Produkt: Sticks 07-08/2019
Sticks 07-08/2019
STEWART COPELAND - Orchester-Rausch! +++ LUIS RIBEIRO (The World of Hans Zimmer) +++ YAMAHA Live Custom Hybrid Oak Drums +++ LP PRO Tambourines +++ K ZILDJIAN Cluster Crash Cymbals
Drumset ultrakompakt

Test: Odery Drums Cafekit

Odery Cafekit(Bild: Dieter Stork)

Das Cafekit ist der jüngste Spross des brasilianischen Schlagzeug-Herstellers Odery. Die äußerst kompakte Bauweise durch die kleinen Trommel-Dimensionen wird hier mit einem cleveren Haltesystem kombiniert, so dass man das Cafekit äußerst platzsparend aufbauen und sehr leicht transportieren kann.

Wenn auch der Name für das Cafekit während einer entspannten und gut gelaunten Kaffeepause entstand – und ja, man kann sich vorstellen in einer kleinen Kaffee-Bar tanzbare Grooves damit zu spielen – hat das Konzept hinter dem Kit doch einen anderen Hintergrund. Die Idee war es, ein kindgerechtes Instrument zu entwerfen, das mitwachsen und mit ergänzenden Trommeln auch zu einem regulären Drumset umgebaut werden kann. Dafür muss aber das kindgerechte Set schon ein richtiges Instrument sein. In diesem Fall ergeben sich noch zwei weitere interessante Optionen: Durch die Transportfreundlichkeit und die kompakten Abmessungen ist dies auch ein ideales Set für den Club- oder Unplugged-Gig, und durch eine qualitativ wertige Verarbeitung der Instrumente ergeben sich auch bei den kleinen Trommelgrößen durchaus „erwachsene“ Sounds, die zudem auch sehr gute Sound-Optionen für moderne Styles wie z. B. Lounge, House, Hip- und Trip-Hop sowie Urban-R&B-Styles liefern. Natürlich muss das Set auch in ein gewisses Preissegment passen, was natürlich eine spannende Herausforderung für den Hersteller darstellt. Das Odery Cafekit wurde in Brasilien entwickelt und wird in China gefertigt.

Anzeige

Neben der Bassdrum, Snaredrum und zwei Toms sind auch alle Halter im Lieferumfang enthalten sowie ein Bassdrum-Pedal, eine Hi-Hat-Maschine und ein gerader Cymbal-Ständer. Erhältlich sind die Sets in den Farben Black Ash, White Ash, White Mist und – wie unser Testset – in Blue Sparkle.

Technisches & Praktisches

Kessel: Die Kessel des Odery Cafekit bestehen aus sechs Furnierlagen Linde. Das recht faserige Holz wurde sehr gut bearbeitet, wenn auch der Innenschliff noch etwas feiner ausgeführt sein könnte. Technisch kann sich das Ganze allerdings durchaus sehen lassen, denn die Nahtstellen der Innenfurniere sind sauber formschlüssig gearbeitet. Die Toleranzen der Kesseldurchmesser liegen bei knapp einem Millimeter, und bei den Wandstärken bewegt sich das Testset in einen Bereich von ca. 0,2 mm – das sind sehr gute Ergebnisse, nicht nur für diese Preisklasse. Die Gratungen sind planparallel gesetzt, die Auflagekanten sind spitz gestaltet und glatt ausgeführt. Das eher schmale Snarebed behält die spitze Auflagekante im gesamten Bereich bei. Die ca. 1 mm starke Folie ist sorgsam verklebt und die Nahtstellen an den Überlappungsbereichen sind sauber geschlossen. Zu den Kesselrändern werden etwa 7 mm Platz gelassen, so dass mit Markenfellen eine freischwimmende Auflage erzielt wird. Die Folie präsentiert sich mit einem sehr feinen Sparkle-Finish.

