Die neue Cymbal-Serie von Meinl

Meinl Pure Alloy Cymbals im Test

Hinter den neuen Pure Alloy Cymbals von Meinl steckt ein Konzept, das weiter reicht, als man es von einer Cymbal-Serie vermutet. Außerdem überrascht man bei den Pure Alloy Cymbals mit hellen, schimmernden Sounds mit seidiger und klarer Stockdefinition.
Die Pure Alloy Sounds positioniert Meinl als neue Cymbal-Serie zwischen den klanglichen Polaritäten der dunklen, erdig-trockenen und traditionellen Sounds der Byzance-Linien und der hellen, aggressiven, durchsetzungsstarken Sounds von Cymbal-Serien wie z. B. Mb20 oder Custom Classics.

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Bislang finden sich in der „Pure Alloy“-Serie zwei Hi-Hats, zwei Ride-Cymbals und drei Crash-Cymbals der „Medium“-Kategorie, mit denen diese neue Ära eingeleitet wird. Diese ersten Modelle werden aus B12-Bronze gefertigt, doch das muss nicht die einzige Bronze-Variante sein, die in der „Pure Alloy“-Serie Anwendung finden wird. Meinl will sich hier bewusst nicht festlegen, schließlich möchte man noch intensiv mit diesem Sound-Konzept arbeiten und all die vielfältigen Möglichkeiten für die Kreation von Sounds offen nutzen können. Das verspricht spannende weitere Entwicklungen. Doch zunächst einmal zum dem, was uns bei den ersten neuen „Pure Alloy“- Testkandidaten erwartet.

TECHNISCHES
Hergestellt werden die aktuellen „Pure Alloy“- Cymbals in der Meinl Cymbal Factory in Gutenstetten aus B12-Bronze. Markant ist das dezente und vollflächi ge wie beidseitige Abdrehmuster. Die Hämmerung fällt sehr individuell und variantenreich aus, was die Dichte, Setztiefe und Größe der Einschläge angeht. Die seidig schimmernde Optik verleiht den Cymbals ein elegantes Aussehen, und die Logos unterstreichen in Form und Größe diese Optik. Alle Cymbals sind perfekt ausbalanciert und bieten in den Profilen eine gute mechanische Flexibilität. Daraus kann man schon auf mal ein klares Sustain schließen. Die Kuppen zeigen normale Proportionen und die klassische, etwas abgeflachte Halbkugelform. Die Profile sind ebenfalls recht flach gehalten und weisen nur leichte Bögen auf.

DIE SOUNDS
Bemerkenswert anders als alles, was man an den etablierten und bekannten Meinl Cymbals der verschiedenen Serien schätzt, klingen die neuen Pure Alloy Cymbals. Ein seidiger, heller, und transparenter Stick-Sound paart sich hier mit einem warmen und hell und schimmernden Sustain. Definition und Artikulation im besten Sinne des Wortes ist geboten, und sofort merkt man, dass man hier bei den Hi-Hat-und Ride-Patterns nicht pfuschen kann. Da muss man sauber spielen, denn hier hilft kein washy Rausche-Sound, etwas zu kaschieren, und jedes gespiel – te Detail ist klar und deutlich zu hören.

Interessanterweise gewöhnen einem diese Instrumente auch erst mal jede Form von „dreschen“ ab, denn zu aggressives Spiel (und zu schwere Sticks) lassen einige sehr schöne Klanganteile, welche diese Cymbals in den unteren und mittleren Dynamikbereichen liefern, ein wenig aus dem Fokus geraten. Natürlich kann man auch bei diesen Cymbals mal kerniger zur Sache gehen, z. B. bietet das 22″ Ride eine Kuppe mit einem glockigen Klang, der richtig Drive hat, und das 20″ Crash weiß sich auch gegen einen „Wall of Sound“ der Gitarren zu behaupten.

