Produkt: Sticks 09-10/2019
Sticks 09-10/2019
FREDERIC MICHEL – Modern Pop Drummer +++ YOUTUBE-STARS: Sina Drums; COOP3RDRUMM3R +++ Rockin‘ 1000 +++ Studium an der POPAKADEMIE +++ ZULTAN Heritage Cymbals +++ PEARL Masters Maple/Gum Drums +++ ROGERS Dyna-Sonic Wood Snaredrums
Legendärer Vintage-Rock-Sound

Paiste Giant Beat Cymbals im Test

Die Giant Beat Cymbals waren die ersten Paiste Cymbals aus B8-Bronze (CuSn8), die ab 1967 legendäre Rock-Sounds entscheidend geprägt haben, bis ihre Produktion 1971 aufgrund des immensen Erfolges der „2002“-Serie eingestellt wurde. Doch 2005 erblickten diese Cymbals erneut das Licht der Welt. 2012 neu dazugekommen sind 18″ und 20″ Thin Cymbals. Zollen wir diesem legendären Klang einmal Tribut.

Cymbals
(Bild: Archiv)

Zollen wir diesem legendären Klang einmal Tribut…

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Konzept

Abseits der heutigen Cymbal-Spezialisierungen durch verschiedene Typen für bestimmte Klangfarben und Spielarten ein altes Konzept wieder aufleben zu lassen ist sicherlich dem erneuten Aufkommen von Retro-Trends und Roots-Rock-Verehrung geschuldet. Und wenn ein so renommierter Hersteller wie Paiste sich seiner eigenen Klassiker erinnert, ist das umso schöner. Das Besondere an den Giant Beat Cymbals sind die großen, nicht explizit als Crash oder Ride ausgewiesenen Cymbals in 18″ und 20″ – und damit die Zahl dann nicht so nackt dasteht, spricht man auch gern vom „Multi Cymbal“. Selbst das 24″ trägt offiziell nicht die Bezeichnung „Ride“, wird aber so im Katalog geführt. Neben den zwei schon damals erhältlichen Hi-Hats in 14″ und 15″ stellen die zwei neuen Thin Cymbals eine erweiternde Klangfarbe dar, die etwas eindeutiger den Gebrauch als Crash nahelegt.

Konstruktion

Gefertigt werden die Giant Beat Cymbals im Schweizer Paiste-Werk in rein manuellen Prozessen aus der B8-Bronze. Die Cymbals charakterisiert ein leicht grünlicher Schimmer, der sich durch die im Vergleich zu den Cymbals der „2002“-Serie andere Wärmebehandlung ergibt. Alle Cymbals besitzen einen feinen Schutzlack. Ungewöhnlich ist das für die jeweilige Dimension recht geringe Gewicht, was heutigen Vorstellungen von Rock-Cymbals wohl kaum entspricht. Wenn man da bedenkt, dass von Drummer John Bonham damit Song-Klassiker von Led Zeppelin gespielt wurden oder Nick Mason von Pink Floyd damit „Live in Pompeii“ ziemlich kräftig getrommelt hat, wird einem doch warm ums Herz.

Vielleicht sollte sich so manch ein kurzhosiger, tätowierter Poser mal mehr um Spieltechnik und Spielkultur kümmern, dann ist Lautstärke auch mit so dünnen Cymbals nicht mehr das Problem. Bevor der Opa jetzt wieder von vor dem Krieg erzählt, zurück zu den Fakten: Ein feines, dichtes Abdrehmuster ziert die Vorder- und Rückseiten der Cymbals ebenso wie ein leichtes, dichtes Hämmerungsmuster. Die Profile beschreiben einen deutlichen Bogen und bringen es so auf entsprechende Vorspannungen. Trotz der geringen Stärke sind die Cymbals relativ verwindungssteif, dennoch weisen sie eine gute Flexibilität gut aus.

Das erklärt auch, warum man in die Giant Beat ordentlich reinhalten kann, ohne sie zu beschädigen, entsprechende Spielkultur und Anschlagstechnik natürlich vorausgesetzt. Verarbeitet sind unser Testkandidaten einfach prima und mit Liebe zu Details, wie es z. B. die eleganten Strukturen in der Bearbeitung zeigen. Handwerkskunst vom Feinsten wird also geboten.

Detail 1
(Bild: Archiv)

Giant Beat Drummer

Der wohl bekannteste Vertreter dürfte John Henry Bonham sein, der diese Cymbals von 1968 bis ca. 1974 benutzte. Definitiv bis 1971 sind ausschließlich Giant Beat Cymbals zum Einsatz gekommen, also sind auf den Alben Led Zeppelin I bis IV diese Cymbals zu hören. Auf Led Zeppelins „Houses Of The Holy“ könnte schon ein Mix verschiedener Paiste Cymbals aus den Serien Giant Beat, den ersten 2002 Cymbals und sogar Formula 602 zu hören sein, da Bonham ab ca. 1973 verschiedene Cymbal-Modelle der diversen Serien besaß (laut Liste in seinem Endorsement-Vertrag.

