.

Ich persönlich hatte viel Spaß mit meinem großen Locher aus Metall, den ich ansonsten nur zur Buchführung benötige. Der Clip ist so gut konfiguriert, dass er tatsächlich an jedem von mir ausprobierten Gegenstand funktionierte und ein brauchbares Trigger-Signal erzeugte, wobei sich die Clip-Empfindlichkeit sowie die Lautstärke des angesteuerten Sounds auf den Edit-Seiten individuell pro Preset feineinstellen lassen.

Edit-Funktionen

Schauen wir uns einmal an, was es so alles zu editieren gibt. Da ist zunächst einmal die Tonhöhe eines aufgerufenen Presets, die sich in Halbtonschritten im Bereich einer kompletten Oktave ändern lässt. Um an diesen und die anderen Parameter heranzukommen, muss man den Edit-Taster ca. 2 Sekunden lang gedrückt halten, dann wechselt die Display-Anzeige von der Programmnummer zu den Edit-Seiten – in diesem Fall zu „G1“ (das „G“ steht hier für „global“). Um die Tonhöhe zu ändern, muss der Shift-Taster gedrückt gehalten werden, und im Display erscheint nun der eingestellte Wert, den man mit den Value-Tastern (Pfeil hoch und runter) verstellen kann – immer noch bei gedrücktem Shift-Taster, denn sonst springt das Display zurück zur Anzeige der Edit-Seite.

Draufsicht
(Bild: Archiv)

Die anderen Edit-Seiten wählt man ebenfalls mit den Value-Tastern an – jetzt natürlich ohne gedrückten Shift-Taster –, und die Werte dieser Seiten werden dann ebenfalls nach dem oben geschilderten Muster geändert. Über den Parameter „G2“ lässt sich bei Sounds, die je nach Anschlagstärke eine andere Tonhöhe erzeugen, eine andere Ton-Skala einstellen – bei anderen Sounds passiert hier dann einfach nichts. Die Parameter „G3“ bis „G7“ sind für verschiedene Pegel zuständig (Pad, Clip, Rhythmus und Lautsprecher), und „G8“ aktiviert eine EnergiesparFunktion, wobei sich die Mini nach ca. 4 Stunden von selbst ausschaltet, wenn in dieser Zeit kein Taster gedrückt wurde. Alle Einstellungen, die man auf den Edit-Seiten tätigt, merkt sich die Mini sofort, ohne dass man hier einen separaten „Save“-Taster drücken müsste.

Das ist einerseits ganz praktisch, aber andererseits kommt man exakt zur Werkseinstellung nur noch zurück, indem man sich diese zuvor notiert (oder die Mini komplett resettet). In Anbetracht der recht überschaubaren Anzahl von Parametern ist dies für mich aber kein Manko. Aufgrund des fehlenden Save-Tasters kann man sich allerdings keine Variante eines Presets auf einen anderen Speicherplatz kopieren, was ich mir hier und da dann doch gewünscht hätte. Weitere Editier-Möglichkeiten für die Basis-Sounds gibt es bei der Mini nicht; man kann also weder an den Algorithmen rumspielen noch andere Samples für den Zweit-Sound eines Presets auswählen.

Dafür gibt es aber zwei Effekte, die umfangreich verändert und wahlweise dazugeschaltet werden können: die sogenannten FX a und b. Für jeden der beiden Effekte hat man die freie Wahl aus zehn Effekten (siehe Profilkasten), die von Standards wie Hall (Reverb) und Echo (Delay) über diverse KombiEffekte (beispielsweise Overdrive plus Flanger oder Reverb plus Phaser) bis hin zu abgedrehten Sachen gehen, wie beispielsweise dem Random Step Filter, der dem Sound zufällige Komponenten hinzumischt. Die beiden Effekte erweitern das Klangspektrum der Mini auf nicht unerhebliche Weise.

Loops & Sequenzer

Wie die großen Wavedrums besitzt auch die Mini eine Auswahl von 100 verschiedenartigster Loops, zu denen man spielen kann, die sich jedoch nicht im Tempo ändern lassen. Die Mini kann aber trotzdem mehr, denn im internen Sequenzer lässt sich das eigene Spiel zusätzlich aufzeichnen. Dabei kann man durch Overdubs immer neue Elemente hinzufügen, und das Beste dabei ist: Die Overdubs können dabei von unterschiedlichen Presets stammen, sodass man damit äußerst abwechslungsreiche und komplexe Patterns erstellen kann, wenn man vor dem nächsten Overdub das Preset wechselt. Ein kleines Manko gibt es dennoch: Die Mini merkt sich die selbstgebastelten Patterns nur temporär – wechselt man zu einem anderen Pattern oder schaltet man die Mini aus, ist das Selbstgespielte verschwunden.