Auf der anderen Seite des Dynamikspektrums ist man bei den Pure Alloy Cymbals in der Lage, sehr leise spielen zu können. Dabei klingt auch ein aufwendiges Pattern auf Hi-Hat oder Ride-Cymbals gespielt immer gestochen scharf. Bei jeder Art von RecordingSession im Studio, bei wohl allen Pop/Rock-Styles oder auch in jedem akustischen musikalischen Kontext zwischen z. B. Kontrabass, Piano und Gitarre kann man mit diesen Cymbals artikuliert begleiten und grooven. Soweit lässt sich also das musikalische Spektrum fassen, für das diese Cymbals den passenden Klang liefern können.

Die Pure Alloy Medium Hi-Hat Cymbals präsentieren den erwähnten seidigen Attack und ein sattes kurzes Sustain, das ihnen genug Klangfülle verleiht. Dass die 15″ Hi-Hat insgesamt etwas fetter, voller und ein wenig tiefer klingt, das liegt ja wohl auf der Hand. Das 20″ Ride Cymbal wirkt recht schlank und fein in seinem Klangspektrum und mag eher eine recht lockere Spielweise mit leichten bis mittelstarken Sticks.

Auf dem Profil angespielt liefert es einen schönen Obertonschimmer und eine sanfte Modulation im Ausklang. Die Kuppe bietet einen kurzen, hell-glockigen Attack als etwas lauter wirkenden klanglichen Kontrast dazu. Das 22″ Ride Cymbal bietet mehr Power und kann durchaus auch mit kräftigeren Sticks bedient werden. Auf dem Profil angespielt baut es sich mit einem unterschwelligen Rauschen recht gut auf, wobei der Stick-Attack klar zu orten bleibt.

Die Pure Alloy Medium Crash-Cymbals bieten ebenfalls eine tolle Dynamik und sprechen zudem sehr direkt an. Der Attack steigt schnell an, ist präsent und wirkt nicht zu schneidend. Das Sustain klingt voll, nimmt einiges von den hellen Obertönen mit und verklingt relativ zügig und kontrolliert. Beim 16″ Cymbal ist das sehr kurz, beim 18″ Modell etwas länger, und noch länger klingt das 20″ Crash aus, was ja auch zu erwarten ist. Die Klangcharaktere passen wie auch die Grundstimmung sehr gut zueinander.

FAZIT
Die Pure Alloy Cymbals bieten einen wirklich neuen Klancharakter im Programm von Meinl. Hier geht es um feine Sounds, einen hellen, artikulierten Stick-Sound im Attack und ein elegant schimmerndes, transparentes Sustain. Es gibt keine kaschierenden rauschigen Klangteppiche, sondern ganz klar definierte und dynamisch hervorragend einsetzbare Sounds von den Pure Alloy Cymbals. Mit diesen Cymbals bietet Meinl eine echte Alternative zum teils selbst kreierten Mainstream der dunklen Klangspektren oder der beliebten, knallharten Metal-Sounds. Meinl hat offensichtlich wieder den Drummer entdeckt, der seine Grooves mit definierten und eleganten Stick-Sounds sowie transparentem Sustain transportieren möchte. Die Meinl Pure Alloy Cymbals sind absolut hörenswert, zumal auch das Preisniveau attraktiv gestaltet ist.

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2 Kommentare zu “Meinl Pure Alloy Cymbals im Test”
  1. Thomas Grusemann

    Erinnert von Aussehen, Klang und Beschreibung sehr an die gute alten (neuen) Paiste Formula 602 … was wahrlich keine schlechte Referenz ist!

    Antworten
  2. Thomas Grusemann

    Vergass noch etwas: Muss Sticks bzw. eher wohl Meinl – als deutscher Hersteller – auf US shops zurückgreifen um einen Test der neuen Cymbals zu platzieren (nichts gegen das Mephis Drum shop oder die ‘englische’ Sprache)? Kann das keiner der hochklassigen deutschen Schlagzeuger und/oder Meinl endorser, brauchen wir tatsächlich die Amerikaner dafür?

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