Aktive Groove-Box mit Fun Factor

LP Bluetooth Mix Cajon im Test

LP Bluetooth Mix Cajon(Bild: Dieter Stork)

In der Autobranche ist Elektromobilität ein zukunftsweisendes Thema. Selbst im Cajon-Sektor hat das vielversprechende „E“ Einzug gehalten, wenn auch die Idee hier eine ganz anders motivierte Absicht in den Fokus rückt. Schließlich müssen wir Cajon-Spieler uns keine Sorgen machen um Stickoxide und Feinstaubausstoß.

Alles was wir von uns in die Atmosphäre abgeben ist Sound. Und Groove! Vor diesem Hintergrund stellt der elektromobile Gedanke der von LP entwickelten Bluetooth Mix Cajon ein zentrales Thema dar. Hier liegt der Akzent insbesondere auf Mobilität, denn die „Stromkiste“ basiert auf einem autarken System, das sich multifunktional als Cajon, Verstärker und Lautsprecherbox in Personalunion darstellt. Ausgestattet mit einem 40 Watt Amp, Twin- Speakern, einem Zweikanal-Mixer und einer Lithium-Ionen- Stromversorgung bringt die Kiste Musik an jeden Ort.

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Die Band-Kollegen können sich mit Gitarre und Mikrofon einstöpseln. Und damit ist der Cajonero nicht nur Groove- Chef, sondern auch Herr einer Mini-PA. Zudem kann via Bluetooth Musik gestreamt werden, was den Playalong- Spaßfaktor in eine neue Dimension hebt. Also: mal aufsatteln und hören, was die LP Mix Cajon so alles drauf hat!

Die Wood Cajon

Konstruktionstechnisch handelt es sich um ein klassisch anmutendes Cajon-Gehäuse. Jedoch ist der Birkenholz- Body im Vergleich zum traditionellen Maß etwas geduckter und breiter. Vorne ist eine 3ply Birkenholz- Schlagfläche aufgeschraubt, an deren Rückseite zwei festverbaute Snare-Segmente anliegen. Mit diesen Attributen zeigt die Cajon zumindest die Absicht eines Flamencoorientierten Modells. Das war’s aber auch schon, denn die Idee der Bluetooth Mix Cajon steuert in eine ganz andere Richtung und verfolgt nicht unbedingt die Klangästhetik eines akustisch durchdachten Flamenco-Style-Bodys.

Dennoch lässt sich die Cajon kompromisslos spielen und bietet eine gute Divergenz von Bass und Snare-Attack. Der akustische Sound ist insgesamt recht trocken, und auch die Bässe kommen (aus Spielerposition gehört) ein wenig matt daher – wenn auch sehr tief im Grundton. Lauscht man hingegen an der Schalllochseite, so drückt die Kiste mit warmen Tiefen ans Ohr. Crispe Effekte produziert die Cajon am liebsten an den oberen Eckbereichen. Was noch auffällt ist das Gewicht der Sound-Kiste, denn diese bringt gut zehn Kilo auf die Waage. Grund dafür ist das integrierte Sound-System.

Das Elektro-Herz

Mit intern verbautem 40 Watt Amp plus Speakern entpuppt sich die Cajon gleichzeitig als Aktivbox. Die Fusion aus Sound- System und einer echten Akustik-Cajon definiert den Begriff der Mix-Cajon, wobei die Idee einen cleveren Ansatz findet. Hierzu sei ein Blick auf die Rückseite des Bodys gegönnt. Dort findet man das eingelassene Bedienfeld mit allerlei In- und Outputs sowie Klangreglern. Im Prinzip handelt es sich um ein schlichtes Zwei-Kanal-Mischpult, das einen Mikrofoneingang, AUX-In und zwei Line-Ins zur Verfügung stellt. Ergo können sich hier SängerIn, GitarristIn oder welche Band-Kollegen auch immer andocken und die Jam Session kann losgehen. Der integrierte Amp und die Einbau-Speaker sorgen für den verstärkten Sound-Prozess und lautstarkes „Gebläse“ aus der Cajon-Box. Dank der Stromversorgung mittels Lithium-Ionen- Batterie ist man ortsungebunden, so dass einer Jam am Strand, im Garten oder auf dem Matterhorn nichts im Wege steht.

Im Cajon-Gehäuse sind zwei 4 ½” messende 50 Watt Speaker eingelassen (einer rechts, einer links) sowie ein 3 ½” Hochtonhorn (Piezo Driver). Somit sitzt der Cajonplayer regelrecht auf der Mini-PA und kann vorne auf der Schlagfläche seine Drumgrooves spielen, während die Band ihren Sound unter dem Hintern ihres Schlagzeugers ins Freie schiebt.

