Alles anders: neue Namen, neue Hardware, neue Kessel, neue Sounds!

Mapex Black Panther/Velvet Tone und Cherry Bomb im Test

„Geben Sie dem Kind bitte einen Namen!“ Endlich tragen die Black Panther Snaredrums des chinesischen erstellers Mapex wieder richtige Namen statt einer nüchternen Zahlen/Buchstaben-Kombination. Und auch ansonsten ließ Mapex bei der Gestaltung des Programms an insgesamt 14 neuen Black Panther Snaredrums viel Phantasie walten.

Mapex Black Panther; Velvet Tone und Cherry Bomb_06

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Cherry Bomb und Velvet Tone sind die ersten beiden Modelle, die uns der deutsche Vertrieb M&T zum Praxistest bereitstellte, und die klangvollen Namen schüren schon die Erwartungshaltung, zumal neue Features und interessante Kesselkonstruktionen das Gebot der Stunde sind. Diese Snaredrums können unterschiedlicher nicht sein, und das liegt nicht nur an der Optik und den Dimension.

VELVET TONE

Die Velvet Tone besitzt einen soliden Hybridkessel aus Ahorn und Walnuss. Außen sind es drei Lagen Ahorn, und die äußerste Lage zeigt ein wunderschön gemasertes „Burl Maple“-Furnier der Extraklasse. Da passt das transparente „Two Tone Sunburst“-Finish und lässt viel von der schicken Maserung auf dem immerhin nur 5,5″ hohen Kessel erkennen. Der transparente Klarlack verleiht dezenten Glanz, also ist man weit von konservativer Schleiflack-Optik entfernt. Den Kern bilden vier Lagen Walnuss, gefolgt von inneren zwei Lagen Ahorn. Die Innenseite ist unbehandelt, und Mapex verwendet hier zwar kein Burl Maple, doch auch das „normale“ Ahorn zeigt eine schöne Struktur und dass ordentlich selektiertes Holz verbaut wird. Gut so!

In der Kesselmitte zeichnen sich die vier Lagen des dunklen Walnussholzes ab und die scharf geschnittenen Gratungen wurden mit ordentlichen Werkzeugen hergestellt. Da gibt es nix zu meckern, der Kessel steht perfekt plan mit seiner spitzen Gratung auf. Die Snarebeds zeigen einen sanften Verlauf und können sowohl mit schmalen werkseitigen Snareteppichen wie auch extrem breiten 42-spiraligen Snareteppichen genutzt werden. Die gemessene Toleranz im Durchmesser liegt unter einem Millimeter, bei einem insgesamt sehr gut unterdimensionierten Kessel. Der Kessel der Velvet Tone ist exzellent verarbeitet und auch optisch eine Augenweide, wenn man die natürliche Maserung von Holz in Kombination mit Sunburst-Lackierungen zu schätzen weiß.

Detailansicht

VELVET TONE SOUND

Vom ersten Moment an überzeugt das Instrument mit einer superben Dynamik und exzellenten Snareteppich-Ansprache. Selbst auf einer „Flüsterlautstärke“ angespielt bildet sie jede Note sauber ab und liefert tatsächlich einen klar erkennbaren Attack und sogar auch einen warmen Kesselton. Es steht also von Beginn an das volle Klangpotential zur Verfügung, da bleibt man selber – wie z. B. bei der Hochkultur im Theater – ehrfürchtig leise und lauscht dem Geschehen. Ausgehend von diesem Extrem will ich wissen, wo die Grenze ist und werde erneut positiv überrascht: Selbst bei kräftigster Hardrock-Art fängt das Instrument nicht an zu komprimieren und verändert den Basisklang kaum, sie wird einfach ab einer extremen Anschlagsart nicht mehr lauter, behält aber den relativ weichen Charakter im Sustain und präzisen Attack mit geschmeidigen Obertönen.