Snaredrum Odery Drums Cafekit
Die Snaredrum wird mittels Multi-Clamp und L-Arm/Omni-Ball-Halter montiert. (Bild: Dieter Stork)

Drum-Hardware: Auffällig sind die Spannböckchen, die als Klaue ausgelegt sind. Dagegen wird über die Stimmschraube eine Rolle aus Messing gezogen. Löst man diese Konstruktion, kann man die Stimmschrauben inklusive Rolle abklappen und so die Felle schneller wechseln.

Montage-Tipp: Mit den Finger die Rolle von unten gegen die Klaue drücken, dann die Stimmschraube „handwarm“ anziehen und das Fell vor dem Stimmen zentrieren. Die Stimmschrauben verbleiben beim Fellwechsel an den ca. 1,6 mm starken Metallspannreifen. Diese entsprechen ordentlich verarbeiteter, industrieller Standardware. Den Stimmschraubenköpfen bieten sich solide Auflagerflächen, minimale Unebenheiten gleichen die Kunststoffunterlegscheiben aus. Insofern lassen sich die Trommeln des Odery Cafekit sauber stimmen und halten die gewählte Stimmung ganz prima. Auch die Bassdrum ist mit den dreifach geflanschten Metall-Spannreifen bestückt. Da sie sowieso auf einem Riser steht, an dem das Bassdrum-Pedal angeschlossen wird, müssen es ja auch nicht zwangsläufig Spannreifen aus Holz sein. Zudem passt diese Ausstattung so schon besser zu einer möglichen späteren Konversion der Bassdrum zum Floor-Tom bei Erweiterung zu einem „großen“ Set.

Odery Drums Cafekit
Tragkraft: Auf der Bassdrum werden die Toms montiert. (Bild: Dieter Stork)

Neben dem Riser ruht die Bassdrum auf vier (!) gebogenen und von Gummi-Fuß auf Metalldorn umstellbaren Spitzen. Die Bassdrum steht somit superstabil in ihrer Position, selbst dann, wenn man beide Toms weit auseinandergezogen positioniert, denn die dann auftretenden Hebelkräfte werden kompensiert. An zwei Gelenkarmen mit einem Durchmesser von ca. 1/2″ werden die beiden Toms an der Bassdrum an den entsprechenden Rosetten montiert. Das Schwenkgelenk verfügt über ein Zahnsegment. Das bietet natürlich eine solide Stabilität, jedoch könnte eine freiverstellbare Lösung feinere Einstellungen der Positionen möglich machen.

Die Bassdrum hat an den insgesamt sieben Rosetten einiges zu tragen und der Kessel könnte hier natürlich freier schwingen, wenn weniger Hardware an ihm befestigt wäre. Da aber alle Rosetten und Böckchen mit Gummi isoliert angebracht sind, wurde hier noch ein guter Kompromiss für den Sound einer Bassdrum dieser Dimension ermöglicht.

Die Snaredrum besitzt eine schlichte, einseitig einstellbare Abhebung. Die hat einiges an Spiel im unbelasteten Zustand, funktioniert aber ansonsten ordentlich. Wer hier Wert auf höhere Präzision legt, kann der Snaredrum ja ein Upgrade aus dem Zubehör-Angebot verpassen. Der Snare-Teppich ist mit einem Plastikband befestigt und liegt sauber auf dem Resonanzfell auf.

Odery Drums Cafekit
Dank der vier Bassdrum-Spitzen steht diese auch mit montierten Toms super stabil. (Bild: Dieter Stork)

Hardware: Bassdrum-Pedal und Hi-Hat-Maschine entstammen der „InRock“-Serie und damit dem Einsteiger-Segment von Odery. Die Hi-Hat-Maschine lässt sich zwar nicht in der Federspannung einstellen, bietet aber ordentliche Laufeigenschaften. Ihre drei Doppelstreben-Beine halten sie mit den herausschraubbaren Dornen solide in Position, auch wenn die Snaredrum über die Klammer mit L-Arm/Omni-Ball-System an ihr befestigt ist (einen Snareständer gibt es hier nicht im Lieferumfang). Die Hi-Hat-Kupplung verfügt im Auflagebereich für das Top-Cymbal über eine Aussparung im Gewindegang – lobenswert! Das Bassdrum-Pedal ist schlicht, ermöglich aber in gewissem Bereich eine separate Einstellung von Schlägel- und Trittplatten-Winkel. Der Antrieb erfolgt über eine Doppelkette und einen leichten Exzenternocken.