Rückseite
(Bild: Archiv)

Sounds

Die 100 Presets (00 bis 99) bieten einen Querschnitt durch die Sound-Welt von Drums, Percussion und Tuned Percussion. Wie bei den anderen Wavedrums geht das Angebot dabei über relativ normale Sounds (Conga, Udu, Djembe, Cajon, Tabla, Timbale, Kalimba etc.) über extravagante Variationen, die an Naturinstrumente erinnern, aber dennoch einen eigenständigen Charakter haben, bis hin zu sehr außergewöhnlichen Klangkonstruktionen, die zwar synthetisch sind, aber dennoch natürlich anmuten. Dabei ändern sich die Klangkomponenten meist sehr stark in Abhängigkeit von der Anschlagstärke. Nicht nur die Klangfarbe ändert sich, sondern oft auch die Tonhöhe oder sogar der Basis-Sample.

Viele Sounds beinhalten zwei Klang-Komponenten, wobei die zweite erst bei stärkerem Anschlag hinzukommt. In jedem Fall muss man sich sehr genau auf das Verhalten der verschiedenen Presets einstellen und sollte sich erst einmal eine Zeit lang eingrooven, bevor man sich mit einer Performance an die Öffentlichkeit wagt. Bei allem Üben bleibt dennoch immer ein Restrisiko, dass doch ein anderer Sound oder eine andere Tonhöhe erzeugt wird, als man geplant hat, aber das ist andererseits auch ganz reizvoll, weil man dann darauf reagieren kann/muss und/oder zu Dingen inspiriert wird, auf die man sonst vielleicht nicht gekommen wäre. In jedem Fall sind die Sounds sehr geschmackvoll aufbereitet und sehr vielfältig, sodass fast nie der Wunsch aufkommt, Grundlegendes am Klang zu verändern – was ja auch gar nicht geht.

Effekte

Reverb
Multi Tap Delay
Delay + Reverb
Reverb + Phaser
Reverb + Flanger
Pitch Shifter
Random Step Filter
Sweep Modulation Delay + Flanger
Tube OD (Overdrive) + Flanger
Random Step Filter + Delay

Fazit

Die Frage, die sich mir vor dem ersten Ausprobieren der Wavedrum Mini stellte, war: Ist das nun ein Spielzeug oder ein ernstzunehmendes Musikinstrument? Obwohl man aufgrund der Ausmaße, des allgemeinen Erscheinungsbildes und nicht zuletzt des Sensor-Clips, der zunächst wie ein Gimmick wirken mag, vielleicht eher geneigt ist, Ersteres anzunehmen, entpuppt sich die Mini auf den zweiten Blick doch als ausgereiftes Instrument, das weit mehr ist als nur Spielerei.

Die Sound-Auswahl sowie die Abstimmung der internen Effekte sind sehr gelungen; die Spielmöglichkeiten sind zwar gegenüber den großen Wavedrums leicht eingeschränkt, weil es weder einen Rim-Sound noch einen Drucksensor gibt, der durch Drücken der Schlagfläche beispielsweise die Tonhöhe einer Sound-Komponente ändern kann, aber die Möglichkeiten des Clips und des Sequenzers machen dies wieder mehr als wett. Dass die Editiermöglichkeiten gegenüber den großen Wavedrums sehr stark eingeschränkt sind, wird kaum jemanden stören, da das Editieren bei diesen nicht gerade einfach ist und daher wahrscheinlich ohnehin nur selten genutzt wird. Trotzdem ist es auch bei der Mini schade, dass es keinerlei Möglichkeiten gibt, eigene Soundkreationen zusätzlich etwa auf einem USB-Stick oder Rechner zu sichern, damit diese Sounds nach einem Reset nicht völlig verloren sind.

Die Professionalität der Wavedrum Mini wird nicht zuletzt auch durch den Preis unterstrichen, der eindeutig im professionellen Sektor angesiedelt ist. Sie ist auf jeden Fall ein eigenständiges Mitglied der Wavedrum-Familie und nicht nur eine abgespeckte Sparversion, denn die Sounds faszinieren nicht weniger als bei den großen (und vor allem teureren) Wavedrums. Wer also Spaß an ungewöhnlichen Sounds hat, sollte die Wavedrum Mini unbedingt einmal selber ausprobieren.

Produkt: Sticks 11-12/2019
Sticks 11-12/2019
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