Produkt: Sticks 09-10/2019
Sticks 09-10/2019
FREDERIC MICHEL – Modern Pop Drummer +++ YOUTUBE-STARS: Sina Drums; COOP3RDRUMM3R +++ Rockin‘ 1000 +++ Studium an der POPAKADEMIE +++ ZULTAN Heritage Cymbals +++ PEARL Masters Maple/Gum Drums +++ ROGERS Dyna-Sonic Wood Snaredrums
Fette Sounds aus flachen Toms

Mapex Meridian Birch Limited Edition

Die Drums der „Meridian“-Serie bilden seit 2009 die Mittelklasse im Programm des chinesischen Herstellers Mapex. Dabei handelt es sich um Instrumente mit solider Verarbeitung und hohem Klangpotenzial, zumal hier die Wahl zwischen Ahorn- und Birken-Kesseln besteht und somit zwei verschiedene Grundklangcharakteristiken angeboten werden. Als Sonderauflage bietet Mapex in Deutschland nun auch eine Setkonfiguration der Meridian Birch Drums mit verkürzten Toms an.

Drum-Kit

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Aus China kommt schon lange nicht mehr nur Billigware, wie der Hersteller Mapex mit seiner in der Mittelklasse angesiedelten „Meridian“-Serie beweist. Diese gibt es wahlweise mit Ahorn- oder Birken-Kesseln, und jetzt auch in letzterer Variante in einer Sonderauflage mit verkürzten Toms – als Meridian Birch Limited Edition. Das erzeugt einen gewissen Extra-Punch im Attack und satte Bässe im Sustain, wie unser Videotest beweist.

Konstruktion

Die „Birch“-Linie unterschiedet sich von der „Maple“-Linie der „Meridan“-Drums nicht nur durch das verwendete Holz, hier setzt man auch für alle Instrumente (Bassdrums, Snaredrums, Toms) auf eine einheitliche Kesselkonstruktion aus sechs Lagen Birke mit ca. 7,2 mm Wandstärke. Unser Testobjekt präsentiert sich mit einer ausgezeichneten Fertigungsqualität. Dank der äußerst geringen Fertigungstoleranz in den Kesseldurchmessern sowie sauber platzierten und geschnittenen Gratungen mit leicht verrundeter Auflagekante und präzise aneinander gesetzten Nähten darf man also im besten Sinne von einem hohen industriellen Fertigungsstandard sprechen.

Erwähnenswert ist hier die feine Qualität der Birke, die sich auf den Innenseiten zeigt. So etwas kann man im Internet nur schwerlich beurteilen, beim Fachhändler kann man aber eben genau diese Dinge auch mal in Augenschein nehmen. Da ist es fast schon schade, dass die sehr gut ausgeführte Lackierung (hier in „Transparent Cherry Red“) die Holzqualität auf der Außenseite etwas „verschleiert“. Die Kessel sind jedenfalls in jeder Hinsicht von hoher Qualität und bieten eine prima Basis für gute Sounds.

Sounds

Dass Kessel aus Birke in der Regel einen satten, tiefen Bass generieren und einen ordentlichen Punch im Attack aufweisen, allerdings in den oberen Mitten etwas „dezenter“ sind, ist sicherlich bekannt. Was macht dann also den Reiz an extrem verkürzten Toms in Kombination mit diesen Kesseln aus? Es ist genau dieser auch bei hoher Stimmung immer noch satt über die Rampe kommende Attack der kurzen 10″ x 5,5 ” und 12″ x 6″ Toms. Würde man dies mit den Tom-Varianten der Meridian-Maple-Drums versuchen, würde man einen sehr knalligen, fast schon Timbale-mäßigen Sound erhalten, der dazu auch die entsprechende Härte und Schärfe in den Obertönen produziert. Und genau dieser Bereich ist bei den Toms des Meridian Birch deutlich entschärft.

Das funktioniert schon mit der werkseitigen Fellkombination recht gut – diese ist auch recht haltbar und geht somit als Grundausstattung durchaus in Ordnung –, doch das vollständige Klangpotenzial lässt sich mit höherwertigen Fellen ähnlicher Konstruktion noch viel deutlicher darstellen. Mit z. B. Remo Ambassador clear oder Evans G1 clear lassen sich in hoher Stimmung sehr knackige, kurze und leicht singende Tom-Sounds abrufen, die im Attack zudem einen gewissen Punch besitzen. Mit einlagigen Fellkombinationen lässt sich zudem auch das andere Extrem, also eine sehr tiefe Stimmung, umsetzen. Da ist man dann schon erstaunt, welch langes Sustain diese kurzen Toms produzieren können.

Die Interaktion zwischen den Fellen ist im Vergleich zu tieferen Toms natürlich auch schneller, und auch der I.T.S. (Isolated Tom Mount) trägt dazu bei, dies noch zu unterstützen. Subjektiv mag man auch eine gewisse Tiefe im Sustain feststellen, doch haben diese Toms natürlich nicht den Bauch eines z. B. 12″ x 8″ oder 12″ x 9″ Toms. Gerade das macht aber den Reiz aus, denn der klangliche „Bauch“ der kurzen Toms befindet sich hier im oberen Bereich der Tiefmitten und ist dabei schön kurz und sehr transparent. In Kombination mit der sehr schnellen, direkten Ansprache der Toms und der respektablen Dynamik hat man also eine Menge an klanglichen Möglichkeiten zur Verfügung.

