Produkt: Sticks 09-10/2019
Sticks 09-10/2019
FREDERIC MICHEL – Modern Pop Drummer +++ YOUTUBE-STARS: Sina Drums; COOP3RDRUMM3R +++ Rockin‘ 1000 +++ Studium an der POPAKADEMIE +++ ZULTAN Heritage Cymbals +++ PEARL Masters Maple/Gum Drums +++ ROGERS Dyna-Sonic Wood Snaredrums

Natal Ash Drums im Test

Esche ist die erste Wahl für die Fertigung der Natal Percussion-Instrumente. Somit liegt es nahe, diese Holzart auch für die Fertigung von Drums einzusetzen. Bei der Natal Ash Drum-Serie kommen Hybridkessel aus Esche und Birke zum Einsatz. Das Konzept verspricht hier ein solides Drumset mit Rock-Sound-Garantie.

Drum Kit
(Bild: Archiv)

Voll im Trend – und das nicht nur im Percussion- und Gitarren-Bereich – ist die Fertigung von Drums in Esche. Der britische Hersteller Natal hat jetzt mit der Natal Ash Drum Serie ein rockiges Schlagzeugset auf den Markt gebracht, dass aus Hybridkesseln aus Esche und Birke besteht, in Taiwan hergestellt wird und in verschiedenen Konfigurationen lieferbar ist.

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Esche ist im Gitarrenbau schon lange ein Thema – in etwa seit der Erfindung der Fender Telecaster; das ist ja schon ein Weilchen her –, und seit einiger Zeit haben nicht nur Custom-Drum-Hersteller dieses Holz entdeckt, auch die „etablierten“ Firmen in Japan und USA bieten hier einiges an. Da passt das Konzept des britischen Herstellers Natal mit Fertigung in Taiwan natürlich zum Trend. Für Deutschland bietet der Natal-Vertrieb Musik Meyer derzeit zwei Folien-Finishes an. Neben einer guten Auswahl an vorkonfigurierten Sets mit Standard-Kesseltiefen sind hier optional auch die im Trend liegenden flachen Toms erhältlich. Weiteres an Finishes und Kesseldimensionen ist zudem auf Anfrage erhältlich.

Kessel-Konstruktion

Zum Praxistest erhielten wir ein US Fusion X Set. Die Kessel des Natal Ash-Drumsets präsentieren sich mit einer glatten Innenseite und einem hellbraunen Esche-Furnier mit starker Maserung, die sich leicht wellig anfühlt. Das ist bei dieser Holzstruktur nicht ungewöhnlich und wird sogar von einigen Instrumenten-Herstellern bewusst für die Außenseite eingesetzt. Für einen äußerst stabilen Kessel hat Natal hier eine sechslagige Konstruktion aus drei mal zwei Furnier-Lagen gewählt, die im Wechsel aus Esche und Birke bestehen. Diese sind allerdings gedreht angeordnet, so dass es von der Innenseite her gesehen mit einem Zweier-Furnierpaket aus Esche/Birke beginnt, dann aber ein Paket mit Birke/Esche und anschließend ein Paket wieder mit der Reihenfolge Esche/Birke verbaut ist.

Genau das hat auch zwei interessante Auswirkungen auf die Klangfärbung: Die Gratung (Fellauflagekante) entsteht so auf zwei Lagen Esche, und die Innenseite aus Esche hat auf Grund der leicht gewellten Oberfläche ebenfalls klangfomenden Einfluss durch die Brechung der Reflexionen im Obertonbereich. So werden Attack und Sustain in Nuancen gefärbt. Der Attack ist druckvoll mit starker Mittenbetonung, das Sustain ist stark in den Tiefmitten, kompakt und transparent, und liefert bei höherer Dynamik auch einen gewissen kurzen Bassdruck, der bei etwas härterer, rockiger Gangart recht gut einsetzbar ist.

Natal Ash Drums_02
(Bild: Archiv)

Die Natal Ash Drums sind mit einer dünnen Folie – in unserem Falle in White Swirl – auf der Außenseite gecovert. Dabei wird die Folie recht straff um den Kessel gezogen und nur in einem Überlappungsbereich von ca. 3 cm mit dem Kessel und am anderen Ende der Folie mit sich selbst verklebt. Zu den Kesselrändern lässt Natal hier im Schnitt ca. bis zu 8 mm Platz, so dass die Folie keinerlei Kontakt zum Fell bekommt. Die Folie ist ca. 0,3 mm stark und damit extrem dünn, sie trägt also nicht auf und wird einen relativ geringen Anteil an Klangbeeinflussung haben. Trotz der geringen Stärke präsentiert sie sich mit einem subtilen Muster, das unter Show-Licht sehr nette Effekte produziert.

Die Kessel sind sehr gut verarbeitet; hier finden wir plan parallele Gratungen, die einen recht satten Kontakt als Auflagekante für die Felle bieten, und eine Toleranz im Durchmesser, die unter einem Millimeter liegt, sowie eine äußerst geringe Abweichung in der Wandstärke. Hier wird eine konstant gute gleichmäßige und sorgsame Verarbeitung geboten. Auch die parallel zur Kesselsäule verlaufenden und auf Stoß gesetzten Nahtstellen der Innenseiten sind absolut formschlüssig aneinandergesetzt, was bei der welligen Struktur der Esche eine Herausforderung ist, die hier gut gemeistert wurde.

