Kleines Klangwunder

Meinl Slap-Top Cajon im Test

Dieses Instrument zeugt von echter Innovation, denn das ursprüngliche, traditionelle Cajon wurde hier in seine Bestandteile zerlegt und neu aufgemischt. Das Slap-Top Cajon von Meinl erstaunt mit einer komplett neuen Architektur des Resonanz-Bodys.

Slap-Top
(Bild: Archiv)

Das Slap-Top Cajon von Meinl entpuppt sich als ein kleines Klangwunder. Ob in Sachen Sounds und Spielweisen das Slap-Top eine wirkliche Alternative zu klassischen Cajons bietet, seht ihr in unserem Videotest des Meinl Slap-Top Cajons.

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So ist die Spielfläche von der klassischen senkrechten Position in die horizontale Ebene gerutscht. Dadurch ergibt sich ein völlig neues Spielgefühl. Unter der glatten „Makah Burl“ Holz-Membran verbergen sich zwei Resonanzkammern, die absolut getrennte Bass- und Snare-Sounds liefern. Und überhaupt ist bei diesem Instrument einfach alles anders! Auch das Schallaustrittsloch zeigt nach vorne, und eine integrierte Resonanzröhre sorgt für die Projektion tiefer Frequenzen. Zwar baut das Slap-Top Cajon auf klassische Werte, doch mit der Idee des Erfinders Michael Buchner ist das traditionelle Cajon-Konzept durchbrochen.

Das Ergebnis präsentiert sich in einer mit viel Fantasie entwickelten Groove-Box, die große Neugierde der spielerischen Eroberung weckt. Also nehmen wir das Instrument für den Soundcheck doch mal zur Hand. Dabei fällt zunächst das geringe Gewicht positiv auf. Und auch die Form des T-förmig gebauten Gehäuses lässt sich angenehm ertasten. Hier ist alles glatt gearbeitet, die Kanten sind gerundet, und auch das Finish aus schwarzem Resonanzkörper und dekorativer Naturholzdecke kommt vortrefflich daher. Der T-Body des Gehäuses signalisiert intuitiv, dass man das Instrument – ähnlich wie Bongos – zwischen den Beinen hält: einfach auf die Oberschenkel auflegen und fertig. Kleine Schaumstoffpads dienen dabei als Rutschbremsen.

Nun präsentiert sich eine 47 x 24 cm große, dem Spieler zugewandte Spielfläche – eine Holzmembran mit „Makah Burl“-Designfurnier. Erste Beats lassen erkennen, dass der rechte und mittlere Spielbereich trockene und cajonmäßige Sounds liefert. Die linke Seite – quasi der linke T-Flügel – ist ausschließlich den SnareSounds vorbehalten. Alle Sound-Beispiele findet ihr auf der CD zu dieser STICKS-Ausgabe.

Slap-Top in Aktion
(Bild: Archiv)

In Beispiel 1 hört man den Klang des Cajon-Bereichs. Hier ein Pattern aus Bassbeat, Opens und Slap. Jetzt nehmen wir den linken Snare-Bereich hinzu, spielen dasselbe Pattern (Beispiel 2) und hören im Vergleich den deutlichen Klangunterschied. Es ist erstaunlich, wie klar der Snare-Sound arbeitet. Der Klang ist extrem kompakt, trocken, akzentuiert und erinnert ein wenig an die knackigen, schottischen Marching Snaredrums. Werfen wir also mal einen Blick ins Cajon-Gehäuse, um dem bautechnischen Prinzip auf die Schliche zu kommen. Auf der Vorderseite ist das Schallaustrittsloch eingearbeitet. Es zeigt also zum Publikum hin, was ja auch Sinn macht.

Spielanleitung

In jener kreisrunden Öffnung für die „Forward Sound Projection“ steckt eine dicht sitzende Resonanzröhre aus Kunststoff, die ins Cajon-Gehäuse hineinragt. Mit etwas Nachdruck lässt sie sich herausziehen, und der Blick ins Innere wird freigegeben. Hier sehen wir, dass sich die kleine Resonanzkammer des rechten T-Flügels mit der mittigen, würfelartigen Kammer zu einem gemeinsamen Resonanzraum verbindet. Gut sichtbar ist auch das verwendete Material, das den stabilen und solide gebauten Body bestimmt. Es sind keine Naturholzplatten, sondern Holzfaser-Pressplatten („Medium Densitiy Fiberboard“), die miteinander verleimt wurden.