Tom auf dem Kopf

Diese kann man natürlich durch geschickte Fellauswahl und Stimmung/Dämpfung noch weiter variieren, aber die oben beschriebenen Parameter bleiben immer als Charakter erhalten. Die Floor-Toms sind ebenfalls verkürzt und daher auch etwas transparenter im Bassbereich als Floor-Toms mit konventionellen Kesselmaßen, doch man erhält immer noch einen deutlichen Kontrast zu den kurzen Toms. Auch dies macht den klanglichen Reiz der Sonderedition des Mapex Meridian Birch Drumsets aus. Bassdrum und Snaredrum erweisen sich als solide Allrounder mit bekannten charakteristischen Klangeigenschaften. Auch wenn die Bassdrum nur mit acht Stimmschrauben pro Fellseite ausgestattet ist, lässt sich mit den soliden Holzspannreifen eine ordentliche, gleichmäßige und vor allem tiefe Stimmung hinbekommen.

Mit etwas Dämpfung und einem ca. 5″ Luftausgleichsloch im Frontfell entsteht ein fetter und druckvoller Sound mit sattem Punch (oder eben etwas knackigerem Attack, wenn man die Holz- oder Kunststoffseite des Tri-Tonal-Beaters benutzt). Für ordentliche Stimmstabilität bei tiefen Stimmungen sorgen hier auch maßgeblich die Gummiunterlagen an den Bassdrum-Klauen. Die Snaredrum trübt ein wenig den Gesamtspaß am Klang des Instruments, was aber lediglich auf das Konto der werkseitigen Ausstattung geht. Die Felle sind nun einmal nicht die erste Sahne, da die Folien etwas zu steif sind, und der eigentlich vernünftige Snareteppich ist mit einem recht starren Plastikband angeschlagen, so dass er die eh schon eingeschränkte Bewegungsfreiheit der Felle noch zusätzlich behindert. Auch mit dieser Ausstattung kann man zumindest ein, zwei passable Sounds kreieren, aber leichtes Spiel hat man damit nicht.

Die Lösung ist simpel: Höherwertige Felle verwenden und den Snareteppich mittels Schnur befestigen – und schon geht klanglich gesehen „die Sonne auf“: Es bietet sich eine präzise Snareteppich-Ansprache und eine ordentliche Dynamik, so dass man nicht nur „laut und leise“ spielen kann, es lassen sich auch verschiedene Sounds durch geschickte Wahl der Spielposition generieren. Auch offene Stimmungen funktionieren dann sehr ordentlich mit sauberem Sustain und hellem, feinen Attack. Dass dieser nicht zu dominant wird, dafür sorgen die nur 1,6 mm dünnen Spannreifen. Trotz der nur acht Stimmschrauben kann man hier recht präzise Stimmen, für einige speziellere Tunings hätte ich mir zwar doch einfach die zwei Stimmschrauben mehr gewünscht, aber man kann sicherlich auch damit leben.

Hardware

Als 2009 die Mapex Meridian-Serie präsentiert wurde, gab es dazu auch die neue Hardware der Serie 700, die wir ja ausführlich im Test der STICKS-Ausgabe 04:2009 beschrieben haben, daher hier nur einmal die relevanten Features: Der Schrägsteller der Cymbal-Stative ist stufenlos verstellbar und wird über einen soliden Hebel bedient. Dieser klemmt den Schrägsteller zwischen zwei Scheiben bombensicher ein. Die Stative sind zweifach ausziehbar und mit Memory-Klammern ausgestattet. Zudem wurden in Anlehnung an die OS Cymbal Accentuators aus Gummi die neuen Cymbal-Filze der Serie 700 geschaffen, die hier die Möglichkeit bieten, die Cymbals wahlweise zwischen Filz oder Gummi zu befestigen. Eingesetzt wird dies sowohl für die Cymbal-Stative als auch für die Kupplung der Hi-Hat-Maschine. Die H 700 Hi-Hat-Maschine und auch das P700 Bassdrum-Pedal entsprechen einem ordentlichen Standard und bieten prima Laufeigenschaften. Nette Features wie z. B. die auf dem zentralen Rohr der Hi-Hat einstellbare Federspannung, eine drehbare Dreibeinbasis oder der „Tri Tonal“- Schlägel des Bassdrum-Pedals verstärken den insgesamt guten Eindruck des kompletten Drumsets.

Profil

Fazit

Konsequent setzt Mapex mit den Meridian-Birch-Drums eine alternative Klangwelt zu den Meridian-Maple-Drums um. Nicht nur das Material der Kessel ist anders, sondern auch deren Konstruktion, und plakativer als bei diesen Set-Konfigurationen können die Klangunterschiede nicht sein. Mit den Meridian-Birch-Drums stellt man den gewissen Extra-Punch im Attack und satte Bässe im Sustain in den Vordergrund, ein Klangverhalten, das man nun einmal mit Birkenholzkesseln assoziiert. Interessanterweise hat diese getestete Drumset-Sonderedition mit ihren stark verkürzten Toms gerade dadurch an Reiz gewonnen. Die ordentliche Ausstattung mit Hardware der 700er Serie, die rundum gute Verarbeitung der Birken-Kessel und das Klangpotenzial, das sich durch einige Updates bei der Fellauswahl noch besser ausschöpfen lässt, sind überzeugende Gründe, sich die Mapex Meridian-Birch-Drums einmal genauer anzuhören.

 

Produkt: Sticks 11-12/2019
Sticks 11-12/2019
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