Die Trittplatte ist über Blechbügel mit dem Rahmen verbunden. Auch wenn diese Konstruktion etwas mehr Spiel verursacht, läuft das Pedal gut genug, um die ersten Beats bzw. nicht zu komplexe Patterns problemlos zu meistern. Der Cymbal-Ständer ist einfach ausziehbar und bietet in voller Höhe ausgezogen eine solide Standfestigkeit.

Klangliches

Die Kessel aus Linde bieten gefällige helle Obertöne, so dass der Attack präsent, aber auch nicht zu knackig ist. Ein sanftes, warmes Mittenspektrum und ein weicher Bass sind die weiteren klanglichen Kennzeichen dieser Kessel. Das Sustain schwingt sauber und in einer durchaus ordentlichen Länge aus. Das gilt auch für die Bassdrum mit montierten Toms. Die Sustain-Länge ist erstaunlicherweise nur minimal von zusätzlichen Gewicht betroffen. Im gesamten Frequenzgang sind Präsenzen und die obersten Mitten etwas reduziert, für die tiefen Mitten und Bässe hat es kaum bedeutende Auswirkung.

Odery Drums Cafekit
Eigens designte Spannböckchen ermöglichen einen schnellen Fellwechsel. (Bild: Dieter Stork)

Es ist schon erstaunlich, was aus der kleinen 14″ x11″-Bassdrum so herauskommen kann. Tief gestimmt, mit geschlossenem Resonanzfell, ohne Dämpfung und angekickt, erzielt man einen mittigen Attack und ein gefälliges, von Tiefmitten geprägtes Sustain. Das klingt erstaunlich voll. Wer das etwas kompakter im Sustain will und trotzdem den Charakter eines offenen Sounds in Ansätzen beibehalten will, sollte schmale Filzstreifen als Dämpfung bei beiden Fellen einsetzen. Mit einem kleinen Loch zur Ventilation im Frontfell und vielleicht noch einen Tick höher gestimmt, bekommt man einen knackigen Attack und einen kurzen Bass-Schub. Das geht dann schon etwas in Richtung Beat-Box-Sounds. Wer hier nun geschickt mit Kombinationen von Markenfellen experimentiert, hat klanglich noch viel Luft nach oben. Insofern zeigt sich deutlich, dass das Odery Cafekit nicht nur für Einsteiger-Kids interessant sein dürfte.

Überraschenderweise hält auch die Snaredrum schon in der werkseitigen Ausstattung einige gute Sounds parat. Hoch gestimmt wirkt sie hell und singend im Attack, und die Mitten bieten eine gewisse Klangfülle im Sustain, so dass das 12″ x 5″-Modell auch nicht „blutarm“ wirkt.

Odery Drums Cafekit
Technisch einwandfrei verarbeitet: die Gratungen und Fellauflagekanten. (Bild: Dieter Stork)

Die Snare-Teppich-Ansprache ist kontrolliert, vielleicht ein wenig indirekt bei leisen Noten. Das bekommt man aber schon durch den Austausch des Plastikbandes gegen flexibleres Gewebeband aus dem Zubehör in den Griff. Dann spielt die Snaredrum sogar in tiefer Stimmung und etwas gedämpft mit einem warmen, satten Klang gut mit. Auch hier gilt: Höherwertige Felle öffnen den Frequenzgang und erweitern die Dynamik. Experimente mit speziellen Schlagfellmodellen lohnen sich. Extremer vorgedämpfte Modelle können passable tiefe Drum-Machine-Sounds imitieren. Hier mag zwar etwas Hubraum fehlen, doch im Set-Kontext mit den kleinen Trommelgrößen passt das sehr gut. Extrem hoch gestimmt und mit straffer angezogenen Spiralen des Teppichs liefert die Snare kurze, knackige Sounds als anderes Ende des klanglichen Spektrums, sehr gut für z. B. Hip-Hop- und R&B-Styles.

