Produkt: Sticks 09-10/2019
Sticks 09-10/2019
FREDERIC MICHEL – Modern Pop Drummer +++ YOUTUBE-STARS: Sina Drums; COOP3RDRUMM3R +++ Rockin‘ 1000 +++ Studium an der POPAKADEMIE +++ ZULTAN Heritage Cymbals +++ PEARL Masters Maple/Gum Drums +++ ROGERS Dyna-Sonic Wood Snaredrums
Zurück zu den Ursprüngen

Paiste Formula 602 Cymbals im Test

Da staunt man nicht schlecht: Mit der Formula 602 Serie lässt Paiste eine Cymbal-Legende wieder aufleben. In der 2011er-Neuauflage hat man sich zunächst auf einige populäre Modelle fokussiert: eine 14″ Sound Edge Hi-Hat, die 20″ Medium Ride und 20″ Flat Ride Cymbals sowie zwei Thin Crash Cymbals in den Größen 16″ und 18″.

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Retro in seiner Reinform sind die neuen Cymbals von Paiste, denn die Schweizer lassen ihre legendären „Formula 602“-Becken wiederauferstehen. Im Heimatland von Hand gefertigt, und das in einer speziell gefertigten B20-Bronze-Legierung, klingt die Neuauflage genauso subtil präsent und sauber in der Projektion wie die Originale aus den 60ern. Das mussten wir uns im Test auf MusikMachen.de natürlich anhören

Gefertigt werden die Cymbals der Formula-602- Serie in der Paiste Cymbal-Schmiede in der Schweiz in Handarbeit, so wie es in den Sechzigerjahren einmal begann. Das Basismaterial ist eine speziell für Paiste gefertigte B20-Bronze-Legierung, deren Materialeigenschaften auf die Bearbeitungsmethoden von Paiste hin spezifiziert wurde. Auf den ersten Blick mutet es dann schon an wie bei einer Zeitreise, denn die Cymbals sind mit dem klassischen schwarzen Paiste-Logo gestempelt und die Modellbezeichnung ist wie bei den 60er-Jahre-Cymbals in roter Farbe aufgestempelt – ganz der Tradition verpflichtet. Ein dunkler, goldener Schimmer bestimmt die Optik, die hier nun doch einmal etwas anders ist, als man es von den vielen erhältlichen B20-Cymbals anderer Hersteller her kennt. Auch die neuen Paiste Formula 602 Cymbals sind sehr dünn gehalten und natürlich dementsprechend leicht.

14″ SOUND EDGE HI-HAT

Das Top-Cymbal der Hi-Hat zeigt ein extra feines Abdrehmuster mit einem Hauch von Tonal Grooves. Im Gegenlicht betrachtet erkennt man ein sehr intensives, dichtes Hämmerungsmuster, so dass das Material stark verdichtet wurde, wobei aber eben keine ausgeprägten Einschläge verwendet wurden. Das Profil beschreibt einen sanft verlaufenden, aber deutlichen Bogen. Daher ist das dünne Top-Cymbal doch relativ verwindungssteif und produziert einen sehr feinen, hellen Schimmer und Obertonbereich. Dieser setzt sich sehr klar vom dunklen und transparenten Grund-Sound ab. Um einiges schwerer und mit einem tiefer gesetzten Hämmerungsmuster präsentiert sich das Bottom-Cymbal. Auch wenn die Klangcharakteristik durchaus der des Top-Cymbals ähnelt, so ist der Grundtonbereich doch deutlich nach oben verschoben. Zusammen ergibt das einen wirklich eleganten Sticksound mit feinem, kurzem Schimmer.

Dieser eigenständige Obertoncharakter sorgt für eine subtile Präsenz, und in den Tiefmitten passiert genug für eine ordentliche Klangfülle. Typisch für die Sound Edge Hi-Hat ist der prägnante Klang mit definierten Chick und präsenten Obertönen beim Zutreten der Hi-Hat. Dieser elegante, feine Sound lässt sich schon bei einer sehr leichten Spielweise abrufen und geht bis zu einer moderaten Gangart nicht verloren. Hier ist es wichtig, die richtigen (= relativ leichten) Sticks zu benutzen, und dann lässt sich auch eine etwas forcierte Gangart vertreten. Bei zu schweren Sticks bzw. zu heftigem Spiel zeigt einem diese Hi-Hat die klanglichen Grenzen auf. Das muss man berücksichtigen und hat somit einen superben Klang für Jazz, Blues, Soul, Pop und vieles mehr an Musik zur Verfügung, die mit akustischen oder moderat verstärkten Instrumenten dargeboten wird. No Metal or digital Noises please! Mit dieser Hi-Hat macht es richtig Spaß, im Studio oder beim intimen Club-Gig wieder die subtilen Sechzehntel-Patterns von Jeff Porcaro, Carlos Vega, Jim Keltner & Co. auszupacken und locker vor sich hin zu grooven.