Musik Streamen via Bluetooth

Es ist wohl die weltweit erste Cajon, die über ein solches Feature verfügt. Das Einloggen in die LP1440-Adresse ist für alle Bluetooth fähigen Geräte (Smartphones, Tablets etc.) unkompliziert. Dabei funktioniert die Datenübertragung bis zu einer Reichweite von 33 Feet – also rund 10 Metern. Die Bluetooth- Idee ist wirklich klasse, denn Dank des integrierten Sound-Systems kann man Musik in die Kiste streamen und parallel zu Songs mitspielen, jammen oder üben. Dabei lässt sich über den Volume-Regler die Lautstärke der Musik anpassen. Auch die Klangabstimmung mittels Low- und High-Potis sorgt für eine grundlegende Angleichung zwischen gestreamter Musik und echt gespielter Cajon.

Alternativ kann über den AUX-In (Mini- Klinke) ein kabelgebundenes Abspielgerät angedockt werden (mp3, CD-Player). Doch die praktikable Bluetooth-Lösung ist ein echter Hit und trägt erheblich zur Erlebniswelt dieser Mix Cajon bei.

LP Bluetooth Mix Cajon hinten
Das eingelassene Bedienfeld auf der Rückseite: Zwei-Kanal-Mischer mit Aux-In, Line-In, Mic-In, Volume-Poti, Low- und High-Regler. Beide Kanäle gehen ins Master Volume. Oben links XLR-Eingang für Line-Signal sowie XLR-Output (summiert alle Eingangssignalelle). Darunter der Anschluss für den Netzbetrieb (Laden der Lithium-Ionen Batterie), On-Off-Schalter sowie Kontrollleuchte des Ladezustands und der Bluetooth-Verbindung. (Bild: Dieter Stork)

Der E-Sound

Man darf hier keine HiFi-Situation erwarten. Schließlich ist eine Cajon in erster Linie als Trommel konzipiert und nicht als berechneter Wohlklangkörper edlen Musikgenusses. Insofern sollte man die Spaß bringenden Vorteile des autarken Soundsystems voranstellen.

Schaltet man den Amp ein und dreht alle Volume-Regler (Kanäle und Master) auf Anschlag, so ist ein leichtes Rauschen wahrnehmbar, was man aber durchaus ignorieren kann, da sowohl der akustische Cajonsound als auch der Sound externer Klangquellen (Stimme, Gitarre) das Zischen überlagern. Zudem wird man eher selten die Lautstärkeregelung auf Vollgas stellen, da Amp und Boxen sich mit unerwartet lautstarker Power präsentieren. Da kommt also ordentlich Kraft aus der Kiste.

Dabei ist die Mikrofonübertragung gar nicht mal so verkehrt. Zwar hat man keine Möglichkeit einer räumlichen Klanggestaltung (Hall), aber mittels High- und Low-Regler lassen sich recht gute Ergebnisse erzielen, um näselnde oder topfige Frequenzen zu umfahren und eine Stimme kraftvoll zu übertragen. Ähnlich gelingt dies auch mit z. B. einer akustischen Gitarre, die sich über die Regler zweckgebunden im Sound formen lässt. Auch beim Streamen von Musik (Bluetooth) werden die Songs kraftvoll über die Speaker transportiert. Hier kann es jedoch passieren, dass die Cajon und ihr technisches Innenleben auf manche Frequenzen allergisch reagiert und je nach Tiefen-, Mitten- oder Höhen-Offensivität ein schnarchiges Rasseln von sich gibt. Daher sollte man sich nicht im oberen Lautstärkenbereich bewegen und mit den Volume-Potis eher im Bereich Medium bis Dreiviertel rangieren. Hier ist auf jeden Fall genug Lautstärkenpotenzial vorhanden, um sich mit kräftigem Cajon-Spiel im Playalong-Mitspielmodus wohlzufühlen.

Spielgefühl

Hier bekommt das Wort Gefühl noch mal eine ganz andere Bedeutung. Denn bei hoher Lautstärke und insbesondere bei tiefen Frequenzen scheint sich der Cajonbody aktiv am Geschehen zu beteiligen, indem er Körpervibrationen aussendet. Das kann der Sängerin oder dem Gitarristen egal sein, aber der Cajon- Spieler sitzt ja nun mal auf der Kiste und empfängt jenes vibrierende Kribbeln, das wie ein Random-Bass-Shaker im Untergrund herumfuhrwerkt. Zum Teil lässt sich dies mittels High- und Low-Regelung eindämmen, was aber auch auf Kosten des Klangs geht. Ein eher beherzter Umgang mit dem Volume-Poti kann Abhilfe schaffen oder man denkt über ein Sitzkissen nach. Es mag ja auch Rock’n’Roll-Cajonplayer geben, die gerade das physisch Aktive mögen. Für diejenigen bringt der Vibrationsalarm den richtigen Kick fürs Live-Feel.