Selbst bei Rimshots entstehen keine harten, nervigen Obertöne, und trotzdem ist die Trommel einfach immer präsent, die Projektion ist erstklassig. Ungedämpft ist der Klang sehr offen und weich, mit leicht singenden Obertönen. Hier zeigt sich bei Rimshots eine Qualität des neuen „Sonic Saver“-Spannreifens (siehe Hardware-Features), der etwas entschärfte Höhen bietet. So hat man mehr vom warmen, holzig-weichen Klang des Kessels im Sustain und auch der transparente, relativ weiche und doch prägnante Attack überzeugt. Einen solch präzisen Klang mit sauberem Frequenzgang hat man sonst nur bei exzellent gefertigten „Solid Shells“ zur Verfügung. „Radio King“ ist hier ein passendes Stichwort, wenn auch der Klang der Velvet Tone noch etwas weicher ist, was sich hier auf den Hybrid-Kessel aus Ahorn und Walnuss zurückführen lässt. Braucht man da eigentlich noch Varianten zu diesem charaktervollen Klang?

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Eigentlich nicht, aber auch das ist innerhalb der vorgegebenen Klangparameter möglich. Diese Snaredrum lässt sich etwas tiefer für R’n’B-Stile der 60er/70er-Jahre anlegen, kann aber auch holzig-trocken und funky in höherer Stimmung über die Rampe kommen. Bei geschickter Auswahl an vorgedämpften Fellen und ansonsten ungedämpft gespielt, ist das beschriebene Singen weniger stark ausgeprägt und es steht somit auch ein moderner Popsound zur Verfügung, den man ohne den Charakter zu verlieren in der dominanten Tonhöhe prima ein wenig nach oben oder unten verschieben kann, je nach dem was besser zum jeweiligen Song passt.

CHERRY BOMB

Bevor es um die neue Hardware geht, widmen wir uns erst mal dem dünnen Kessel der Cherry Bomb Snaredrum. Der dünne Kessel aus Kirsche steht in der Verarbeitungsqualität dem der Velvet Tone in nichts nach. Auch hier ist die Innenseite unbehandelt und zeigt sich von der besten Seite. Das recht dunkle Holz präsentiert eine gleichmäßige Maserungsstruktur. Mit der unterstützenden rötlichen Beize ist es Mapex gelungen, in ein doch relativ antiquiert wirkendes Finish neues Leben einzuhauchen. Das hat jedenfalls gut geklappt. Auch technisch kann man von einer gelungenen Kesselkonstruktion sprechen, denn es wurden präzise und scharf geschnittene Gratungen ebenso sorgfältig umgesetzt wie erstklassige Snarebeds. Die Toleranz im Durchmesser ist hier etwas höher, was aber bei einem so dünnen Kessel vorkommen kann. Dank der guten Unterdimensionierung kann man eine Toleranz von über 1,5 mm für eine immer noch freie Fellauflage locker verkraften.

CHERRY BOMB SOUND

Die Idee, einen dünnen Kessel für eine 13″ x 5,5″ Snaredrum zu verwenden, ist schon prima, denn allein aufgrund der Dimension dürften ja schon knackige Attacks zu erwarten sein, aber meist fehlt dann doch etwas der satte Kesselton. Und der ist bei der Cherry Bomb dank des dünnen Kessels vorhanden, denn da entwickelt sich eine gesunde Tiefe im Klang, die von kompakten Tiefmitten geprägt wird. Ausgehend von einer mittel-hohen Stimmung der werkseitigen Fellkombination, entsteht ein heller und prägnanter Attack wenn die Snaredrum im Center angespielt wird. Nur 1″ weniger im Durchmesser ist keine große Sache, sollte man meinen, aber kleine Ursache, große Wirkung: Der Attack ist im Klangbild vordergründig und präsent, typisch für eine 13″ Snaredrum.

Detailansicht

Spielt man die Trommel leicht Off Center an, entsteht ein feines Singen in den Obertönen, das man sich für funky greasy New Orleans Patterns gut zu Nutze machen kann. Dass dieser Ton beim Rimshot-Spiel auch sauber schwingt, dazu trägt hier wieder der neue „Sonic Saver“-Spannreifen bei. Die Dynamik ist auch bei diesem Instrument sehr gut, doch es macht viel mehr Spaß, diese Trommel eher etwas höher gestimmt und knackiger zu spielen. Der kurze Attack, der recht knallig daherkommt, aber nicht „schädelspaltend“ wirkt, lässt sie sehr funky und kernig wirken, und dazu entsteht ein gut ausgeprägter Kesselton, der hier dem dünnen Kessel aus Kirsche geschuldet ist. Der sorgt dafür, dass der Tiefmittenbereich nicht schwammig wird und ganz einfach genau die richtige Menge an Druck entsteht.

