Drums mit X-Faktor

Ludwig Epic X-over Powerdrive Drums im Test

Der amerikanische Hersteller Ludwig bietet im mittleren Preissegment die Drums der „Epic X-Over“-Serie mit Hybridkesseln aus Walnuss und Pappel an. Hiermit wendet man sich vornehmlich an den „Working Drummer“ – einem viel spielenden Musiker, der vornehmlich ein gut klingendes, robustes und zuverlässiges Instrument sucht.

Drumkit

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Für alle Drummer, die viel unterwegs sind, hat der amerikanische Hersteller Ludwig ein Drumset der Mittelklasse neu im Programm: das Epic X-Over Powerdrive. Dessen Hybridkessel aus Walnuss und Pappel sind ein robuster Wegbegleiter, der v.a. im Rockbereich auch noch einen satten Klang und Spitzensound liefert. Wir hatten das Shell-Set im Test.

Die Shell-Sets „Groover“ mit 20″ Bassdrum, „Powerdrive“ mit 22″ Bassdrum und „Arena“ mit 24″ Bassdrum sowie „Jazzette“ sind die vier in dieser Serie erhältlichen und auf das Wesentliche fokussierten Drumsets, wobei das „Jazzette“-Set eine Sonderstellung aufgrund der leicht veränderten Konstruktion einnimmt (siehe Test in STICKS 11:2009). Aus diesem Angebot an Shell-Sets und den zusätzlich erhältlichen Trommeln 14″ x 13″ Floor-Tom sowie 10″ x 7,5″ Tom lassen sich also entsprechende Drumsets konfigurieren. Eine straff gestaltete Angelegenheit also, die durch das Angebot an nur drei verschieden lackierten Oberflächen auch übersichtlich bleibt.

Vom Ludwig-Vertrieb Fentex erhielten wir das „Powerdrive“-Set mit mächtiger 22″ x 20″ Bassdrum im schmucken „Red Burst“-Finish. Doch warum eigentlich dieser Test? Schließlich wurde doch schon das „Jazzette“ getestet? Ganz einfach: Die Kesselkonstruktion besteht hier aus nur zwei statt der drei Hölzer des „Jazzette“, und es wurden auch keine unterschiedlichen Hölzer zu einer Furnierlage kombiniert. Also schauen und hören wir mal, wie denn nun ein „normales“ Ludwig Epic X-Over so tönt.

Konstruktion

Ludwig verwendet hier eine Sandwichkonstruktion aus zwei inneren und äußeren Lagen Walnuss und einem Kern aus Pappel. Das ergibt einen ca. 6 mm starken Kessel, der an den Rändern mit einem ca. 2,5 mm starken Verstärkungsring aus Birke ausgestattet ist. Diese wurden sorgsam und formschlüssig eingepasst. Bei unserem Test-Set präsentieren sich die Innenseiten mit sehr intensiv gemaserten und dunkel bis hellbraun changierenden Farbtönen. Die Kesselnähte verlaufen gerade zur Kesselsäule und sind recht ordentlich auf Stoß aneinandergesetzt. Bei den Wandstärken und Durchmessern pflegt man nach wie vor eine großzügige „amerikanische Toleranz“ trotz Taiwanesischer Fertigung.

Aber man übertreibt es auch nicht, so liegt die Toleranz im Durchmesser nicht über 2 mm, und dank vernünftiger Unterdimensionierung der Kessel kann jedwede Art von Fell freischwimmend aufliegen. Die schmale und doch leicht verrundete Auflagekante der um ca. 40 Grad nach innen abgeschrägten Gratung ist auf der dritten Kessellage von außen platziert. Alle Gratungen sind ordentlich plan ausgeführt, in diesem wichtigen technischen Detail legt man große Sorgfalt an den Tag. Auch die Snarebeds sind sehr sauber gearbeitet, mit einer Weite von ca. 17 cm und ca. 2,3 mm Tiefe wird hier ein typisches Standardmaß umgesetzt, und die leichte Verbreiterung der Auflagekante entspricht ebenfalls üblichem Industriestandard.

Die Holzverarbeitung geht also vollkommen in Ordnung. Die Lackierung ist einwandfrei ausgefallen, und wer glänzende „Sunburst“-Lackierungen mag, bekommt hier ordentlich was geboten: Die Maserung scheint unter dem rötlich schimmernden Teil der Kesselmitte besonders schön hervor, und so hat das Set im entsprechend gestalteten Showlicht auch die entsprechende Eleganz. Die Verchromung der Kessel-Hardware ist gut ausgeführt, und die kleinen „Classic Micro Lugs“ (Spannböckchen) lassen viel von der schön lackierten Kesseloberfläche übrig. Das Floor-Tom besitzt übrigens Böckchen im „Keystone“-Design, und sie sehen nicht nur schmuck aus, sie halten die Beine auch sehr gut in Position. Da fehlen doch glatt noch die Memory-Klammern, und schon wäre alles perfekt. Eine gibt es davon beim Tom-Halter für den L-Arm, und der greift natürlich auch wieder in eine „Keystone Style“- Aufnahme am Tom-Haltesystem „Vibra Band“.