Die Resonanzröhre ist übrigens konstruktiver Bestandteil des Cajons und eigentlich nicht dafür vorgesehen, dass man sie – je nach Klangvorstellung – ein und ausbaut. Sonst hätte man die Schnittkante der Resonanzöffnung kosmetisch behandelt. Trotzdem ist es ja mal interessant zu hören, was diese Röhre klanglich bewirkt. Das Beispiel 3a gibt den Klang ohne Röhre wider. In Beispiel 3b hört man den Sound mit Röhre. Somit wird klar, dass die eingesetzte Röhre den Grundton nach unten zwingt, um tiefere Frequenzen in den Vordergrund zu lenken. Physikalisch gesehen werden durch den Einschub Schwingungen zum Teil gebrochen bzw. auch abgelenkt und auf „Umwegen“ zum Schallaustrittsloch geleitet. Dies bewirkt die leichte Dominanz tieferer Frequenzen, was dem Gesamtklang des SlapTop Cajons guttut.

Spielanleitung#2

Auf der Unterseite des linken des T-Body-Bereichs ist ein zweites, aber kleines Resonanzloch eingearbeitet. Hier befindet sich die Snare-Kammer mit einem 20-spiraligem Snare-Segment, dessen Spiraldrähte von unten gegen die Spielfläche drücken. Der isolierte Snare-Raum erklärt die gute Trennung zwischen Cajon/Bass- und Snare-Beats. Das zweitaktige Pattern in Beispiel 4 geht explizit auf die Trennung und den Unterschied zwischen Bass und Snare ein. Gespielt wird eine Mischung aus Conga-Technik (rechte Hand) und Drum-Approach mit Snare-Backbeats (linke Hand).

Die Orientierung über die verschiedenen Klangbereiche der Spielflächen hat man schnell im Griff. Trockene Open-Sounds entwickeln sich am Rand und bevorzugt auf der rechten Seite der Spielebene. Bass-Beats hingegen kommen am besten im Zentrum der Woodmembran, da dieser Bereich genau über dem würfelartigen Resonanzraum liegt. Im Übrigen ist das Spielgefühl von Leichtigkeit geprägt, und auch die glatte „Maka Burl“- Oberfläche bietet einen angenehmen Fingertouch. Im Grunde genommen ist man in Sachen Spieltechnik nicht festgelegt, denn sowohl Schlagtechniken aus dem Cajon-Sektor als auch aus dem Conga-Bereich, und sogar Bongo-Spielweisen werden vom Slap-Top Cajon in immer wieder neue Klangfacetten umgewandelt.

Das macht die Sache wirklich interessant und bietet eine Menge kreativer Ansätze. Vor allem die präzise arbeitende Snare-Einheit bietet dem Cajon-Charakter eine exponierte Darstellung. Beispiel 5 ist ein Sound-Feature für die erstaunliche „Piccolo Snare“. Auch traditionelle Rhythmen werden vom Slap-Top Cajon nicht nur klangvoll umgesetzt, sie erhalten auch ein neues und frisches Gesicht, wie das Beispiel 6 mit einer Guaguanco-Interpretation zeigt.

Spielanleitung#3

Fazit

In Sachen Sounds und Spielweisen ist das Meinl Slap-Top Cajon eine spannende Alternative zu klassischen Cajons. Allein die bequeme Spielposition durch die horizontale Spielfläche ist ein elementarer Faktor, der die unterschiedlichsten Techniken aus dem Conga-, Cajon- und Bongo-Sektor erlaubt. Hier ist die Fantasie des Spielers gefragt, eigene Mischformen von Schlagtechniken auszuprobieren. Das alles gelingt völlig intuitiv und von freier Hand. Gerade mit der Kombination aus trockenen Woodsounds und herrlich crispen Snare-Attacks lassen sich interessante Grooves entwickeln. Natürlich darf man umwerfende Bässe bei diesem recht kleinen Gehäuse des ca. 24 x 24 x 24 cm messenden Resonanz-Würfel trotz „Bassröhreneinschub“ nicht erwarten.

Hier begegnen wir sehr trockenen BassFärbungen, während Open-Beats einen starken Ton vorzuweisen haben. Absolut klasse ist der Snaresound, der völlig isoliert arbeitet und eine Präsenz zeigt, die es in dieser Art bei keinem traditionellen Cajon gibt. Dieser starke Akzent darf als besondere charakteristische Eigenschaft herausgestellt werden. Die Vorzeichen stehen gut, dass dieses Instrument seinen verdienten Platz in der Cajon-Szene finden wird. Und eins ist klar: Die Lust am Cajon-Spiel erfährt mit dem Slap-Top Cajon frische Inspiration.

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