NEUE HARDWARE FEATURES

Beide Snaredrums haben eine neu gestaltete Snareteppich-Abhebung, die nach dem Gladstone-Style funktioniert, also gegen den Kessel geklappt wird. Ein Gummidämpfer sorgt für geräuschloses An/Abschalten. Die Hebelmechanik ist so ausgelegt, dass sie über einen Todpunkt klappt und sich auch bei heftiger Spielweise nicht von selbst abschaltet. Man sieht hier schon, dass Mapex sich genau bei den Mitbewerbern umgeschaut hat, und so wundert es dann nicht, dass der Hebemechanismus über einen Zylinder funktioniert, die Justierung in dem Zylinder vonstattengeht und natürlich eine feine Kunststoffrastung auf beiden Seiten der Abhebung für eine ordentliche Sicherung der eingestellten Spannung sorgt. Neue Spannreifen mit nach innen eingedrehter Auftreff-Fläche sind gerade schwer im Kommen, und auch Mapex bietet dies nun mit den neuen „Sonic Saver“-Spannreifen an.

Entscheidend ist hier allerdings nicht, ob nun der Flansch nach innen oder außen gedreht wird – nach innen gerichtet ist der aktuellen Mode geschuldet – viel interessanter ist es, dass hier eine verrundete, ca. 7 mm breite Auftreff-Fläche geschaffen wird, die nicht nur die Sticks etwa mehr schont, sondern auch klanglich deutlichen Einfluss nimmt. Natürlich hat auch die sanfte Biegung des Metalls einen gewissen Einfluss auf den Eigenklang des Spannreifens. Die technische Verarbeitung dieser verschweißten Spannreifen ist einwandfrei und auch die Verchromung stimmt. Einen edlen Touch bekommt das Ganze noch durch die Gravur von „Mapex“-Logo und „Sonic Saver“-Schriftzug. Zwei neue Böckchen-Designs stehen für die diversen Mapex Black Panther Snaredrum-Modelle zur Verfügung: Die Cherry Bomb trägt die nun etwas filigraner gestalteten Tube Lugs, die mit Kunststoffunterlegscheiben am Kessel isoliert angebracht sind.

Die Velvet Tone repräsentiert die neuen Einzelspannböckchen, die auf Grund der strukturierten Oberfläche und Formgebung irgendwie an eine Speerspitze erinnern. Die Qualität der Gewindehülsen dieser Böckchen ist in beiden Fällen ausgezeichnet, wie auch das der Gewinde der Stimmschrauben. Durch die guten Auflageflächen für die Stimmschraubenköpfe auf den Spannreifen sowie die Kunststoffunterlegscheiben lassen sich beide Instrumente leicht stimmen und ein hohe Stimmstabilität ist gewährleistet.

Profil

FAZIT

Velvet Tone und Cherry Bomb sind die passenden Namen für diese neue Mapex Black Panther Snaredrums. Der sanfte Obertoncharakter und die unaufdringlichen Mitten gepaart mit der außergewöhnlichen Dynamik bestimmen den Charakter der Velvet Tone Snaredrum. Das dabei dann in jeder Spieldynamik auch immer die Projektion stimmt, ist ein seltener Fakt und zeichnet dieses Instrument aus. Da freuen sich die eleganten Groover und wer gerne subtile Ghost Notes gepaart mit fetten Backbeats oder filigrane funky New Orleans Pattern in sein Spiel einbaut, wird die Präzision, den Ton und die Dynamik dieser Snaredrum besonders schätzen. Letzteres trifft auch auf die Cherry Bomb Snaredrum in erhöhtem Maße zu, die sowohl den typisch knackigen Attack einer 13″ Snaredrum bietet, dabei aber nicht hart wirkt, sondern einen soliden Kesselton liefert. Dafür sorgt der dünne Kessel aus Kirsche, der hier den druckvollen Body bereitstellt. Die Verarbeitungsqualität ist bei Mapex auf einem konstant hohem Niveau und auch gestalterisch beweist man bei den Black Panther Snaredrum-Modellen mit den neuen Hardware-Features, Kesselkonstruktionen und Lackierungen dass auch chinesische Instrumente durchaus einen eigenen „Spirit“ haben können.

 

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