Erst ab ca. 1974 spielte er ausschließlich Paiste 2002 Cymbals – Ausnahme: diverse Hi-Hats der Formula 602 Serie. Zu den weiteren damaligen Giant-Beat-Spielern zählen Nick Mason von Pink Floyd und Carmine Appice von Vanilla Fudge. Aktuell benutzen u. a. Bobby Rondinelli, Patrick Keeler (The Raconteurs) und Jimmy Keegan (Spock’s Beard) die neuen Paiste Giant Beat Cymbals.

Sounds

Wer die Paiste Giant Beat Cymbals das erste Mal anspielt, wird erstaunt sein: Denn diese wirken gar nicht so offensiv im Attack, betonen im Anschlag auf der Hi-Hat den holzigen Stick-Sound oder liefern im Falle der anderen Cymbals einen feinen Schimmer im Attack bei den Ride-Pattern. Sie wirken im Sustain sanft und leicht rauschig, entwickeln dabei allerdings auch einen ziemlichen Druck. Unaufdringliche Präsenz ist hier das richtige Stichwort. Erstaunlich ist die Sensibilität, hier kann man sehr locker zur Sache gehen und erhält einen vollen, sanften Klang, kann allerdings auch richtig reinhalten. Übersteuern? Fehlanzeige!

Zwar zeigen die Cymbals die Grenze der Klangkapazität auf, wenn sie extrem kräftig bearbeitet werden, doch trotz höherem Input werden sie ab einem gewissen Punkt einfach nicht mehr lauter. Am Ende der berühmen Fahnenstange entwickelt sich zwar eine gewisse Distortion, aber die lässt sich als Klangfarbe prima nutzen (z. B. für Crash/Ride-Patterns). Auf diese Art zeigen die Cymbals dann, wo es lang geht, und mit gesundem Menschenverstand und musikalischem Geschmack wird man freiwillig nicht über diese Grenze hinausgehen.

Detail 2
(Bild: Archiv)

Muss man auch nicht, denn die Lautstärke ist dann enorm und somit nicht mehr das Problem. Die Giant Beat Cymbals können aber auch sehr sexy, bluesy wirken – das liegt in der Hand des Spielers und zum Teil auch in der Auswahl. So kann man z. B. mit der 14″ Hi-Hat, dem 18″ Multi und 18″ Thin sowie einem 20er als Ride durchaus in kleinen Clubs bestehen oder in der Aufnahmesituation von akustischer Musik bis zum Pop einiges bedienen. Erstaunlich glaubwürdig und mit einem feinen transparenten Klang weiß dann z. B. die Kuppe des 20″ Cymbals als Ride zu überzeugen. Nutzt man stattdessen das 24″ als Ride, hat man einen viel breiteren Sound auf dem Profil zur Verfügung, kann diesen aber auch auf einem moderaten Lautstärke-Level gut nutzen.

Die größere Kuppe dieses Cymbals ist extrem glockig und transparent und liefert einen tollen Kontrast zu den Sounds vom Profil. Mir gefallen die etwas feineren, eleganteren Sounds der neuen Thin Cymbals sehr gut. Sie sind einerseits die passende Klangfarbe mit frischeren, sanfteren Attack-Sounds im Vergleich zu den 18″ und 20″ Multi Cymbals, so dass sich hier auch ein komplexes Setup mit vier Crashes aufbauen lässt. Besonders die erstaunlich frischen Ride-Qualitäten auf Kuppe und Profil für ein sanftes Spiel mit leichten Sticks sind es, die mich überzeugen. Die sanfte Präsenz und gelungene Stick-Artikulation auf dem Profil überzeugt genauso wie der explosive, spritzige Crash-Sound. Bemerkenswert dabei ist, dass man dies auch in Kombination von Crash-Attacks und Ride-Patterns spielen kann, ohne dass sich der eine oder andere Klang überschlägt.

Das ist vielleicht nicht unbedingt das, was man mit dem Paiste Giant Beat vor lauter Bonham-Begeisterung verbindet, aber klanglich eben auch möglich. Und damit hat Paiste eine sehr geschickte klangliche Erweiterung der Giant Beat Sounds gelungen umgesetzt.

Cymbals
(Bild: Archiv)

Fazit

Die Paiste Giant Beat Cymbals auf simple Hardrock-Sounds zu reduzieren ist viel zu einfach. Sicher stehen sie in der Historie der Vintage-Rock-Sounds durch Bonham und Co. ganz oben, aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Selbst die bekannten großen Modelle können auch schon sehr sexy, bluesy klingen, das kann der Spieler mit entsprechender Technik herausholen (hat Bonham ja auch gemacht). Die neuen Thin Cymbals sind der gelungene Wurf als klangliche Ergänzung, wenn es um den intimen akustischen oder Pop-orientierten Kontext geht oder gar gejazzt werden soll. Also, besser jede einengende Brille abgesetzt und ganz neutral einmal den neuen, klassischen Sound-Möglichkeiten der Giant Beat Serie gelauscht

 

Produkt: Sticks 07-08/2019
Sticks 07-08/2019
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