Cojones für de Hi-Fi-Sound

Meinl M Serie Heavy Cymbals im Test

Die Meinl M Series Cymbals haben uns schon bei der Präsentation zu den Musikmessen im Jahr 2010 begeistert, denn die Kombination aus modernster, computergestützter Fertigung und klassischer B20-Bronze hat ihren speziellen Reiz. Traditionellen Klängen einen Schuss modernen Hi-Fi-Sound einzuhauchen und somit einen neuen Klangcharakter zu formen funktioniert erstaunlich gut.

Meinl-M-Serie-Heavy-Cymbals
(Bild: Archiv)

 

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Mit den damals vorgestellten Cymbals der „Medium“-Kategorie kann man bei einer relativ moderaten bis mittellauten Spielweise so ziemlich alles an zeitgemäßen Pop/Rock-Musikstilen wie auch klassischem Blues, Soul und R’n’B bedienen. Doch wer auch mal etwas kräftiger hinlangen wollte, wurde im Programm nicht fündig und musste traurig in die Röhre gucken. Das hatte mit der Musikmesse 2011 in Frankfurt ein Ende, denn insgesamt wurden sieben Ergänzungen bei den Meinl M Series Cymbals vorgestellt. Erfreulicherweise können wir jetzt die 14″ Heavy Hi-Hat, 16″ und 18″ Heavy Crash und ein 20″ Heavy Ride in diesem Praxistest vorstellen.

Fertigung

Was die Art und Weise der Herstellung angeht, so möchte ich hier auf den Testbericht in STICKS 10:2010 und den Report in STICKS 08:2010 für alle relevanten Details verweisen. Interessant ist, dass unsere aktuellen Testkandidaten wieder das leicht seidenmatt glänzende Traditional Finish tragen und dadurch diese besondere klassische Anmutung von Cymbals aus den Sixties und Seventies besitzen. Das ist natürlich schick und wird durch das beidseitig aufgebrachte, sehr feine Abdrehmuster prima unterstützt. Die durchaus intensive Hämmerung fällt kaum auf, da die Hammereinschläge kaum Tiefe aufweisen, und so kann man diese Art der Bearbeitung eigentlich erst richtig im Gegenlicht entdecken. Bei der Cymbal-Anatomie hat man natürlich auch Anleihen bei klassischen Cymbals gesucht und gefunden.

So sind die Profile insgesamt nicht sehr hoch, besitzen aber einen deutlichen Bogen, so dass sowohl eine ordentliche Tiefe im Klang entstehen kann, aber eben auch durch die gewisse Vorspannung feine Obertöne entstehen können, die zudem für eine entsprechende Projektion sorgen. Das wird durch die recht hohen und halbkugelförmig gestalteten Kuppen natürlich noch unterstützt. Dass die Modelle den Namen „Heavy“ zu Recht tragen, beweist eindrucksvoll das Gewicht der Cymbals, und das kann sich in allen Fällen sehen respektive erfühlen lassen. Mit ca. 1,7 kg für das 18″ Crash Cymbal und ca. 2,68 kg für das 20″ Ride legt man die Messlatte auf eine höhere Stufe. Die Hi-Hat bringt es auf ca. 1,42 kg für das Bottom- und ca. 1,2 kg für das Top-Cymbal. Was die Verarbeitung angeht, lassen unsere Testkandidaten keine Wünsche offen und präsentieren sich mit der exzellenten Qualität, wie man sie aus der hypermodernen Edelschmiede von Meinl erwartet.

Sounds

Mit einem satten, kurzen „Tschack“ quittiert die Hi-Hat das Zutreten des Pedals. Junger Vater, das nenne ich mal Druck! Zusätzlich gibt es einen prägnanten Oberton, der für entsprechende Präsenz sorgt, und zwar unmissverständlich. Bereits ein lockerer Stockanschlag mit einem 5B-Modell ist mit einem kurzen, prägnanten Attack gesegnet, der hier mittig, präsent und leicht zu orten ist, aber auch ordentlich Tiefe und Bauch mitbringt. Geschäftige Figuren sind sehr transparent in den einzelnen Anschlägen, haben zudem eben auch ordentlich Cojones.

Spielt man das Ding dann mit der Stockschulter an, inspiriert das zu satten Achtel- oder auch Viertel-Rock-Grooves, denn auch im geschlossen gespielten Zustand bekommt man im Anschlag dann ein kurzes Rauschen hin, ohne dass dabei die Definition des Attacks flöten geht. Leicht geöffnet kann die M Serie Heavy Hi-Hat auch schön abscheppern, bleibt dabei aber angenehm satt und warm. Das klingt keinesfalls nach modernem Metal-Gedengel à la Hämmerchen auf Amboss, eher schön nach Vorschlaghammer auf Bronzeglocke: Mach doch mal Druck! Yo, geht!