20″ MEDIUM RIDE

Umso mehr freut es einen, dass das Medium Ride ähnlich schöne klangliche Qualitäten besitzt. Dabei sind die Tonal Grooves hier deutlich etwas breiter und tiefer gesetzt und auf der Rückseite sogar noch etwas stärker ausgefallen. Das Cymbal ist bis über die Kuppe abgedreht, die hier eine recht hohe Kugelform bei „normalem“ Durchmesser im Verhältnis zum Profil aufweist. Dieses ist übrigens mit nur leichtem Bogen relativ flach gehalten. Zusammen mit der intensiven, aber leichten Hämmerung ist auch das Medium Ride nicht so extrem flexibel, wie man es eigentlich von einem so dünnen Cymbal erwarten würde. Beim Anspielen auf dem Profil entsteht dieser unvergleichlich elegante, feine Ping mit dem schönen Schimmer im Attack, und das klare, dunkle Sustain steht ausreichend lang für eine entsprechende Klangfülle. Glockig und transparent wirkt die Kuppe; sie bildet damit einen schönen Kontrast zum Profil, ohne hier ein komplett anderes Frequenzspektrum aufzubauen. Das Ganze ist im Wechselspiel zwischen Profil und Kuppe also sehr harmonisch.

20″ MEDIUM FLAT RIDE

Sehr speziell ist nach wie vor das 20″ Medium Flat Ride. Das Original der alten F602-Serie war übrigens das erste Flat Ride überhaupt. Also: Wer chat’s erfundän? 😉 Als Ideengeber und Miterfinder des Flat Ride Cymbals gilt übrigens der legendäre Schlagzeuger Joe Morello. Mythos hin oder her, jedenfalls besitzt auch dieses neue Formula 602 Medium Flat Ride genau diese besonderen Qualitäten des Originals: einen trockenen, holzigen StickSound mit einem fein schimmernden, glasklaren Ping zu kombinieren, der eben diesen charakteristischen Anschlags-Sound ausmacht. Das Sustain ist übrigens gar nicht mal so kurz, wie man zu hören meint, es ist eben wesentlich leiser und weist einen dunkel summenden, klaren Grundton auf. Dieser besondere Klang lässt sich allerdings nicht nur durch die hier nicht vorhandene Kuppe, sondern auch auf die Bearbeitung allgemein zurückführen: Hier gibt es nur ein extrem feines, flaches Abdrehmuster von Tonal Grooves, ähnlich wie es beim Top-Cymbal der Sound Edge Hi-Hat umgesetzt wurde.

16″ UND 18″ THIN CRASH

Die beiden Thin Crash Cymbals zeigen bei der Bearbeitung und Anatomie die gleichen Eigenschaften wie das 20″ Medium Ride, und entsprechend schmuck wirkt auch hier der schimmernde Attack. Diese dünnen Cymbals reagieren sehr spritzig und direkt, allerdings gilt auch hier wieder, dass sie ihr Klangpotenzial bei eher moderaten Spielweisen mit relativ leichten Sticks (bis etwa 5A-Gewichtung) auszuspielen wissen. Das Sustain ist auch hier zwar eher dunkel, doch sehr transparent und schwingt extrem kontrolliert und sauber aus. Beide Modelle sind tonal und bezüglich des Sustain-Verlaufs schön aufeinander abgestimmt, wobei das 16″ Cymbal insgesamt etwas heller und feiner und das 18″ Cymbal im Attack etwas druckvoller wirkt.

FAZIT

Auch den neuen Paiste Formula 602 Cymbals kann man die subtile Präsenz und saubere Projektion der Originale bescheinigen. Und das sind Qualitäten, die sowohl den „alten Modellen“ aus den Sechzigerjahren als auch den „Blue Label“-Modellen aus den Siebziger-/Achtzigerjahren zuzuschreiben sind, welche eher den heutigen moderneren Hörgewohnheiten entsprechen. Paiste hat sich für den Start der Neuauflage der Formula 602 Cymbals zunächst einige prägnante klangliche Elemente dieser Serie ausgesucht. Das Medium Flat Ride wird in seiner besonderen Weise dem typischen „Vintage“-Sound absolut gerecht. Die Sound Edge Hi-Hat, die beiden Thin Crash Cymbals und das Medium Ride sind mit feinem Schimmer im Attack und dunkel-transparentem Ausklang ein absolut perfekter Satz für elegante Grooves. Auch die neuen Paiste Formula 602 Cymbals sind nix für Klopper, sondern etwas ganz Besonderes für Musiker, die filigran und subtil und dennoch mit Druck zu spielen wissen, prädestiniert für den akustischen oder moderat elektrifizierten musikalischen Kontext, vornehmlich auch in der Studio-Situation. Ein einzigartiges Klangerlebnis.

 

 

 

Produkt: Sticks 09-10/2019
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