LP Bluetooth Mix Cajon
Auf der linken Cajon-Seite sind ein 50 Watt Speaker (4 ½”) und ein 3 ½” Piezo Driver eingesetzt. Gegenüberliegend befindet sich der zweite 50 Watt Speaker (Bild: Dieter Stork)

Das Spiel auf der akustischen Cajon ist geprägt durch einen guten Grip der Spielfläche, die besonders an den oberen Ecken gute Snare- Aktivitäten zeigt. Abgerundete Ecken gefallen dem Hand-Feel, jedoch hätte man das Holz für meinen Geschmack noch etwas runder arbeiten können. Insgesamt sitzt man etwas tiefer auf dem Body, was aber dem komfortablen Spielgefühl keinen Abbruch tut. Alleine durch das zusätzliche Gewicht der E-Unit sattelt der Body rutschfest auf jeglichem Untergrund.

Das Mitspielen zu gestreamten Songs bringt einen immensen Spaßfaktor. Zudem funktioniert die Lautstärkenangleichung zwischen echtem Cajon und „Playbacks“ problemlos, so dass ein echter Mitspieleffekt entsteht. Dabei integriert sich das etwas verhaltene Klangpotenzial der Akustik-Cajon erstaunlich gut in den Musikkontext, wovon insbesondere Schlagzeug-affine Grooves profitieren. Allem voran markiert auch das echte Band-Spiel den einzigartigen Vorteil dieser Mini-PA-Mix-Cajon.

Fazit

Mal ganz profan gesagt: Eine Cajon ist eine schlichte Holzkiste auf der man trommeln kann. Zumindest war sie das mal in ihrer archaischen Eigenschaft vor rund 500 Jahren. Seit ihrer Wiederentdeckung in den 1970ern und ihrer geradezu explosionsartigen Popularität seit der Jahrtausendwende hat sie vom einstigen „Kartoffelkistendasein“ bis zum heutigen Designer-Luxusobjekt einen ungeahnten Quantensprung vollzogen. Einen deutlichen Beweis hierzu liefert die von LP entwickelte Bluetooth Mix-Cajon. Sie trägt zwar immer noch die Roots ihrer peruanischen und späteren spanischen Flamenco-Vorfahren, stellt aber nicht den Anspruch eines High End Flamenco- Modells, sondern sprengt mit einem integralen System aus autarker Mini-PA und Bluetooth- Konnektivität jeglichen traditionellen Rahmen.

Aber genau das ist auch die Idee dieser mit technischen 10 kg Ballaststoffen geladenen Cajon. Ein integrierter 40-Watt-Amp, Einbau- Speaker und ein Zweikanal-Mixer sind die Komponenten, die den ungeahnten Spaß einer Band-tauglichen Jam-Cajon auf den Plan rufen. SängerIn und GitarristIn können sich ins Cajon einstöpseln und ihren Sound aus der Cajon-Aktiv-Box abfahren. Das Ganze ist über eine Lithium-Ionen- Stromversorgung auch noch autark, so dass eine Band-Session auf dem Roten Platz in Moskau genauso möglich ist wie auf dem Matterhorn oder in der fahrenden Straßenbahn. Hinsichtlich Sound geht die Sache in Ordnung, denn der Spaßfaktor dürfte bei dieser Idee überwiegen. Auch die Bluetooth-Fähigkeit ist ein tolles Feature, weil man Musik streamen und Playalong-mäßig mitspielen kann. Rein akustisch bietet diese „Groove-Kiste“ die Qualitäten einer Schlagzeug-affinen Cajon, die den aufgeräumten Beat liebt. Insgesamt eine klasse Idee und eine Cajon, die einfach nur Spaß machen will.

[caption id="attachment_38890" align="" width="535"]LP Bluetooth Mix Cajon Vollverschraubte 3ply Birkenschlagfläche.
Dahinter zwei fest verbaute Snaresegmente mit 2x 20 Spiralen[/caption]

(Bild: Dieter Stork)

Facts

Hersteller

LP

Herkunftsland

USA

Modell

Bluetooth Mix Cajon LP1440

Cajonbody

Birkensperrholz, 44,5 x 33 x 30 cm (H x B x T), Schlagfläche 3ply Birke (3mm), integrierte Snares 2x 20spiralig

Erhältliche Finishes

Natural, Tobacco Burst

E-Ausstattung

  • eingebauter Amp, 40 Watt (AC Power), 36 Watt (Batteriebetrieb)
  • Zweikanal-Mischer (EQ & Volume Control), vier Eingänge (Mic, 2x Line, Aux), Mic-In mit 9V-Phantomspeisung
  • 2x 50 Watt 4 ½” Speaker, 1x Hochfrequenz Horn 3 ½”
  • aufladbare Lithium-Ionen Batterie mit 8 bis 10 Stunden Leistungsdauer, Netzkabel
  • Bluetooth Musik-Streaming (kompatibel mit allen gängigen Smartphones, Tablets, PCs)

Gesamtgewicht

10,9 kg

Internet

lpmusic.com

Preis (UvP)

€ 519,–


(aus STICKS 01/2019)

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