Bei all diesen klanglichen Tugenden aus vergangenen glorreichen Rockmusik-Zeiten … wo bleibt da jetzt das Moderne? Ganz einfach tatsächlich in der subtilen Art, wie sich auch diese Hi-Hat wieder wie schon das „Medium“-Modell in der Musik durchsetzt und auch in einiger Distanz noch klar und transparent die gespielten Noten wiedergibt, ohne durch Penetranz zu nerven. Gerade dies ist ein beeindruckendes Klangmerkmal aller Meinl M Serie Cymbals.

Die Crash Cymbals bieten zwei durchaus unterschiedliche Sounds, die sich wie schon bei den „Medium“-Modellen gut ergänzen und kombinieren lassen. Während das 18″ Cymbal doch recht dunkel im Attack und mächtig im Sustain erscheint, ist das 16″ Modell im Attack wesentlich mittiger und auch etwas kehliger (und naturgemäß etwas kürzer) im Sustain. Dennoch harmoniert das Ganze in seiner Abstufung von Tonhöhen und Klangdauer sehr gut miteinander. Natürlich sind beide Instrumente für eine kräftige Gangart ausgelegt und reagieren folglich auch erst ab einem gewissen Input mit einem dann durchaus spritzigen Attack.

In beiden Fällen ist das Sustain sehr lang und schwingt mit schneller Modulation aus. Genau das, was man bei hohen Lautstärken für einen vollen Klang braucht, denn das Sustain wird im Band-Gefüge genau die erforderliche Präsenz haben. Eine gute Präsenz mit hellem und kräftigem Ping im Anschlag bietet das Heavy Ride, wenn man es auf dem Profil anspielt. Hier hat man mindestens drei sehr klar definierte Spielzonen zur Verfügung, wobei natürlich am äußeren Rand das Sustain und auch der Attack an Bass gewinnen und dadurch der Attack auch etwas dezenter wird. Im Bereich direkt unterhalb der Kuppe angespielt wird der Sound im Anschlag sehr präsent und baut ordentlich Druck im auf, so dass man durchaus zu so markanten Grooves wie z. B. in den Refrains und Solo-Parts von „Love In An Elevator“ von Aerosmith inspiriert wird.

Auch wenn das Meinl Heavy Ride hier ein wenig mehr Finesse im Sustain bietet, so ist die Präsenz des Attacks doch ähnlich markant. Die Kuppe ist sehr klar und eben glockig, doch auch hier zeigt sich das Cymbal – trotz allen Präsenzen im Obertoncharakter – weniger penetrant als vergleichbar starke Cymbal-Typen und setzt mehr auf den gewissen Druck aus den Mitten. Das hat seinen ganz eigenen Charme und harmoniert mit der 14″ Heavy Hi-Hat besonders schön.

Fazit

Die M Serie mit vier Instrumenten für die Heavy Hitter zu ergänzen ist nach meiner Meinung ein guter Erfolg. Allein die kräftige 14″ Hi-Hat strotz nur so vor Kraft und wartet mit soliden Rock-Beats auf. Das können Classic-Hardrock-Grooves ebenso sein wie Metal-Blast-Beats, denn die Definition der Attacks ist enorm. Und der Genießer wird gerade auch den Druck des Instrumentes bei simplen Viertel-Grooves zu schätzen wissen. Die Crash-Cymbals klingen deutlich unterschiedlich, ergänzen sich allerdings durch gut gewählte Tonhöhen und Sustaindauer. Das 16″ Modell betont eher die Mitten und das 18″Cymbal macht den größeren Druck.

Das Heavy Ride liefert sowohl auf dem Profil als auch auf der Kuppe absolut durchsetzungsstarke Attacks, die eben nicht aus martialischen Obertönen ihre Präsenz schöpfen, sondern durch eine hohe Transparenz im Obertonbereich für klare Verhältnisse sorgen. Das alles bekommt man in erstklassiger Qualität und zu daher auch absolut gerechtfertigten Preisen. Wer also gerne kräftiger hinlangt und Classic-Rock-Cymbal-Sounds mit einem Schuss moderner Hi-Fi-Qualität sucht, ist gut beraten, die Heavy Cymbals der Meinl M Serie einmal persönlich anzutesten.

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