Gratung
(Bild: Archiv)

Hardware der Kessel

Die Hardware-Ausstattung der Kessel ist identisch mit der des bereits in STICKS 11:2011 getesteten Natal Bubinga Drumsets. Auch hier ist eine konstant gute Fertigungsqualität festzustellen, denn die Hardware präsentiert sich mit einer sehr schönen und glänzenden Verchromung. Die Spannreifen sind rund und plan, was schon einmal eine vernünftige Voraussetzung für ein leichtes Einstimmen der Drums ist.

Auch finden wir hier wieder sehr gut in den Gewindehülsen laufende Stimmschrauben vor, die an der Spitze mit Schraubenlack als Selbstsicherung ausgestattet sind. Die massiv wirkenden Bassdrum-Spitzen sorgen für bombensicheren Halt in der gewählten Position, und auch die Snareteppich-Abhebung mit ihren drei möglichen Stufen (aus, lose und straff) funktioniert blendend und lässt sich in der Spannung feinfühlig justieren. Der Tom-Halter sei hier noch einmal erwähnt, der an zwei Punkten gummigelagert mit den Böckchen verschraubt ist.

Das Ganze ist relativ starr gehalten, und die Dämpfungs-/Isolierungswirkung geht durchaus in Ordnung, sofern man den Omni-Ball/-L-Arm-Halter von Natal verwendet. Denn der ist statt mit einer Nylonkugel mit einer Kugel aus Aluminium (!) und formschlüssiger Klemme ausgestattet, was nicht nur bei leichtestem Anziehen bombenfest hält, sondern sich auch positiv auf Resonanzverhalten und Sustain auswirkt.

Hardware

Was die Stative und Pedale angeht, können wir hier einmal die Standard-Hardware begutachten, und die ist schon einmal etwas leichter als die ProHardware (siehe Test in STICKS 11:2011). Da fällt so einiges filigraner aus. Schön, dass die Cymbal-Stative auch hier dreifach ausziehbar sind und durchaus stabil in Position stehen. Das gilt auch für das Snaredrum-Stativ, dessen Korb sich frei über eine Stange aus dem Center verschieben lässt.

Die Konstruktion ist zwar viel schlichter als bei der Pro-Hardware, hält allerdings ordentlich. Wenn es allerdings um sehr hohe Belastungen und die Beanspruchung durch an die 100 Gigs im Jahr geht, dann sollte man doch besser auf das ProModell setzen. Die Hi-Hat-Maschine und auch das Bassdrum-Pedal mit Ketten- und Excenter-Antrieb entsprechen einem guten Industrie-Standard.

Natal Ash Drums_01
(Bild: Archiv)

Sounds

In werkseitiger Fellbestückung und bei mittlerer bis hoher Stimmung ist der Grundklang im Attack super perkussiv, und ein satter tiefmitten-betonter Klang im Sustain ist hier das Thema. In unserem Praxistest konnte das Natal Ash-Set seinen eigenen Klang mit einer anderen Fellbestü- ckung sogar noch besser ausspielen. So lohnte es sich, eine Remo Emperor Coated/Ambassador Clear-Kombination für die Toms einzusetzen, wenn man die Bässe im Sustain für einen soliden modernen Pop/Rock-Sound noch etwas mehr hervorkitzeln will. Wer es noch knackiger im Attack und kompakter im Sustain wünscht, also eher den Esche-Charakter betonen möchte, ist mit Aquarian Power Dot Thin und Classic Clear für die Toms auf dem richtigen Weg.

Der Bassdrum kann man mit z. B. Evans EMAD oder Remo Powerstroke ein gewisses Plus an Definition verleihen. Mit Remo Ambassador oder Evans Genera G1 cotaed lässt sich die Snaredrum recht offen und funky gestalten. Der knackige Holzcharakter kommt bei höheren Stimmungen so sehr schön zur Geltung, und die kurz singenden Obertöne sind da nicht weiter störend. Für einen pumpenden und fetten Heavy-Sound ist natürlich ein doppellagiges Schlagfell die richtige Wahl. Insofern kann man das Natal Ash-Set innerhalb der eigenen Klangcharakteristik sehr detailliert auf verschiedene RockmusikStile feinstimmen.

Klangcharakter bei werkseitiger Fellausstattung:

22″ Bassdrum: knackiger Punch im Attack, Sustain mit dominanten Tiefmitten
Snaredrum: kurzer, perkussiver Punch; kompakter, tiefmittenbetonter Kesselton
Toms: sehr perkussiver Attack mit druckvollem Punch; kurzes, mittenbetontes Sustain
Floor-Tom: etwas fetterer Punch im Attack; sehr satte Tiefmitten im Sustain, etwas länger ausschwingend als bei den Toms

Profil

Fazit

Mit den Drums der Ash-Serie bietet Natal den richtigen Sound für Rocker, die eben nicht nur die Weltbühnen besuchen, sondern für alle, die auch in den Clubs und Kneipen rocken und einen Sound mit durchsetzungsstarkem Attack und druckvoll transparentem Tiefmitten-Boost brauchen. Und genau den braucht es in der Pop- und Rock-Mucke meistens, damit sich das Ganze auch gut durchsetzt. Mit dem Sound der Natal Ash Drums ist man präsent. In Sachen Kessel-Hardware gibt es bei Natal übrigens nur eine Ausstattung – und die wird den professionellsten Ansprüchen in Sachen Funktionalität und Solidität gerecht. Ein individueller Check ist also wärmstens zu empfehlen.

Produkt: Sticks 07-08/2019
Sticks 07-08/2019
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