Stimmschrauben und Gewindehülsen präsentieren sich mit 1A laufenden Gewinden, und den mit Metallunterlegscheiben bestückten Stimmschrauben bieten sich auch plane Auflageflächen an den ca. 2,1 mm starken Spannreifen. Zumindest bei der Snaredrum sollte man noch zusätzliche Kunststoffunterlegscheiben verwenden, damit sie sich nicht so leicht verstimmt. Die Bassdrum ist mit soliden Klauen aus Guss ausgestattet, das sieht nicht nur hochwertig aus, damit kann man auch sehr exakt stimmen. Die Stimmstabilität geht bei normalen Stimmungen durchaus in Ordnung, aber da dieser U-Bahn-Tunnel von Bassdrum auch sehr tiefe Stimmungen ermöglicht, kann sich hier aufgrund der Resonanz schon einmal etwas losrappeln. Die gemeine Kunststoffunterlegscheibe hilft, das zu vermeiden.

Snaredrum

Sound

In diesen Genuss eines mächtigen Ultra-Low-End kommt man übrigens mit der werksseitigen Fellkombination nur in Ansätzen, denn die ist zwar prima für knackige Metall-Sounds aufgrund der Fokussierung auf den Attack, doch erst der Einsatz höherwertiger, speziellerer Felle von z. B. Evans, Remo oder Aquarian wirkt Wunder. Damit wird der 22″ x 20″ Bassdrum der trockene Charakter im Sustain etwas genommen, und sie gewinnt einen äußerst fetten Anteil im Bass. Das schiebt dann kurz und mächtig los. Gerade die bei modernen Produktionen so gerne künstlich generierten Bassdrum-Tiefen können mit dieser Bassdrum in Ansätzen schon akustisch geboten werden.

Da das Instrument dann immer noch einen respektablen Kick im Attack aufweisen kann, ist „Powerdrive“ hier sicherlich eine passende Bezeichnung. Ganz offensichtlich ist die Konstruktion aus Walnuss und Pappel für diese fetten Bässe verantwortlich, denn Tom und Floor-Tom wirken auch bei einer eher hohen, offenen Stimmung immer noch recht satt. Bei einer eher tief angelegten Stimmung bleibt erfreulicherweise das Sustain sauber und transparent, so dass man hier eine Vielzahl an sehr satten, mächtigen Klangvarianten umsetzen kann. Der Attack ist dabei stärker in den Gesamtklang integriert, so dass man für einen konkreten Anschlagsklang – z. B. für Prog-Rock oder Fusion – eher auf transparente Felle setzen sollte.

Die Snaredrum ist eigentlich ein guter Allrounder mit einem mächtigen Wumms im Sustain – sofern man Resonanzfell und Snareteppich gegen höherwertige Produkte austauscht. Auch eine solide Schnur-Befestigung (statt Plastikband) des Snareteppichs hilft, die Ansprache auch bei etwas kritischen, tieferen Stimmungen zu verbessern. Die Folie des Resonanzfells ist etwas zu steif für eine gute Ansprache, was ein wenig verwunderlich ist, denn der Rest der werkseitigen Fellbestückung funktioniert als Basisausstattung erst einmal ganz ordentlich. Mit einen entsprechend guten Resonanzfell geht diese Trommel jedenfalls richtig auf und präsentiert sich mit einem fein singenden Oberton.

Viel Dämpfen muss man hier nicht, einfach etwas tiefer stimmen reicht für einen richtig schön patschig-fetten Attack aus. Die Bässe im Sustain machen sich mit einem kurzen Pumpen bemerkbar, und man hat richtig Spaß daran, hier mal voll Karacho mit dem umgedrehten Stock in die Mitte zu halten. Das nenne ich mal einen veritablen Power-Balladen-Klang.

Profil

Fazit

Mit „Working Drummer“ bezeichnet man im einen Musiker mit viel Beschäftigung und einem gewissem Anspruch an Klang und Performance des Sets. Diesen Anspruch kann das Ludwig Epic X-Over Drums locker erfüllen. Die Kombination aus Walnuss und Pappel ist eine gute Wahl für einen mächtig satten und fetten Klangcharakter, der zudem auch noch deutliche Attack-Sounds aufweisen kann. Jedenfalls funktioniert das „Powerdrive“-Set sehr gut für Rockmusik und hat seine Stärken in einem soliden Pfund im Bassbereich. Was schon direkt aus dem Karton heraus gut funktioniert sind Bassdrum und Toms, die Snaredrum muss man einfach mit besserem Snareteppich und Resonanzfell belohnen und hat für einen minimalen finanziellen Mehraufwand ein Drumset, mit dem man bezüglich Sound und Robustheit jedem Gig absolut gelassen entgegensehen und ordentlich abrocken kann.

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