Odery Drums Cafekit(Bild: Dieter Stork)

Die werkseitigen Resonanzfelle der Toms sind relativ dünn und sorgen für eine schnelle direkte Ansprache der Toms. Sie können in hoher Stimmung den Toms auch eine sehr knallige, perkussive Note verleihen. Dafür muss man das Schlagfell gar nicht mal extrem hoch stimmen, und der Attack wird so auch nicht zu giftig. Bedingt durch die Größen wirken sie auch bei tiefen Stimmungen immer noch kompakt und recht satt. Auch bei den Toms kann man mit der werkseitigen Fellkombination schon einige gute Ergebnisse erzielen. Wer das feiner gestalten will, der kann für noch mehr Klangvielfalt höherwertige Markenfelle einsetzen.

Fazit

Odery hat mit den Cafekit ein sehr ambitioniertes Projekt gelungen umgesetzt. Mit den Trommelgrößen ist natürlich ein kindgerechter Aufbau machbar, allerdings auch ein platzsparender Aufbau für den erwachsenen Spieler bei Club-Gigs auf engstem Raum. Es muss also nicht immer Cajon als Drumkit-Ersatz sein! Dies ermöglichen beim Cafekit clevere Hardware-Lösungen, die zudem zur hohen Stabilität des Kits beitragen.

Damit Odery das Cafekit in einem attraktiven Preissegment anbieten kann, sind natürlich auch Kompromisse erforderlich, die betreffen z. B. die Hardware (Bassdrum-Pedal, Hi-Hat-Maschine), die für den Beginner ausgelegt sind. Der professionelle Nutzer wird da sicherlich auf Anderes zurückgreifen.

Das Klangpotential ist durchaus überzeugend und kann zudem durch hochwertige oder speziellere Felle oder etwa einer Mikrofonierung noch gesteigert werden. Das Cafekit kann die Basis sowohl für jazzig-offene, knackig perkussiven oder kompakten, modernen Sounds Sounds liefern. Neben der Verwendung als Schlagzeug für Junioren oder als Club-Gig-Set kommt aufgrund der klanglichen Qualitäten auch durchaus der Tournee-Einsatz als B-Stage/Unplugged-Set in Frage. Ein individueller Check des Odery Cafekit ist mir eine Empfehlung wert.

Facts

Hersteller

Odery

Herkunftsland

China

Serie/Modell

Cafekit

Kessel

sieben Lagen Linde, ca. 7,5 mm stark, Gratung ca. 45 Grad mit spitzer Auflagekante, Snarebed ca. 2 mm tief und ca. 8 cm weit

Größen: 14″ x 11″ Bassdrum, 12″ x 5″ Snaredrum, 10″ x 5,5″ Tom, 12″ x 6″ Floor-Tom

Oberfläche (Testset)

foliert, Blue Sparkle

Hardware

Bassdrum-Pedal, Hi-Hat-Maschine, Tom-Halter, Cymbal-Ständer

Vertrieb

drumport.de

Internet

odery.com

Preis (UvP)

€ 429,–


[10042]

Produkt: Sticks 11-12/2019
Sticks 11-12/2019
MARK SCHULMAN – Stadion-Rock mit Pink! +++ Nicholas Collins +++ Richie Gajate-Garcia +++ REPORT: Dresdner Drum & Bass Festival 2019 +++ LUDWIG Heirloom Anniversary Snaredrum +++ UFIP Experience Balst Cymbals +++ MAPEX Design Lab Cherry Bomb Drums 2470

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dich auch interessieren